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Herssel-er Kreisblütt.

Mit wöchmtlicher Kratis-AeilageIllukrirLes Zluterhalluugsvlatt-.

Nr. 40.

Sonnabend den 5. April

1890.

AHonnemeuts-Kintadung.

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Hersfelder KreisbLatt mit der wöchentliche« «ratt-Beilage ^Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro II Quartal werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

+ Ostern.

Die Osterglocken verkünden von Neuem die Auferstehung des Heilandes, der den Tod und die Welt überwunden, die Menschheit auS der Nacht und Hoffnungslosigkeit des trostlosen Daseins erlöst und ihren Blick zu den Himmels- spharen gelenkt hat, woher allein der Segen kommt, der das irdische Dasein befruchtet und

Die Thatsache der Auferstehung ist wie die Geburt Christi der Grund- nnd Eckstein deS christlichen Glaubens geworden. Aber wie Viele hören wohl die Botschaft, doch ihnen fehlt der Glaube! Aber auch auf den Ungläubigen und Zweifelnden, der über die Dinge dieser Welt nicht zur Ruhe und zu innerem Frieden gelangen kann, wirken die Himmelstöne dieses Festes wie auf Faust, der in Verzweiflung die Hand an's Leben legen wollte:

Und doch, an diesen Klang von Jugedd auf gewöhnt,

Ruft er auch jetzt zurück mich in das Leben."

Auch hierin offenbart sich die große Macht deS Christenthums, daß sie auch da, wo mau sich von ihm entfernt hat, die Herzen gewinnt und wieder nach dem Compaß richtet, der uns in

I allen Stürmen des Lebens der einzige rechte Wegweiser ist.

Wir leben in einer ereignißreichen Zeit. Poli­tische und sociale Wirren erregen die Gemüther. Mit kecken Ansprüchen treten unheilvolle Elemente auf, um die Hand nach den höchsten Gütern unseres Volks-, GesellschaftS- und StaatslebenS auszustrecken. Von banger Sorge um die Zu« kunft zeigen sich sonst nicht zaghafte Männer erfüllt, und in dem häßlichen Widerstreit aller möglichen Interessen reiben sich auch die besten Elemente auf. Die Meinungen und Leiden« schaften stehen sich schroff gegenüber, und man lebt unter dem Eindruck, daß sich vielleicht noch schlimmere Dinge vollziehen werden. Das ist unsere Welt, das heißt eine Welt!

Aber wie glücklich dürfen wir uns preisen, daß die Friedensglocken deS Osterfestes uns ertönen. Sie erlösen unS auS diesen Wirren und ge­mahnen uns an die Gebote der christlichen Liebe. Sie werden unS auch sicher wieder in daS Leben, d. h. in ein friedliches, von christlichem Geiste durchläutertes Leben zurückführen. Die Osterglocken rufen uns Eintracht zu: die­jenigen, welche Christen sind und sein wollen, müssen sich vor Allem von dem Geiste der Ein­tracht durchdringen lassen, um etnzustehen gegen die gemeinsamen Widersacher, welche mit dem Staat und der Gesellschaft auch die Religion bedrohen. Der hohe Werth der Religion und des Christenthums angesichts der drohenden Lage im Innern hat erfreulicherweise schon jüngst in den parlamentarischen Verhandlungen von sehr verschiedenen Seiten Anerkennung gefunden: möchte das Osterfest diese Keime der Ueberzeugung und Eintracht befruchten, damit sie sich immer weiter in dem öffentlichen Leben verbreiten. Vor dieser Macht müssen die Elemente des Um­sturzes schließlich zurückweichen.

Aber das Osterfest predigt auch die christliche

Liebe, die Liebe, welche zum Wohle der Ganzen sich opfert, wie es Christus gethan hat. Vom Throne aus ist der Ruf ergangen nach Bethätigung christlicher Liebe, nach Verwirk­lichung einer Politik, welche den wirthschaftlich stärkeren Klassen zu Gunsten der leidenden Ofper auferlegt, am die Harmonie der Gesellschaft wiederherzustellen. Diesem Rufe in der Gesinnung wie in der That zu folgen, ist ebeuso christlich wie patriotisch. Und wenn sich die Interesse« dagegen aufbäumen, so mögen die Osterglocke« in das Herz hineintöneu, damit eS sich dem Rufe füge und an der Herstellung des inneren Frieden- mitwirke. Man sage nicht, daß doch alle Be­mühungen umsonst feien, Md daß eS nicht gelinge« werde, die rohen Gewalttn zu mäßigen und zu zwingen. Die Macht deS Christenthums wirft auch auf diejenigen, die die Botschaft nur hören, aber nicht glauben; so wird sie auch diejenigen, welche jetzt noch auf fiusteren Wegen waudel« und sich selbst tu's Verderben zu stürzen trachte«, wieder in das Leben zurückrufeu wenn Staat und Gesellschaft Aller Mtzan haben, was daS Christenthum von ihnen erfordert. Dann werde« auch sie sagen:

,0 tönet fort, ihr süßen HimmelSlieder!

Die Thräne quillt, die Erde hat mich wieder!"

politische Nachrichten.

Am Donnerstag Vormittag 9 Uhr begaben sich Ihre Majestäten derKaifer und die Kaiserin zur heiligen Abendmahlsfeier nach der Kapelle des Königlichen PalaiS Kaiser Wilhelms 1, woselbst auch die erbprinzlichen Herrschaften vo« Sachsen«Meiningen, sowie auch der Prinz Alexander von Preußen und der Prinz Max von Baden mtt ihren Begleitern erschienen waren, um an der Feier Theil zu nehmen. Nach Been- diaong derselben kehrten beide Majestäten sofort

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Geprüfte Herzen.

Erzählung von Oskar Höcker.

(Fortsetzung.)

Allmählich legte sich die Erregung des jungen DoclorS, und au dem heutigen Tage hatte er sich in daS Rönning'sche Contor begeben, welches unter den obwaltenden Umständen alS neutraler Boden gelten konnte.

ES traf sich, daß der Fabrikherr drüben im Wohnhaus beim zweiten Frühstück verweilte und nur Bernhard anwesend war. Derselbe zeigte sich anfangs sehr reservtrt, bis endlich sein Un­willen ganz und voll durchbrach, und da Heinz jeden Borwurf regelrecht parirte, so konnte eS nicht fehlen, daß beide junge Männer heftig aneinander gertethen. Zuletzt aber erhielt doch eine ruhige Ueberlegung und Prüfung die Ober­hand, die Mißverständnisse begannen sich zu lösen vnd die Hetzereien Steberts traten klar zu Tage; Bernhard bat den Freund um Verzeihung und übernahm seine Rechtfertigung bet den Eltern und der Schwester. Endlich verließ der rehabilittrte Heinz freudestrahlend das Büreau, dem im Vor- mmer anweseud-n Meister Jobst herzlich die Hand schüttelnd.

»Doch^Alles gesund zu Hause?" rief er ihm zu. Der Schlosser befähle.

^reut mich außerordentlich." Dem guten

Heinz, welcher sich so sehr nach Patienten sehnte, war es in diesem Augenblick vollkommen Ernst mit seinen Worten, so heiter fühlte er sich in seinem Herzen.

Einige Minuten später wurde Jobst in das Büreau des Fabrikherrn beschieden, welcher in­zwischen zurückgekehrt war und seinen Sohn ab- gelöst hatte. Er stand am Fenster und blickte verdrießlich in den Hof.

Sie ließen mich rufen, Herr Rönning?" begann der Schlosser nach einer geraumen Weile.

Ja," tönte es vom Fenster zurück.Ich habe Ihnen eine für Sie unangenehme Eröffnung zu machen, indessen sind Sie selbst daran Schuld. Ihr aufbrausendes, unverträgliches Wesen gab in meiner Fabrik schon wiederholt Anlaß zu Streitigkeiten. Warnungen fruchten bei Ihnen nichts und so sehe ich mich genöthigt, Ihnen die Schlosserarbetten in meiner Fabrik zu entziehen."

Jobst trat betroffen einen Schritt zurück.DaS trifft mich sehr unvorbereitet," sagte er kopf­schüttelnd,und doppelt hart, da gegenwärtig die Geschäfte nicht zum Besten gehen. Ich weiß wohl, mein Trotzkopf geht zum Oeftern mit mir durch, aber unverträglich bin ich nicht, denn ich liebe den Frieden, und wer mich in Ruhe läßt, hat von mir nichts zu fürchten."

DaS trifft wohl nicht ganz zu," widersprach der Fabrikherr.Herr Doctor Stebert beispiels« weise hat sich nie um Sie gekümmert vnd Sie

haben trotzdem Alles gethan, seine Wahl zum Abgeordneten zu hintertreiben."

Ach so deshalb?" rief der Meister i« schmerzlicher Bewegung.Wett ich einem Gottes- läugner hindernd in den Weg trat und ihn sammt seiner Theorie lächerlich machte, weil ich seinem unbegrenzten Ehrgeiz einen Stoß versetzte, deshalb entziehen Sie mir die Arbeit? Richtig, der Herr Chemikus ist ja Ihr Freund, Md tote ich ihn kenne, mag er Sie gegen mich brav auf« gehltzt haben"

Ich bitte, nicht weiter," unterbrach Rönniag scharf.Sie sind Ihrer Verpflichtungen gegen meine Firma enthoben, und somit haben wir nichts mehr mit einander zu sprechen."

Ganz nach Ihrem Befehl," erwiderte Jobst und machte rechtsum kehrt. Auf dem Vorsaal blieb er stehen, schüttelte ärgerlich das bärtige Haupt, dann lachte er kurz auf und stieg die Treppe hinab. Nach kurzem Ueberlegen Hopste er an die Stubenthüre von BehrenS.

Die beiden Ehegatten befanden sich allein, Md zeigten sich nicht wenig erstaunt, als ihnen der Meister das Vorgefallene erzählte. Jobst machte jetzt seinem Zorne Luft, wobei Doctor Stebert nicht eben glimpflich wegkam. BehrenS gab dem Meister recht, während Frau Emma sttllschwiea und sich allerlei zu schaffen machte. Jobst »erfolgte sie mit seinen Blicken Md alS sie jetzt eine Vase, in welcher ein prächtiger Slumecftrauj