Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, Abonnementsprei«: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
PostLusschlag.
Die Insertion-gebühren betragen für den Raum einer Spaltkeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Sei größeren Aufträgen entsprechender Rabatt.
Htlsseliiel Kreisblitt.
Mit wöchentlicher chraiis-Aeilage ^llngrirtes Nuterhallungsklatt".
Nr. 35. “ Dienstag den 25. »f" ■—— ^
Abonnements-Einladung.
Mit dem 1. April 1890 beginnt ein neues Abonnement auf daS wöchentlich 3 Mal erscheinende
Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage „Jlluslrirles tinterhaltungs-Blatt".
Wir bitten das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.
Der vierteljährliche Abonnementspreis für daS „Krei-blatt" mit der wöchentlichen Gra» tis-Beilage „Jllustrirtes Unterhaltungs- blatt" beträgt 1 Mark 40 Pf.
Neu hinzutretenden Abonnenten wird das Kreisblatt auf Wunsch vom Tage der Bestellung an bist. April 1890 gratiS und franco zugesandt. aW Inserate finden zweckentsprechende Verbreitung und kostet die viergespaltene Garmond-Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
Die Expedition.
Amtliches.
Cassel, den 11. März 1890.
In dem Verlage von Felix Bagel zu Düsseldorf ist ein im Auftrage des Landesdirectors ver Rheivprovinz von den Landesbauinspekloren Dau, Becker und Zöller und von dem Lehrer Arnold von der landwirthschaftlichen Schule zu Bitburg bearbeitetes Buch „Anleitung zur Pflanzung und Pflege von Straßenbäumen" erschienen, welches von dem hiesigen Gartenbauverein auch für die Verhältnisse des diesseitigen
+ surft Kisiillircks Rücktritt
ist eine vollzogene Thatsache! Ein gewichtigeres Wort ist in der politischen Welt lange nicht vernommen worden; nicht nur in Preußen und Deutschland, sondern auch in ganz Europa, ja in der ganzen Welt wird diese Kunde auf Alle, welche denken und fühlen können, einen tiefen
Bezirks als recht empfehlenswerth bezeichnet worden ist.
Ew. Hochwohlgeboren wollen dieses Werk den Ortsvorständen, dem landwirthschaftlichen Kreisverein und sonstigen Interessenten mit dem Hinzufügen empfehlen, daß der Preis sich auf 1 M., bet Abnahme von 10 Stück und mehr auf 90 Pfg. für das Stück stellt, auch bei freier Einsendung des Betrages freie Zusendung erfolgt.
Der Regierungs-Prästvent. Rothe.
An die sämmtliche Königliche Landräthe und den Königlichen Polizeidirektor hier. J. A. III. Nr. 1127. * *
Hersfeld, den 20. März 1890.
Wird veröffentlicht.
2696. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 17. März 189ÖT An Stelle des seitherigen Oberbrandmeisters Herrn Wegebau-Aufseher Siebert zu Friedewald, ist der Gastwirth Herr C. Meurer daselbst von heute ab als Oberbrandmeister für den IV. Oberbrandmeisterei-Bezirk bestellt worden.
Die Herren Ortsvorstände der in Betracht kommenden Gemeinden haben die Brandmeister bezw. Feuerwehren ihres resp. Bezirks hiervon in Kenntniß zu setzen.
2239. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
I Eindruck machen. Wie wäre dies auch anders möglich! Es hat noch keinen Staatsmann gegeben, der sich so unermeßliche Verdienste um sein Vaterland erworben und dessen Riesengröße von der ganzen Welt — von Freund wie Feind — in gleichem Maße neidlos anerkannt und bewundert worden ist. Seit fast einer Generation war der Name Bismarck in den täglichen Gesprächen der Politiker auf Aller Lippen, seit beinahe fünf Lustren hatte er einen Ehrenplatz in dem Herzen der deutschen Nation: was Wunder, wenn die Kund von seinem Rücktritt in eben diesem Herzen ein schmerzliches Gefühl her- vorruft, das Jeden ergreifen muß, der die drei letzten Jahrzehnte mit Bewußtsein gelebt und an der Entwicklung unseres Vaterlandes auch nur beobachtend theilgenommen hat.
Was der Kanzler dem preußischen und deutschen Volke gewesen, weiß Hoch und Niedrig, Jung und Alt. Aber eben weil dies vollständig in das Denken und Empfinden der Nation überge- gangen ist, versggt Ute Feder. unter dem Eindruck seines Rücktritts von den Geschäften den Dienst, auch nur annähernd seiner Bedeutung gerecht zu werden und seine unauslöschlichen Verdienste auch nur in Kürze aufzuzählen. Aber dennoch wollen wir versuchen, alle diejenigen Momente vorzu- führen, welche bleibende Zeugnisse seiner staats- männischen Größe wie laute Mahnungen für das deutsche Volk zu niemals verlöschender Dankbarkeit sind.
Gehen wir im Geiste zurück in die Zeit, als er zum Ministerprästdenten berufen wurde. An dem Milttairconfltct versuchte sich der Parlamentarismus zu einem entscheidenden Kampfe gegen die Macht der Krone. Diesem Ansturm stellte sich Bismarck mit Entschlossenheit entgegen, nur von dem Vertrauen seines Königs und von dem Vertrauen zu dem Königthum getragen, verfolgt und -gehaßt von den Männern, welche
(Unbefugter Nachdruck verboten.) <
Geprüfte Herzen.
Erzählung von Oskar Höcker.
I.
Die FrÜhltngSsonne schien freundlich zum offenen
Fenster herein und beleuchtete die blendend weiße SalSbinde eines jungen Mannes, der, vor dem piegel stehend, soeben seine Toilette beendete.
Doctor Heinz Richter hatte seinen Sonntagsstaat angelegt, um in einem befreundeten Hause eine Geburtstagsvistte abzustatten, nnd zwar zu einer Zeit, in welcher ein praktischer Arzt eigentlich nur seinen Patienten Besuche zu machen pflegt; indessen verfügte Heinz über die ersteren noch nicht. Hatte er sich doch erst seit sechs Wochen in seiner Heimathstadt niedergelassen, in der er gänzlich fremd geworden war. Seit dem Tode der Eltern hatte er das Städtchen nicht wieder- gesehen, und er fand von seinen ehemaligen Schulgenossen nur noch einen Einzigen vor, den Sohn des angesehenen Fabrikanten Rönning. Die Andern waren in alle Winde zerstreut, gestorben, verdorben, oder kämpften in der Ferne den Kampf ums Dasein.
In dem Rönning'schen Hause verkehrte Heinz Richter gern und oft; es barg für ihn so manche ^.Erinnerung. Es gemahnte ihn an die fröhlichen Kinderjahre, während denen er mit Bernhard und dessen Schwester Dora gespielt. Nachdem Heinz das Städtchen verlassen und die
Universität bezogen, hatten die drei Jugendgenossen einander fleißig geschrieben, und der junge Medtciner erhielt von Dora selbst aus dem französischen Pensionat, in welches sie die Eltern zur Vervollständigung ihrer Erziehung gegeben, harmlose, heitere Briefe. Aber als die Beiden sich nun nach jahrelanger Trennung wiedersahen, fühlten sie sich seltsam beklommen; ein Jedes genierte sich vor dem Andern. Heinz konnte nicht begreifen, wie er es hatte wagen können, Briefe, die von studentischen Ausdrücken wimmelten, an eine so vornehme junge Dame zu schreiben, wie sie die kleine Dora geworden war; und das schlank gewachsene Mädchen mit den feinen Gesichtszügen und der graziösen Gestalt erröthete wiederum, wenn sie ihrer lustigen Briefe gedachte, die sie dem interessanten jungen Manne mit den feurigen dunklen Augen, dem schwarzen Lockenhaar und feingewichsten Schnurrbarte geschrieben hatte. Es war Dora zu Muthe, als ob ihre Mädchen- briefe an eine ganz falsche Adresse gelangt seien, denn dieselben waren für den kleinen, lustigen Heinz bestimmt gewesen, aber nicht für diesen Herrn Doctor Richter, der seine Augen obendrein noch mit einem goldenen Pince - nez bewaffnete.
So standen sich die Beiden fremd gegenüber, und trotzdem pickte in ihren Herzen das alte Ticktack der Liebe, die sie aus der Kinderzeit mit herübergenommen hatten, denn der kleine Heinz war schon in seinem zehnten Jahre in das hübsche Dorchen verliebt gewesen und er hatte für sie als
ein echter Ritter gekämpft, wenn böse Schulbuben ihr etwas anhaben wollten. Ja, Bruder Bernhard hatte sogar einmal die Rolle des Pfarrers gespielt und Dora dem Freunde angetraut; bet dieser Gelegenheit waren auch Ringe gewechselt worden, das Stück für fünf Pfennige, wie man sie in dem Kramladen am Marktplatz zu kaufen bekam, Doctor Richter vermochte sich eines gelinden Schauders nicht zu erwehren, als er letzt des kindlichen Spiels gedachte, und er war gewiß, daß Dora desselben ganz und gar vergessen hatte.
Zwischen Heinz und Bernhard bestand bald die alte Brüderlichkeit wieder, — umso ceremonieller gestaltete sich der Verkehr zwischen dem jungen Arzt und Dora. Ach, und sie hatte es ihm doch angethan, noch viel mehr als damals, wo sie ihre kindlichen Spiele trieben. Er liebte daS schöne Mädchen von Tag zu Tag immer mehr, sein Herz trieb ihn zu einem Geständniß, aber immer fehlte ihm der Muth dazu. Es ist sonderbar, wie ungeschickt die Liebe oft einen jungen Mann macht; Heinz konnte gewiß sein, daß ihm, sobald er Dora sah. irgend ein kleiner Unfall begegnete, der ihn lächerlich zu machen drohte; bald verlor er seinen Hut, bald stolperte er über einen unsichtbaren Gegenstand, bald setzte er sich ungeschickt auf einen Stuhl und drohte mit demselben umzufallen. Dabei beobachtete er Dora's Mienen und es wollte ihm scheinen, ass ob sie nur schwer ein Lächeln zu verbergen ver- i möchte. Das gab ihm einen Stich ins Herz unh