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Herssel-er Kreisblatt.
Mit wSchmllicher Kratis-Zikilag« ^llustrirte« Zluterhallungrölatt".
Nr. 30. Donnerstag den 13. März 1890.
Amtliches.
Hersfeld, den 11. März 1890.
Die Gemeinden des Kreises, welche sich bereit erklärt haben, die vom Kreise erworbene Wasen- meisteret-Gerechtsame abzulösen, werden ausge« fordert, den durch Verfügung vom 4. August 1888 I. Nr. A. 215 ihnen mitgethetlten Ablösungsbetrag nunmehr bis zum 1. April d. J. an die Kreiskasse einzuzahlen.
Der Vorsitzende des Kreisausschusses: Freiherr vonSchletnitz.
^. A. Nr. 262.__
Aus der künstlichen Fischerbrütungsanstalt des landw. CentralvereinS zu Hahlingsmühle, Post- expedition Hofbieber, können wie in den Vorjahren im Monat März und Anfangs April 200,000 Stück Forellensetzlinge bezogen werden. Bestellungen beliebe man an den Mühlenbesttzer Anton Reinhardt zu Hahlingsmühle zu richten. Desgleichen können während derselben Zeit mit Sicherheit Edelkarpfen und Schleien- fetzlinge, sowie einige tausend Stück der in der Neuzeit vielgerühmten Lederkarpfen abgegeben werden. Bestellungen für letztere Fischarten richte man an den Austaltsvorstand, Herrn Gutsbesitzer Herrlein zu Margrethenhaun, Post Fulva.
Cassel, den 6. März 1890.
Der Vorsitzende der landwirthschaftlichen Central-Vereins.
Kocheudörfser.
Um Sterbetage Kaiser Wilhelms I., am 9. März, wurde die Weihe des erweiterten Mausoleums, wo die irdische Hülle des großen Kaisers und nunmehr auch die irdische Hülle seiner Gemahlin, der Kaiserin und Königin Augusta, ruht, in feierlicher Weise vollzogen.
Auf Irrwege«.
Original-Novelle von Claire Gerhard.
(Fortsetzung.)
Nora verlobt! DaS harte Walde» nimmer erwartet! So liebte sie vielleicht damals schon den Better, als sie ihn gehen hieß! Nein, nein, das zu denken, wäre schmachvoll! Aber nun gehörte sie dem anderen an, und er, der sie in seinem Herzen noch immer sein eigen nannte, er mußte sich bemühen, sie zu vergessen.
Noch einmal versenkte er sich in den Zauber deS MärchenbildeS, noch einmal schaute er mit unsäglicher Liebe tu jene unergründlichen Augen, dann zog er einen Vorhang vor daS Gemälde, um durch nichts mehr an die verlorene Seligkeit erinnert zu werden.
Ein Gefühl der Mutlosigkeit und deS Lebensüberdrusses kam über Walden. Bor sich sah er ein Dasein voll Trauer und Einsamkeit und selbst seine Thätigkeit gewährte ihm nicht mehr Trost und Befriedigung.
Da brach plötzlich in den kleinen GebirgS- stavten Schlesiens eine heftige Epidemie auS und Walden war einer der ersten Aerzte, die sich freiwillig auf den Schauplatz deS Elends begaben. Unermüdlich eilte er von einem Dorf zum andern, überall Heilung versuchend. Oft fühlte er sich elend und zum Sterben müde; aber die Krankheit, per auch viele seiner College» zum Opfer fielen,
Schon von 10 Uhr Vormittags ab rollten zahlreiche Equipagen auf der Charlottenburger Chaussee dem Königlichen Schlosse in Charlotten- burg zu, wo sie vom Louisenplatz aus sich nach der Spreebrücke wendend durch das Schloßgitter einbogen und am Schlosse entlang durch die Tanneüallee nach dem Mausoleum fuhren. In letzterer bildete ein Bataillon vom 3. Garde- Grenadier-Regiment Königin Elisabeth mit Musik und Fahne im Paradeanzug mit Mänteln Spalier, während am Eingang des Mausoleums mehrere Flügel - Adjutanten Sr. Majestät Aufstellung genommen hatten und Hofbeamte die An- und Abfahrt der EquipMn ordneten.
Das Innere des Mausoleums war, der ernsten Feier angemessen, dekorirt. In dem erweiterten Raum, in welchem sich die Marmor-Sarkophage des KönigS Friedrich III. und der Königin Louise befinden, war die diesen Raum abschließende ApsiS mit dem Altar vor derselben in duftendes Grün gekleidet, dessen Eindruck noch durch zahlreiche prachtvolle, weißblüser'de Azaleen erhöht wurde. Hinter dem Altar hatte der Ober-Hof- Prediger, General-Superintendent D. Koegel, an seiner Linken der Hofprediger Stoecker und rechts der Oberprediger Müller aus Charlottenburg Aufstellung genommen, ähnlich wie es am 16. März gelegentlich der vorläufigen Beisetzung des Hochseligen Kaisers der Fall war. Vom Altar aus links nahmen auf den Sesseln die Generalität, an der Spitze derselben General-Feldmarschall Graf Moltke, die Staatsminister, die nächste Umgebung und das ehemalige Gefolge der verewigten Majestäten Platz, während die Sesselreihen vom Altar aus rechts für die Majestäten, die Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses, sowie die fürstlichen Gäste des Hofes bestimmt waren. Mit dem Kaiserpaare erschienen um 11 Uhr der Kronprinz und Prinz Eitel Fritz. Der Kaiser trug die Uniform des 4. Garde- Grenadier-RegimentS Königin mit dem Bande des
verschonte ihn. Mit tiefer Bitterkeit stand er von neuem preßte er die Zitternde an sich und häufig am Todtenlager eines Familienvaters, das eine verzweifelte Gattin und schluchzende Kinder umstanden, und wünschte sich an die Stelle des Ruhenden.
Ach! um ihn würde keine Thräne geweint werden, er würde keine Lücke hinterlassen!
Dank seiner aufopfernden Thätigkeit erlosch die Epidemie endlich in jener Gegend, und begleitet von den Segenswünschen der Armen, denen er nicht allein ein treuer Arzt, sonderu oft auch ein Helfer aus drückender Noth gewesen, verließ Walden Schlesien und kehrte nach Berlin zurück.
Aber diese letzten Monate hatten merkliche Spuren auf seinem Antlitze hinterlassen. Es schien wie auS Stein gemeißelt und kein Lächeln umspielte mehr jenen ernsten Mund. Die Haltung Waldens war noch ebenso stolz wie früher, doch in das dichte blonde Haar mischte sich manch ergrautes.
XII.
Nachdem Erich kaum vierzehn Tage sein jungeS Glück genossen, mußte er Dernburghausen verlassen, um in Berlin die nöthigen Schritte für seinen Berufswechsel zu thun.
Schmerzlich bewegt hielt er seine holde Braut in den Armen; er, der sonst stets Frohaemuthe, dachte mit Schrecken an die Trennung und immer
hohen Ordens vom Schwarzen Adler, sowie der Kette des Hoheuzolleruschen Haus-OrdenS; auch die Kaiserin in tiefster Trauer, hatte daS orangefarbene Band des Schwarzen Adler-OrdenS angelegt. Die Weihepredigt hielt Oberhofprediger Kögel über den Bibeltert: ES ist noch eine Ruhe vorhanden dem Volke GotteS«. Nach der Rede begaben sich die allerhöchsten Herrschaften, mit dem Kaiserpaare die Großherzöge von Baden und Weimar, in die Gruft zur Niederlegung von Blumenspenden und Abhaltung einer Ge- dächtnißfeier.
Aus dem Landtage.
Berlin, 10. März. In der heutigen (24.) Plenarsitzung erledigte das Hau« den Rest de« Etat« der Ban- verwaltung durch unveränderte Bewilligung der einzelnen' Titel nach den betreffenden Anträgen der Budgetcommission. An verschiedene Positionen hatte sich eine Debatte geknüpft, in welcher namentlich bezüglich der Aufbesserung der Gehaltn einzelner Beamtenkategorien, sowie bezüglich der Anlegung bezw. Regulirung bestimmrer Wasserstraßen Wünsche und Anregungen laut wurden Darauf folgte die Berathung de« Etat« der anfietellf nge.com missten fSr Westpreußen und Posen in Verbindung mit der Denkschrift über die Ausführung de« Gesetze« vom 26. April 1886r betreffend die Beförderung deutscher Ansiedelungen in den Provinzen Westpreußen und Posen, für da« Jahr 1889. Während, wie zu erwarten, da« Ansiedelungtgesetz und dessen AuSjührung seitens der Polen, sowie auch feilen« deS Centrum» eine durchaus abfällige Kritik erfuhren, stimmten die übrigen Redner dem Prinzip des Gesetzes zu, machten jedoch zum Theil einzelne Wünsche bezüglich der Handhabung der An- siedelungSmahregel seitens der Commission geltend, deren Thätigkeit der Vertreter der Königlichen Staatsregierung seinerseits in anerkennenSwerther Weise beleuchtete. Die Discussion, welche um 4*/, Uhr abgebrochen wurde, wird in der nächsten auf Dienstag, 11. März, Vormittag« 11 Uhr anberaumten Sitzung fortgesetzt, nachdem vorher eine Reihe kleinerer Borlagen der Tagesordnung erledigt sein werden.
Berlin, 11. März. In der heutigen (25.) Plenarsitzung erledigte daS HauS zunächst ohne nennenSwertht ! Debatte die dritte Lesung mehrerer kleinerer Vorlagen durch | unveränderte Annahme derselben, verwies sodann die Gesetzentwürfe, betreffend die erleichterte Abveräußerung kleiner
küßte ihr blasses Autlitz.
Endlich war er fort und Nora stieß einen tiefen Seufzer der Erleichterung auS. Sie wußte dem Gefühle keinen Namen zu geben, das sie stets überkam, wenn Erich sie au sein Herz zog.
Ach! jedesmal erschauerte sie dann innerlich, ach! immer trat ihr dabei eines andern Gestalt
oor die Seele, immer hörte sie eine andre Stimme ihr tausend Liebesworte zuflüstern.
Sie hatte sich selbst überschätzt und die Stunden des Alleinseins lehrten sie jetzt, wie ihr Herz noch mit allen Fibern an jenem Verlorenen hing und bittre Reue kam über sie, den Bitten Erichs und der Eltera nachgegeben zu haben. Vielleicht hätte sie sich freier gefühlt, wenn sich ihr finsterer ; Argwohn bestätigt uud Walden sich wieder mit Sylvia vereint hätte. Aber so oft auch NoraS Augen suchend die Zeitungen überzogen, jene erwartete uud doch gesürchtete Anzeige fand sich nicht und immer Überzeugender kam ihr der Gedanke, welch schwerer Unrecht sie Walde» angethan.
Ach! ihre Gedanken weilten mehr bei Herbert, denn bei Erich, und wenn sie auch jüngst deS erstem geliebtes Bild, das sie oft mit Thränen und Küssen bedeckt, in die Flammen deS Kamins geworfen, so konnte sie dasselbe ttotz aller angewandten Energie doch nicht auS ihrer Seele
erstem geliebtes Bild, daS
verbannen.
Dieser Kampf leisten der Pflicht und thre^