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Herssei-el Hrrisblatt

Mit wöchentlicher chratis-Aeilage »MugrirK« IluterhallungsKlatt". Nr. 29. Dienstag den 11. Mirs " 1880.

Amtliches.

Königliche Regierung.

(Saffel, den 3. März 1890.

Nach §. 27 des Reichsgesetzes betreffend Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen vom 23. Juni 1880 muß die Durchführung der Desinfektion infizirter Ställe, Standorte rc. nach Anordnung des beamteten Thierarztes und unter polizeilicher Ueberwachung erfolgen.

Damit die Polizeibehörden in die Lage gesetzt werden, besser wie bisher kontroliren zu können, daß die Desinfektion den Anordnungen des Kretsthierarztes gemäß ausgeführt wird, empfiehlt es sich, daß die beamteten Thierärzte die auf die Desinfektion bezüglichen Anordnungen den Orts- Polizeibehörden schriftlich bekannt geben. Wenn die Feststellung des Seuchenausbruches gelegentlich der Ausübung der Privatpraxis des beamteten Thierarztes erfolgt, ist den Desinfek- tionsanordnungen eine gutachtliche Aeußerung unter kurzer Angabe der wesentlichen Krankheits- erscheinungen oder des Obduktionsbefundes vor« auszuschicken.

Ew. Wohlgeboren wollen hiernach in Zukunft genau verfahren.

An sämmtliche Königliche Kreisthierärzte des Re­gierungsbezirks.

Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren mit dem ergebensten Ersuchen, von der Verfügung den Nachgeordneten Polizeibehörden Kenntniß zu geben.

Der Regierungs-Präsident. Rothe.

An sämmtliche Königliche Landräthe des Regie- rungsbezirks. J. A. III. Nr. 877«.

Hersferd, den 8. März 1890.

Vorstehend abgedruckte Verfügung wird den

A«f Irrmegen.

Original-Novelle von Claire Gerhard.

(Fortsetzung.)

Walden hatte an dem Tage, der jenem schreckensvollen Abend gefolgt, ihr den goldenen Reis und all die zahlreichen kleinen Gaben ihrer Liebe zurückgesandt, aber keine Zeile lag der traurigen Sendung bet. Sie folgte seinem Bei­spiel, nur eine Photographie von ihm behielt sie zurück, hoffend, er würde das Fehlen derselben nicht bemerken.

So war es auch. Ohne daS Band zu lösen, das die einzelnen Gegenstände zusammenhielt, legte er jene LiebeSpfänder mit bitterm Lächeln in einen Schränk, den er fest verschloß. Nur jenes schöne Bild, das Märchen, hing er in seinem Studirzimmer auf und oft stand er in trauer- vollen Gedanken vor demselben. Vorüber, ach, vorüber der kurze Ltebestraum! Warum auch hatte er an Weibertreue geglaubt, er, der schon einmal betrogen war! Doch nein, nein. Nora war unschuldig, nur irregeleitet und litt jetzt sicher ebenso sehr wie er.

Und sie, die ihm dies neue Leid bereitet, Sylvia, seines Lebens Dämon, sie ging straflos aus?

Ein Gefühl wie unergründlicher Haß gegen Sylvia stieg in des Professors Seele auf; diesem Haß gesellte sich noch Verachtung hinzu, als er bald nach der Auflösung seiner Verlobung ein Billet von Sylvia folgenden Inhalts erhielt r

Herren Ortspolizeiverwaltern des Kreises zur Kenntnißnahme mitgetheilt.

2293. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

+ Gin Gedenktag.

Der Trauertag der Nation, der 9. März, an welchem der große Kaiser dahinsank, ist zum zweiten Male wiedergekehrt. Noch steht uns lebhaft vor der Seele der Schmerz, welcher an diesem Tage. die ganze Nation, die ganze Welt ergriffen hatte, und in ernsten Gedanken sammeln wir uns jetzt wieder, um das Andenken des un­vergeßlichen Kaisers zu feiern, der in den Herzen Aller fortleben wird, so lange es ein deutsches Volk giebt.

An einem solchen ErinnerungStage, der uns in die Vergangenheit führt, wendet sich der Blick von selbst zu einem Vergleich zwischen damals und heute. Haben wir ehrlich gehalten, was wir damals unter dem tiefen Eindruck des schmerz­vollen Ereignisses uns gelobt ? Haben wir das kostbare Gut, welches er uns hinterlassen hat, gepflegt und gehütet? Darf die Nation sich heute mit dem Bewußtsein trösten, fortwährend in seinem Geiste gewandelt zu sein? Dürfen wir, zur Rechenschaft gerufen, das freimüthige Bekenntniß ablegen, daß wir allezeit in seinem Geiste gehandelt haben?

Vor wenigen Tagen hat die Nation so könnte es fast scheinen eine Handlung vollzogen, welche als eine Verneinung aller dieser Fragen aufgefaßt werden kann. Wie wenig gleicht die neugewählte Volksvertretung in ihrer Zusammen- setzung dem Ideal, welches der Nation in ihren großen Tagen vorschwebte, und wie wenig ent­spricht sie dem Geiste, in welchem der große Kaiser für sein Volk gelitten, gewirkt und geschafft hat!

Du hast die Fessel zerrissen, die uns trennte, Geliebter! Das ist groß und meine Seele ist voll von Liebe und Bewunderung für Dich. Komm bald in die Arme Deiner

Sylvia."

Mit einer Gebärde des Ekels hatte Walden das rosafarbene, duftende Billet von sich ge­worfen; keine Zeile zu erwidern erschien ihm als die einzig richtige Antwort.

Diese mochte sie wohl verstanden haben, aber als sie kurze Zeit darauf Walden in einer Ge­mäldeausstellung traf, reichte sie ihm dennoch mit dem alten verführerischen Lächeln beide Hände entgegen und flüsterte ihm einen warmen Will­kommengruß zu. Er jedoch schien diese Bewegung nicht zu sehen, er verbeugte sich nur tief und sprach ernst:Unsere Wege gehen auseinander, gnädige Frau, und ich ersuche Sie dringend, dessen stets eingedenk zu sein."

Wenn Blicke zu todten vermochten, so wäre Waiden jetzt entseelt hingesunken, so flammend von Haß und Zorn war der Blick jener schwarzen Augen; er aber hatte sich bereits abgewandt und hörte kaum noch das höhnische Gelächter der Tiefbeleidigten. Seitdem war Sylvia ihm nicht wieder begegnet; er mied die Kreise, in denen sie und Nora lebte und widmete sich einzig der Arbeit.

Nur in der strengsten Pflichterfüllung wollte er fortan Befriedigung suchen; vielleicht gelang eS ihm dann auch mit der Zeit, zu vergessen, daß einst eine holde Lichtgestalt in sein Dasein

Indeß das Wahlresultat will uns doch nicht als ein vollgültiger Beweis der Aenderung erscheinen, die sich etwa in den inneren Gedanken und Empfindungen der Nation vollzogen hat. Wie bedauerlich diese Kundgebung und wie sie auch zu erklären sein mag soviel steht fest, daß weder eine tiefere Ursache für den äußerlichen Umschwung vorliegt, noch daß wir Grund haben, besorgnißvoll in die Zukunft zu blicken. Mögen auch, durch welche Mittel auch immer, Elemente der Unzufriedenheit emporgeschnellt sein und den guten Geist der Nation etwas in den Hintergrund gedrängt haben, in ihrem Herzen lebt die Dankbarkeit für das, was sie von dem großen Kaiser erhalten, ebenso wie das unerschütterliche Vertrauen zu seinem Enkel. Wir halten fest an dem Vermächtniß des großen Kaisers und werden stets in seinen Bahnen wandeln, um das große Gut der Einheit Deutschlands zu erhalten, zu schützen und gegen innere wie äußere Feinde zu vertheidigen. Und mit um so größerer Zuversicht dürfen wir diesem Ideale zustreben, als unser jugendlicher Kaiser sich in der kurzen Zett seit seiner Thronbesteigung so recht als ein that« kräftiger, von dem gleichen Ideale beseelter Herrscher bewährt hat. Seine Handlungen liegen deute für Jedermann offen und klar zu Tage, Niemand mehr kann ihn verkennen. Er ist in der That wie er es sofort als seine Aufgabe hingestellt hatte in den Fußtapfen seines Großvaters gewandelt, und diesem Geiste ent­springen alle seine Handlungen.

Bei dem Mittagsmahl des Brandenburgischen Provinziallandtags am Mittwoch hat der Kaiser in einer herrlichen, Allen zu Herzen gehenden Rede sich von Neuem über seine Aufgabe ausge­sprochen und diese dahin gekennzeichnet, daß er das wettere Aufblühen der wtrthschafUtchen Thätigkeit zu fördern bemüht und namentlich bestrebt sei, sich eingehender um das Wohl der

i getreten und daß er gehofft, durch diese schon | hier auf Erden selig zu werden.

So lebte er denn nur noch seinen Kranken; selten nur noch drang ein Ton aus jener andern Welt an sein Ohr, nur einmal hörte er erzählen, daß die freiherrliche Familie wieder auf ihr Stammgut gezogen sei.

Nora hatte ihre Eltern hierzu bewogen, sie fühlte sich so unsäglich traurig in dem Hause, in dem sie Walden kennen gelernt, in dem so manche schmerzlich süße Erinnerung an ihn wach rief. Sie glaubte, ihr würde besser zu Muthe werden, wenn sie wieder daheim sei in jeuem schönen, freundlichen Schlosse, in dem sie ihre glückliche, sorgenlose Kindheit verlebt, wenn sie wieder den frischen, kräftigen Hauch der Laudlust athmen könnte.

Wirklich schien es auch, als lebte Nora in Dernburghausen ein wenig auf, aber nach wenigen Tagen versank sie wieder in die frühere düstere Schwermuth, aus der nichts sie emporzureißen vermochte.

Der energischen Freifrau war aber nicht- so verhaßt, als ein weiches Hindämmern, und sie, welche die Liebe nie gekannt, begriff deS eigenen Kindes Schmerzen nicht.

So war in dem alten Schlosse ein trauriges Leben; Erich hatte eine Reise zu entfernt wohnen­den Verwandten unternommen und so verging der Winter öde und trostlos.

EndltH mit den ersten Schwalben kehrte der