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Htlssel-er Kreisblett.
Mit wöchentlicher chratis-Beilage ^llukrirt« Zluterhaltnugsölatt".
Rr. 28. Somabeud den 8. März 1890.
Amtliches.
Aus Ihrem Berichte vom 18. Februar d. I. habe Ich mit Mißfallen entnommen, daß in wiederholten Fällen, namentlich in den Regie« rungsbezirken Stettin und Cöslin Landbewohner durch falsche Vorspiegelungen zur Auswanderung nach Brasilien verlockt worden sind und heimlich nach Bremen sich begeben haben, in der trüge« rischen Hoffnung, von dort aus nach Brasilien weiter befördert zu werden. Ich will, daß dem gemeingefährlichen Treiben der AuswanderungS« agenten, durch welches ein Theil Meiner Unter« thanen verlockt wird, unter Nichtachtung ihrer Pflichten gegen das Vaterland, unter Schädigung ihrer Angehörigen und unter Bruch ihrer Arbetts« Verträge sich dem Elende prerszugeben, mit allen zu Gebote stehenden Mitteln entgegengetreten und insbesondere auch in geeigneter Weise auf Belehrung der Bethetligten hingewirkt wird. Ich beauftrage Sie, dementsprechend die Regie« rungS-Präsidenten in Stettin und Cöslin mit den erforderlichen Weisungen zu versehen. Dieser Erlaß ist durch die KretSbläUer bekannt zu machen«
Berlin am 19. Februar 1890.
Wilhelm, K
Herrfurth. Frhr. v. B e r l e p s ch.
An die Minister des Innern und für Handel und Gewerbe.
Vorstehende Allerhöchste Kabinetsordre wird in höherem Auftrage zur öffentlichen Kenntniß gebracht.
Cassel, am 4. März 1890.
Der Regierungs-Prästdent. Rothe.
Rotenburg, den 5. März 1890.
Bei der am 1. März stattgehabten engeren Wahl eines Abgeordneten zum Reichstag im 6.
Auf Irrmege».
Original-Novelle von Claire Gerhard.
(Fortsetzung.)
Nun konnte Walden endlich mit Nora sprechen, aber sein suchender Blick fand sie nicht, und Erich theilte ihm mit, daß sie sich für einige Augenblicke in ihr Zimmer zurückgezogen habe.
Da trieb es auch Walden fort aus dem fröhlichen Kreise, und er schritt in den Wintergarten, der sich an die Zimmerrethe schloß.
Aufathmend warf er sich in einen Sessel und sah träumerisch tu die hochragenden Wipfel stolzer Palmen. Das Rauschen eine» Frauengewandes ließ ihn plötzlich zusammenfahren, und aufblickend gewahrte er Sylvia.
»So einsam, mein Freund?" fragte sie mit weicher Stimme. »Wo haben Sie denn Ihre holde Braut, tändelt sie wieder mit Vetter Erich!"
Walden erhob sich und bat ernst: »Ich muß Sie ersuchen, gnädige Frau, meine Braut und mich nicht beständig in den Kreis ihrer Betrachtungen zu ziehen."
Sie lachte kurz und höhnisch auf, plötzlich aber wandelte sich der harte Ausdruck ihres Anilttzes. Sie trat dicht an Walden heran, und indem sie ihre beiden gefalteten Hände auf seine Schulter legte, flüsterte sie innig: »O, Herbert, kannst du denn noch immer nicht vergeben? Du weist picht, wie hart ich gebüßt, $ter zu deinen Füßen
Wahlbezirk des Regierungsbezirks Cassel sind, wie die vorschriftsmäßige Prüfung der Wahlverhandlungen am heutigen Tage ergeben hat, im Ganzen 11620 gültige Stimmen abgegeben.
Die absolute Mehrheit beträgt demnach 5811 Stimmen.
Es haben erhalten:
Herr Landrath Freiherr von
Schleinitz zu Hersfeld . . 8556 Stimmen Herr Pfarrer Dr. Wilhelm
Arentzold in Großanheim 3064 „
Herr Laudrath Freiherr von Schleinitz zu Hersfeld erhielt die absolute Mehrheit der abgegebenen gültigen Stimmen und ist als Abgeordneter zum Reichstag für den 6. Wahlbezirk deS Regierungsbezirks Cassel proclamtrt worden.
Der stellvertretende Wahlkommissar:
v. Altenbockum,
Landrath.
Hersfeld, den 1. März 1890.
Die Herren Ortsvorstände und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises fordere ich hierdurch auf, mir bis zum 25. März cr. zu berichten, ob aus Ihrer Gemeinde rc. bei dem diesjährigen Ersatzgeschäft mehrere Söhne einer Familie gestellungspflichtig sind, sowie ob sich Brüder der beim Ersatzgeschafte vorzustellenden Militair- Pflichtigen etwa bereits im activen Dienst befinden, unter genauerBezeichnung der in Betracht kommenden Individuen nach Namen und Geburtsdatum rc. Gleichzeitig ist auch in dem geforderten Berichte anzugeben, daß, wo zwei arbeitsfähige Söhne einer Haushaltung nicht gleichzeitig entbehrt werden können, die Eltern derselben auf Einreichung einer Reklamation an die Ersatz-Commission um Zu« rückstellung des Jüngeren aufmerksam gemacht worden find.
I ist mein Platz, Hier will ich um Verzeihung flehen,I stillen Raum bis du mich erhörst!" -----
Sie war zu Boden gesunken, und während das weiße Atlasgewand lang schleppend den Boden bedeckte, hob sie das blonde Haupt mit den wunderbaren nächtigen Augen zu Walden empor, in dessen Antlitz dunkle Rothe gestiegen.
Er riß die Knieende jäh empor und rief mit harter Stimme: »Ersparen Sie sich die Comödte, gnädige Frau, den Jüngling vermochten Sie einst zu täuschen, aber ein Mannesauge sieht klarer."
Ein Blitz des Hasses brach aus ihrem Auge, aber sie bezwäng sich und flüsterte, während ihr Haupt fast sein Antlitz streifte: »O, Herbert, hast du denn unsere alte Liebe ganz vergessen?"
»Sie starb in dem Augenblicke des Verrathes."
»Das kann nicht sein, Walden, nein, nein, du bist treu und unmöglich kann dir jenes blasse Mädchen mit der kalten Seele etwas sein. Weißt du nicht mehr, wie du einst sagtest, dein Feuergetst und mein heißes Herz müßten sich für ewig verschmelzen?"
»Hör' auf, hör' auf," rief er in bitterer Qual. »Warum beschwörst du die vergangene Zeit herauf? Jahrelang habe ich um dich gelitten, und nun, da ich überwunden, drängst du dich wieder in meinen Weg! Mitleidlose! So hab' doch zum mindesten Erbarmen mit Nora, der Unschuldsvollen l"
Da durchhallte ein schneidendes Lachen den
Ferner ist anzugeben, ob seUens derselben auf Reklamation verzichtet wird.
2076, Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 1. März 18907
Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises werden hierdurch veranlaßt, von denjenigen Militairpflichtigen ihrer Gemeinden, welche sich im laufenden Jahre zur Stammrolle gemeldet bezwse. sich dahier zur Musterung zu stellen haben, dieLoosungsscheine alsbald einzu« ziehen und mir dieselben bis zum 25. d. MtS. einzuretchen.
2076. Der Königliche Laudrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld den 6. März 1890.
Unter der Heerde des Schäfers B o r s ch e l, Heerde Nr. 3, zu Wetterode, Kreis Rotenburg, ist die Räudekrankheit ausgebrochen, was hiermit zur öffentlichen Kenntniß gebracht wird.
2199. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Der Herr Minister des Innern hat der Dtrection der Diakontssen-Anstalt zu Kaiserswerth die Erlaubniß ertheilt, zum Besten der Anstalt im Laufe dieses Jahres eine Ausspielung beweglicher Gegenstände (Handarbeiten, Bücher, Bilder rc.) zu veranstalten und die zu derselben auszugebenden 15000 Loose zu je 50 Pf. tm ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.
Cassel, am 27. Februar 1890.
Der Regierungs-Prästdent.
J. B.: Schwarzenberg.
Meiningen, den 5. März 1890.
Steckbrief.
Der im nachfolgenden Signalement näher be- I zeichnete Musketier Edmund Rudolpf Gutheil
,_____________i. »Mitleid mit der, die dich mir geraubt? Nimmermehr! Vernichten möcht' ich sie!"
Sie sah wahrhaft dämonisch aus in ihrem Haß. Aber auch ihn ergriff nun maßloser Groll »Wetv, reize mich nicht zu sehr, oder ich könnte vergessen, welch ein Versprechen ich dir einst gegeben und die Welt und Nora erführe, wie du Treue halten
kannst."
Da glitt sie wieder dicht an ihn heran und zischte wie eine Natter zwischen den rothen Lippen hervor: »Das wirst du nicht thun! ich kenne dich besser, ein Waiden brtcht sein Wort nicht. Und nun leb wohl für heute, doch wisse, ich lasse dich nicht, du mußt mein sein!"
Damit rauschte sie hinaus, während sich Walden laut stöhnend auf eine Bank warf. Er bedeckte sein Antlitz mit den Händen und seufzte: »Wär' ich doch befreit von diesen Fesseln!"
»Du bist es, sobald du's willst," hörte er in seiner Nähe eine klanglose Stimme sagen.
Zu Füßen des Apollo, dessen weiße Glieder gespenstisch aus dem umgebenden Grün hervor« leuchteten, stand Nora wie hingezaubert, selbst statuenhaft starr. Und doch jauchzte des gequälten Mannes Herz auf, als er die Lichtgestatt sah; den Sinn ihrer Worte hatte er wohl kaum gefaßt, nun breitete er seine Arme aus und rief: »Nora, mein einzig theures Lieb!" .
Sie wich aber zurück, als öffnete sich ihr ein
Abgrund und nicht des Geliebten Arme. »Deine