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Helsskliter Brrisblatt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilag« ^llngrirte« Ilnterhaltnngsblatt".__________
Nr. 27. Donnerstag den 6. März 1890.
Amtliches.
Hersfeld, den 1. März 1890.
Zur Vornahme deS diesjährigen Ersatz-Ge« schafts für den Kreis Hersfeld sind folgende Termine bestimmt worden:
Montag den 14. April d. Js.
von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus der Stadt Hersfeld und den Landgemeinden Allmershausen mit Hälgans, Aua, Biedebach, BingarteS, Eich- Hof, Ettra, Friedlos, Gittersdorf, HeeneS, Hilperhausen, Kalkobes, Kathus, Kohlhausen, Meckbach, Mecklar und Meisebach.
Dienstag den 15. April d. Js.
von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Land« gemeinden Obergeis, Oberhaun, Oberrode, PeterS- berg, Reilos, Rohrbach, Roßbach, Rotensee, Sieglos, Sorga, Tann, Untergeis, Unterhaun, Wilhelmshof, Wippershatu,. Rieoeraula, Allen- dorf, Asbach, Beiershausen, Engelbach, Frielingen, Gersdorf, GerShausen, Goßmannsrode, Hatten- bach, HedderSdorf und Holzheim.
Mittwoch den 16. April d. Js.
von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Landgemeinden Kemmerode, Kerspenhausen, Kirchheim, Kleba, KruSpts, Mengshausen, Niederjossa, Reckerode, Reimboldshausen, Rotterterode, Solms, Stärklos, Willingshain, Friedewald, Bengendorf, Gethsemane, Harnrode, Heimboldshausen, Herfa, Heringen und Kleinensee.
Donnerstag den 17. April d. Js.
von Morgens präcis 7 Uhr ab Musterung der Militairpflichtigen aus den Landgemeinden Lautenhausen, Leimbach, Lengers, Widdershausen, Wölfershausen und sämmtlichen Gemeinden rc. des AmtsgerichtsbezirkeS Schenk- lengSfeld. ____
Auf Irrwege«.
Original-Novelle von Claire Gerhard.
Bald darauf verUeßeu^de/Freiherr und Nora Waldens Haus, und es schien demselben, als sei plötzlich aller Sonnenschein, alles Licht daraus entflohen.
AlS Vater und Tochter heimkehrten, fanden sie die Freifrau in großer Erregung und beide mußten einen heftigen Sturm des Unwillens über sich ergehen lassen.
Die stolze Frau hielt es für äußerst unpassend, daß ihr Gatte und Nora ohne sie den Professor besucht; im stillen jedoch grollte sie mehr über die dadurch wieder erreichte Annäherung.
Nora überließ ihrem Vater die Vertheidigung und saß schweigend da, mit einem Abglavze Innern Glückes auf den schönen Zügen.
Schließlich beruhigte sich auch die Freifrau und beschloß, in die Oper zu fahren. Man gab die schnell beltebtgewordene „©armen", deren ins Ohr fallende Melodien Erich fast tagüber sang. Auch jetzt freute er sich schon sehr auf den Genuß und bat: „Komm, Cousinchen, ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst.*
„Nenne nicht den heiligen Namen,* zürnte Nora, »wenn du von diesem Machwerk des
Freitag den 18. April d. Js.
von Morgens präcis 8 Uhr ab Loosung und Classification derjenigen Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz- Reserve, sowie ausgebildete Landsturmpfltchtige des zweiten Aufgebots, welche wegen häuslicher, gewerblicher oder Familien - Verhältnisse eine Zurückstellung für den Fall der Einberufung zu den Fahnen beanspruchen wollen. (§ 123 der Wehrordnung vom 22. November 1888.)
DaS Ersatz-Geschäft wird, wie bisher, im hiesigen städtischen Rathhause dor- genommen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden deS Kreises — selbstverständlich auch die Herren Gutsvorsteher — werden angewiesen:
1) die militairpflichtigen Mannschaften ihrer Gemeinden rc. und zwar:
a. die in der Zeit vom 1. Januar bis einschließlich den 31. Dezember 1870 geborenen, soweit sie nicht bereits in daS Militair eingestellt sind oder einen Ausstand erhalten haben,
b. die in den Jahren 1869, 1868, 1867 oder früher geborenen, welche in den Ersatz • Geschäften des vorigen Jahres zurückgestellt, überzählich geblieben, oder gar n cht erschienen sind, und demnach über ihr Mtlttairverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben, zu den vorbezeichneten Musterungsterminen vor- zuladen.
2) dafür zu sorgen, daß diejenigen Personen, zu deren Gunsten eine Zurückstellung bezwse Befreiung vom Mtlitairdtenst beansprucht wird, sich im Musterungstermin ebenfalls einfinden,
3) in den Terminen sich persönlich einzu- finden, oder im Falle einer Verhinderung
Franzosen sprichst. Wohl ist seine Musik prickelnd wie Champagnerschaum, aber ebenso flüchtig wie dieser. Es ist mir unverständlich, daß es wirklich gebildete Menschen gibt, die dasselbe nicht oft genug hören können.*
Er lachte belustigt und rief:
»Ich muß mir deinen Spott gefallen lassen, er trifft mich zwar, doch trifft er mich nicht tief. Also du große Kunstkritikerin begleitest uns nicht?*
„Nein, nein; ich freue mich sogar auf einen gemüthlichen, einsamen Abend auf meinem Zimmer.*
„Aeußerst schmeichelhaft, verehrte Cousine; man kann aber doch wohl annehmen, daß du „einsam, nicht alleine* sein wirst, und so wünsche ich dir viel Vergnügen zu der Gesellschaft des „theuern Bildes*.
„Geh nur,* lachte Nora, „du bist unverbesserlich.* So verließen denn die drei Musikschwärmer daS Haus und Nora eilte in ihr behagliches kleines Boudoir, um sich ungestört der Lectüre jenes rothen Büchleins hinzugeben.
Vorerst hüllte sie sich in ihr weiches, weißeS Morgengewand, löste die schweren Flechten und legte sich dann bequem auf eine Chaiselongue. Während die Ampel sie mit mattem Lichte überstrahlte, las sie die Worte, die einst vor langen Jahren ihr Verlobter geschrieben.
Es waren Gedichte über die verschiedenartigsten Gegenstände, über Natur, Freiheit, Baterlauds-
dafür zu sorgen, daß der Vicebürgermeister anwesend ist.
4) für die rechtzeitige Gestellung der Militairpflichtigen rc. zum Ersatz Geschäft Sorge zu tragen und denselben ausdrücklich zu eröffnen, daß sie mit sauberem Körper und reiner Wäsche zu erscheinen haben.
Militairpflichtige, welche ohne genügenden Entschuldigungsgrund im Musteruugstermine nicht erscheinen oder bei Ausrufung ihrer Namen im Musterungslokale nicht anwesend sind, werden mit einer Geldstrafe bis zu 30Mark oder Haft bis zu3Tagen bestraft; außerdem können ihnen die Vortheile der Loosung entzogen werden. Ist die Versäumn iß in böswilliger Absicht oder wiederholt erfolgt, so kann die alsbaldige Einziehung zum Milt- tairdienst «ls unsichere Heeres- Pflichtige erfolgen.
Reklamationen Militairpflichtiger um Zu- rückstellung bezwse Befreiung vom Mtlitairdtenst, oder von Mannschaften der Reserve, Landwehr und Ersatz > Reserve, um Zurückstellung im Falle einer Mobilmachung des Heeres, sind schleunigst bei dem betreffenden Ortsvorstande anzubrtngen, welcher für ordnungsmäßige und vollständige Ausfüllung des vorgeschrtebenen, in L. Funk's Buchdruckerei (Gebr. Funk) dahier stets vor- räthtaen, Fragebogens sorgt. Einer Beifügung von ärztlichen Attesten bedarf es nicht, da — wie schon erwähnt — diejenigen Personen, (Eltern, Geschwister rc.) zu deren Gunsten eine Zurückstellung rc. vom Militair- dienst beansprucht wird, im Musterungstermine mit zu erscheinen haben, wobei in Betreff ihrer Erwerbsfähigkeit rc. die nöthigen Feststellungen durch den betreffenden Militatrarzt,
liebe, Glauben; in allen sprach sich die tüchtige, kerngesunde Natur des jungen Dichters, eine feurige, hochstrebende Seele aus, und in NoraS Augen leuchtete es immer Heller und freudiger auf.
Ein Gedicht, am Sarge seines Vaters geschrieben, rührte und erschütterte sie tief.
Dann folgte eine Reihe heiterer Lieder auS Waldens Studentenzeit. Fröhliches, überquellendes Leben sprach aus jeder Strophe, und wenn auch nicht vollendet in oer Form, waren sie doch originell in Inhalt und Sprache.
Nora blätterte träumerisch weiter; da plötzlich stieß sie einen Schreckenslaut aus und richtete sich jäh in die Höhe; alles Blut war aus ihrem Antlitz gewichen, ihr Herzschlag schien zu stocken und ihre Augen lasen mehrere Gedichte, die sich mit Flammenschrift in ihre Seele gruben.
Sie führten die Aufschrift: „An Sylvia.*
Aufschluchzend las Nora die leidenschaftlichen Verse; nun sah sie ihren traurigen Verdacht bestätigt; er der ihre Seele erfüllte, hatte einst jene Sylvia geliebt. Zu jung noch, um die Sprache der Leidenschaft von dem Tone inniger Liebe zu unterscheiden, sagte sie sich mit zuckenden Lippen, daß Herbett ihr gegenüber nie so berauschende Worte geredet. Sie vergaß dabei, daß Herbert inzwischen zum Manne gereift war und daß sich eines Mannes Gefühle in anderer Weise äußern, als die eines Jünglings. Nur das Eine kam ihr klar zum Bewußtsein, baj