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Hersskliikl Breisblatt
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage »Illugrirttt Muterhaltnugsblatt«__________
Nr. 26. Dienstag den 4. März 1890.
Amtliches.
Hersfeld, den 28. Februar 1890.
Nachdem das Reichs-Versicherungs-Amt unter dem 7. Dezember 1887 entschieden hat, daß das Mandat der konstttuirenden GenossenschaftsVersammlung mit der erfolgten Genehmigung des Statuts erloschen sei, ist die Neuwahl der Genossenschafts-Versammlung bezw. eines Vertreters der hiesigen Section und eines Ersatzmannes dieses Vertreters für die Genossenschafts-Ver- sammlung der heffen-nassauischenlandwirthschatt- lichen Berufsgenossenschaft in Gemäsheit der §§. 6 und 7 des Statuts vom 7. Dezember 1687 erforderlich.
Für die hiesige Stadt und jede Landgemeinde rc. des KreiseS ist von der Gemeinde-Vertretung (ständige Ausschuß) und, wo eine solche nicht besteht, von der Gemeinde-Versammlung oder Gemeindebehörde (Gutsvorsteher) zunächst ein Wahlmann zu wählen.
Als Termin, bis zu welchem diese Wahl erfolgt und seitens der Herren Orts Vorstände der Wahlmann unter genauer Angabe von Vor- und Zun amen, Stand oder Beruf, mir schriftlich bezeichnet sein muß, wird hiermit der 15, März d. I. bestimmt.
Gemeinden 2c„ welche diese Frist oder eine bei etwaiger diesseitiger Beanstandung der Wahl bewilligte Nachfrist versäumen, bleiben bei der Wahlhandlung unvertreten.
Die Wahlmänner sind aus der Mitte der der Gemeinde rc. angehörenden, unter das landwirth- schaftliche Unfallversicherungsgesetz fallenden Unternehmer oder bevollmächtigten Betriebsleiter zu wählen, müssen also der wählenden Gemeinde rc. angehören und Eigenthümer oder bevollmächtigte Leiter land- oder forstwirtbschaftlicher Betriebe sein.
Der Vorsitzende des Sections-Vorstandes: Freiherr von Schleinitz,
J. A. $r.2l3. Landrath.
Hersfeld, den 27. Februar 1800.
Die Ehefrau Elisabeth Mannel zu Dünkel- rode beabsichtigt auf ihrem in der Gemarkung Dünkelrode gelegenen Grundstücke, Kartenblatt 2 Nr. 104, einen Kalkofen zu errichten.
Es wird dieses in Gemäsheit des §. 17 der Gewerbeordnung vom 1. Juli 1883 mit dem Bemerken zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß Einwendungen dagegen binnen 14 Tagen schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll dahier angebracht werden können. Nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen nicht mehr geltend gemacht werden. Die rechtzeitig etwa erhobenen Einsprüche werden am 18. M ä r z d. I. Vormittags 10 Uhr, vor dem Unterzeichneten mündlich erörtert werden, und zwar auch im Falle des Ausbleibens der Interessenten.
Die Zeichnungen rc. können im Büreau des hiesigen Landrathsamtes während der Dienst- stunden eingesehen werden.
A. Nr. 195, Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld den 1. März 1890.
Es soll in diesem Frühjahr wieder ein Lehr- kursus im Wiesenbau und Drainage für Bauernsöhne des hiesigen Kreises abgehalten werden.
Die Herren Oekonomen, welche auf ihren Gütern derartige Meliorationen vornehmen wollen, ersuche ich bis zum 27. d Mts. mir mitzutheilen, ob sie bereit sind, den Kursus bei sich abzuhalten und unter welchen Bedingungen.
2084. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Molitische Nachrichten.
Se. MajestätderKaiser, welcher sich am Freitag Vormittag um Uhr nach dem Reichsamte des Innern begeben hatte, um daselbst einer Sitzung des Staatsrathes persönlich zu präsidiren, kehrte erst om Abend um 6 Uhr von
dort nach dem Königlichen Schlosse zurück. — Am Sonnabend Vormittag arbeitete der Monarch zunächst bis kurz vor 9 Uhr allein in seinem Arbeitszimmer und unternahm darauf gemeinsam mit der Kaiserin eine Spazierfahrt nach dem Thiergarten und dort eine Promenade. — Nach dem Schlosse zurückgekehrt, hatte der Kaiser eine Besprechung mit dem Professor Döpler junior, hörte dann um 10*/-2 Uhr den Vortrag des Chefs des Generalstabes der Armee, Generals der Cavallerie und General-Adjutanten Grafen von Waldersee und arbeitete längere Zeit mit dem Chef des Militär-Cabtnets, General-Lieutenant und General-Adjutant von Hahnke. Mittags 123/4 Uhr hatte der Ober-QuarttermeisterGeneral- Lieutenant Graf von Häseler die Ehre, zum Bortrage empfangen zu werden. Demnächst nahm der Kaiser aus den Händen der Commandeure der Leibregimenter und Leibcompagnien die Milttär-Monatsrapporte entgegen, und fand darauf die Frühstückstafel statt.
Der „Retchsanzeiger" schreibt: Auf Allerhöchsten Befehl sind die Kaiserlichen Botschafter in London, PariS, Rom und Wien und die Gesandten tu Bern, Brüssel, dem Haag, Kopenhagen und Stockholm angewiesen worden, die dortigen Regierungen zu einer Conferenz behufs Regelung der Arbeit in den industriellen Anlagen und Bergwerken einzuladen. Die den betreffenden Ministern der auswärtigen Angelegenheiten zu übergebenden Schriftstücke besagen, daß der Kaiser Vorschläge, es solle eine Versammlung stattfinden von Vertretern der Regierungen, welche sich dafür interessiren, das Loos der Fabrik- und Minenarbeiter zu verbessern, damit diese über die Fragen von internationaler Bedeutung berathen können, welche in dem Programme enthalten sind. Da diese Fragen ohne politische Tragweite sind, so erscheinen dieselben geeignet, zunächst der Prüfung von Fachmännern unterworfen zu werden. Um die Eröffnung und den weiteren Verlauf der Conferenz
Auf Irrwegen.
Original-Novelle von Claire Gerhard.
Nora litt unsäglich'.^ Ach," das Gefürchtete war ihr nun zur unumstößlichen Gewißheit geworden; ihr Verlobter hatte einst jene blendend schöne Frau geliebt und sie zitterte und bangte nun, daß ihn wieder der alte Zauber ergreifen könne. Walden, welcher wohl wußte, welch ein Kampf sein armes Lieb durchmachte, beeiferte sich an jenem Abend, oft in die Nähe Noras zu kommen und versuchte unbefangen und heiter mit ihr zu plaudern, aber sie merkte wohl den Zwang, den er sich anthat, und beide athmeten befreit auf, als das Fest fein Ende erreichte.
VIII.
Leider folgten aber diesem Abend viele ähnliche und überall war auch Frau von Brodinska, die immer gleich liebenswürdig, gleich frisch erschien. Sie. blieb die unbestrittene Königin der Saison und alles beugte sich huldigend ihrer Schönheit, ihrem Geiste.
Sie hatte weite Reisen gemacht und verstand, anmuthig und fesselnd zu erzählen; sie scheute kein Thema, selbst kein wissenschaftliches. Ueberall hatte sie ein wenig genascht und besaß die Gabe, ihren Geist stets leuchten zu lassen.
Nora in ihrer inneren Verschlossenheit, in ihrer edel stolzen Zurückhaltung hätte sich für Sylvia nie erwärmen können, selbst wenn kein anderer Grund zur Abneigung vorhanden gewesen. Sie I gestand sich allerdings mit bitterem Lächeln ein, wie reizend die schöne Frau sein könne und wie es kein Wunder wäre, wenn Herbert dieses buntschillernde, bezaubernde Geschöpf ihr vorzöge, deren Antlitz jetzt mehr denn je einer weißen Rose glich.
Nora fühlte sich auch elend an Körper und Seele; oft wollte sie den Gesellschaften fern bleiben, aber die nagende Angst um den Geliebten trieb sie wieder vom Lager auf und halbkrank begleitete sie ihn zu allen Festen.
Dabei hörte sie täglich von Sylvia sprechen; die Eltern und Erich waren gleich entzückt von ihr und begriffen Noras unausgesprochene, aber deutliche Antipathie nicht. Sie bemühten sich, sie von ihrem vermeintlichen Vorurthetle zurückzu- bringen, und ahnten nicht, welche Qual sie ihr damit bereiteten. .
Walden hielt sich so viel als möglich von Sylvia fern, aber sie suchte ihn bei jeder Gelegenheit auf, und um nicht unhöflich zu sein, mußte er ihr standhalten. Wohl fesselte ihn auch noch zuweilen ihr witziges Geplauder, aber der Glorienschein, der einst ihr schönes Haupt in seinen Augen umwoben, war vernichtet. Die
junge Wulwe machte stets die eleganteste und geschmackvollste Toilette und oft war sie mit lebenden Blumen geschmückt. Einst trug sie im lichten Haare und am Busen duftende Veilchen, und als Herbert sie begrüßte, flüsterte sie mit einem sinnberauschenden Lächeln: „Sehen Sie, mein Freund, „ich trage heute Veilchen, Ihre Lieblingsblumen; wissen Sie, wie wir die holden Blümchen einst gemeinsam in meines Vaters Garten pflückten?*
In Waldens Antlitz stieg dunkle Gluth; er fand es schamlos und unweiblich, daß Sylvia immer wieder von jener längst vergangenen Zeit sprach; Diora aber, die die Worte gehört hatte, deutete seine Bewegung anders.
Der Professor sah es täglich von neuem, wie schmerzlich seine Braut litt; er hätte sein Herzblut hingeben mögen, um sie wieder zu dem unbefangen glücklichen Mädchen zu machen, das sie gewesen, und doch konnte er nichts thun.
Er vermied eine nochmalige resultatlose Aussprache mit Nora, aber er ging mit ihr um, wie mit einem kranken Kinde, zärtlich und weich. Sie war jetzt unbeständig, wechselnd in ihren Stimmungen, wie nie zuvor. Oft warf sie sich leidenschaftlich in seine Arme und hielt ihn, als wolle sie ihn nimmer lassen; dann wieder war sie fall und stieß ihn rauh zurück, so daß er sich