Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, AbonnementSprei»: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. excL

Postaufschlag.

Die Jnsertiontgebühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Pfg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg.

Bei größeren Auftragen entsprechender Rabatt.

Helsfel-tr Kreisblett.

__________Mit wöchentlicher chraü«Aeilagx ,,4!t«Arirt« Auterhaktungsölatt".__________

Bestellungen auf das

Krrsfeldrr Kreisblatt

pro März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Hersfeld, den 24. Februar 1890.

Bet der am 20. Februar d. J. stattgehabten Wahl eines Abgeordneten zum Reichstage im VI. Wahlkreise des Regierungsbezirks Cafsel sind, wie die vorschriftsmäßige Prüfung der Wahl am heutigen Tage ergeben hat, im Ganzen 9543 gültige Stimmen abgegeben. Die absolute Mehr- heit beträgt 4772 Stimmen.

Es haben Stimmen erhalten:

Landrath Freiherr von Schleinitz in Hersfeld.......... 4387

Pfarrer Dr. Wilhelm Aren hold in

Großauheim........ 2844

Oeconom Ferdinand Seyfarth in

Friedrichshütte...... 2164

zersplittert..........148

Es hat demnach keiner der Candidaten die absolute Stimmenmehrheit erhalten.

Nach §. 12 des Wahlgesetzes für den Reichstag des Norodeutschen Bundes vom 31. Mai 1869 ist eine engere Wahl zwischen dem Landrathe Freiherrn von Schleinitz in Hersfeld und dem Pfarrer Dr. Wilhelm Arenhold in Großauheim erforderlich.

Den Tag für dieselbe setze ich hiermit auf

Sonnabend den 1. März er. fest.

In der engeren Wahl bleiben die Wahlbezirke, die Wahllocale und die Wahlvorsteher unver­ändert. Die Wahlhandlung beginnt um 10 Uhr Vormittags und wird um 6 Uhr Abends ge­schlossen.

Alle Wahlzettel, welche auf andere Candidaten

Auf Irrwegen.

Original-Novelle von Claire Gerhard.

(Fortsetzung.)

Sylvias alte Kinderfrau blieb die einzige, die sich ihrer annahm, aber was vermochte die Allzugute gegen die herrischen Launen des schönen Mädchens? Sie liebte Sylvia wie ihren Aug­apfel und erfüllte all ihre Wünsche blindlings. Der Professor wußte es wohl kaum, welch eine liebliche Blume in seinem Garten wuchs, er bemerkte es nicht, daß die Studenten ihn gar so häufig besuchten, oder schrieb dieses ihrem Wissensdrange zu. Und doch kamen sie nur, um einen Blick der schönen, gluthäugigen Sylvia zu erhäschen, um ihre schlanke Gestalt, ihr leuchtendes Haar zu bewundern.

Das junge Mädchen errieth es jedoch nur zu schnell, daß es selbst der Magnet war, der alle diese jungen Männer anzog und es zauderte Nicht, seine gefährliche Macht zu benutzen.

Endlich sah auch Walden Sylvia und seitdem war es um seine Ruhe geschehen. Es währte nicht lange, bis er Sylvia persönlich kennen lernte, und nun war er häufiger in dem großen, öden Hause am Markte zu sehen.

Sylvia schien an dem leidenschaftlichen Jüng-

als Landrath Freiherr von Schleinitz in Hersfeld und Pfarrer Dr. Wilhelm Arenhold in Groß- auheim fallen, sind ungültig.

Bei der engeren Wahl sind dieselben Wähler­listen anzuwenden, wie bei der ersten Wahlhand­lung. Dieselben werden sofort den Herren Wahl­vorstehern von mir zugesandt werden. Eine wiederholte Auslegung und Berichtigung derselben findet nicht statt nach §. 31 des Reglements vom 28. Mai 1870.

Die Herren Bürgermeister haben sofort nach Empfang dieser Bekanntmachung dieselbe in orts­üblicher Weise bekannt zu machen und darüber, daß dies geschehen, mir eine Bescheinigung einzu- senden.

Die Wahlprotokolle mit sämmtlichen zugehörigen Schriftstücken sind mir sofort nach Abschluß der Wahl von den Herren Wahlvorstehern ein- zureichen, so daß sie spätestens bis zum 4. März d. I. Nachmittags 2 Uhr in meinen Händen sind.

Die Herren Bürgermeister der Wahlorte, welche nicht selbst Wahlvorsteher sind, haben den Herren Wahlvorstehern diese Bekanntmachung zur Ein­sicht mitzutheilen.

Der Wablkommissar für den 6. Wahlbezirk des Reg.-Bez. Cassel:

Freiherr von Schleinitz,

1905.________Königlicher Landrath.

Hersfeld, den 25. Februar 1890.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche noch mit der Einreichung der Formulare über die Ermittelung des Erndte- ertrages pro 1889 im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 2. März cr., bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

440. Der Königliche Landrath ______________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 22. Februar 1890.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit Erledigung meiner Ver- fügung vom 28. Januar er. Nr 689 im Kreisblatt Nr. 12, die in die Gemeinden ungeimpft über­

ltnge Gefallen zu finden und oft war sie es, die ihm die Thür öffnete und ihn anstatt in das Studierzimmer ibres Vaters in den Garten oder in ihre eignen Wohnräume führte.

Aber es währte doch lange, bis sie ihm ihre Gegenliebe eingestand. Sie spielte mit ihm und quälte ihn zuweilen aufs äußerste, so daß er oft nicht wußte, ob er sie mehr haßte als liebte.

Das schöne schillernde Geschöpf war launenhaft wie Aprilwetter, bald kalt, bald glühend, bald zerstreut und still, bald übersprudelnd in heiterer Laune.

Walden sehnte sich, diesem unerquicklichen Zustande ein Ende zu machen, aber sobald er von seiner Liebe sprach, zog sie die dunkeln Brauen zürnend zusammen und verwies ihm seine Rede mit harten Worten, oder sie fragte ihn auch höhnisch, ob er sie als Student heirathen wolle, dann brauste er wohl im Zorne auf, aber es bedurfte nur eines einzigen gütigen Blickes, nur des Wortes:Verzeihen Sie mir, Herbert!" und er war wieder der besiegte, willenlose Sclave des schönen Mädchens.

Häufig schon war er im Begriffe gewesen, sich dem Professor zu entdecken; der wunderliche Mann hatte ihm stets eine gewisse Vorliebe gezeigt und auch einmal dvrchbltckeu lassen, er

zogenen Kinder betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 3. k. M t s. erinnert.

689. Der Königliche 'ndrath ______________Freiherr von Schleinitz.

Unter den Pferden der Witwe des LandwirthS Deis dahier ist die Räudekrankheit auSgebrochen, was hierdurch veröffentlicht wird. Motzfeld, den 22. Februar 1890.

Der Bürgermeister Jäger.

+ Mchlbktkchtimg.

Das Ergebniß der Hauptwahl vom 20. Februar 1890 ist eine erhebliche Verstärkung der social­demokratischen Partei. Sie ist die einzige, welche Ursache bat, von einem großen Erfolge zu sprechen. Gewiß ist die bisherige Kartellmehrheit voraus­sichtlich beseitigt; aber Centrum und Freisinn, welche hierauf ihre ganze Kraft verwendeten, sind gleichwohl nicht die Sieger, da ihre Gewinne an Mandaten sehr geringfügig sein werden, während sich die Socialdemokratie auf Kosten aller übrigen Parteien ausgebrettet hat. Selbst freisinnige Blätter, die nicht ganz im ParteifanatismuS aufgehen, gestehen zu, daß sie die Schwächung der nationalliberalen Partei, welche mit der deutschen Reichspartei den Kartellverlust fast ganz zu tragen hat, und das Anschwellen der social­demokratischen Mandatszahlfür ein sachlich angemessenes Ergebniß nicht halten" können. DerZug nach links", von den man unter den Liberalen träumte, ist über sie hinweggegangen und was die Kartellfeinde säeten, ernten die Socialdemokraten.

Hierin liegt eine nachträgliche Rechtfertigung des Kartells, welche ebenso stark ist, als der Stegesjubel der französischen Revancheblätter, die sich zu dergroßen Niederlage der deutschen Regierung" beglückwünschen und denZusammen­sturz des deutschen Reiches" prophezechen. Ohne Zweifel hat das Kartell am meisten durch das Schaden gelitten, was es Großes für deS

wisse wohl, was Walden in sein Haus zöge. Sylvia hatte ihm jedoch energisch verboten, mit ihrem Vater zu reden.

Dagegen hatte sie eines Abends, als er sie sehr erregt getroffen, seine Liebesworte nicht zurückgewtesen, sondern ihn umfaßt und mit stürmischer Gluth geküßt. Und er, im Taumel seiner Leidenschaft, hatte ihr versprochen, vorläufig ihrem Vater gegenüber noch zu schweigen.

Es kam dann eine wunderliche Zeit für ihn, eine Zeit, in der er das Dichterwort lebhaft empfand:Himmelhoch jauchzend, zum Tode be­trübt." Er vernachlässigte seine Studien, er wurde blaß und hohläugig und ertrug nur unge- duldig die zahllosen Neckereien seiner Collegen.

Sylvia hatte ihm gestattet, sie an bestimmten Tagen zu besuchen, und oft fiel es ihm schwer, nicht hinzugehen, wenn das Herz ihn dazu ttieb.

So war eS auch einmal gewesen, nachdem sie am verflossenen Tage in halbem Unfrieden ge­schieden. Er mußte hin, ihre Verzeihung zu erbitten. Die alte Grete öffnete ihm die Thür und es ging wie ein tiefer Schreck über ihre runzelvollen Züge, als sie Walden erkannte. Sylvia ist unwohl" suchte sie ihn zurückzuhalten.

Eine schreckliche Ahnung tauchte in ihm o^