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Hersfeliikl Kreistlatt.

__________Mit wöchentlicher -ratis-Aeilage^lkullrirt«« Zluterhaltuugsölatt«.

Nr. 23. " Dieiistag den 25. Februar 1890.

Akonnements-Ginladung.

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HersfeLder Kreisblatt mit der wSchenttiche« Gratis Beilage ^Jttustrirtes Unterhaltungsblatt" pro März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtlich«.

Hersfeld, den 21. Februar 1890.

-E 1) Anna Martha Herwig, geboren am 17.

August 1865

2) Anna Katharina Koch geboren am 15. Dezember 1865

3) Elisabeth Anna Katharina Koch geboren am 14. September 1868

sämmtlich von Oberlengsfeld haben um Ertheilung von Reisepässen behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

1831. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinttz.

Gefunden: eine Laterne. Meldung des Eigen» thümers bei dem Ortsvorstand zu Leiershausen.

politische Nachricht««.

Am Sonnabend Vormittag unternahm S e. Majestät der Kaiser nach Erledigung dringender Regierungsangelegenheiten eine Aus fahrt nach dem Thiergarten und einen Spazier- gang daselbst und begab sich darauf aus der Rückfahrt zur Stadt zum Staatssecretär des Aeußern Grafen Herbert Bismarck, um sich in

Auf Irrwegen.

Original-Novelle von Claire Gerhard.

Das schönste Wetter begünstigte die Feier; der Garten war durch zahlreiche Lampions erleuchtet und zwischen den grünen Laubgängen wogten die hellgeschmückten jungen Mädchen wie bunte Falter umher.

Unter allen war Nora die Lieblichste, mit bezaubernder Anmuth waltete sie unter den Gästen: für jeden hatte sie ein freundliches Wort und doch behielt sie noch immer Zeit, zuweilen zu Walden zu eilen, mit ihm ein Liebeswort zu tauschen oder ihm einen ihrer leuchtenden Blicke zuzusenden.

Nach dem Abendessen wurde im Gartensaale getanzt; Walden hatte sich seit langen Jahren nicht mehr diesem Vergnügen hingegeben; nun dünkte er sich bereits viel zu alt dafür, aber als er seine Braut leicht und graziös wie eine Elfe dahinschweben sah, überkam ihn wieder die ge­schwundene Juaendlust, und Noras Freude über seinen Entschluß warf all seine noch vorhandenen Bedenken über den Haufen.

In den Pausen sammelte sich die junge Ge­sellschaft bet duftender Erdbeerbowle auf der großen Veranda. Erich war hier von den Lustigen der Lustigste. Er hielt die witzsprühendsten kleinen Reden und riß seine Zuhörer zum früh- sich ten Wächter hin. Dabei verfehlte er nicht,

| dessen Wohnung von demselben Vortrag halten zu lassen. Nach dem Königlichen Schlosse zurückgekehrt ertheilte der Monarch dem Maler Döpler jun. eine kurze Audienz, ließ sich vom Chef des Generalstabes der Armee, General der Cavallerie, Grafen ü Waldersee Vortrag halten, arbeitete alsdann einige Zeit mit dem Chef deS Militär-Cabinets General Lieutenant und Gene­ral-Adjutant v. Hahnke und empfing am Nach­mittag um 1 Uhr mehrere hohe Officiere zur Entgegennahme persönlicher Meldungen.

Minister v. Maybach sollte einer falschen Blättermeldung zufolge sein Abschiedsgesuch ein­gereicht haben, und eine freisinnige Zeitung war schnell bei der Hand, den Grund dafür in Differenzen mit dem Reichskanzler zu suchen. Demgegenüber stellt dieNordd. Allg. Ztg." fest, daß Herr v. Maybach vor längerer Zeit zwar an seinen Abschied gedacht habe, aber gerade auf die Vorstellungen des Fürsten Bismarck hin hiervon abgekommen sei. .»Wer auch nur entfernt mit unserer ministeriellen Situation bekannt ist, weiß, daß gerade zwischen Herrn v. Maybach und dem Reichskanzler die intimsten persönlichen und politischen Beziehungen bestehen und jederzeit bestanden haben, und daß Herr v. Maybach nur im Hinblick auf diese sich hat bestimmen lassen, seinen Rückirtttsgedanken für jetzt keine weitere Folge zu geben."

Der Finanzminister hat neuerdings Bestimm­ungen über die Erhebung von Vergütungen für besondere Dien stleistungen der Steuerbeamten bei Ausübung der Branntwein- und der Zucker st euer- c o n t r o l e ergehen lassen, welche von folgendem Gesichtspunkt ausgehen: Neben der Branntwein- und der Zuckersteuer dürfen Vergütungen erhoben werden, wenn sie in den Ausführungsbestimmungen zu den Gesetzen, betreffend die Besteuerung des Branntweins und des Zuckers, ausdrücklich vor­

sich um die Gunst aller anwesenden schönen Mädchen zu bewerben. Er erzählte wieder viel von seinen wilden Verehrerinnen mit dem dunklen Teint und schwarzen Haar, meinte aber schließlich doch, er wäre jetzt zur Ueberzeugung gekommen, daß ein alabasterweißer Teint und goldblonde Locken den Vorzug verdienten.

Aber, Herr v. d. Recke," rief Fräulein von Stein vorwurfsvoll.Ihr Geschmack scheint sich ja täglich zu wandeln! Gestern noch schworen Sie mir zu, daß Sie braune Haare und blaue Augen für den Inbegriff alles Schönen halten und heute schwärmen Sie für Blondinen."

Gnädiges Fräulein," antwortete er mit komischem Ernste,wie können Sie von einem Marineofficier verlangen, daß er beständig sei? Ich folge nur dem Beispiele derblauen Göttin, der ewig bewegten." Außerdem liegen zwischen gestern und heute gar viele Stunden und wollen Sie glauben, daß ich erst am vergangenen Abend mein Ideal von Schönheit gesehen habe?"

Pfui, Erich, wie ungalant bist du gegen die anwesenden Damen!" tadelte Nora den Heiß­blütigen.

Er legte betheuernd die Hand aufs Herz:Die Anwesenden sind natürlich stets ausgeschlossen, meine Damen, sie stehen über jedem Urtheil, sind über jedes Lob erhaben. Aber sollte ich doch eine von Ihnen beleidigt haben, so bitte ich reuig um Verzeihung. Sie wissen ja:Der Siege göttlichster ist das Vergeben!"

gesehen sind, oder wenn Ausnahmen von den Vorschriften dieser Gesetze und Ausführungsbe­stimmungen, insbesondere Erleichterungen in der Steuerbehandlung auf Antrag bewilligt werden und hierdurch ein Mehraufwand an Beamtenkräften entsteht.

Das Ergebniß der Reichstags­wahlen stellt sich bis jetzt wie folgt: Conservative: 46 gewählt,

23 in Stichwahl.

Deutsche Reichspartei: 13 gewählt,

19 tu Stichwahl. Nationalliberale: 14 gewählt,

64 in Stichwahl. Freisinnige: 21 gewählt,

52 m Stichwahl. Centrum: 83 gewählt,

16 in Stichwahl.

Sozialdemokraten: 20 gewählt,

55 in Stichwahl.

Der Reichskanzlei -Fürst Bismarck hat am Donnerstag Nachmittag um 4 Uhr sein Wahlrecht ausgeübt. Berliner Blättern entnehmen wir über den Vorgang: Zu geschlossenem Wagen fuhr er am Portal III des Herrenhauses vor. Der Fürst trug seine Kürassier-Uniform mit der Dienst­mütze und sah überaus wohl und rüstig aus. Als er dem Wagen entstiegen war, trat ihm an der Thür ein mit Orden reich geschmückter Zettelvertheiler, ein ehemaliger Kammerlakai des Kaisers Friedrich entgegen und reichte dem Kanzler einen Stimmzettel. Fürst Bismarck sah denselben prüfend an und bemerkte:Ist das auch der Conservative?" Dann faltete er den Zettel sorgfältig zusammen und schritt in strammer Haltung über den Hof. -Als Wahllokal war hier der Re­staurationssaal des Herrenhauses eingerichtet, wo man unter andern auch des Fürsten eigenes Bild an der Wand erblickte. Als der Reichskanzler das Lokal betrat, erhoben sich alle An­wesenden ehrerbietig: auch zwei socialdemokratische Listenführer standen von ihren Plätzen auf; nur ein dritter, mit brennen­der Cigarre im Mund, blieb in nächster Nähe des Fürsten sitzen. Der Kanzler trat sofort, freundlich grüßend, an den Wahltisch heran und redete die Herren mit den Worten an: Wie lange sitzen Sie heute schon hier?" Der Wahlvorsteher, Bankier Köhne, erwiderte:Seit 9'/, Uhr," worauf der

Mau lachte, wollte aber doch wissen, wer jenes Ideal gewesen. Er erzählte:Me n den Damen wohl bekannter Kunstsinn trieb mich gestern zu Kroll. Man gab dort den Barbier und mit Vergnügen hörte ich die Schröder - Hanfstängel als Rosine ihre Triller und perlenden Läufe singen. In den Pausen trieb ich mich mit einigen Kameraden in dem feenhaft erleuchteten Garten umher; da plötzlich blieb ich wie geblendet stehen. Der Blick zweier dunkler Flammenaugen hatte mich getroffen und diese strahlten aus einem Antlitz hervor, daS schneeig war, wie Schnee­wittchens Gesicht. Ueppige blonde Haare umgaben mit wirrem Gelock die stolze Stirn und der rothe Mund plauderte und lachte und ließ dabei die herrlichsten Zähnchen sehen. Natürlich war ich begierig, zu ergründen, ob diese faszinirende Schönheit auch im Lichte der Gasflamme stand- halten würde, und folgte freudig der Glocke, die den Beginn deS zweiten AkteS ankündigte. Bald entdeckte ich auch das schöne Weib und fand, daß dasselbe bet Licht noch verführerischer, als im dämmernden Garten war."

Und wie heißt sie? DaS wissen Sie doch sicher auch?" rief man von allen Seiten.

Sie ist die Wittwe eines polnischen Edelmannes, heißt Frau von BrodinSka und will den Winter hier zubringen."

Ein leiser Aufschrei ließ die Gesellschaft erstaunt auf Nora blicken, die todtenblaß halb aufge» gesprungen var.