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Kersseliiel Kreisbliitt.
Mit wöchmtlicher Kralü-'Aeicage ^Illakrirt« HluterkactungsölatP^._________
Nr. 21. Domcrftag den 20. Februar 1890.
Amtliches
Mannheim, 9. Februar 1890.
Stratze«raub.
Dringender Verdacht des am 17. Januar d. J. am Postboten Reffert in Ladenburg verübten Straßenraubs hat sich ergeben gegen den wegen Raubes und schweren Diebstahls vielfach vorbe- straften Bäckergesellen Andreas Schürer von Hemmersheim, Königl. Bayer. Bezirks-Amts Uffenheim, Mittelfranken, der wenige Tage nach dem Ladenburger Raub mit mindestens 2000 Mk, darunter 10 Einhundertmarkscheine, in seiner Hetmath auftauchte. Er erzählte, daß er für ein Pariser HauS auf Goldrahmen reise. Am 8. Februar d. I. entfernte sich Schürer wieder aus Hemmersheim, angeblich nach Portugal und Spanien; er dürfte sich wahrscheinlich in größeren deutschen Städten aushalten. Er führe mehrere falsche Legttimationspaptere bet sich.
Signalement: Schürer ist 38 Jahre alt, ca. 1,70 groß, untersetzt, bre tschulterig, hat gesunde Gesichtsfarbe, vorstehende Backenknochen, schwarze Augen, schwarze Haare, schwarzen Schnurrbart mit kleinem Knebelbart, an einer Hand fehlen 1 oder 2 Glieder eines Fingers.
Kleidung: Guter Anzug, graultchte Hose und Gehrock, darüber dunkeln Ueberzieher, grau- lichten steifen Hut. Schürer hat kleinen Hand- koffer bet sich, führt Revolver.
Ich bitte um Festnahme und Drahtnachricht.
Auf Entdeckung des Thäters und Wiederbei- drtngung des geraubten Geldes ist eine Belohnung von 400 Mark ausgesetzt.
Der Gr. Staatsauwalt D u f f n e r.
Bekanntmachung.
ES wird zur öffentlichen Kenntniß gebracht, daß daS enge Gäßchen zwischen dem Wohnhause
des Gastwirths Wilhelm Kroneberg zu Schenklengsfeld, seinem alten Tanzsaal und der Scheuer gelegen, dem rc. Kroneberg dahter von der Gemeinde-Vertretung zum Zwecke der Bebauung verkauft worden ist.
Diejenigen, welche dagegen und das Gangrecht Einsprüche zu erheben glauben, haben solche binnen 4 Wochen bei dem unterzeichneten Orts- vorstande anzubringen. Nach Ablauf dieser Frist werden keinerlei Ansprüche mehr berücksichtigt.
Schenklengsfeld, den 17. Februar 1890.
Der Bürgermeister
Rüger.
+ Der Kaiser und die Metra.
In diesem Monat hat der Kaiser für sein Königlich Preußisches Heer zwei hochbedeutsame Anordnungen erlassen. Die jüngere, datirt vom 13. Februar und an den Gcueral-Juspccteur des Militärerzichungs- und Bildungswesen gerichtet, betrifft die Organisation des Unterrichts im Kadettencorps. Wir gehen heute auf diese Anordnung nicht näher ein, weil wir die Aufmerksamkeit vor Allem hinlenken möchten auf die Cabinetsordre betreffend die Bestrafungen von Mißhandlungen Untergebener, welche vom 6. Februar datirt und an den Kriegsminister gerichtet ist. Kurz vor dem 6. Februar hatte der Kaiser die Kadetten aus Groß-Ltchterfelde, die zum 1. April in die Armee eintreten sollen, sich vorstellen lassen. Als dieselben unter der Führung des Generals von Strubberg im weißen Saal des Schlosses zu Berlin Aufstellung genommen, ließ der Kaiser zunächst die Worte verlesen, in welchen sein erhabener Vorgänger Kaiser Wilhelm I. die Pflichten deS OfficierS gekennzeichnet hat. Dann aber fügte der Kaiser eine Ermahnung von seinem eigenen Standpunkt
I hinzu. Er sagte, wie schon bei früheren Gelegenheiten, daß Einfachheit und Mäßigkeit den Officter auszeichnen müsse. Darauf aber tadelte er, daß Beschwerden über Ausschreitungen gegen Untergebene aus vielen Gegenden des Reiches an ihn gelangt seien. Gegen die Mannschaft solle der Officier sticht forsch und schneidig sein, sondern mit Einsicht und Geduld zu Werke gehen, um von keinem der Soldaten wehr zu verlangen, als er leisten könne In einer Zeit, wo die Monarchie so vielfach angegriffen werde, sei eS die Aufgabe deS OfficierS, den monarchischen Sinn durch seine ganze LebenSführnng zu wecken und sich nicht auf die Strenge deS Dienstes zu verlassen.
Diese Rede ist nicht authentisch bekannt gegeben worden, aber daß die Wiedergabe, welche tu mehreren Blättern gebracht worden, dem Sinne der Kaiserlichen Worte entspricht, kann deshalb nicht zweifelhaft sein, weil die Cabinetsordre vom 6. Februar genau dieselben Grundsätze einschärft. „In Meiner Armee," heißt es darin, „soll jedem Soldaten eine gesetzliche, gerechte und würdige Behandlung zu Theil werden."
Der Kaiser, der namentlich in ausländischen Blättern eine Zeit lang gern so dargestellt wurde, als suche er die Grundlage seiner Herrschaft vorwiegend in der strengen Zucht, ist vielmehr ein Herrscher, der diese Grundlage in Menschlichkeit und Gerechtigkeit, vor allem auch in schonend einsichtiger Behandlung der Soldaten erkennt, denn der Soldat, dessen Dienst- und Lehrzeit ihn allerdings zur höchsten Anspannung der Kraft erziehen soll, ist eben darum, wie kein anderer Stand, der Macht der Vorgesetzten unterworfen. Je ernster auch die Aufgabe der Vorgesetzten ist, in verhältnißmäßig kurzer Zeit jene Fähigkeit zur höchsten Anspannung zu wecken und zum sichern Besitz herauSzubilden, desto ernster müssen sie sich vor Ausschreitungen hüten.
Auf Irrmrgrn.
Original-Novelle von Claire Gerhard.
(Fortsetzung)
Nora hatte nicht lange Muße, ihren sehn- süchtigen Gedanken nachzuhängen; ein Neffe ihrer Mutter, Erich v. d. Recke, ein junger Marine- officier, kam von seiner ersten größeren Seereise heim und nahm nur zu gern die freundliche Einladung des Fretherrn, seinen langen Urlaub theilweise in seinem Hause zu verleben, an. Erich war ein heiterer junger Mann, dem die Uniform ausgezeichnet stand, seine fröhlichen Augen be- wiesen, daß er den Ernst des Lebens noch nicht kennen gelernt und sein frisches Lachen durchhallte bald das ganze Haus.
Mit Nora stand er auf lustigem Neckfuß. Er War als Knabe viel auf ihrem elterlichen Gute gewesen und hatte mit dem liebreizenden kleinen Mädchen gar oft und schön gespielt. Nun war aus der zierlichen Elfe eine stattliche junge Dame geworden, die nach Erichs Geschmack nur etwas zu ernst war. Daß sie trotz ihrer achtzehn Jahre schon verlobt war, fand er sehr wunderbar.
„Aber, Cousinchen," sagte er lachend, „ich hoffte, du würdest auf mich warten. Als du noch im Flügelkletde umhertänzeltest, nannte ich dich ja schon meine kleine Braut."
„Ach, Erich," gab Nora ebenfalls lachend zur
Antwort, „das ist schon etwas lange her, und
ich dich endlich wieder!" Dann erst erglühte sie in holder Scham, vor den Zuschauern ihrer Freude so unverhüllten Ausdruck gegeben zu haben, er aber legte glücklich ihren Arm in den seinen und führte sie zum Krocketplatze. AlS Nora so eilig entflohen, war der junge Officier ganz erstarrt stehen geblieben.
Neugierig musterte er den Näherkommenden. In der That, daS mußte ihm der Neid lassen (und neidisch war der gute Erich augenblicklich in hohem Grade) dieser Walden war ein stattlicher Mann, nicht gerade schön, aber von der Natur mit jenem Etwas bedacht, daS Frauen so unwiderstehlich anzieht.
Woher hatte er nur diese stolze Haltung, diese eleganten Manieren? Die Krocketparthte wurde aufgegeben und die kleine Gesellschaft versammelte sich auf der Veranda, die einen entzückenden Blick auf den frühlingSfrischen Garten bot. Die Unterhaltung wurde schnell eine äußerst rege und Erich empfand bald trotz inneren Widerstrebend daß ihm dieser „verdammte Professor" außerordentlich gefalle. Er begriff immer mehr seiner Cousine Wahl, aber wenn er sah, wie ihre kleine Hand sich schüchtern in WaldenS kräftige Rechte stahl, wie sie eigentlich nur Augen für den Verlobten hatte, dann ärgerte er sich doch sehr, daß er jenem nicht zuvorgekommev; denn daß Nora ihn gewählt, wenn er früher in ihren LebenSkreiS getreten, stand bet ihm außer Frage. Der junge
steh!" fügte sie neckisch hmzu, „ohne bestimmtes! Treuversprechen konnte ich doch nicht auf dich warten."
In dem Tone ging eS fort, aber Erich verbarg es sich nicht, daß er gewaltsam neugierig auf den Herrn Professor sei, der sein BäSchen im Sturme erobert.
Endlich hatte Walden sich frei machen können und kam an einem späten Nachmittage in das Dernburgsche Haus. Der Diener berichtete, die Herrschaften wären im Garten, und so trat denn auch Waiden in denselben ein. Schon von weitem tönte ihm fröhliches Gelächter entgegen, und näher schreitend, sah er Nora mit ihrer Freundin, Fräulein von Stein, und dem jungen Marine- officier eifrig Kracket spielen. Der letztere sagte eben mit komischem Ernste: „Meine Damen, ich muß aber entschieden um mehr Aufmerksamkeit bitten; tiefer Sinn liegt oft im kindschen Spiel," welches Citat einen neuen HetterkettSausbruch zur Folge hatte.
NoraS sonst blasse Wangen waren von der Bewegung leicht geröthet, und wie ste so dastand im duftigen weißen Kleide, bot ste einen so entzückenden Anblick, daß Walden unwillkürlich leise ihren Namen rief.
Den Ton der geliebten Stimme erkannte Nora sofort, aufjauchzend warf sie den Hammer hin und eilte Walden entgegen, sich stürmisch tu seine Arme werfend. „Mein einzig Geliebter, hab'