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Itrsftlhtr Kmshlitt.

__________Mit wöchentlicher ckratis-Aeilaae ^Zllukrirtu Auteröallnngsölatt".

Nr. 20. Dienstag den 18. Februar 1890.

Amtliches.

Hersfeld, den 13. Februar 1890.

Nachdem angeordnet worden ist, daß die Schank- gefäße binnen jedesmal längstens drei Jahren einer Neuprüfung zu unterziehen sind, die letzte polizeiliche Revision aber im Jahre 1887 stattge- funden hat, so erhalten die Herren Ortsvorstände deS Kreises die Weisung, die S ch a n k g e f ä ß e bei den betreffenden Gewerbtreibenden unter Benutzung des Geißler'schen Appa- ratS demnächst einer wiederholten Prüfung zu unterziehen und über das Resultat unter An- Wendung des im Kreisblatt Nr. 5 pro 1885 abgedruckten Schemas mir bis zum 1. August d. I. Bericht zu erstatten. Die Königliche Gendarmerie hat innerhalb der Landgemeinden deS Kreises an diesen Revisionen gleichfalls Theil zu nehmen und erwarte ich bis zu obigem Termin über deren Mitwirkung, gemachte Beobachtungen ic. Bericht.

1356. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i»i tz.

Hersfeld, den 14. Februar 1890.

Die Nummerliste der verloosten und zum 1. April d. I. gekündigten Schuldverschreibungen der Staats-Prämien-Anleihe vom Jahre 1855 liegt im Geschäftslocale des hiesigen Landraths- amtes sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerkaffen des Kreises während der Dienst- stunden den Inhabern zur Einsicht offen.

Zugleich mache ich auch auf die diese Nummer- liste betreffende Bekanntmachung der Haupt-Ver­waltung der Staatsschulden vom 18. Januar d. I. abgedruckt auf Seste 23 des diesjährigen Amts­blattes, aufmerksam.

1379. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Auf Irrwege«.

Original-Novelle von Claire Gerhard.

Ein leichtes Ä^üfiS Noras Wangen. Glauben, Herbert - das ist sicher zuviel gesagt, aber weil mein Traum von mir selbst und dem Liebsten, was ich besitze, handelte, hinterließ er mir ein so banges, schweres Gefühl und die Last will trotz deS goldenen Sonnenscheines nicht von mir weichen." »Mein liebes Herz, du warst gestern erregt von der Oper und da man ja gewöhnlich von dem träumt, woran man vor dem Einschlafen lebhaft gedacht, so erschien dir wohl der Schwanen- rttter?"

»Ja, Herbert und doch du wirst mich auS- lachen, ich dachte weniger an die Oper, als an daS schrecklich schöne Weib, daS so seltsam zu dir sprach, und diese spielte auch eine Hauptrolle in meinem Traume."

Aber Walden lachte nicht und bat nach kurzer Pause: ^Unb was träumte dir denn, mein

Sie^ah düster vor sich hin: »Der Traum führte mich in eine gebirgige Gegend, ringsum thürmten sich hohe Felsen, aber ich fürchtete mich nicht, du warst bei mir, wie Lohenarin in schimmernde Rüstung gehüllt. Du hieltest mich im Arme und wir ruhten auf einem Berge, wo lichte Blumen blühten. Da plötzlich ertönte eine menschliche Httawk durch die Stille; es war ein eitzenthüm-

+ Für Kaiser und Reich! I

Am Donnerstag, 20. Februar, hat jeder zum Wählen berechtigte Deutsche die Pflicht, sein Wahlrecht auszuüben. Für diesen einen Tag giebt es keine höhere Pflicht, und Niemand, der sein Vaterland lieb hat, sollte gleichviel ob er sich sonst um politische Dinge kümmert oder nicht sich an diesem Tage durch irgend etwas abhalten laffen, sich der geringen Mühewaltung des Wählens zu unterziehen und hiermit ein im Verhältniß zu den möglichen Folgen des Wahl­ergebnisses geringes Opfer für König und Vater­land, für Kaiser und Reich zu bringen.

An der Spitze des Reichs steht ein Kaiser, der seit seiner Thronbesteigung fortwährend und ununterbrochen Beweise seiner rastlosen Thätig­keit in Ausübung seines hohen Berufes abgelegt hat. Keine Mühewaltung ist ihm zu groß, wenn es gilt, die ernsten Pflichten, .die ihm sein hohes Amt auferlegt, zum Besten seines Volkes, zu erfüllen; unablässig sorgt, denkt und handelt Kaiser Wilhelm für das Wohl seines Landes, kein Opfer scheuend in der Verfolgung der hohen Ziele, welche er sich gesteckt; niemals hat der Kaiser sich davon durch persönliche Unbequemlich­keit abhalten lassen: er hat sein ganzes Ich dem Dasein seines Volkes gewidmet und stets gezeigt, daß er ein ganzer Mann ist und als solcher auch zu handeln versteht.

Dieses glänzende Beispiel der Pflichterfüllung wird gewiß von segensreichem Einfluß auf alle Volksklassen in Ausübung ihres bürgerlichen Berufs sein, und geschieht dies, so dürfen wir uns glücklich preisen. In Erfüllung aber der einen kleinen politischen Pflicht, welche jedem Bürger diesmal für den 20. Februar auferlegt ist, sollte auch nicht ein einziger des hohen Bei­spiels seines Kaisers vergessen: es ist ein mühe- loses geringes Opfer des Dankes, welches er

ltches Singen, klagend und doch lockend zugleich, und es ward allmählich so mächtig, daß es die ganze Luft erfüllte! Die Blumen verwelkten davor und die Sonne verblich. Du warst beim ersten Tone von meiner Seite aufgesprungen und hattest nach Osten geschaut und dort erschien plötzlich die Sängerin in leuchtenden Gewändern; sie trug die Züge jener blonden Frau. Und sie fang immer süßer und ihre weiße Hand winkte dir und du du zögertest wohl noch und warfst mir einen traurigen Blick zu, dann aber folgtest du der Sirene. Du schrittest über Felsen und Untiefen zu ihr, sie ergriff deine Hand und ihr beide verschwandet, ich aber erwachte mit lautem Schrei und klopfendem Herzen."

Er war stumm und düster an ihrer Seite dahingeschritten, nun sagte er:Dein Traum ist wohl schaurig genug, mein Liebling. aber du weißt: Träume sind Schäume. Sie müssen zer­fließen in wesenloses Nichts vor der lachenden Gegenwart. Steh, die Welt ist so schön, empfinde die Lust jener jubilirenden Vöglein mit, laß dich von dem goldnen Sonnenschein wieder froh küssen und fühl' es ganz, daß wir beide eins sind, daß wir uns nimmer verloren gehen können."

O, Herbert," rief Nora plötzlich leidenschaft­lich, während Thränen ihr Gesicht überströmten, bist du wirklich mein, liebst du mich? Verzeih', daß ich dich so frage, aber seit gestern ist all mein Fühlen und Denken aus den Fugen."

Er starrte sie entsetzt an; noch nie hatte er

hiermit dem Kaiser für deffen rastlose Thätigkeit zum Besten des Volkes bringen würde.

Es sind die ersten Wahlen für den Reichstag, welche unter dem Regiment des Kaisers Wilhelm vollzogen werden. Das Volk hat nunmehr zum ersten Male in seiner Gesammtheit Gelegenheit, durch die That das Vertrauen zu bekunden, welches es für die im In- und Auslande bewun­derte, echt volksfreundliche Politik seines Kaisers im Herzen trägt. Sollen dieser Politik, soll dem jugendlich kraftvollen Schaffen des Herrschers Hindernisse in den Weg gelegt werden, sollen wir uns angesichts der wichtigen Aufgaben, welche die Förderung des Volkswohls Betreffen, in fruchtlosen, inneren Parteikämpfen aufreiben und hiermit das deutsche Reich nach innen und außen lähmen? Oder wollen wir, daß daS Vertrauen zwischen Regierung und Volksvertretung, ihr gemeinsames einträchtiges Zusammenwirken, wel­ches bisher daS Wohl deS Volks so kräftig gefördert und da» Ansehen des Reichs auch hn Auslande so mächtig gehoben hat, erhallen bleibt?

Ein Jeder lege sich die Fragen vor, um zu wissen, was er am Donnerstag m thun hat. Um diejenigen, welche sich Tag für Tag um politische Dinge kümmern, ist uns nicht bange, sie werden auch unaufgefordert ihre Wahlpflicht ausüben, und namentlich werden die ewig Unzu­friedenen, die noch dazu durch jegliche Art von Agitation aufgestachelt sind, in Hellen Haufen zur Wahlurne laufen. Der 20. Februar ist aber nicht nur ein Tag für die professionellen Politiker, sondern für Jedermann auS dem Volke, ganz besonders aber für diejenigen, welche mit den gegenwärtigen Verhältnissen zufrieden sind und sich in dem Glücks sonnen, das sich hiermit über ihre eigenen Verhülln.sie ausgebreitet hat. Wenn diese am 20. Februar ihre Pflicht und Schuldig­keit nicht thun, dann versündigen sie sich an dem Reich wie an ihren eigenen Verhältnissen, die

das maßvolle Mädchen in so leidenschaftlicher Erregung gesehen; aber mitten durch die Sorge brach die Freude, so geliebt zu sein. Er preßte sie innig an sich:Nora, mein einzig Lieb, wie kannst du an mir zweifeln? Ich bitte dich, wirf die unnützen Sorgen von dir; du bist krankhaft erregt und ich mache mir ernstliche Vorwürfe, dich in die Oper geführt zu haben."

Nein, nein, Herbert," unterbrach sie ihn angst­voll,das ist es nicht. O, sag' mir, sag', was wollte jene Frau von Brodivska von dir, und welch ein Recht hatte sie, in so höhnischer Weife mit dir zu reden?"

Ein Recht?" Er lachte kurz und bitter auf. Sie hat keinS, aber sie gehört zu jenen Menschen, die sich ihr Recht selbst schaffen."

Du willst mir ausweichen, Herbert. Wie könnte sie einen so vertraulichen Ton dir gegen­über anschlagen, wenn du ihr nicht einst nahe gestanden? O, Liebster sag', was war sie dir?"

Eine Wolke der Schwermuth und des Kummers lag auf seiner edlen Stirn und er fragte sanft, aber eindringlich:Nora, hast du kein Vertrauen mehr zu mir?"

O, gewiß, Geliebter," rief sie leidenschaftlich, aber weil ich dich so unsäglich liebe, kann ich den Gedanken nicht ertragen, daß du vielleicht einst jene andere o, ich kann es nicht ausdenken! Sieh', Herbert, mein Leben liegt so offen vor dir, nichts ist dir verborgen von all meinem Sein, und ich - ich weiß so wenig von dir." Die