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Httsselder Kreisblitt.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage .Mulkrirtes IlutsrhatlungsSlatt".__________
Nr. 18. Donnerstag den 13. Februar 1890.
Amtlich«.
Cassel, den 31. Januar 1890.
Im hiesigen pomologischen Garten wird im Frühling, Sommer und Herbst d. I. ein Cursus zur Unterweisung von Volksschullehrern im Obstbau abgehalten werden. Der Frühjahrscursus findet vom 8. bis einschließlich 19. April, der etwa 6 Tage dauernde Sommercursus in der ersten Hälfte August und der 4tägtge Herbst- cursus in der ersten Hälfte October d. I. statt. Zu dem Frühjahrscursus haben sich die betheiligten Lehrer am 8. April Nachmittags 4 Uhr bet dem Jnstitutsgärtner Rosemund hier (Frankfurter Landstraße 50) zu melden.
Nach Bestimmung des Herrn Ministers für Landwirthschaft, Domänen und Forsten soll bei den zur Theilnahme an dem Cursus heranzu- ziehenden Lehrern vor allem darauf gesehen werden, daß dieselben Interesse undPerständniß für den Obstbau zeigen und Gelegenheit haben, das Erlernte praktisch zu verwerthen.
Euer Hochwohlgeboren wollen binnen 8 Tagen uns diejenigen Lehrer des Kreises bezeichnen, welche für den Cursus geeignet und zur Theilnahme freiwillig bereit sind. Auch ist bet der Auswahl derselben darauf Bedacht zu nehmen, daß sie im Falle ihrer Einberufung sich mit einem s. g. Arbettsanzuge versehen können, damit sie in der Lage sind, ohne Rücksicht auf ihre Bekleidung alle nöthigen gärtnerischen Arbeiten auszuführen.
Weiter wollen Euer Hochwohlgeboren Sich äußern, ob die betreffenden Lehrer einer Beihülfe zu den Kosten ihres hiesigen Aufenthaltes bedürfen, sowie ob die Gemeinden sich mit einem Beitrage an den Kosten der Unterrichtscurse und in welcher Höhe betheiligen, wobei darauf aufmerksam zu machen ist, daß diese Beiträge
Auf Irrwege«.
Original-Novelle von Claire Gerhard.
(Fortsetzung)
Am liebsten allerdings hätte Waiden die holde Rose gleich in sein Heim verpflanzt, er konnte so wenig bet ihr sein, und wenn Nora auch einsichtig a war, sich nicht zu beklagen, wenn die eu ihr den Geliebten raubten, so lag doch eine Wolke auf ihrer schönen Stirn, wenn der Tag verstrich, ohne ihr denselben gebracht zu haben. Jedoch die Eltern wollten die kaum erwachsene Tochter nicht so bald entbehren, wünschten auch, daß dieselbe ihr Leben noch mehr genießen sollte, und so mußte sich Waiden fügen.
Alle diese Erinnerungen und Erwägungen beschäftigten des Professors Geist, während sein Auge mit Zärtlichkeit auf dem gesenkten Köpfchen seiner lieblichen Braut ruhte. —
II.
Indessen war die Handlung auf der Bühne immer weiter vorgeschritten. Zweimal schon hatte der Heerrufer mit markigem Tone seine Aufforderung an den unbekannten Vertheidiger Elsas ergehen lassen und nun kam Lohengrin, der Schwanenritter, in schimmernder Rüstung in seinem Nachen auf der blinkenden Fluth daher- geschwommen, begrüßt von der jubelnden Menge. In athemlosem Schweigen erwartete dann das Publikum die ersten Worte Lohengrins und mit
demnächst nicht direkt an den Lehrer, sondern an unsere Hauptkasse zu zahlen sind.
Königliche Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen.
Opitz.
An die Herrn Landräthe des RegierungsBezirks, J. B. Nr. 7681.
Hersfeld, den 10. Februar 1890.
Wird unter Bezuanabme auf meine Verfügung vom 22. Juni 1886 Nr. 7176, (Kreisblatt Nr. 73) veröffentlicht und weise ich zugleich die Herren Bürgermeister des Kreises an, den Herren Lehrern Ihrer Gemeinden sofort hiervon Mittheilung zu machen, damit dieselben mir spätestens bis zum 18. d. Mts. bezügliche Anzeige machen können. Auch haben die Herren Bürgermeister
Seit Bewilligung einer Beihülfe zu den in Rede enden Kosten die Gemeinde-Behörden alsbald zur Beschlußfassung zu veranlassen und von dem Ergebniß die Herren Lehrer ungesäumt zu benachrichtigen.
1221. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e t n i tz.
Hersfeld, den 6. Februar 1890.
Zur weiteren Bekämpfung des Zigeunerunwesens soll höherer Verfügung zufolge namentlich darauf hingewirkt werden, daß die Kinder inländischer Zigeuner, von denen ein erheblicher Procentsatz jedes Schulunterrichts entbehrt, einer geregelten Erziehung theilhaftig und damit einer seßhaften Lebensweise zugeführt werden.
Es ist nun mehrfach die Wahrnehmung gemacht worden, daß die umherziehenden Zigeuner in Umgehung der bezüglichen gesetzlichen Bestim- i mutigen ihre Kinder in die Schulen derjenigen Orte schicken, welche sie gerade bei ihren Wande- ' rungen passiven und sich dann von den Lehrern in einem, zu diesem Behufe besonders angelegten
weicher und doch mächtiger Stimme setzte dieser seinen Abschiedsgruß ein: „Nun sei bedankt,, mein lieber Schwan." Da plötzlich ging mit lautem Geräusch eine Logenthür des ersten Ranges auf und lachend und plaudernd trat eine schöne Frau, gefolgt von einigen Kavalieren, bis dicht an die Brüstung und nahm den Dernburgs gegenüber Platz Aeußerungen des Unwillens drangen zu den Störern empor, die ihre Unterhaltung nun ein wenig dämpften, aber viele Blicke blieben an dem wunderschönen Antlitz jener Frau haften
Auch Nora sah einen Moment hinüber; da fühlte sie plötzlich die Lehne ihres Sessels, auf den sich Waldens Hand gestützt, erzittern; sie wandte sich um und sah ihren Verlobten, todten- bleich, mit weit geöffneten erschreckten Äugen zu jenem blonden Weibe hinüberstarren.
„Herbert, um Gotteswillen, was ist dir?" fragte das junge Mädchen bestürzt.
Die angstbebenden Laute brachten ihn zu sich; er strich stch mit der Hand über die Augen, gleichsam, als wollte er einen bösen Spuk verscheuchen; dann lächelte er gezwungen und sagte: „Es ist schon vorüber, mein Lieb, die Wärme betäubte mich momentan."
Er schämte sich selbst wegen dieser ersten Lüge, aber durfte er seiner reinen, jungen Braut sagen, daß es der Anblick jener Frau war, der jede Fieber seines Herzens in schreckensvoller Erinnerung durchbeben ließ? Er sah das süße AuM NoraS noch immer mit ängstlicher Frage ihm
Buche bescheinigen lassen, daß die Kinder an den namhaft gemachten Tagen die Schule besucht haben.
Abgesehen davon, daß bei einem derartigen Verhalten die Seßhaftigkeit der Zigeuner eher behindert als gefördert wird, stehen der Zulassung der Zigeunerkinder zu einem vorübergehenden Besuch der Volksschule noch andere Bedenken entgegen. Eine derartige vorübergehende Einreibung von durchwandernden Zigeunerkindern ist geeignet, auf die übrigen Schulkinder in sittlicher Beziehung nachtheilig zu wirken und hat für den Lehrer selbst mancherlei Unannehmlichkeiten im Gefolge; dieselbe kann auch weder für die Zigeunerkinder selbst von genügendem Erfolge, noch für die Fortschritte der von ihnen besuchten Schulen von günstigem Einfluß sein.
Den Werten Lehrern des Kreises wird deshalb untersagt, den Kindern von durchwandernden Zigeunern die Theilnahme an dem Schulunterricht zu gestatten un< zu bescheinigen; von jedem einzelnen Falle, in welchem ein solches Kind zur Theilnahme am Schulunterricht sich meldet, ist vielmehr der Ortspolizeibehörde sofort Anzeige zu erstatten, welche mir über den Namen, die Herkunft, das Alter rc. des Kindes ungesäumt genauen Bericht einzureichen hat.
Ich ersuche die Herrn Localschulinspectoren, die Herren Lehrer nach Vorstehendem zu bescheiden.
11169. Der Königliche Landrath ___Freiherr von Schleinitz.
Cassel, den 5. Februar 1890.
Nachdem Dank der gütigen Mitwirkung Ew. Hochwohlgeboren die Unterbringung der zu Ostern 1889 confirmirten Zwangszöglinge in Lehr- und Dienststellen in so erfreulicher Weise von Stätten gegangen ist, erlaube ich mir Ihre Hülfe zu gleichem Zwecke auch in diesem Jahre ganz ergebenst in Anspruch zu nehmen.
zugewandt und flüsterte ihr zärtlich beruhigende Worte zu.
Noras Freude an der Aufführung war jedoch dahin und immer wieder flog ihr Blick zu jener strahlenden Erscheinung mit den fascinirenden braunen Augen. Erst als Lohengrin die bedeutsame Frage an Elsa richtete: „Wenn ich im Kampfe für dich siege, willst du, daß ich deiu Gattesei?" ward sie wieder aufmerksamer. Sie hörte mit innerm Schauer die ernsten Worte deS Schwanenritters: „Nie sollst du mich befragen, noch Wissens Sorge tragen, woher ich kam der Fahrt, noch wie mein Nam' und Art," und darauf Elsas demuthvolles: „Wie du mich schirmst iu meiner Noth, so halt tu Treu ich dein Gebot!"
Dann folgte der Kampf zwischen Lohengrin und Telramund mit glücklichem Ausgauge für den erstem und der Siegesjubel und Beifallsruf des versammelten Volkes. Daraus fiel der Vorhang und das Publikum strömte in die Foyers.
Während die Baronin sich mit einigen ihr bekannten Damen auf einen der DivanS setzte, welche an den Wänden standen, und der Barou sich zum Büffett begab, schritt Nora selbst am Arme des Geliebten langsam auf und nieder. Jbre Wangen waren vor innerer Erregung blaß und Waiden sagte zärtlich: „Mein Lieb, die Oper greift dich zu sehr an, wir wollen lieber nach Hause fahren.
„O nein, Herbert," erwiderte sie bittend, „laß
uns noch bleiben, ich höre ja den Lohengrin zum