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Herssei-er Breisblatt

Mit wöchentlicher Kratir-Aeikage ^AlluKrirtes Nuteröaltuugsblaü".__________

Nr. 17. Dienstag den 11. Februar 1890

AmMches.

Des Königs Majestät haben mittelst Aller« höchsten Erlasses vom 6ten v. Mts. dem Vorstände der ständigen Ausstellung für Kunst und Kunst- gewerbe zu Weimar die Erlaubniß zu ertheilen geruht, Loose zu der mit Genehmigung der Groß­herzoglich Sächsischen Staatsregterung im Jahre 1890 wiederum zu veranstaltenden Ausspielung von Gegenständen der Kunst und des Kunstgewerbes auch tm diesseitigen Staatsgebiete zu vertreiben.

Die Zahl der Loose beträgt 400000 ä 1 Mark und es kommen 6700 Gewinne tm Werthe von 2< >0000 Mark zur Berloosung. Die erste Ziehung findet vom 7. bis 9. Juni, die zweite vom 13. biS 16. December d. JS. statt. Die Gewinne bestehen aus Gegenständen der Kunst und deS Kunstgewerbes.

Die unterstellten Polizeibehörden werden hier» von mit der Aufforderung in Kenntniß gesetzt, den Vertrieb der Loose im hiesigen Regierungs­bezirke nicht zu beanstanden.

Cassel am 2 Februar 1890.

Der RegierungS Präsident.

J. V.: S ch w a r z e n b e r g.

HerSfeld, den 7. Februar 1890.

Unter Bezugnahme auf mein Allsschreiben vom 10. Juni 1887 Nr. 6140, Kreisblatt Nr. 70, Wird hierdurch bekannt gemacht, daß vom

1. Mai d. J. ab in hiesiger Stadt die zweite technische Revision der Maaße, Waagen und Gewichte bet den Gewerbetreibenden stattfindet. Letztere werden hierdurch auf die unliebsamen Folgen einer etwa Vorgefundenen Unrichtigkeit der Maaße 2C htn- gewiesen und gleichzeitig aufgefordert, dieselben soweit deren fortdauernde Richtigkeit zweifelhaft erscheint, zuvor zur atchamtltchen Prüfung zu bringen, auch sämmtliche rev sionspflichtiqen Gegen

<tiu| Irrwegen

Original-Novelle von Claire Gerhard.

(Fortsetzung.)

Sie waren sehr verschieden, diese beiden Menschenkinder, die ihr Leben dort auf der Bühne verkörpert fanden; er schon in gereiftem Mannes - alter stehend, ein ernster Jünger der Wissenschaft, sie in süßester Jugendanmuth, die Tochter eines Hocharistokrattschen Geschlechtes. Was hatte die beiden wohl zusammengeführt?

Eine Erinnerung daran mochte deS blonden Mannes Seele jetzt erfüllen, denn er sah träumerisch auf die Bühne und sein geistiges Auge schaute zurück in die jüngste Vergangenheit.

Vor wenigen Monaten war er, der viel­beschäftigte Arzt, in das Haus deS Freiherrn von Dernburg gerufen, dessen einzige Tochter in Folge einer heftigen Erkältung an einem Nervenfieber tödtlich erkrantt war. Nur ungern war Professor Herbert Waiden dem Rufe gefolgt, seine Klinik, wie seine ständige Praxis nahmen ihn hinlänglich in Anspruch, er durfte sich auch in keiner Hinsicht nach weiterer Ausdehnung seiner Thätigkeit sehnen, da wissenschaftliche Werke ihn, den armen Sohn eines längst verstorbenen Beamten, zu einem wohlhabenden Manne gemacht. Aber ein ihm unerklärliches Mahnen in seinem Innern ließ ihn endlich bereit sein, nach dem Dernburgschen Hause zu fahren.

i Die in Schmerzenslhränen aufgelöste Mutter i ; kam ihm entgegen und beschwor ihn, ihr einziges

Kmd zu retten.Wir haben schon zwei berühmte I Aerzte zu Rathe gezogen," sagte sie,aber das 1 Fieber steigert sich von Stunde zu Stunde und Nora bat in ihren lichten Momenten flehentlich, daß man sie rufe, Herr Professor."

Ein wenig überrascht, von der Kranken gekannt zu sein, folgte Waiden der aufgeregten Dame in das große Schlafzimmer der Kranken. In den spitzenbesetzten Kissen des Bettes lag ein wunder­schönes Mädchen; lange, goldbraune Haare, die man gelöst hatte, um der Fiebernden Linderung zu verschaffen, hingen wie ein prächtiger Mantel bis über den Bettrand, die Augen waren ge­schlossen und die seidenen Wimpern lagen wie ein Schleier auf den im Fieber erglühten Wangen. Professor Walden trat leisen Schrittes an das Lager, aber als er seine kühle Hand auf die heiße Stirn der Kranken legte, schlug Nora die großen Augen auf. Mit brennendem Blick heftete sie dieselben auf den Arzt, dann legte sich ein unendlich weiches, liebliches Lächeln um ihre Lippen; sie hob die gefalteten Hände wie bittend gegen Waiden und flüsterte:Mein Retter, mein Erlöser!"

Dann schloffen sich wieder die schönen Sterne und das Mädchen schien in die frühere Bewußt­losigkeit versunken. Der Professor stand erschüttert petzep dem Bett, Aehnliches war ihm in seiger

stände vor der Revision einer gründlichen Reinigung zu unterziehen und in Bereitschaft zu halten.

1125. Der Königliche Landrath

__________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 8. Februar 1890.

Herr Bauaufseher Walther hat sich bereit erklärt, den Wärtern der Gemeinde-Baumschulen in der ständischen Baumschule hier unentgeltlich Unter­weisung in der Winterveredlung -em s. g. Pfropfen der Obstwildlinge zu geben ütGMar in den Tagen vom 20. bis 23. FebrüMtin- schließlich.

Die Herren Bürgermeister fordere M aus, von diesem dankenswerthen Anerbieten möglichst Gebrauch zu machen. BiS zum 17. d. Ms. ist mir Anzeige zu machen, wenn die Theilnahme der Wärter an dem Cursus beabsichtigt wird. Dieselben haben ein scharfes Baummesser und ein scharfes Okulirmesser mitzubringen 1182. Der Königliche Landrath

Freiherr vo u Schleinitz.

Polizei-Beror-nung.

Auf Grund des §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867 über die Polkzeiverwaltung in den neu erworbenen Landestheilen ist mit Zustimmung der Gemeindebehörde folgende für den Bereich der Gemeinde Schenklengsfeld gültige ortspolizeiliche Vorschrift erlassen.

§ 1«

Bet Schneefall ist von den angrenzenden Be­wohnern einer Straße oder Gasse in deren Mitte eine mindestens 2 Meter .breite schneefreie Bahn herzustellen und stets offen zu halten.

§. 2.

Die Hausbesitzer over deren Stellvertreter haben bei eingetretenem Thauwetter die Kandeln und Straßen ohne vorherige Aufforderung von Schnee und Eis zu befreien, auch bei Glatteis

das Eis aufzuhacken und mit Sand oder Asche zu bestreuen.

§ 3.

Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung werden mit einer Geldstrafe bis 9 Mark oder mit entsprechender Haft bestraft.

Schenklengsfeld, den 6. Januar 1890.

Der Bürgermeister Rüger.

+ Ein socialpolitischcs Manisch des Kaisers.

Neben der Botschaft des großen Kaisers vom 17. November 1881, welche die Welt vor das Programm einer socialen Reform stellte und die positive Förderung des Wohles der Arbeiter zu einer Hauptaufgabe des Staates machte, sind S"ßere und bedeutsamere Kundgebungen vom tone aus nicht ergangen, als es diejenigen sind, welche unser Kaiser an den Reichskanzler wie an die Minister der öffentlichen Arbeiten und für Handel und Gewerbe gerichtet hat; man kann sie ein socialpolittscheS Manifest des Kaisers an die Arbeiter wie an die Nation nennen.

Der Kaiser hat sich zu neuen Schritten zum Zweck der Verbesserung der Lage der arbeitenden Klassen entschlossen. Er stellt zwei neue große Ziele auf und bezeichnet zugleich auch die Wege dazu.

In ersterer Beziehung will er eine Revision der bestehenden, nicht mehr als ausreichend zu erachtenden Vorschriften der Gewerbeordnung über die Verhältnisse der Fabrikarbeiter, und hier weist er insbesondere auf die in der Arbeiterbewegung zum Vorschein gekommenen Klagen über die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit hin, indem er es als eine Aufgabe der Staatsgewalt hinstellt, diese so zu regeln, daß »die Erhaltung der Gesundheit, die

ganzen Praxis nicht vorgekommen, und ein weiche-, fast zärtliches Erbarmen mit der Kranken schlich in sein Herz.

Wie dann die bange, schwere Zeit verstrichen - er vermochte es selbst kaum zu sagen. Wie beschäftigt er damals auch gewesen, wie viele Leidende seine Hilfe in Anspruch genommen sein ganzes Denken war dennoch auf jenes holde Mädchen gerichtet, welches sich der Tod zur Beute ausersehen zu haben schien und dem er eS «bringen wollte um jeden Preis.

Er saß stundenlang im Krankenzimmer und beobachtete die arme Leidende, er bot seine ganze Kunst auf und wachte oft halbe Nächte bei ihr, aber häufig verzweifelte er selbst schon und mußte dennoch die gebeugten Eltern aufrichten und ver­trösten. Das Fieber schien nicht weichen zu wollen und das junge Mädchen lag meistens tu den wildesten Phantasten.

Der Professor lauschte oft erstaunt auf das, was die Lippen der kaum Achtzehnjährigen ver­riethen; er hätte eS nie geglaubt, daß ein Mädchen wie dieses, im Schooße des Reichthums, im Kreise höchster Vornehmheit erzogen, sich so eingehend mit dem Leben und Leiden der übrigen Menschheit beschäftigt, daß ein so junges Mädchen schon so viel gelesen und darüber nachgedacht. Am höchsten aber überraschte es ihn seinen Namen zuweilen von ihr zu hören und endlich ward ihm deS Räthsels Lösung. Auf ihre« Schreibtische fang