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Herssel-el Kreisblitt.
Mit wöchmtliS« Oratir-Meilag« «IllMrirt« A«terhaku»gsökatt".
Nr. 16.
Sonnabend den 8. Februar
1890
Amtliches.
Hersfeld, den 6. Februar 1890.
In Verfolg meiner Verfügungen vom 14. v. Mts. Nr. 344 (Extrablatt zum Kreisblatt Nr. 5) und vom 25. dess. Nr. 631 (Kreisblatt Nr. 11) werden die Herren Bürgermeister und Ortsverwalter des Kreises hierdurch angewiesen, noch im Laufe dieser Woche, jedenfalls aber bis spätestens zum 11. d. Mts. in Ihren Verwaltungsbezirken öffentlich bekannt machen zu lassen, daß die Wahl zum Reichstage am 20. d. Mts. stattfindet, und daß dteWahlhandlung um 10 Uhr Vormittags beginnt und um 6 Uhr Nachmittags geschlossen wird, wobei zugleich nochmals die Abgrenzung des betreffenden Wahlbezirks, das Wahllokal und der Name des Wahlvorstehers und deffen Stellvertreters anzu- geben ist.
Im Weiteren haben dieselben in Gemäsheit des § 4. des Reglements vom 28. Mai 1870 die Wählerlisten am 14. d. M t v. abzuschließen, und nach vorgängiger ordnungsmäßiger Vollziehung der auf diesen vorgedruckten Bescheinigungen das Hauptexemplar derselben nebst den Belagstücken sorgfältig aufzubewahren, das zweite Exemplar dagegen dem betreffenden Wahlvorsteher Behufs Benutzung bei der Wahl alsbald zuzustellen.
1187 I. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
Hersfeld, den 6. Februar 1890.
Den Herren Wahlvorstehern der Landgemeinden des Kreises wird in diesen Tagen je ein Exemplar des Wahlgesetzes vom 31. Mai 1869 sowie des dazu erlassenen Reglements vom 28. Mai 1870 nebst einem Formulare zu dem über die Er- Mittelung des Wahlergebnisses aufzunebmenden »>^- W . I'. ÜW———.......... -
MM und Lieöe.
Roman von 6. Wild.
(Schluß.)
Scheu und verschüchtert nahm Viola alle Liebes- beweise entgegen, und doch wie glücklich, wie selig fühlte sie sich.
„Sie bleiben vorläusig bei mir/ sagte die Präsidentin lächelnd zu ihr, „ich will schon für Sie Sorge tragen."
„Wie gütig Sie sind," flüsterte Viola mit bebenden Lippen, „o, wenn Sie wüßten, was ich gelitten!" , _
Sie brach rasch ab, und auch die alte Dame schüttelte abwehrend den Kopf. »Später, davon später, liebes Kind," murmelte sie.
Gerhard verabschiedete sich bald, er versprach am andern Morgen wiederzukommen, und als er gegangen, drängle die Präsidentin Viola, sich zur Ruhe zu begeben.
Viola fügte sich, aber lag noch lange wach, und Kopf und Herz beschäftigte nur die eine Frage: »Was wird nun werben?"
Mit heißem Erröthen trat sie am nächsten Morgen dem Freiherrn entgegen. Gerhard erfaßte sanft ihre Hand.
„Ich habe mich schon mit der Präsidentin besprochen," sagte er, „in der Voraussetzung, daß Sie sich meinem Vorschläge fügen werden. Vor- läufig bleiben Sie hier, ich reise heute nach Hause Md setze Magda von allem in Kenntniß. Sie
Protokolle und zu der dabei zu führenden Gegen-1 liste Behufs Benutzung bei der am 20. d. Mts. stattfindenden Reichstagswahl zugesandt werden, und wollen dieselben mit den bet der Wahlhandlung zu beobachtenden Bestimmungen sich alsbald genau bekannt machen und sorgfältig danach verfahren.
Insbesondere mache ich darauf aufmerksam, daß namentlich die Vorschriften der §§ 9 bis 25 des Reglements zu beachten sind, und daß sowohl zu Beisitzern als zu Protokollführern nach § 9 des Wahlgsetzes nur solche Personen herangezogen werden dürien, welche kein unmittelbares Staatsamt bekleiden, mithin z. B. auch Standesbeamte ausgeschlossen sind, wenn solche ihre Besoldung aus der Staatskasse beziehen. Auch müssen die Wählerlisten, wie die Protokolle und die Gegenlisten von dem ge- sammten Wahlvorstande, also von dem Wahlvorsteher, dem Protokollführer und den Beisitzern unterschrieben werden, und ungültig erklärte Stimmzettel sind mit fortlaufender Nummer zu versehen und dem Protokolle, in welchem die Gründe angegeben werden müssen, aus denen die Ungültigkeitserklärung erfolgt ist, beizuheften. Die Wahlprotokolle mit sämmtlichen zugehörigen Schriftstücken müssen sodann ungesäumt mir eingereicht werden, so daß sie spätestens am 23. d. Mts. Nachmittags 2 Uhr in meinen Händen sind.
Die Herren Bürgermeister der Wahlorte, welche nicht selbst Wahlvorsteher sind, haben den Herren Wahlvorstehern diese Verfügung zur Einsicht mitzutheilen.
1137II. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e t n i tz.
Bekanntmachung.
Mit Bezugnahme auf den § 26 des Reglements vom 28. Mai 1870 zur Ausführung des Wahl
werden Ihnen gern bei sich eine Heimaty bieten,; und Sie werden diese sicherlich nicht verschmähen."
Er hielt inne und sah sie erwartungsvoll an.
In Violas Augen leuchtete es freudig auf. „Darf ich dieses Anerbieten annehmen?" fragte sie zögernd. „Herr von Rotteck —"
Er unterbrach sie lächelnd.
„Der gute Rotteck thut, was Magda will.
„Und Magda," flüsterte sie leise, „sie muß mir zürnen, es wäre zu viel des Edelmuthes."
„Sie hat Ihnen längst vergeben — lassen wir Vergangenes ruhen. Wollen Sie kommen, Viola, mir zu Liebe?"
Er sah ihr tief in die Augen, denen urplötzlich heiße Thränen entströmten.
„Ich sollte Ihnen zürnen," sprach er weich, „daß Sie sich nicht sofort an mich gewandt — ich habe Sie lange Zeit mit banger Sorge gesucht."
„Ich habe nicht so viel Güte verdient," sagte sie schluchzend, „und das hielt mich ab, Hilfe bei Ihnen zu suchen."
Gerhards Arme hoben sich, als wollte er die Schluchzende umfangen, aber er hielt sich gewaltsam zurück.
Es war noch zu früh, ihr von seiner Liebe zu sprechen, die allem zum Trotz nie in seinem Herzen für sie erloschen war. Erst mußte sie sich wiederfinden, dann wollte er ihr sagen, daß sie noch nimmer für ihn das ganze Glück seines Lebens sei.--
Wenige Tage nach Gerhards Abreise kam Frau
gesctzes für den Reichstag vom 31. Mai 1869 bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß die Ermittelung des Ergebnisses der am 20. d. Mts. vorzunehmenden Wahl eines Reichs- tagsabgeordneten für den 6. Wahlkreis im Regierungsbezirk Cassel am Montag den 24. b. Mts. von Morgens 9 Uhr an im hiesigen Rathhaussaale stattfinden wird, und der Zutritt zu dem Locale jedem Wähler offen steht. Hersfeld, den 6. Februar 1890.
Der Wahlkommissar für den 6. Wahlkreis im Regierungsbezirk Cassel: Freiherr von Schleinttz, Königlicher Landrath.
J. Nr. 1136.____________________________________
Zwei Kaiserliche Erlasse zu Gunsterr der deutschen Arbeiter.
Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht folgende zwei Allerhöchste Erlasse:
Ich bin entschlossen, zur Verbesserung der Lage der deutschen Arbeiter die Hand zu bieten, soweit die Grenzen es gestatten, welche Meiner Fürsorge durch die Nothwendigkeit gezogen werden, die deutsche Industrie auf dem Weltmärkte concurrenzfähig zu erhalten und dadurch ihre und der Arbeiter Existenz zu sichern. Der Rückgang der heimischen Betriebe durch Verlust ihres Absatzes im Auslande würde nicht nur die Unternehmer, sondern auch ihre Arbeiter brodloS machen. Die in der internationalen Concurrenz begründeten Schwierigkeiten der Verbesserung der Lage unserer Arbeiter lassen sich nur durch internationale Verständigung der an der Beherrschung des Weltmarktes betheiligten Länder, wenn nicht überwinden, doch abschwächen. In der Ueberzeugung, daß auch andere Regierungen von dem Wunsche beseelt sind, die Bestrebungen einer gemeinsamen Prüfung zu unterziehen, über welche
! von Rotteck selbst, um Viola heimzuführen. — Magda glaubte diese Rücksicht ihrem guten Bruder schuldig zu sein, und so schwer sie sich auch von ihrer Familie trennte, so brächte sie dennoch dieses Opfer, denn sie wollte auch Viola dadurch beweisen, daß alles vergeben und vergessen sei.
Für die so schwer geprüfte junge Frau begann fitzt ein neues Leben. Jetzt erst lernte sie den wahren Werth einer trauten Häuslichkeit schätzen und das volle Glück eines stillen Familienlebens erkennen.
Die Stürme des Lebens hatten die zauberhafte Schönheit, die einst Viola geschmückt, für immer vernichtet, aber sie hatte sich dafür eine andere Schönheit errungen, die dauernd und unvergänglich ist — die Schlacken, welche ihre junge Seele umhüllt, waren gefallen und das echte Gold zum Durchbruch gekommen.
Nicht an Aeußerlichkeiten haftete mehr ihr Sinn, hatte sie doch die traurige Erfahrung gemacht, daß gerade die glänzendste Außenseite die tiefsten Schatten birgt und daß das höchste Glück des Menschen nicht im Glänze der Welt, sondern im eigenen Herzen liegt.
Und es kam der Tag, der alle ihre Wünsche krönen sollte, der Tag, an dem sie das Weib des Mannes wurde, dessen Werth sie erst erkannte, als sie selbst im frevelhaften Leichtsinne eine unübersteigbare Scheidewand zwischen sich und ihm auf gerietet; nach langen Kämpfen, nach