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Hersseliitl Kreisblitt.

Mit wöchentlicher Gratis-Mt klageMuürkrtes Nuterhaltuugsvlatt

Nr. 15. Donnerstag des 6. Februar 1890.

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Im Jnlertsfe der Pseroezüchter im hresigen Kreis wird Nachstehendes zur allgemeinen Kenntniß gebracht.

Cassel, am 18. Januar 1890.

An

die Herren Vorstände der landwirthschaftlichen Kreisvereine im Regierungsbezirk Cassel!

In der Zeit vom 12. bis 22. Juni d. I. wird in Berlin die erste allgemeine deutsch« Pfer-e-AuS- stellung abgehalten werden.

Indem das Directorium des landwirthschaftlichen Central- vereinS Ihnen unter Beifügung eines Exemplars der Aus- stellungs-Ordnung und des PrämiirnngSpIaneS hiervon Kenntniß giebt, theilt dasselbe zugleich mit, daß der Herr Minister sur Landwirthschast, Domainen und Forsten durch Circularverfügung den Eentralverein angewiesen hat, nach Kräften auf Beschickung dieser Ausstellung hinzuwirken.

Zur Ausführung dieses ministeriellen Erlasses und weil da» Directorium von dem großen Werth der Ausstellung für die Hessische Landespferdezucht überzeugt ist, hat dasselbe be­schlossen, einen Theil der den Ausstellern erwachsenden Kosten hals Standgeld, Reisekosten, Versicherung) zu übernehmen, wenn die Aussteller sich so zeitig bei dem Vorsitzenden der PrüfungS-Commission, dem Königlichen Landstallmeister Herrn von der Marwitz in Dillenburg melden, daß noch eine Vorbesichtigung vorgenonimen werden kann und diese die Würdigkeit des auszustellenden Objects anerkennt.

Das Directorium zählt bei diesem Unternehmen auf die Bereitwilligkeit und kräftige Unterstützung der Kreisvereine und deren Mitglieder, namentlich aber auf große B«« schleunigung der Bekanntmachungen (eventuell Einberufung von Extra-Sitzungen), da die Anmeldungsfrist in Berlin bereits am 20. März abläuft.

MlHt und tieöe.

Roman von L. Wild. (Fortsetzung.)

Die großen, schwarzen Augen der Fürstin sahen Gerhard lockend an, als sie, sich bequem in einen Fauteuil schmiegend, mit weicher Stimme zu ihm sagte:Und nun lassen Sie uns plaudern, lieber Freund."

Gerhard zwang sich zu einigen höflichen Worten; diese schöne Frau hatte jegliche Macht Über ihn verloren; er dachte nur an Viola, und wie er sie wieder finden könnte.

Die Fürstin schien seine Zurückhaltung nicht zu bemerken. Sie erzählte von den wetten Reisen, die sie unternommen, von der langen Krankheit ihres Gatten, der vor zwei Monaten in Venedig gestorben, von ihrer Vereinsamung, daß sie hier in der Residenz nach so langer Abwesenheit sich selbst wie eine Fremde vor komme. Sie war sehr redselig, die schöne Frau, und dabei sah sie ihn immer so süß, so lockend an, als wolle sie die längst vergangene Zeit wieder heraufbeschwören, diese Zeit voll Glück und Seligkeit, da sie für Gerhard der leuchtende Stern seines Daseins gewesen.

Er hörte ihr zu, er sah ihre zärtlichen Blicke, aber nichts in seinem Herzen sprach mehr für fie; als er endlich loskommen konnte, athmete er erleichtert aus,

Damit in den Kreisvereinen nach möglichst gleichen Grund­sätzen und Anschauungen verfahren werde, theilt das Directorium | in Nachstehendem seine Ansicht mit, ohne jedoch den Kreis­vereinen hierdurch Vorschriften machen, oder selbstständiges Vorgehen, Collectiv-Ausstellungen der einzelnen Vereine, Kreise rc. hindern zu wollen.

Die Hessische Landespserdezucht ist bedeutender, als ge­wöhnlich angenommen wird. Sie befindet sich fast ganz in den Händen der kleineren (bäuerlichen) Gutsbesitzer. Die Products gehören zum größern Theil dem Halbblut an (worunter ' jedes edel gezogene Pferd, das nicht Vollblut ist, verstanden wird), jum kleineren Theil dem leichten Arbeits­schlag. Nur vereinzelt wird der schwere Arbeitsschlag gezüchtet.

Es wird von dem Herrn Minister ausdrücklich auf Collectiv- Ausstellungen hingewiesen und die Erfahrungen, vor Allem die auf den von der Deutschen Landwirthschafts-Gesellschaft verunstalteten Ausstellungen gemachten, haben die große Be­deutung derselben bewiesen. Pferde, die als einzelne Thiere kaum beachtet wurden, fanden in Collectiv-Ausstellungen an richtiger Stelle große Anerkennung.

Hiernach scheint es angezeigt, daß die Kreisvereine zunächst sich bemühen, die Besitzer geeigneter Pferde zu veranlassen, ihre Bereitwilligkeit, ihre Pferde nach Berlin fchicken zu wollen, beim Präses der Prüsungs-Commission, dem Herrn Land­stallmeister von der Marwitz in Dillenburg oder den Mitgliedern derselben, den Herrn Oberamtmann Vaupel in Niederhone und Major a. D. von der Malsburg in Eichenberg spätestens bis zum 20. Februar d. I. anzn- melden. Die Commission wird dann die angemeldeten Pferde prüfen, dieselben in eine oder mehrere Collectionen zusammen­stellen und die Anmeldung in Berlin, sowie alles Weitere besorgen.

Ein Hauptgewicht wird bei der Auswahl der einzelnen Individuen auf ihren Zuchtwerth gelegt werden müssen. Eine altere Stute z. B., deren Abstammung bekannt ist, die eine Reihe guter Nachkommen aufzuweisen hat, ist selbst wenn sie augenblicklich dem Auge kein sehr schönes Bild darbietet, einer weit schöneren jungen Stute vorzuziehen, deren Abstammung unbekannt ist unb welche noch keine guten Nachkommen hat.

Der Prämiirungs-Plan weist eine solche Menge von Klassen auf, daß jedes Pferd eine Stelle in demselben findet. Die Commission wird jedem Aussteller behülflich sein, für sein Pferd den richtigen Platz zu finden.

Sehr wünschenstverth wäre es, wenn es gelänge, eine Re­präsentation in Klasse 53 (Remonte) zu Stande zu bringen.

Das Directorium hosst mit Hülfe der Kreisvereine eine Collection von Mutterstuten und womöglich auch von 3-, 2=

Das war eine peinliche Stunde für ihn gewesen.

Aber dennoch hatte er daS Versprechen ge­geben, wieder zu kommen, und er war auch fest entschlossen, dieses Versprechen zu halten.

Mochte die Fürstin denken, was sie wollte, er mußte erfahren, wer die Dame war, die in ihrem Hause weilte.

Und so ging er täglich hin zu der schönen Frau, die ihn schon wieder in ihren Netzen wähnte; ach, es war ein so süßer Zeitvertreib, und wenn sie auch nicht daran dachte, ihren Fürstentttel hinzugeben, um die Gattin eines einfachen Land- edelmannes zu werden, so war dieses Spiel doch zu angenehm, um es eines bloßen Gewissens­skrupels wegen aufzugeben.

Bis zu einer Erklärung durfte man es eben nicht kommen lassen, und wenn auch, dann bat sie sich einfach Bedenkzeit aus und reiste wieder für einige Zeit ins Ausland, bis man die Sache vergessen hatte.

So calculirte die herzlose Kokette, der eS nur um ein Amüsement zu thun war, und die in ihren Träumen den stolzen, ernsten Mann schon zu ihren Füßen sah.

Viola, denn Gerhards Ahnung hatte ihn nicht betrogen, war nur widerstrebend der Fürstin in die Residenz gefolgt. Sie fühlte sich unbehaglich in der Nähe der hochmüthigen Frau, welche sie ihre abhängige Stellung nur zu deutlich em­pfinden ließ.

und 1jährigen Stuten zusammenstellen zu können, und hat die Ueberzeugung, daß wenn dies gelingt, hierdurch der Hessischen Pferdezucht und indirect der Landwirthschaft ein großer Nutzen geschaffen wird, der es wohl verlohnt, daß die Vereinsorgane ihre Thätigkeit dieser Aufgabe widmen.

Das Directorium des landwirthschaftlichen CentralvereinS für den Regierungsbezirk Cassel. Kochendörfcr.

Die Herren Bürgermeister werden ersucht, dies den Pferdezüchtern mittheilen zu wollen. Die Besitzer geeigneter Pferde mögen sich daher nach Beschluß des landwirthschaftlichen Kreisvereins vom 1. Februar cr. bei Herrn Kaufmann Degenhardt zu Hersfeld anmelden.

Landershausen, am 3. Februar 1890.

Der Borfitzende -es landwirthschaftlichen Kreisvereins Hersfeld.

A. Reinhard, Bürgermeister.

Aus dem Landtage.

Berlin, 3. Februar. In der heutigen (8.) Plenar­sitzung wurde die zweite Berathung des Etats beim Specialetat der directen Steuern fortgesetzt. Abg. Som- bart (nat.-lib.) setzt'auseinander, daß der geplanten Ueber. Weisung der Grund, und Gebäudesteuer die Verabschiedung einer Landgemeinde- und einer Wegeordnung voraufgehen müsse und daß eine Vorlage, betreffend die Ucberweisung der Grund- und Gebäudesteuer, erst angezeigt erscheinen könne, sobald eine Reform der Klassen- und Einkommensteuer erfolgt sei. Auf Anregung des Abg. v. Jagow (conf.) erklärt Reg.-Comm. Generalsteuerdirector Burghart, daß die Re­gierung bei Ausführung des Gesetzes, betreffend den Erlaß der Grund- und Gebäudesteuer für von Ueberschwemmungen heimgesuchte Besitzer, ihrerseits Bedacht darauf nehme, über­flüssige Formalitäten zu vermeiden. Abg. Rickert (deutsch- freis.) richtet die Frage an den Herrn Minister, ob es beabsichtigt sei, die Reform der Klassen- und Einkommensteuer in Verbindung mit einer Landgemeindeordnung vorzunehmen.

Abg. Dr. Krause (nat.-lib.) betont die Dringlichkeit einer Reform der Klassen- und Einkommensteuer, die leider wieber auf ungewisse Zeit hinausgeschoben erscheine und tritt sodann für die Einführung einer progressiven Einkommensteuer ein. Finanzminister Dr. von Scholz erklärt dem Abg. Rickert gegenüber, daß, da wie bekannt, das bezügliche Steuer­reformgesetz sich im Stadium der Vorberathung befinde, er

Allein wohin wollte sie sich wenden, wenn sie diesen Zufluchtsort verließ!

Sie war sich selbst darüber nicht klar, daß sie dennoch ein gewisses Etwas in die Residenz zog, nach einem Orte, wo ihre Leiden begonnen hatten, und wo jeder Blick nur schmerzliche Erinnerungen für sie hatte.

Gewiß, sie wünschte es nicht, Gerhard zu be­gegnen, und dennoch ertappte sie sich zuweilen bei dem Gedanken, daß dies hier doch ein leicht möglicher Fall sei.

Und wie lebhaft konnte sie sich dann noch eine solche Begegnung ausmalen! Sie sah dann wieder diese dunklen, ernsten Augen auf sich geheftet, sie hörte seine freundlichen Worte und fühlte den warmen Druck seiner Hand und dann flog ein seliges Lächeln über ihr Gesicht, und all' daS Leid der Vergangenheit war vergessen.

Wie oft schon hatte sie auf dem Punkte ge­standen, zu der Präsidentin Eckberg zu gehen, um von der alten Dame sich Nachrichten über Gerhard zu erbitten, aber dann dachte sie daran, daß sie alles erzählen mußte, all' die kaum ver­harschten Wunden wieder aufreißen, von den erlittenen Demüthigungen sprechen, nein, daS vermochte sie noch nicht.

Es war besser so, sie blieb verschollen, verschollen und vielleicht auch schon vergessen.

Die Fürstin nahm Violas Dienste wenig in Anspruch; des Morgens mußte Viola eine Stund;