Erscheint wöchentlich bin Mol Dwnstng, Donnerstag und Sonnabend, NbonnewentSprit«: viertkljährlich 1 Mark 40 Psg. excl.
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Ittsfdütt Kreisblett.
__________Mit wöchentlicher Kratir-Meilage „Illustrirt« Zluterhaltungsblatt",
Nr. 13. Soimabeud reu 1. Februar 1890.
Avonnements-Kinladnng.
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Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage
„Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliche».
HerSfeld, den 29, Januar 1890.
Der Cigarrenfabrikant Johann F i e n e m a n n dahter hat für sich und seine Familie um Er- thetlung eines Reisepasses, zwecks einer Reise ins Ausland, nachgesucht.
729. Der Königliche Laudrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Betauutmachuug
wegen Ausreichung der ZinSscheine Reihe II zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsoltdirten 4°/oigen Staatsanleihe von 1880.
Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsoli- dirten 4prozentigen Staatsanleihe von 1880 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1890 bis 81. Dezember 1899 nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe werden vom 2. Dezember d. Js. ab von der Kontrolle der Staatspapiere Hierselbst, Oranienstraße 92/94 unten links, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jeden Monats ausge- reicht werden.
unö Liebe.
Roman von 6. Wild.
(Fortsetzung.)
Tonnberg streckte ihr abwehrend die Hand entgegen. »Zurück," sagte er, »der Schmuck soll mir Glück bringen."
»Er wird dir kein Glück bringen, laß ihn mir," flehte sie. „Sieh, es ist das Einzige, das mir geblieben, ich hänge so sehr daran —"
»Doch nicht, weil es von deiner Mutter ist," unterbrach er sie spöttisch. »Das einzige Schmuckstück, welches sie nicht verspielte — ja, ja, steh mich nur mit großen Augen an, als wenn du nichts davon wüßtest. Deine Mutter hat dem grünen Tische in Monte Carlo alles geopfert — sie hat ihr Kind zur Bettlerin gemacht."
Ein heiserer Schrei unterbrach ihn.
»Du lügst, meine Mutter war keine Spielerin!"
»Ereifere dich nicht so sehr, meine Liebe! Frage doch den Grafen, er hat die Baronin Buchfeld gut gekannt. Eine schöne, elegante Frau, die zu leben verstand; sie hätte sich nicht geweigert, bet Spielabenden zu präsidieren, so wie du eS gethan."
Viola starrte ihn wie vernichtet an. Gerhard hatte ihr zartfühlend alles verschwiegen, was auf das Andenken ihrer Mutter irgend einen Schatten werfen konnte; im Gegentheil, er hatte der Baronin kühles Benehmen gegen ihr einziges Kind mit ihrer Kränklichkeit entschuldigt und
Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungs- Hauptkassen, sowie in Frankfurt a/M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfangnahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bei dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Ein- reicher eine numerirte Marke als Empfangsbescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Fall erhalten die Einreicher das eine Exemplar mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine zurückzugeben.
In Schriftwechsel kann die Kontrolle der Staatspapiere sich mit denJnhabern derZtnsscheinanwetsungennichteinlassen.
Wer die Zinsscheine durch eine der oben genannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Anweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangsbescheinigung versehen sogleich zurückgegeben und ist bet Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bei den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnenden sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.
Der Erreichung der Schuldverschreibungen bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsschetne nur dann, wenn die Zinsscheinanwetsungen abhanden gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Pro
nachdem Viola den unglückseligen ^rief ihrer Mutter gelesen, hatte sie die Verstorbene mit der Gloriole des Märtyrerthums umgeben, sie war ja unverstanden durchS Leben gegangen, an einen Mann gekettet, den sie nicht lieben konnte. Das hatte der Tochter regstes Mitgefühl wachgerufen und nun? Ihre Mutter war auch ein Opfer jenes entsetzlichen Lasters gewesen, das jede bessere Regung in dem menschlichen Herzen ertödtete, das stumpf, kalt und fühllos machte für alles andere, außer für das Spiel. Nein, nein, es konnte nicht sein, es durfte nicht sein! Tonnberg mußte widerrufen, ihre Mutter war keine Spielerin gewesen!
»Wilhelm", sagte sie matt, »ehre daS Andenken der Todten und verleumde sie nicht!"
„Ich verleumde nicht, ich kenne ganz genau die Geschichte deiner Mutter. Sie hat alles bis zum letzten Heller verspielt, und bis zum letzten Athemzuge, könnte man sagen, denn sie stürzte ohnmächtig beim Spieltisch zusammen und wenige Tage darauf ist sie auch gestorben, der Graf hat mir erst gestern alle Einzelheiten erzählt."
Aus den Wangen der jungen Frau war jeder Blutstropfen gewichen; starren, gläsernen Auges blickte sie den Gatten an. So sprach er doch die Wahrheit!
„Bist du überzeugt?" fragte Tonnberg höhnend, »und nun gib mir den Weg frei, ich muß zur bestimmten Stunde in Monte Carlo eintreffen."
Viola raffte ihre ganze Kraft zusammen.
vinzialkassen mittels besonderer Eingabe einzu reichen.
Berlin, den 17. October 1889. Königliche Hauptverwaltung der Staatsschulden.
I. 1973. gez. SydoW.
* * *
Cassel, den 25. October 1889.
Die vorstehende Bekanntmachung wird hierdurch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Formulare zu den in derselben gedachten Verzeichnissen bet der Regierungs-Hauptkafse hier und den sämmtlichen Steuerkassen des Regierungsbezirks unentgeltlich zu haben sind.
Königliche Regierung.
K. 2025. Rothe.
Aus dem Landtage.
Berlin, 28. Januar, ' In seiner heutigen (6.) Plenarsitzung nahm das Abgeordnetenhaus zunächst den Ber- trag wegen Fortdauer des Thüringischen Zoll- und Handelsvereins in dr-"rr Berathung unverändert an und setzte daraus die zweite Berathung des Etats fort. Beim Etat der Domänen sprach Abg. Sombart (nat.-lib.) seine Befriedigung über die den Domänenpächtern seitens der Verwaltung gewährten Erleichterungen aus und plaidirte gleichzeitig für einen anderweitigen Modus der Rormiruug des Pachtminimums. Abg. Humann (Eentr.) brächte unter besonderer Bezugnahme auf seine westfälische Heimath den andauernden Nothstand der Landwirthschaft zur Sprache, zu dessen Hebung vor allem eine durchgreifende Steuerreform, sowie eine verbesserte Organisation des Creditwesens erforderlich sei und empfahl die Domänenpächter dein Wohlwollen des Herrn Ministers. Auf eine Anregung der Abg. Berger erklärte der Herr Minister für Landwirth- fchaft, Domänen und Forsten, Dr. Frhr. Lucius v. BaUHausen seine Bereitwilligkeit, mit seinem Kondominu«, dem Herrn Justizminister eine Bereinbarung dahin zu treffen, daß die auf der Domäne Kloster Ebersbach angelegte Ee- fangenenanstalt, welche das romantische Kirchengebände erheblich beeinträchtige, nach einem anderen Orte verlegt werde. Bezüglich einiger weiterer von den Abgg. v. Hergenhahn (nat.-lib.) und Dr. Lieber hEentr.h geäußerter Wünsche sprich! sich der Herr Minister dahin aus, daß hinsichtlich der
„New, lch lasse dich nicht fort, Wilhelm," sagte sie mit halberstickter Stimme, „ein solches Leben ist nicht mehr zu ertragen! Raffe dich auf, kehre um, ehe es ganz zu spät geworden, laß uns ein neues Leben beginnen. Ich will arbeiten, ich will alles versuchen, nur meide die Spielbauk, sage dich los von dem Grafen, kehre zu mir zurück."
„Tolles Geschwätz das — gib den Weg frei," rief er wild.
Sie klammerte sich fest an ihn und versuchte es, ihn mit ihren schwachen Armen zurückzuhalten.
„Wilhelm," flehte sie, »habe Mitleid mit mir, mit dir — laß uns nicht noch tiefer sinken."
„Gib mir den Weg frei, Weib, oder —"
Sie hörte nicht aus ihn.
Mit ihren zarten, kleinen Händen umschlang sie krampfhaft seinen Arm.
„Ich lasse dich nicht," stöhnte sie, „ich lasse dich nicht, du gehst deinem Berderben entgegen."
Das hagere Antlitz des Spielers färbte sich glühendroth vor Zorn.
Ohne weiter ein Wort zu sprechen, packte Tonnberg die fest umklammert haltende Viola raich beim Arme und stieß sie so heftig von sich, daß sie mit einem leisen Wehruf zu Boden fiel.
Ohne sich umzublicken, verließ Tonnberg dann eilig das Zimmer, während Viola halb betäubt am Boden liegen blieb.
Minute um Minute verrann, die junge Frau
regte sich nicht. Die Dämmerung kam. Vmlq