Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnabend, «bonnewentiprei«: vierteljährlich 1 Mark 40 Pkg. exel
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Die Insertiontgebühren Betragen für den Raum einer Spalt»eil« 10 Ps,^ im amtlichen Dheile 15 Pf,. ReNamen die Zeile 20 Pfg.
Bei größeren «uftrigen entsprechenderRadatt.
Herchl-er Kreisbiiltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Meilage „Mukrirtes MuterhaltungsölaLL".
Nr. 12. ^ Donnerstag den 30. Januar 1890
Aöonuements-Kintadung.
Bestellungen auf das
Hersfetder Kreisvlatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage „SUuftrirteS Unterhaltungsblatt" pro Februar und März werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 28. Januar 1890.
Die Herren Ortsvorstände erhalten hierdurch die Weisung, bis spätestens zum 12. Februar er. diejenigen Kinder, welche in der betreffenden Ge- meinde (Gutsbezirk) nicht geboren, aber in dieselbe mit den Eltern oder sonst wie nngeimpft überzogen sind, in Gemäshsit der Bestimmungen im §. 8 des Reglements vom 4. März 1875 (Nr. 15 des Amtsblattes de 1875) mittelst besonderer Verzeichnisse zu meiner Kenntniß zu bringen. Gleichzeitig erhalten die Herren Standesbeamten des Kreises hiermit die Weisung unter Benutzung des ihnen in den nächsten Tagen zugehenden Formularpapiers die nach dem Reichsgesetz vom 8. April 1874 über die Ausführung der öffentlichen Schutzpockenimpfung vor- geschriebenen Jmpflisten durch Eintragung der im Jahre 1889 geborenen und noch am Leben befindlichen Kinder vorzurichten, und mir bis zum 10. k. M t s. etnzureichen. Die Jmpflisten sind in der Weise aufzustellen, daß dte Impflinge einer jeden Gemeinde zusammen, untereinander, aufgeführt werden.
Den Herren Localschulinfpectoren wird ebenfalls das nöthige Formularpapier zu den
Ifllchl unö lÄ.
Roman von C. Wild.
(Fortsetzung.)
Violas Blick ruhte auf dem üppigen Buschwerk, welches den Garten zierte, der sich rückwärts an das Hotel schloß, in welchem Viola mit ihrem Gatten zwei bescheidene Zimmer inne hatte. Vor einer Woche waren sie in Nizza angekommen, nachdem sie längere Zeit hindurch beständig auf Reffen gelebt hatten. Eine bange schwere Zeit!
Die junge Frau seufzte tief auf und bog stch zum Fenster hinaus, um die milde Abendluft einzuathmen, die kühlend ihre brennende Stirn umwehte. Was alles hatte sie während dieser Zeit durchkämpft, durchlitten, und welchen Leiden ging sie noch entgegen!
Wenige Tage nach Gerhards Besuche hatte ihr Tonnberg in kurzen Worten mitgetheilt, daß er sein Haus verkauft habe und daß sie nun ihren Schmuck opfern müsse, damit sie die Residenz »erlassen könnten.
Viola hatte alles hergegeben, ohne Widerrede, ohne Vorwurf, nur das kleine Brillantkreuz, das Erbe ihrer Mutter, hatte sie zurückbehalten.
Und nun hatte die Qual begonnen.
Ohne ihr Zeit zu lassen, auch nur von der Präsidentin Eckberg Abschied zu nehmen, hatte ie Tonnberg erbarmungslos mit sich fortge- chleppt, nach Rom, Venedig, Neapel und schließ- ich nach PariS.
für Impfung und Revaccination getrennt zu haltenden Listen
1) über diejenigen Zöglinge der ihnen unterstellten Lehranstalten oder Privatschulen, welche im laufenden Jahr das zwölfte Lebensjahr zurücklegen werden und
2) über die Schüler, für welche der Nachweis der Impfung nicht erbracht ist, mitgetheilt werden, deren Rücksendung ich bis s p ä t e st e n s zum 15. Februar c r. erwarten muß.
Die laufenden Nummern in sämmtlichen Listen sind fortzulassen.
689. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
+ Die Botschaft des Kaisers.
Die Thätigkeit des vor drei Jahren gewählten Reichstags hat nunmehr ihren Abschluß gefunden. Der Bedeutung seiner Leistungen sowie der Zeit, während welcher er thätig war, entsprach es, daß der Kaiser das Bedürfniß empfand, dem Reichstage ein Abschiedswort zuzurufen, welches gleichbedeutend für das, was hinter uns liegt, wie für die Zukunft ist.
Der Kaiser hat den Reichstag noch einmal um sich versammelt, um ihm für das, was er gethan, seinen Dank auszusprechen. Er dankt zunächst dem Volke für die bei den großen erschütternden Ereignissen des Jahres bewiesene Treue und starke monarchische Gesinnung, welche den jähen doppelten Thronwechsel überwinden half, und welche in dem Verhalten des Reichstags einen deutlichen Ausdruck fand. Weiter aber dankt er dem Reichstage für seine Thaten auf dem Gebiete der Vervollkommnung der Wehrkraft und der socialpolitischen Reform In der That überragen die Leistungen des Reichstags auf diesen Gebieten I Alles, was bisher einer Volksvertretung in der
Und überall war Graf Heinold der stete Begleiter.gewesen, und überall war Tonnberg der Verlierende geblieben.
Viola schwieg und duldete, nur in Paris war es zu einem heftigen Auftritte zwischen ihr und dem Gatten gekommen.
Tonnberg hatte in seinem Hause Spielabende arrangieren wollen und verlangt, daß Viola als Hausfrau die Honneurs mache, dem aber hatte sich die junge Frau auf das entschiedenste widersetzt.
Um keinen Preis der Welt, hätte sich Viola dazu hergeben mögen, diesem Kreise von Rouss und Spielern zu präsidieren, und Tonnberg mußte seinen Plan fallen lassen.
Ganz von seiner unwürdigen Leidenschaft umstrickt, war er immer tiefer gesunken.
Jeder Funke besseren Gefühls war in ihm erloschen, und jedes Mittel dünkte ihm jetzt recht, um wieder zu seinem verlorenen Reichthum zu gelangen. Er war ein Professtonsspieler geworden und von der fixen Idee beherrscht, eS müsse ihm dennoch einmal gelingen, das entfliehende Glück festzuhalten.
Er liebte Viola längst nicht mehr, denn die Leidenschaft zum Spiele füllte seine ganze Seele auS, allein das Band der Gewohnheit fesselte ihn an die junge Frau, und er mochte ihre Gegenwart nicht missen, so lästig ihm auch ihre Bitten und Vorstellungen waren.
Er achtete es kaum, daß Gram und Kummer die wunderbare Schönheit, die ihn ehedem so
kurzen Spanne dreier Jahre zu schaffen möglich gewesen. Auf dem ersteren Gebiete hat er sich durch das, was er bewerkstelligt, nach dem §eugniß des Kaisers für die Erhaltung des riedens und für die Stärkung der Weltstellung des Reichs nach Außen verdient gemacht, während er auf dem Gebiete der Socialreform für die Förderung des inneren Friedens hervorragend wirksam gewesen.
Aber der Kaiser erkennt in seiner Botschaft auch an, daß namentlich in letzterer Beziehung noch Vieles zu thun übrig bleibt und daß er von dem zukünftigen Reichstag noch Manches zu erwarten hat. Die Wärme, mit der der Kaiser bei dieser Gelegenheit von Neuem sein Interesse für die Befriedigung der berechtigten Wünsche der arbeitenden Klassen bekundet, bezeugt, welchen hohen Werth er gerade auf die befriedigende Gestaltung ihrer Lage legt. Er hofft, daß die arbeitenden Klassen aus dem, was bereits für sie geschehen, die Gewißheit erlangen werden, daß die gesetzgebenden Gewalten für ihre berechtigten Interessen ein warmes Herz haben und daß sie eine befriedigende Gestaltung ihrer Lage nur auf dem Wege frtedl'cher und gesetzmäßiger Ordnung erlangen werden. Angesichts der neuen Bewegung in den Kohlengebteten werden diese Worte gewiß allenthalben bei den Wählern und den zu wählenden Abgeordneten sowohl, wie bei den Arbeitern selbst, als väterlich mahnende erkannt und beherzigt werden, zumal der Kaiser erklärt, daß der folgende Reichstag für die auf diesem Gebiete nothwendigen Verbesserungen wirksame gesetzliche Formen zu schaffen berufen sein werde.
Hiermit hat der Kaiser deutlich auf die Bedeutung der bevorstehenden Wahlen hingewiesen: wie er es als seine „ernste und erhabene Aufgabe" betrachtet, auf die Erfüllung der hiermit verbundenen Hoffnung hinzuwtrken, so werden die Wähler es auch ihrerseits als eine sehr entzückt, zerstört und vernichtet hatten, daß Viola nur mehr ein Schatten ihrer selbst war.
In dumpfer Apathie brächte er den größten Theil des Tages zu; nur wenn er Abends an den Spieltisch trat, da rötheten sich seine Wangen und aus seinen eingesunkenen Augen blitzte ein unheimliches Feuer.
Wenn die buntbemalten Blättchen vor ihm lagen, dann ging erst das Leben für ihn auf.
Seine gierigen Blicke hafteten unausgesetzt auf dem grünen Tische und die ganze Welt außer diesem versank dann für ihn ia Vergessenheit. Trotz aller Verluste hatte er dennoch nicht die Hoffnung aufgegeben; er mußte einmal gewinnen, und dann, ja dann! —
In dieser Hoffnung hatte er die arme Viola mit nach Nizza geschleppt; während die junge Frau in dem ungemüthlichen Hotelzimmer einsam ihre Zeit verträumte, fuhr er nach Monte Carlo, dem Eldorado aller Spieler, um dort am grünen Tische das geträumte Glück zu erringen.
Wenn er dann voll grimmiger Enttäuschung heimkam, dann war es Viola, die es zu büßen hatte, daß das geträumte Glück noch immer fern geblieben, und hatte ihm ja einmal der Zufall einen kleinen Gewinn in den Schooß geschüttet, dann trieb es ihn um so unwiderstehlicher der Spielbank zu, denn vielleicht war das jetzt der Anfang von dem Glücke, das er erhoffte, erträumte, ersehnte, und das er doch nie erringen sollte!
An all' dies dachte Viola, während sie so still