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Itrsftlötr Kreisblitt.
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Nr. 9. Donnerstag den 23» Januar 1890
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Amtliches.
Hersfeld, den 20. Januar 1890.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Verfügung vom 4. Januar 1882 Nr. 119 im Kreis- blatt Nr. 2, die Erfahrung bezüglich der Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen betreffend, noch tm Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 28. d. Mts. bei Metdung von 3 Mk. Strafe erinnert.
503. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n t tz.
Hersfeld, den 21. Januar 1890.
Dem Schornsteinfeger Georg Pfaff zu Niederaula ist die Stelle eines Feuerstätten-Visi- tators für den dasigen Amtsgerichtsbezirk widerruflich übertragen worden.
298. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Aus dem Reichstage.
D e r l i ii, 20. Januar. In der heutigen (47.) Plenarsitzung kam zunächst der Gesetzentwurf, betr. die P o st - d a m p fe rv e r b i n d u n g mit O st a s r i k a , zur zweiten Berathung. Nach verhatlnißmäßig kurzer Debatte wurde derselbe mit den beiden von der Eomminion beschlossenen Zu
Pflictjt unö klebe.
Roman von 6. Wild.
(Fortsetzung.)
So zog Viola sich denn auch allmählich aus der Gesellschaft zurück, obgleich man eS nicht an Aufmunterungen fehlen ließ, sie möge ohne den Gatten kommen, aber das that sie nicht — war es Stolz oder noch ein Rest von Liebe zu ihm, ohne seine Begleitung hat sie keinen Salon mehr betreten, und so lebt sie denn jetzt einsam wie eine Nonne, von allem Verkehr abgeschlossen, kaum, daß ich sie bewegen kann, mich hin und wieder zu besuchen."
Mit athemloser Spannung hatte der Freiherr zugehört.
»Sie glauben, daß Violas Liebe zu Tonnberg erloschen ist," rief er mit eigenthümlich vibriren- der Stimme.
„ »Ich glaube, daß nur ein gewisses Pflichtgefühl sie noch an seiner Seite zurückhält," lautete die Antwort. „Sie hat sich mir gegenüber nie ausgesprochen, doch es ist ein Ding der Unmöglichkeit, daß eine Frau wie Viola solch' einem haltlosen Menschen ferner noch ihre Zuneigung schenken kann. Es sollen die empörendsten Scenen stattgefunden haben. Wenn Tonnberg verliert, und er spielt in der Regel mit Verlust, dann kommt er mit wüthender Laune nach Hause und die arme Frau muß es büßen, daß ihm das Glück nicht hold gewesen ist.
sätzen zu der Anlage der Vorlage angenommen; nach dem einen dieser Zusätze sind die Unternehmer verpflichtet, auf Hin- und Rückfahrt einen belgischen ober holländischen Hafen anzulaufen. Demnächst wurde mittelst Auszählung mit 129 gegen 92 Stimmen die noch ausstehende Einleitung und Ueberschrift des aus dem Hause eingebrachten Gesetzentwurfes, betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung (B e - f ä h i g u n g s n a ch w e i s), genehmigt und darauf in namentlicher Abstimmung der ganze Gesetzentwurf mit 130 Stimmen hDcutschconservative, Centrum und die Mehrzahl der Reichspartei) gegen 92 Stimmen angenommen. Es folgte der Bericht der R e ch n u n g s c o m m i s s i o n, betreffend die Berathung des vom Abg. Richter (deutschfreis.) gestellten Antrages auf Vorlegung eines Gesetzentwurfes, betr. die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des ReichS- haushaltSetats in Verbindung mit dem Bericht der Rech- nungScommission, betreffend die allgemeine Rechnung über den Reichshaushalt für das Etatsjahr 1884/85, sowie die zu den Etats von 1881/82 bis 1883/84 unter Beanstandung der zu den JustiftcationsordreS gemachten Vorbehalte. Das Ergebniß der Berathung war, daß der letztere Bericht noch einmal in die Rechnungscommission zurückverwiesen, während bezüglich des ersteren ohne Debatte der Commissionsbeschluß angenommen wurde, den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dem Reichstage schon in der nächsten Session einen Gesetzentwurf, betreffend die Verwaltung der Einnahmen und Ausgaben des ReichShauShalts, sowie einen Gesetzentwurf, betreffend die Einrichtung und die Befugnisse des Rechnungshofes vorzulegen. Schließlich wurden noch zwei kleinere Gegenstände debattelos erledigt. — Nächste Sitzung morgen Nachmittag 2 Uhr (dritte Lesung der Dampfervorlage, Ergänzungsetat, dritte Berathung des Etats.)
Berlin, 21. Januar. In der heutigen (48.) Plenarsitzung widmete zunächst Präsident v. L e v e tz o w dem verstorbenen Fürsten Georg v. S ch w a r z b n r g - R u d o l - st a d t einen warmen Nachruf, während das Haus sich zu Ehren deS hohen Verstorbenen von den Plätzen erhob. — Hierauf wurde in dritter Lesung der Gesetzentwurf, betreffend eine PostdampsichiffSverbindung mit Ostafrika, definitiv angenommen, und die Borlage, betreffend den Ausbau des Gebäudes des Auswärtigen Amts, der Budgetcommission über- wiesen. Bei der dann folgenden dritten Berathung des Etats veranlaßten in der Generaldebatte die Anträge, betr. die Ausbesserung der B e a in t e u g e h ä l t c r, eine längere Debatte, in welcher von dem StaatSsecretair des Innern, StaatSminister Dr. v. B o c t t i ch e r , sowie von dem StaatSsecretair des Reichs-Schatzamts Frhrn. v. M a l tz a h n so
»Sie hat sich noch mit keinem Worte beklagt, aber Sie wissen ja, es gibt überall offene Augen und Ohren, und die Dienerschaft weiß gar absonderliche Dinge zu erzählen von der Art und Weise, wie Herr von Tonnberg seine Frau behandelt."
Mit einem Rufe der Entrüstung sprang Gerhard von Linden empor.
„Entsetzlich! empörend," rief er, „Viola muß aus dem Hause dieses Menschen entfernt werden. Ich werde nicht dulden, daß sie noch länger solch' einer unwürdigen Behandlung ausgesetzt ist."
Die Präsidentin legte beschwichtigend ihre Hand auf seinen Arm.
»Wenn das so leicht ginge! Viola ist stolz und wird sich nicht herbeilassen, offen gegen ihren Gatten Klage zu führen. Mein Gott, wer dies alles vor vier Jahren vorhergesehen hätte! Mich dauert die arme Frau, so jung, so schön, und doch so unglücklich."
Gerhard starrte finster vor sich bin.
„Welchen Rath geben Sie mir?" fragte er dann, wieder an der Seite der alten Dame Platz nehmend.
„Suchen Sie Tonnberg auf und reden Sie ihm ordentlich ins Gewissen. Trachten Sie ihn von hier fortzubringen, denn so lange der Graf in seiner Nähe ist, ist keine Aenderung zu hoffen. Und wenn alles nichts hilft und Viola vielleicht doch einwilligen sollte, mein Haus steht ihr jederzeit offen."
entgegenkommende Erklärungen abgegeben wurden, daß die einzelnen bezüglichen Anträge zurückgezogen wurden. — Ein Antrag des Abg. L i n g e n s (Ctr.), betreffend weitere Förderung der Sonntagsruhe rc. wurde angenommen. — In den einmaligen Ausgaben im ordentlichen Marineetat wurde der Betrag von 2 800 000 M. von der Anleihe abgesetzt und auf die Matrikularbeiträge übertragen. — Im Post- etat wurden zur Vergrößerung des Postgrundstückes in Frankfurt (Main) "die dritte Rate von 231500 M., sowie zur Einebung des Bauplatzes und zur Herstellung von Hintergebäuden 150000 M. bewilligt. Die zur Herstellung eines neuen Postdienstgebäudes in Marienburg (West- preußen) geforderten 70 000 Mark wurden gemäß dem Antrag Graf zu D o h n a - F i n ck e n st ei n und v. Puttkam mer- Plauth abgelehnt und zugleich folgende Resolution angenommen : In Erwägung, daß der gegenwärtig in Aussicht genommene Bauplatz für das Postdienftgebäude in Marienburg die Interessen des Schloßbaues der Marienburg erheblich schädigt, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, einen anderweiten Bauplatz für das Postgebäude in Aussicht zu nehmen. Die zur Herstellung eines neuen Postdienstgebäudes in Zeitz abgelehnte erste Rate von 70000 M. wurde heute bewilligt. — Im Uebrigen wurde die Berathung bis zum Capitel „Matrikularbeiträge" weiter geführt und die Verhandlungen um 5*/, Uhr abgebrochen. — Nächste Sitzung morgen, Nachmittags 2 Uhr (Zweite Lesung des Socialistengesetzes).
Aus dem Landtage.
Berlin, 2i. Januar. Das Abgeordnetenhaus begann in heutiger (3.) Plenarsitzung die erste Berathung des Etats. Abg. Frhr. v. H u e n e (Centr.) gab zunächst seiner Befriedigung über die in dem gegenwärtigen Etat zum Ausdruck gelangende Erweiterung des gewerblichen Unterrichtes, sowie über die erfolgte Neuregelung des Katasterwesens Ausdruck, und erklärte darauf, daß er sich der Ansicht des Herrn Finanzministers bezüglich der Nothwendigkeit einer vorsichtigen Finauzgebahrung aus vollster Ueberzeugung anschließen könne, da die im Reiche in Zukunft erforderlichen Mittel zum Zwecke der Amortisation, sowie zum Zwecke der Durchführung der Alters- und JuvaliditätSversicherung auch Preußen in Mit- leidenschaft ziehen würden. Des Weiteren betont er die Noth- lage der Landwirthschaft namentlich im Osten der Monarchie, welche die Beseitigung der Gctreidezölle geradezu als einen der Laudwirthschaft versetzten Todesstoß erscheinen lassen würde, weist sodann die zur Zeit zweifellose Unentbehrlichkeit
Gerhard presste die Hand der Präsidentin so heftig in der seinen, daß die alte Dame erschrocken zusammenfuhr.
„Ich danke Ihnen! Sie sind sehr gütig," sagte er warm, „gewiß, Ihr Haus würde der beste Zufluchtsort für Viola sein. Und nun entschuldigen Sie mich, ich muß fort, ins Freie, um meine Gedanken zu ordnen, denn diesem Menschen muß ich ruhigen Blutes gegenüber stehen."
Einem Berauschten gleich, ging Gerhard plan- und ziellos durch die Straßen.
Das also war Violas Glück, ihre glänzende Zukunft!
O, warum hatte er sie von sich gelassen, warum hatte er sie diesem Manne zu eigen gegeben, ohne besser zu prüfen, ohne sie zu warnen!
Wohl, es war ihre freie Wahl gewesen und doch, ein gütiges, mildes Wort vielleicht hätte damals noch alles gewendet, jetzt war es zu spät, zu spät!
Die kalte Winterluft brächte ihn langsam zur Besinnung zurück. Müde und erschöpft blieb er stehen und sah um sich.
Er war bei seinem Herumirren weit hinaus in eine der Vorstädte gekommen, und nachdem er sich einigermaßen orientirt hatte, kehrte er hastig in den vornehmeren Stadttheil zurück.
Er trat in ein elegantes Restaurant und ließ sich eine Erfrischung geben.
Während er flüchtig einige Bissen aß und ein