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Umftlitr Kreisbllltt.
Mit wöchentlicher Kratis-Mikage „ILlustrirtes AuLerhatLungsölatt".
Nr. 8. Dienstag den 21. Januar 1890.
Amtliches.
Des Kaisers und Königs Majestät haben geruht, dem Comit6 für die Niederlegung der Schloßfreiheit zu Berlin mittelst Allerhöchsten Erlasses vom 27sten Dezember v. I. die Erlaubniß zu ertheilen, im Jahre 1890 eine Geldlotterie zu dem bezeichneten Zwecke zu veran- stalten und die Loose im gesammten Staatsgebiete zu vertreiben.
Die Lotterie wird bei 10000 Gewinnen zum Gesammtbetrage von 27,4 Millionen Mark 200000 Loose zum Preise von je 200 Mark enthalten, welche in fünf Classen und je nachdem als volle Loose, oder in Antheilen von halben, Viertel- und Achtel«Loosen zum Verkaufe ge- langen sollen.
Gaffel am 11. Januar 1890.
Der Regierungs'Präsident.
.__I. V.: Schwar zenverg.
Die „Azienda“ Oesterreichisch.Französische Elementar« und UnfallversicherungS-Gesellschaft in Wien hat in Folge ihrer Verschmelzung mit der k. k. privilegtiten Versicherungs • Gesellschaft Oesterreichischer Phönix in Wien, welche alle ihre Rechte und Verbindlichkeiten übernommen hat, ihren Geschäftsbetrieb aufgegeben. Die der „Azienda“ unter dem 29. September 1882 ertheilte Concession zum Betriebe der Transportversicherung in Preußen ist hiernach erloschen.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung der früheren Regterungs-Abthetlung des Innern vom 7ten Februar 1883 (Amtsbl. von 1883 S. 28) wird dies hiermit veröffentlicht.
Cassel am 9. Januar 1890.
Der Regierungs'Präsident.
__ I. V.: Schwarzenberg._____
Hersfeld, den 15. Januar 1890.
Die Schulstelle zu Heenes wird in Folge Ver-
(Unbefugter Nachdruck verboten.)
Mich! unö Liebe.
Roman von 6. Wild.
(Fortsetzung.)
Alles schien wieder beim alten zu sein, und doch stand gar oft ein ernster, sinnender Mann vor der Handzeichnung, die Viola einst für ihn verfertigt hatte. War sie glücklich mit dem Manne, dessen stürmische Werbung sie seiner stillen, treuen Liebe vorgezogen hatte, oder hatte sie die Strafe für ihren Verrath ereilt?--
Drei bis vier Jahre waren so vergangen. Frau Magda war Mutter zweier fester, blühender Jungen, die dereinst echte Nottecks zu werden versprachen, und im Hinblick auf ihr eigenes Glück hatte sie es schon mehrere Male versucht, ihren Bruder für eine Heirath günstig zu stimmen.
Aber Gerhard hatte zu solchen Plänen stets abwehrend den Kopf geschüttelt.
Er lebte ganz gut so und sehne sich nicht nach Veränderung, und Magda mußte es dabei bewenden lassen, obschon sich jetzt so manches Mädchen fand, das für ihren Bruder eine ganz passende Frau gewesen wäre.
Er wollte nun einmal nicht, und dagegen ließ sich nicht ankämpfen. Daß Gerhard die Treulose noch immer im Herzen trage, daran mochte Magda unter keinen Umständen glauben, daS wäre denn doch zu arg gewesen.
Mutig ihres seitherigen Inhabers mit dem 1. Februar d. J. vacant.
Etwaige Bewerber um dieselbe wollen ihre Meldungsgesuche nebst den nöthigen Sitten- und Befähigungszeugnissen innerhalb 14 Tagen bei dem unterzeichneten Landrathe oder dem Königlichen Localschulinspector Herrn Pfarrer Ho s b a ch dahier einreichen.
Namens des Königlichen SchulvorstandeS: 368. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 17. Januar. In der heutigen (45.) Plenarsitzung stand zunächst die erste Berathung des Gesetzentwurfes, betreffend eine Postdampffchiffsverbindung mit Ostafrika, auf der Tagesordnung. Nachdem Abg. Dr. Bam- berger (deutschfresi.) die Vorlage von seinem bekannten kolonialfeindlichen Standpunkte aus als gänzlich unmotivirt und aussichtslos dargestellt, trat der StaatSsecretär deSReichS- postamteS Dr. v o n S t e p h a:: nter Hinweis aus die auch von den Engländern in vollstem Maße anerkannte Rentabilität der bisherigen interoceanischen Dampferlinien Deutschlands, und unter Betonung aller der wichtigen politischen, nationalen und kulturellen Momente, deren Förderung die ostasrckanische Dampferlinie zu dienen haben werde, mit großer Wärme für die Vorlage ein und erklärte am Schlüsse, daß man denjenigen Tag, an welchem die deutsche Flagge zum ersten Mal aus dem nach Sansibar segelnden Reichspostdampfer werde gehißt werden, im ganzen Reiche als einen patriotischen Festtag begrüßen werde. — Während darauf Abg. H o b r e ch l snäi.-lib.) die Vorlage namentlich von dem Gesichtspunkte einer Unterstützung befürwortet, die man unsern mit Unrecht seitens des Freisinns geschmähten kolonialen Bestrebungen gewähren müsse, bekämpft Abg. Dr. Windthorst sEentr.) die beantragte Dampferlinie unter Bezugnahme auf die immer noch nicht ermöglichte Erhöhung der Beamtengehälter, namentlich vom finanziellen Standpunkte aus, und bezeichnet dieselbe als keineswegs so dringend, daß sie nicht bis zur nächsten Session Zeit hätte. — Nachdem dann Abg. v. H e l l d o r s f i deutschconf.) die uns in Ostafrika erwachsenden kulturellen Aufgaben beleuchtet und die Vorlage als eine durch nationale gekennzeichnet, deren Annahme den, Reichstage wohl anstehen würde, spricht sich auch Abg. Robbe
Der gute Rotteck theilte natürlich MagdaS Meinung, und so waren denn beide sehr erstaunt, als sie an einem Hellen, kalten Wintertage Gerhards Besuch zu ungewohnter Stunde er> hielten, und er ihnen mittheilte, er müsse heute noch in Geschäftsangelegenheiten in die Residenz.
Der sonst so ruhige Gerhard war sichtlich aufgeregt und trachtete so bald als möglich wieder fortzukommen.
„Was das nur sein mag," meinte Magda nach Gerhards Weggange zu ihrem Gatten, „ich habe Gerhard selten so erregt und unruhig gesehen."
„Auch mir kam sein Betragen etwas sonderbar vor," versetzte Rotteck, „und übrigens kann ich gar nicht begreifen, was er jetzt in der Residenz zu thun hat."
Magda fuhr plötzlich lebhaft auf.
„Nein, nein," sagte sie dann, sich jetzt beruhigend, „das kann nicht sein, jene Frau kann nichts mehr mit ihm zu thun haben."
„Du meinst Viola?"
„Ja!"
„Die wird er wohl längst vergeffen haben, denn er spricht nie von ihr," sagte Rotteck, „nein gewiß, Magda, diese Frau hat mit seiner plötzlichen Reise nichts zu thun."
„Wir wollen es hoffen," sprach Magda leise vor sich hin, denn mit einem Male fühlte sie sich ihrer Sache doch nicht so ganz sicher,
(Reichsp.) lebhaft für die Vorlage, namentlich vom handelspolitischen sowie vom eigentlich kolonisatorischen Gesichtspunkte aus und betont besonders die vorzügliche Begründung, durch welche sich der gegenwärtige Gesetzentwurf von vielen seiner Vorgänger auSzeichne. — Abg. Dr. Virchow (deutschfreis.), welcher zwar gewillt ist, dem deutschen Handel neue Wege zu ebnen, denselben jedoch von allzuweit gehenden Kolonialbe- strebungen fern halten möchte, steht der Vorlage keineswegs so prinzipiell ablehnend gegenüber, wie ein großer Theil seiner politischen Freunde, hält indessen jedenfalls eine sorgfältige Prüfung des Gesetzentwurfes für unerläßlich. — Abg. Oechel Häuser snat.-lib.) weist daraus hin, daß eine Ansiedelung von Deutschen in Ostafrika keineswegs ausgeschlossen erscheine und bezicht sich in dieser Richtung auf die Erfahrungen, welche die Ostafrikanische tÄfellschaft auf sanitärem Gebiete mit ihren Beamten gemacht habe. — Darauf wird die Diskussion geschlossen und die Vorlage mit sehr großer Majorität der Budgetkommission überwiesen. — Schließlich wurden dann noch "Petitionen von Rechtsconsulenten und Petitionen von Wittwen ehemals kurhessischer Officiere und ehemals kurhessischer Postbeamten um Erweiterung ihrer Pensionsberechtigung ohne Debatte nach dem Anträge der Commission erledigt. — Nächste Sitzung morgen Nachmittag 1 Uhr. hJmüe.!i^antria« in dritter Berathung.)
Berlin, 18. Jamiar. In der heutigen (46.) Plenarsitzung wurde nach zahlenmäßiger Feststellung der Matrikular- beiträge, sowie der außerordentlichen DeckungSmittel zunächst das E t a t s - und A n l e i h e g e s e tz in zweiter Lesung angenommen, nachdem zuvor der Referent der BudgetcoMmission Abg. Frhr. v. H u e» e sEentr.k für die dritte Lesung einen Antrag «»gekündigt, gewisse Theile der Ausgaben für die Marine nicht durch Anleihe zu decken, sondern auf die laufenden Ausgaben zu übernehmen. — Den folgenden Gegenstand der Tagesordnung bildete die dritte Berathung de« von dem Abg. Frhrn. v. H u e n e (Genir.) eingebrachten, in zweiter Lesung angenommenen AntrageS, betreffend die Wehrpflicht der Geistlichen. Das Resulrat der Verhandlungen war die mittelst Auszählung mit 121 gegen 89 Stimmen erfolgte Ablehnung des Antrages v. Huene und die Annahme des Gegenantrages deS Abg. v. K l e i st - R e tz o w fdcnlschkons. >, welcher folgenden Wortlaut hat: „Militair- pflichtige r ö m i s ch - k a t h o l i s ch e r Co n t e s s i o n , welche sich dem Studium der Theologie widmen, werden in Frieden«- zeiten während der Dauer dieses Studiums bis zum 1. April des siebenten Militairpftichtjahre« zurückgestellt/ Haben dieselben bis zu dem vorbezeichneten Zeitpunkre die Suddiakonats- weihe empfangen, so werden diese Militairpflichtigen der
Unö es war Violas wegen, baß Gerhard so plötzlich nach der Residenz reiste.
Die Präsidentin Eckberg hatte ihm geschrieben und ihn aufgefordert, sich, als Violas einstiger Bormund, doch ein wenig um die junge Frau zu kümmern.
Dieser Tonnberg sei ein sinnloser Verschwender, der sich bald an den Bettelstab gebracht haben werde. Gerhard möge doch dafür sorgen, daß für Viola wenigstens eine kleine Summe gerettet werde, um sie vor Noth zu schützen.
Während der ihm endlos dünkenden Fahrt überlas Gerhard wohl zehnmal den Brief der Präsidentin.
Also so weit war es schon mit Viola gekommen, daß ihre Lage das Mitleid anderer wachrief.
Litt sie darunter oder nahm sie ihr Schicksal mit stolzer Gleichgültigkeit hin?
Tausend Fragen und Zweifel durchkreuzten seine Seele, während er so dahinfuhr, vor Ungeduld brennend, sein Ziel zu erreichen und doch wieder vor einem Zusammentreffen mit Viola bangend.
Und endlich, endlich kam er doch ans Ziel.
Die Präsidentin empfing ihren „lieben Neffen" mit offenen Armen.
Sie erkundigte sich nach Magda, nach Rotteck, nach den zwei kleinen Jungen und schien die Frage nicht zu verstehen, die in seinen brennend?» Augen geschrieben stand.