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Hersse!i>er Kreisbliitt.

_________Mit wöchentlicher Kratis-AeilageMukrirtes AuLeröalluugsblE._________

Nc. 5. Dienstag den 14. Januar 1890.

Amtliches.

Berlin, den 10. Januar 1890.

Bekanntmachung.

Nachdem durch Kaiserliche Verordnung vom 8. d. Mts. bestimmt worden ist, daß die Neu­wahlen für den Reichstag am 20. Februar d. Js. vorzunehmen sind, setze ich auf Grund des §. 2 des Reglements vom 28. Mai 1870 (Bundesgesetz­blatt Seite 275) den Tag, an welchem die Aus­legung der Wählerlisten zu beginnen hat,

auf den 23. Januar d. Js. hierdurch fest.

Der Minister des Innern.

Herrfurth.____________

Nach Beschluß deS Bundesraths findet, wie in den letzten Jahren, in der 2ten Hälfte des Mo­nats Februar 1890 eine Ermittelung des Ernte- ertrageS für 1889 statt, welche den Zweck verfolgt, durch dirette Umfragen. mäglichst zuverlässige Angaben über die im Jahre 1889 wirklich geerntete Menge an Bodenprodukten zu gewinnen. Die bei den gleichen Aufnahmen in den jüngst verflossenen Jahren ausgesprochene Hoffnung, daß sachkundige Männer, namentlich Mitglieder der landwirthschaftlichen Vereine, sich bereit finden würden, durch ihre Erfahrungen und Ortskennt­nisse die angeordneten Ermittelungen nach Kräften zu fördern und auf einen möglichst hohen Grad der Zuverlässigkeit zu erheben, ist erfreulicherweise nicht getäuscht worden. Dies berechtigt zu der Erwartung, daß auch bei den Ermittelungen der diesjährigen Ernte-Ergebnisse sowohl Mitglieder der gedachten Vereine, als auch sonstige sach- kandige und erfahrene Männer ihre thatkräftige Mitwirkung in den Schätzungs Kommissionen nickt versagen werden.

Kassel am 31. Dezember 1889.

Der Regierungs-Prästdent. Rothe.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Pflicht und Liebe.

Roman von L. Wild.

Das Buch sank mit lautem^Geräusch zu Boden, so daß die Dienerin im Nebenzimmer erschrocken emporfuhr.

Viola erhob sich rasch, sie hatte die Augen voll Thränen. ,

Sie trat an das Pianino und ließ ihre Hände leise über die Tasten gleiten.

Zum letzten Mal," flüsterte sie traurig vor sich hin.

Morgen um diese Zeit war sie schon vielleicht weit, wett!

Ein jäher, heftiger Schmerz erfaßte sie bet diesem Gedanken.

Einen Augenblick, ja einen Augenblick lang hatte sie die Idee, sich Magda zu Füßen zu werfen, ihr alles zu gestehen und um ihre Für­sprache bei Gerhard zu bitten.

Sie wußte ja, daß sie nach dem Vorgefallenen seine Gattin nicht mehr werden konnte, sie hatte ja auf dieses Glück verzichtet, allein er sollte sie nur nicht fortsenden, nur hier lassen, daß sie ihn sehen und sprechen könne.

Sie wollte gut und geduldig werden und alles über sich ergehen lassen, nur das Eine nicht, nur Pas Eine nicht! Sie lieh die Hände pon den

Sie sagte daS alle- mit ruhiger Stimme und ohne zu stocken oder Schmerz dabei zu fühlen.

Aber sie athmete doch auS tiefster Brust auf, als gegen Abend Rotteck kam und sie sich auf eine Stunde in ihr Zimmer schleichen konnte.

Ungesehen, wie sie meinte, allein knapp vor ihrer Thür, holte sie der Freiherr ein.

Bor einer Stunde erhielt ich dies für Sie," sagte er, ihr einen Brief überreichend.

Danke," murmelte sie, indem sie die Hand auSstreckte.

Für einen flüchtigen Moment berührten seine Finger die ihren.

Sie schauderte zusammen; seine Hand war so eisig kalt gewesen!

Hersfeld, den 2. Januar 1890.

In Gemäsheit des §. 25 bezwse. 45 der deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche,

1. in demZeitraum vom I.Januar 1870 bis einschließlich 31. Dezember 1870 geboren sind,

2. dieses AlterbereitS überschritten, aber sich noch nicht vor einer Ersatz- Behörde zurMusterung bezwse. Aushebung gestellt,

3. sich zwar gestellt aber über ihr Militairverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben,

sich in der Zeit vom 15. Januar bts zum 1. Februar d. J. zur Retruttruug»» Stammrolle zu melden, und dabei die über ihr Alter sprechenden, sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits ergangene Bestimmungen über ihr Ätlitair-Verhältniß ent­halten, mit zur Stelle z» bringen.

Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher des Kreises haben demgemäß im laufenden Monat folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise viermal zu erlassen:

Jeder Militatrpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entschei dung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, bat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. I. bet dem Ortsvorstande zur Rekrutirungs- Stammrolle zu melden, bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.

Für solche Militatrpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vor­münder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei

Tusten sinken und trat von dem Junrument zurück. I Sie wandte sich hastig ab und öffnete die Thür;

Nein, nein, so weit war eS doch noch nicht mit nur jetzt keine Schwäche zeigen!

ihr gekommen! I Drinnen blieb sie stehen und lauschte mit an-

WaS sie verschuldet, daS wollte sie wüthig ****---- tragen, und w e auch daS Ende fein mochte, schwach wollte sie sich niemals zeigen!

Und mit eiserner Konsequenz führte sie auch diesen Entschluß durch.

Ruhig und unbefangen erschien sie bei der Mittagstafel, und sie brächte es sogar über sich, von der bevorstehenden Abreise zu sprechen.

Sie verabredete mit Magda eine eifrige Korrespondenz und sprach davon, in der Residenz mit Gerhard recht oft daS Theater besuchen zu wollen.

Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile."

Die sodann genau nach der Instruktion deS Herrn Ober-Präsidenten vom 16. Mai 1876 (Amtsblatt de 1876 Seite 109 und 110) aufzu- stellenden Rekrutirungs - Stammrollen pro 1870 sind mir nebst den bei den Meldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden Re- krutirungs-Stammrollen der Jahre 1868 und 1869 bis späteste«- zum 5. Februar d. J. unter der Bezeichnung Militaria einzur eichen.

Ferner haben die Herren Ortsvorstände re. des Kreises die in ihren Gemeinden sich auf­haltenden zum einjährig-freiwilligen Dienst berechtigten Militairpflichtigen, welche in das militärpflichtige Alter eintreten resp, eingetreteü sind, und ihrer activen Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerk­sam zu mach«, daß sie in GemäSheit des §. 93 pos. 2 der Wchrordnung vom 22. November 1888 sich bet der Ersatz-Commission ihres Gestellungsortes schriftlich oder mündlich zu melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungs­scheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.

Schließlich spreche ich noch die bestimmte Erwar­tung aus, daß die vorbezeichneten Stammrollen sauber ausgestellt und die in Betracht kommenden Rubriken derselben vollständig auSgefüllt werden; auch muß, wenn z. B. ein Militairpfltch- tiger Schmied ist, angegeben werden, ob er Grob- oder Hufschmied ist. Ferner muß bet jedem einzelnen Militärpflichtigen in der dazu bestimm­ten Rubrik, durch Eintragung der Worteja oder nein", angegeben werden, ob sich derselbe zur Stammrolle angemeldet hat oder nicht. Ist letzteres der Fall, so ist ebenfalls auzuzetgen, ob

vor-

gehaltenem Athem.

Ruhig und gleichmäßig verhallten draußen im Korridor die Schritte deS Freiherr»; er hatte nickt eine Secunde gezögert, um sich von ihrer Thür zu entfernen. Ein Gefühl der Enttäuschung beschlich Violas Brust.

Wie stark er war, und doch hatte er sie so sehr geliebt!

Der Brief zitterte in ihrer Hand, als sie ans Fenster trat, um die Aufschrift zu lesen.

Doch die Dunkelheit war schon so weit geschritten, daß sie die Schriftzüge nicht mehr unterscheiden konnte. Sie schellte nach Licht und wartete bis die Dienerin das Zimmer verlassen hatte, dann erbrach sie daS nach einem starken Parfüm duftende Schreiben.

Es war von Tonnberg und in den glühendsten Ausdrücken abgefaßt. Vor einer Woche noch würde sie diese wilde, exaltirte Sprache entzückt haben, heute hatte sie nur ein kaltes Lächeln für dieselbe. Was war aus ihr geworden? Welche Umwälzung war in ihr vorgegaogen?

Sie war doch für Bewunderung und Schmeichelei empfänglich gewesen, sie hatte Gerhards tiefe, innige Liebe zu kühl, zu ruhig und besonnen gefunden und jetzt?

Sie war überzeugt, Tonnberg wäre im Stands!