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pro I. Quartal 1890 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbrieftrögern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Verordnung wegen Einberufung der beiden Häuser bei Landtages. Vom 30. Dezember 1889.

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen rc. verordnen in Gemäßheit des Artikels 51 der Verfassungs-Urkunde vom 31. Januar 1850, auf den Antrag des Staats- Ministeriums, was folgt:

Die beiden Häuser des Landtages der Monarchie, das Herrenhaus und das Ha-s der Abgeordneten, werden auf den 15. Januar 1890 in Unsere Haupt- und Residenzstadt Berlin zusammen- berufen.

Das Staatsministerium wird mit der Aus­führung dieser Verordnung beauftragt.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhändtgen Unterschrist und beigedrucktem Königlichen In- siegel.

Gegeben Schloß zu Berlin, den 30. Dezember 1889.

Oi. 8.) Wilhelm.

Fürst v. B i s m a r ck. v. B o e t t i ch e r.

v. Maybach. Frhr. Lucius v. Ballhausen, v. G o ß l e r. v. S ch o l z. Gr. v. Btsmarck. Herrfurth. v. Schell ing. v. Berdy.

Der Herr Oberpräsident hat genehmigt, daß für die Rettungsanstalt zu Hof Reith bet

(Unbe u.ter Nachdruck DerOeten.)

Pflicht und Liebe.

Roman von 6. Wild.

(Fortsetzung.)

Eine bange, schwere Pause, dann begann der Freiherr zu sprechen.

»Herr von Tonnberg ist heute hier gewesen und hat bet mir um die Hand meines Mündels geworben," sagte Gerhard mit einer finstern Ruhe, die das Herz des Mädchens heftig erbeben ließ; er behauptete, zu dieser Werbung voll­kommen berechtigt zu sein."

Viola hob stolz ihr Haupt. »Wie kann er das sagen," rief sie mit einer Stimme, welcher mehr Heftigkeit zu geben sie vergebens bemüht war.

Gestern," die Stimme des Freiherrn vibrirte leicht, »so sagte er, sei das entscheidende Wort gefallen."

»Ich habe nichts versprochen!" rief Viola, außer sich vor Angst. O Gerhard, glaube mir, wenn ich schwieg, so geschah es auS aus" sie suchte vergeblich das richtige Wort.

»Warum noch länger leugnen V* fragte der Freiherr in herbem Ton; der Schritt ist geschehen, und es gibt keinen Widerruf mehr."

O Gerhard!"

Sie sah ihn mit einem stehenden Blicke an.

Das Antlitz des Freiherrn blieb starr und unbewegt. »Das ist vorbei," sagte er mit leiser, aber fester Stimme.

Schlächtern auch im Jahre 1890 eine einmalige Sammlung freiwilliger Beiträge bei den evan­gelischen Einwohnern im Regierungsbezirk Cassel mit Ausschluß des Kreises Rinteln, sowie im Stadtkreise Frankfurt a/M. durch polizeilich legitimirte Collectanten veranstaltet werden darf.

Cassel am 28. Dezember 1889.

Der Regicrungs-Präsident.

J. B.: Schwarzenberg.

+ M- und Ausblicke.

Mit frischen Kräften werden nunmehr die parlamentarischen Körperschaften an die Lösung ihrer Aufgaben herantreten. Der Reichstag nimmt seine Sitzungen Mittwoch, den 8., wieder auf, der Landtag ist zum Mittwoch, den 15., einberufen worden. Während die Aufgaben des letzteren noch nicht zu übersetzen sind und ihm für seine fernere Thätigkeit noch ein weites Feld offen steht, ist dem gegenwärtigen Reichstage nur noch eine kurze Spanne Zeit vergönnt, in welcher von dem Etat und den damit ver­bundenen Gesetzen abgesehen als hauptsäch­lichste Aufgabe das Socialistengesetz zu erledigen übrig bleibt.

Blicken wir zurück auf die vorjährige Wirksam­keit des Reichstags und lenken wir zugleich unseren Blick auf die bevorstehenden Wahlen, bet denen es den Cartellparteien vor Allem darauf ankommen wird, mit gleichem Erfolge wie vor drei Jahren der Gegner Herr zu werden. so erscheint es uns ausgeschlossen, daß die parlamentarische Thätigkeit dieses Jahres mit einem Mißerfolge beginnen und der Reichstag noch kurz vor der Prüfung, die er gewissermaßen bei den Wahlen zu bestehen haben wird, sich als unfruchtbar erweisen könnte. In der großen Frage der Sicherstellung der arbeitenden Klassen

Violas Stolz regte sich. »Wie rasch du mich verurteilst!" rief sie bitter; »ich gebe ja zu, daß ich gefehlt, als ich Tonnberg nicht sofort zurück- wies, ich war so überrascht, so betroffen, daß ich nicht zu Worte kommen konnte und dann, was hätte ich ihm sagen sollen? Unsere heimliche Verlobung der Oeffentlichkeit preisgeben du selbst hast ja unsere Liebe in das tiefste Geheimniß gehüllt. Hatte ich ein Recht, zu sprechen, abzu- wehren, da niemand unser gegenseitiges Verhältniß kannte? Wie konnte ich Tonnbergs Werbung wehren, da mich kein öffentliches Gelöbniß, kein Ring, kein Zeichen band -"

Halt ein! unterbrach sie der Freiherr mit blitzenden Augen,halt ein, denn du selbst kannst nicht glauben, was du sprichst. Wenn ich unsere Liebe geheim hielt, so geschah es aus dem Grunde, weil ich dir deine sorglose Mädchenzeit nicht vor­eilig kürzen wollte, weil ich es nicht übers Herz brächte, dich der Freuden zu berauben, denen du als meine Braut hättest entsagen müssen. Ich bin ein ernster Mann, und das, was deine Freude war, war die meine nicht; aber ich wollte dich das ersehnte Vergnügen genießen lassen, ich mochte nicht störend zwischen die Freuden deiner Jugend treten und deshalb entsagte ich nicht du bist diejenige, die Entsagung geübt. Glaubst du, es sei mir leicht geworden, dich scherzen, tanzen und lachen zu sehen, ganz der Freude des Augen­blickes hingegeben, während ich von ferne stand, um durch meinen Ernst nicht deine Lust zu trüben.

gegen die Folgen von Erwerbsunfähigkeit und Alter hat der Reichstag seiner Leistungsfähigkeit ein glänzendes Zeugniß ausgestellt und zugleich einen Beweis von seinem großen Interesse für das Wohl der arbeitenden Klaffen geliefert. Diese That drückt dem Jahre 1889 einen Stempel auf, welcher für alle Zeiten eine Bürgschaft dafür liefert, daß die nationalen Parteien wie auch ein Theil des Centrums von socialpolitischem Geiste erfüllt sind, und ihre Aufgabe, bei der Abstellung der dem Gesellschaftskörper anhaf­tenden Mängel mitzuwirken, begriffen haben. Jene That bekundet zugleich, daß die Zeit unfruchtbarer Parteikämpfe und des Streits um unfruchtbare politische Begriffe ebenso vorüber ist, wie die Zeit der Herrschaft der manchester- lichen Doctrin, welche mit ihren verkehrten wirthschaftspolitischen Begriffen so lange und so viel Unheil angerichtet hat.

Freilich an Gelegenheiten zum Rückfall und an Versuchen, die Parteien wieder iu die frühere Richtung hineinzudrängen, wird eS nicht fehlen. Solche Gelegenheiten und Versuche glauben wir bet der bisherigen Berathung des Socialisten­gesetzes wahrgenommen zu haben. Indeß darf man darauf vertrauen, daß die Kraft deS nationalen und des socialpolitischen Gedankens, wie er sich in den bisherigen Leistungen deS Reichstags und insbesondere iu dem Jnvaliditäts- und Alters-Versicherungsgesetz verkörpert hat, wirksam genug sein wird, um die Rechnung der Gegner auf eine Spaltung der Cartellparteien unter einander und mit der Regierung zu durch­kreuzen. Die Einigkeit der drei Parteien hat sich in der Verstärkung der Wehrkraft und in der Besserung der Finanzlage durch die Steuer­reform bewährt, sie hat dem Gebäude der socialen Reform einen neuen Stock aufgesetzt. Das läßt die Hoffnung berechtigt erscheinen, daß die

Dieses Opfer, diese Entsagung hast du nie begriffen! Ich harrte des Momentes, da du zur Einsicht kommen mußtest, daß dein Platz an meiner Seite sei, mit Sehnsucht harrte ich dieses Momentes, er ist nie gekommen, du hast mich nie vermißt, und meine Hoffnung ist eine vergebliche gewesen!"

Die Brust deS Freiherrn hob und senkte sich schwer in innerem Kampfe. Viola stand bleich und regungslos vor ihm. Fühlte sie, wie sehr er recht mit diesen Worten hatte?

Gerhard fuhr in gedämpftem Tone fort:Ein warm liebendes Herz kann solche Dinge verzeihen, aber nur bis zu einer gewissen Grenze, und diese Grenze hast du weit überschritten. Berufe dich nicht darauf, Viola, daß vor der Welt kein Band dich an mich fesselte; das sühnt, das entschuldigt nichts! Wahre, treue Liebe bedarf keines Schwures, keines feierlichen Gelöbnisses, um fest an einander zu ketten, und das Mädchen, daS ohne Schwur nicht treu zu lieben vermag, wird auch als Gattin den Eid der Treue nicht halten. Wer nicht im Stande ist, aus freien Stücken fest zu bleiben, den wird ein Schwur nicht fesseln selbst wenn deine Liebe zu mir erloschen war, Viola, so wäre es deine heilige Pflicht gewesen, jene Werbung zurückzuweisen, denn du hattest mein Wort, und du wußtest nur zu gut, wie heilig mir dasselbe sei. Ehe du jenem Manne das Recht gabst, auch nur eine Silbe zu sprechen, hättest Du zu mir kommen und mir offen alle-