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Hersseliler Kreisdllltt
Mit wSchmtkicher Kratir-Zteilage „IlluArirtes Auttthaktungsklatt"
Nr. 1
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Sonnabend den 4 Januar
1890
Aöonnements-Kinladung.
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HersfeLder KreisvLatt mit der wSchentttche« Gratis-Beilage ^JNustrirtes Unterhattungsblatt" pro I. Quartal 1890 werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2. Januar 1890.
In Gemäsheit des §. 25 bezwse. 45 der deutschen Wehrordnung vom 22. November 1888 haben alle diejenigen Personen männlichen Geschlechts, welche,
1. in dem Zeitraum vom 1. Januar 1870 biS einschließlich 31. Dezember 1870 geboren sind,
2. dieses Alter bereits überschritten, aber sich noch nicht vor einer Ersatz- Behörde zurMusterung bezwse. AuSHebung gestellt,
3. sich zwar gestellt aber über ihr Milttairverhältniß noch keine feste Bestimmung erhalten haben,
sich i« der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. I. zur Rekrutirungs- Stammrolle zu melden, und dabei die über ihr Alter sprechenden, sowie die etwaigen sonstigen Atteste, welche bereits ergangene Bestimmungen über ihr Militatr- Verhältniß enthalten, mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren Ortsvorstände der Stadt- und Landgemeinden einschließlich der Gutsvorsteher des Kreises haben demgemäß im laufenden ■mwmm.M»'ii .......... . ..............-
(Unbefugt« Rochdrulk netboten.)
Pffidjt und Liehe.
Roman von E, W tl d.
(Fortsetzung.)
Viola war auch heute die Schönste, die Ge- feiertste. Umringt und umschwärmt von allen Seiten, fand sie kaum Zeit, Gerhard zuweilen einen freundlichen Blick zu schenken, und gar oft ließ sie die Gelegenheit dazu unbenutzt vorübergehen.
Tonnbergs leidenschaftliche Bewunderung wirkte wie ein berauschender Trank auf sie; jung und unerfahren, wie sie war, gab sie sich ganz dem bestrickenden Zauber der Augenblickes hin.
Ihre Liebe zu Gerhard war noch nicht stark e, um der lockenden Versuchung aus dem zu gehen, und ihr PflichtgefühlV
Ach, sie besaß keines, so wie ihre Mutter keines besessen. Ihre junge Seele dürstete nach Glück, und sie nahm es, wo sie eS zu finden glaubte, ohne sich zu fragen, ob ein auf so schwankendem Grunde errichtetes Gebäude auch auf die Dauer haltbar sei.
Es war nach einem rasch durchtanzten Walzer. Ihr Tänzer war Tonnberg gewesen. Statt das junge Mädchen zu einem Sitze zu führen, zog er leise ihren Arm in den feinen, und ehe noch Viola zur Besinnung kommen konnte, stand sie mit ihm allein in einem kleinen Settencabinett, welches durch die Kunst des Gärtners in einen reizenden Laubengang verwandelt worden war.
Monat folgende Bekanntmachung in ortsüblicher Weise viermal zu erlassen:
„Jeder Militairpflichtige, welchem über seine Dienstpflicht eine endgültige Entscheidung der Ersatz-Behörden noch nicht ertheilt ist, hat sich in der Zeit vom 15. Januar bis 1. Februar d. I- bei dem Ortsvorstande zur Rekrutirungs • Stammrolle zu melden, bet Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile.
Für solche Militairpflichtige, welche, ohne an einem anderen Orte im Deutschen Reiche einen dauernden Aufenthalt zu haben, abwesend sind, haben deren Eltern, Vormünder, Lehr-, Brod- oder Fabrikherrn die Anmeldung zu besorgen, ebenfalls bei Vermeidung der im Gesetze angedrohten Nachtheile."
Die sodann genau nach- der Instruktion des Herrn Ober-PrästdentenL^'m 16. Mai 1876 (Amtsblatt de 1876 SeyMS und 110) aufzu- stellenden Rekrutirungs - Stammrollen pro 1870 sind mir nebst den bei den Meldungen zur Stammrolle aus den betreffenden Jahrgängen vorgelegten Attesten rc. und den beiden Re- krutirungs-Stammrollen der Jahre 1868 und 1869 bis spätestens zum 5. Februar d. I. unter der Bezeichnung M i 1 i t a r i a einzureichen.
Ferner haben die Herren Ortsvorstände rc. des Kreises die in ihren Gemeinden sich aufhaltenden zum einjährig • freiwilligen Dienst berechtigten Militairpflichtigen, welche in das militärpflichtige Alter eintreten resp, eingetreten sind, und ihrer activen Dienstpflicht noch nicht genügt haben, resp, von der Aushebung noch nicht zurückgestellt worden sind, darauf aufmerksam zu machen, daß sie in GemäSheit des §. 93 pos. 2 der Wkhrordnung vom 22. November 1888 sich bet der Ersatz - Commission ihres Gestellungsortes schriftlich oder mündlich zu
Das Geräusch vom Ballsaal tönte nur in gedämpftem Klänge herüber; ein matteS, mildes Licht erhellte den kleinen Raum, dessen duft- erfüllte Atmosphäre sich heiß und schwer auf Violas junge Brust senkte. Ahnte sie, was ihr nun bevorstand? Begriff sie die Wichtigkeit dieses Momentes, oder behandelte sie alles alS ein tändelndes Spiel? Tonnberg ergriff ihre bebende Hand und neigte sich so tief zu ihr, daß sein heißer Athem ihre Wange streifte. Erschreckt trat sie einen Schritt zurück.
„Viola, süßes Mädchen, ich liebe dich, mit aller Gluth meines Herzens! Ich kann ohne dich nicht leben! sei mein!"
Sie stand wie zu Stein erstarrt und ließ eS geschehen, daß er sie in seine Arme schloß und heiße, brennende Küsse auf ihre Lippen drückte.
Es war ein stürmisches, begehrliches Liebes- werben, das sie betäubte, verwirrte und mit fortriß.
Sie vergaß, daß ein anderer Anspruch auf ihre Treue hatte, daß es ihre Pflicht gewesen wäre, den Ungestümen zurückzuweisen, ihn von sich zu stoßen; ach, sie hatte nicht die Kraft dazu! Willenlos duldete sie seine leidenschaftlichen Küsse, seine Umarmungen, es war ihr, als sei alles um sie her in nebelgraüer Ferne versunken. Sie sah nur diese glühenden Augen vor sich, sie hörte nur diese weiche, zärtlich schmeichelnde Stimme, die in halb gebrochenen Tönen das Geständnis einer wilden Leidenschaft ihr ins Ohr flüsterte, und als er sie endlich aus seinen
melden und unter Vorlegung ihres Berechtigungsscheines ihre Zurückstellung von der Aushebung zu beantragen haben.
Schließlich spreche ich noch die bestimmte Erwartung aus, daß die vorbezeichneten Stammrolle« sauber aufgestellt und die in Betracht kommende« Rubriken derselben vollständig aus gefüllt werden; auch muß, wenn z. B. ein Milttairpflich- tiger Schmied ist, angegeben werden, ob er Grob- oder Hufschmied ist. Ferner muß bei jedem einzelnen Militärpflichtigen in der dazu bestimmten Rubrik, durch Eintragung der Worte „ja oder nein", angegeben werden, ob sich derselbe zur Stammrolle angemeldet hat oder nicht. Ist letzteres der Fall, so ist ebenfalls anzuzeigen, ob Bestrafung desselben erfolgt ist oder nicht und eventuell weshÄi^nM.
2. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
CaLt, de r 28. Dezember 1889.
Ew. Hochwohlgeboren benachrichtigen wir unter Bezug auf den Bericht vom 8. April 1884 Nr. 3185, daß das Laichschonrevier der Oberförsterei Hersfeld-Wippershain in der Fulda vom Eichhöfer Wehr bis zur HoSpitalsfurth vom 1. April 1890 Behufs Verpachtung der Fischerei wird aufgehoben und der zur Beaufsichtigung desselben bestellte und verpflichtete E. Andre dort von diesem Zeitpunkte ab als Fischerei-Aufseher wird entlassen werden.
Königliche Regierung, Abtheilung für direkte Steuern, Domänen und Forsten.
Guse. Schönian.
An den Königlichen Landrath, Herrn Freiherr» von Schleinitz. Hochwohlgeboren zu HerSfeld. I. C 11/0 Nr.« 14900.
Hersfeld, den 31. Dezember 1889.
Wird mit Bezug auf meine Bekanntmachung
Armen ließ, da hatte er sie seine Braut genannt und einen hell blitzenden Diamantring an ihre» Finger gesteckt. War das alles Wirklichkeit, oder war es nur ein Traum? Wie sie in de» Saal zurückgekommen, sie wußte es nicht.
Sie hatte ein Gefühl, als müsse jedermann von ihrer Stirn den begangenen Treubruch lesen, als müsse ihr jedermann ansehen, was vorgegangea sei und was sie doch ändern mußte, wollte.
Gerhard allein besaß ein Anrecht an sie — sie hatte auf Tonnbergs stürmisches Werben keine Antwort gegeben, es konnte nicht sein, es durste nicht sein — und doch —!
Sie fand nicht den Muth, Tonnberg die Wahrheit zu sagen; seine Hoffnungen mit einem jähen Schlage zu vernichten, dazu fehlte ihr die Kraft.
Wenn er seine flammenden, glühenden Blicke tief in die ihren versenkte, dann stockte ihr das Wort auf ihren Lippen und sie schwieg, schwieg, bis es zu spät geworden war.
Das Fest war zu Ende, die Gäste hatten daS Schloß verlassen, und Viola war noch immer stumm geblieben. Auch Tonnberg hatte sich empfohlen; mit hocherhobenem Haupte und leuchtenden Blickes war er gegangen; wenn er wieder kam, dann kam er als Freiwerber, sie wußte eS, ohne daß er es ihr gesagt.
Was sollte sie thun, was konnte sie thun, um das drohende Unheil zu beschwören? Scheu und verwirrt sagte sie dem Geschwtsterpaare »Guts