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ersseliier Urtisblatt

Mit wöchentlicher chratis-AeilageIllustrirtes Nuterhaltnugsötatt".

Wr. 155.

Dienstag den 31. Dezember

1889.

Abonnements-Einladung.

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Hersfelder Kreisblatt

mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllllsttiltes Merhaliungs-Blatt".

Wir bitten das Abonnement rechtzeitig erneuern zu wollen, damit bei Beginn des Quartals keine Unterbrechung in der Zustellung eintritt.

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Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 27. Dezember 1889.

Die Nummerliste der verwüsten und zum 1. Juli 1890 gekündigten Schuldverschreibungen der 4prozentigen Staatsanleihe von 1868 A. u. s. w. liegt im Geschäftslocale des hiesigen Landraths- amtes sowie auch in denjenigen der Königlichen Steuerkassen des Kreises während der Dienst­stunden den Inhabern zur Einsicht offen.

Zugleich mache ich auch aus die diese Nummer- liste betreffende Bekanntmachung der Hauptver­

'JU. ..........l.i. .......JUL......

(Unbt i^tcr Äacborutt verböte.».)

MM und Lißöe.

Rumun von 6. in 11 6.

(Fortsetzung.)

Der Freiherr verließ sich in allen solchen Dingen stets auf feine Schwester, denn Magda hatte ihn immer noch mit ihren Arrangements aufs beste zufrieden gestellt.

Viola flog wie ein leichtbeschwingtes Vögelchen zwifcheu all' dieser Thätigkeit umher. Sie freute sich sehr auf diesen Ball und sprach von nichts anderem als von dem Feste, von welchem ste sich unendlich viel Vergnügen versprach.

Der Freiherr hörte ihr lächelnd zu, aber es berührte ihn doch unangenehm, daß sie so sehr am Vergnügen hing und für gar nichts anderes mehr Sinn hatte, als für den zu erwartenden Ball.

Magda hatte alle Hände voll zu thun, und achtete kaum auf das Geplauder des jungen Mädchens.

In ihrem Innern wünschte sie sehnlichst das Ende diesertollen Zeit" herbei, und sie freute sich schon auf die alte, gemüthliche Hausordnung, die durch den Carneval empfindlich gestört worden war. ,

Endlich kam der von Viola so heiß ersehnte Abend. In den großen, so selten benutzten Sälen des Schlosses funkelte und leuchtete ein wahres Lichtermeer. Die silbernen Kronleuchter blitzten in dem Reflexe von unzählichen Wachskerzen, aus allen Ecken des Salons blühte, duftete und grünte

waltung der Staatsschulden vom 3. d. Mts.,! abgedruckt auf Seite 249 des diesjährigen Amtsblattes, sowie noch besonders auf die darin an die Inhaber von Schuldverschreibungen der konsolivirten ^/rprozentigen Staatsanleihe, welche solche gegen 4prozentige Konfols noch nicht umgetauscht haben, erlassene Aufforderung, aufmerksam.

12067. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Zu Neujahr 1890!

- -

Es war ein gutes Jahr, das uns entschwand

Nach schwerer Zeit kam es heraufgezogen,

Um Trost zu bringen uns für hartes Leid Und unser Hoffen wurde nicht betrogen.

Das Schreckgespenst des Krieges blieb uns fern,

Dem Frieden durften freundlich wir vertrauen,

Der Bürger konnte froh ans Tag'werk gehen,

Der Bauer ruhig seinen Acker bauen.

Und so, das hoffen wir, soll auch hinfort

Jm neuen Jahr das Leben sich gestalten.

Bleibt auch die kleine Sorge unserm Haus,

Dem Reiche soll das Glück sich fest erhalten I Ein junger Herrscher auf dem Uaiserthron,

Der aller Welt in Freundschaft sich verbündet,

Der, stark und stolz, doch seinen schönsten Ruhm,

Nur auf die Liebe seines Volkes gründet So stehen wir, im starken Ariegsgewand

Den Frieden schirmend, weiter machtvoll da,

Daß neuer Segen blüh' dem Vaterland!

Ld. Mund.

! eine reiche Flora dem Eintretendell entgegen; eine, Esprit zu glänzen verstand; frei und offen in | laue, von Wohlgerüchen durchwehte Luft zog durch i Blick und Rede, wußte sie dennoch stets daS

die hohen Räume, und mit einnehmender Würde stand der Herr des Schlosses in der Mitte des Salons, um seine Gäste zu empfangen.

Die hohe, kräftige Gestalt des Freiherrn nahm sich in der eleganten Salonkleidung ungemein gut aus; das reiche, lockige Haar umrahmte in dichten Wellen die hohe, schöngeformte Stirn, und die dunklen Augen leuchteten in freundlichem

Glänze unter den dichten Brauen hervor.

An Gerhards Seite stand Magda. Ein schweres, mattblaues Seidenkleid floß in dichten Falten an ihrer hohen Gestalt herab; aus den einfach verschlungenen, blonden Flechten blickte schüchtern eine weiße Kamelie hervor.

Um den vollen, weißen, nur wenig entblößten Nacken schlang sich eine werthvolle Perlenschnur, das war Magdas einziger Schmuck.

Sie war eigentlich nicht schön zu nennen, und doch, wie stattlich, wie stolz stand sie neben dem Bruder!

Wie hell glänzten diese klaren, blauen Augen, und wie herzgewinnend war das Lächeln, das diesen frischen, rothen Mund umspielte.

Das war die echte, deutsche Hausfrau, wie sie sich ein Mann nur wünschen konnte, treu und rein in Wort und Sinn, das höchste Glück nur in der eigenen Häuslichkeit suchend.

Magda war keine elegante, weltgebildete Mode­dame, die durch Umgangsformen und sogenannten

+ Zum neuen Jahre.

Das Jahr, welches nunmehr zu Ende geht, war ein glücklicheres und an erfreulichen Ein- drücken reicheres als sein Vorgänger. Mit Dank und Genugthuung darf Deutschland auf die mehr und mehr unter der jugendlich kräftigen Hand des Kaisers sich vollziehende friedliche Gestaltung der äußeren und inneren Verhältnisse zurück blicken, welche dem Jahre 1889 ein klares Gepräge gegeben hat. Wie aus dem Besuche des Kaisers in England sich deutlich wahrnehmbare freund« liche und herzliche Beziehungen mit der Be­herrscherin der Meere entwickelten, so waren die Besuche seiner engeren Bundesgenossen, des KönigS von Italien und des Kaisers von Oesterreich für die Welt neue Beweise des herzlichen Ein­vernehmens, welches den Dreibund beherrscht, und nicht minder werthvoll waren die Eindrücke, welche die Welt aus dem Besuche deS Kaisers von Rußland am Berliner Hofe erhalten hat. Fügen Wir hinzu ul^^O^ ^unseres Kaisers nach Athen und Constantinopel und seine Begegnung auf der Hin- bezw. Rückreise mit dem Könige von Italien und dem Kaiser von Oesterreich, so ist das Bild vollständig genug, um daran- zu erkennen, daß die friedlichen Beziehungen sich in diesem Jahre in der That so vervollkommt haben, daß die Thronrede, mit welcher der Reichs­tag eröffnet wurde, den Glauben an die Er­haltung des Friedens auch im nächsten, also in dem Jahre, an dessen Schwelle wir nunmehr stehen, aussprechen konnte.

Mit dieser Zuversicht ist das neue Jahr schon vor einigen Wochen begrüßt worden: diese Zuver­sicht sprechen wir heute von Neuem aus; sie gründet sich auf die Ergebnisse des alten JahreS, das in dieser Beziehung gewiß manchem seiner Vorgänger erheblich vorangestanden hatten.

Aber auch in den inneren Angelegenheiten war

richtige Maß festzuhalten.

Gut und freundlich gegen ihre Untergebenen, offen und herzlich gegen die ihr Gleichstehenden, so war das Wesen beschaffen, das jahrelang hindurch mit unermüdlichem Eifer an Gerhards

Seite gewirkt hatte.

Würde es Viola wohl verstehen, diese Stell« würdig auszufülleu, ihm das zu sein, was ihm die treue Schwester war?

O, sie mußte ihm mehr, noch viel mehr sein. N.cht allein seine treue Helferin und Beratherttt in Sorge und Leid, sie mußte sein Weib, feint Geliebte, sein treuester, bester Freund, sein AlleS sein; außer ihn durfte es für sie nichts Höheres, nichts Besseres geben als seine Ehre und seine Pflicht.

Und eine Frau, wenn sie will, sie kann ihrem Gatten dies alles sein, sie kann seine Seele mit unlöslichen Banden an die ihre ketten, sie kann ihn den vollen Werth eines echten FrauenherzenS erkennen lassen, das, einzig nur dem Manne seiner Liebe lebend, nichts anderes kennt, als dessen Glück und Wohl.

Eine solche Frau braucht weder schön noch geistreich zu sein, um ihrem Gatten ein voll­kommenes Glück zu bereiten, sie muß nur sich selbst mit aller Liebe und Treue geben, und wohl dem Manne, der ein solches Weib gefunden^