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__________Mit wöchentlicher Kratis-ZLeilage „Illustrirtes Nuterhaltungsölatt".
Nr. 151. Donnerstag den 19. Dezember 1889.
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Die Expedition.
Amtliches.
Berlin, den 28. November 1889.
Dem Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein hier« selbst habe ich, zur Förderung seiner Zwecke, die Abhaltung einer Hauskollekte in den evangelischen Haushaltungen sämmtlicher Provinzen der Monarchie für den Zeitraum vom 1. Januar bis Ende Juni 1890 bewilligt.
Indem ich Euer Excellenz hiervon ganz ergebenst in Kenntniß setze, ersuche ich Sie, den vetheiltgten Behörden Ihres Verwaltungsbezirkes von der Gestaltung der Kollekte gefälllgst Nachricht zu geben und dieselben mit entsprechender Anwei-
(Unbefugter Nachdruck verboten.) Wicht und Liebe.
Roman von 6. Wild.
(Fortsetzung.)
»Heute noch spricht die alte Frau mit seligem Entzücken von jener Zeit der »reichen Armuth", wie sie es nennt, uno sie versichert, daß, wenn sie heute wieder zu wählen hätte, sie dennoch keine andere Wahl treffen würbe, als dem geliebten Mann in seine Dürftigkeit zu folgen und Freud und Leid mit ihm zu tragen."
Welch eine neue Welt ging bei dieser schlichten Erzählung vor Violas Augen auf.
War das die so sehr gefürchtete, so sehr verabscheute Prosa der Armuth! Welch' reine, starke Liebe mußte jene Frau besessen haben, um so muthig alle Entbehrungen, alles Leid zu ertragen. Wie schön, wie herrlich war es, so lieben zu dürfen.
Und es hatte eine Zeit gegeben, wo sie geglaubt hatte, daß es ohne Reichthum kein vollkommenes Glück geben könne — war solch' treue, ausdauernde Liebe, solch' festes, inniges Zusammenhalten nicht tausendmal mehr werth, als alle Schätze der Welt?
»Ich habe bet meinen Arbeiten eine Gehilfin bekommen,- sagte Magda beim Mittagstisch scherzend zu ihrem Bruder; »Viola hat sich er- boten, mir nähen zu helfen, und ihr
I sung, namentlich dahin zu versehen, daß den durch Kollektanten des in Rede stehenden Vereins bezw. seiner provinziellen Zweigvereine im Wege der Hauskollekte zu veranstaltenden Sammlungen keinerlei Hindernisse bereitet werden.
Die betreffenden Kollektanten werden Seitens der Vereinsvorstände mit polizeilich beglaubigten Legitimationen und paginirten Sammellisten versehen werden.
Der Minister deS Innern, gez. H e r r f u r t h.
An den Königlichen Ober-Präsidenten, Staatsminister, Herrn Grafen zu Eulenburg Excellenz zu Cassel, I. ß. 9328.
* * *
Cassel, den 4. Dezember 1889.
Abschrift lasse ich Ew. Hochwohlgeboren zur gefälligen Kenntnißnahme und weiteren Veranlassung ergebenst zugehen.
Der Ober-Präsident, gez. Graf zuEulenburg.
An den Königlichen Regierungs - Präsidenten Herrn Rothe Hochwohlgeboren hier. Nr. 6381.
* * *
Cassel, den 10. Dezember 1889.
Abschrift erhalten Ew. Hochwohlgeboren :c. zur wetteren gefälligen Veranlassung.
Der Regterungs-Prästdent.
J. V.: S ch w a r z e n b e r g.
An sämmtliche Königlichen Landräthe des Regierungsbezirks und den Königlichen Poltzei- Direktor hier. A, II. 9763.
* *
*
Hersfeld, den 17. Dezember 1889.
Wird den Herren Ortspolizeiverwaltern und der Königl. Gendarmerie des Kreises zur Kenntnißnahme mitgetheilt. Den betreffenden, gehörig legitimsten Kollektanten sind keinerlei Hindernisse zu bereiten.
11848. Der Königliche Landrath Freiherr von Schletnitz.
Fleiß hat alle meine Erwartungen übertroffen." Angenehm überrascht blickte der Freiherr das
erröthende junge Mädchen an.
„Sie betheiligen sich also an MagdaS Samariter- werken? Wie freundlich von Ihnen! Die arme Magda hat oft Nächte hindurch genäht, um alles zur Christbescherung fertig zu bringen."
„Nun, mit Violas Hilfe hoffe ich diesmal zu rechter Zeit fertig zu werden," lächelte Magda.
Dann aber lenkte sie das Gespräch rasch in andere Bahnen; sie liebte es nicht, von ihrer Wohlthätigkeit sprechen zu hören.
„Ich habe im Städtchen zu thun," sagte der Freiherr, als sie sich einige Minuten, später vom Tisch erhoben.
„Wenn die Damen mitfahren wollen, so lasse ich den alten Fritz zu Hause und kutschiere selbst."
„Sollen wir „Nein" sagen, Viola?" fragte Magda scherzend, „nun, wir wollen Gerhard keine abschlägige Antwort geben."
„O gewiß nicht," versicherte Viola mit vor Vergnügen blitzenden Augen.
„Dann bitte ich die Damen, sich rasch fertig zu machen," entschied der Freiherr in heiterem Tone; „ich muß zur bestimmten Stunde bei dem Justizrath sein."
Viola eilte hastig in ihr Zimmer und machte dort eilends Toilette.
Sie sah wunderhübsch aus in dem dunkelt
Hersfeld, den 16. Dezember 1889.
Der Gutsbesitzer Hieronymus Bätz zu Kal- kobes ist heute als commissarischer Bürgermeister dieser Gemeinde eidlich verpflichtet worden.
11836. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Hersfeld, den 14. Dezember 1889.
An Stelle des bisherigen Schornsteinfeger- meisters I. Wilhelm Faust ist der Schornsteinfegergehülfe Conrad Bocke roth z« Hersfeld als Bezirks-Schornsteinfeger für den Kehrbezirk Hersfeld widerruflich ernannt worden.
Die Herren Ortsvorstände des hiesigen Amts- gertchtsbezirkS haben Vorstehendes auf ortsübliche Weise in ihren resp. Gemeinden bekannt machen zu lassen.
11800. Der Königliche Landrath Freiherr von Schletnitz.
^Bedingungen zur Aufnahme von Kranken in da« Hessische Diakonissenhau«.
1) Kranke ohne Unterschied der Religion und Confession werden ausgenommen, ärztlich bemäntelt und treu verpflegt.
2) Von der Aufnahme sind au«geschlossen: Krätze-, Geschlecht«-, Pocken-, Cholera-, Flecktyphus- und Geisteskranke, sowie Sieche. Etwaige Ausnahmen bestimmt der Vorstand.
3) Die Pflege in der Anstalt soll in der Regel die Dauer von 3 Monaten nicht übersteigen.
4) Der Aufnahme muß, dringende Fälle ausgenommen, eine schriftliche oder mündliche Anmeldung vorausgehen, widrigenfalls der Kranke wegen Mangel« an Raum oder aus anderen Gründen zurückgewiesen werden könnte.
5) Die Aufnahmegesuche sind an die Frau Oberin des Diakonissen Hauses zu richten und sind zu begleiten:
a. von einem Zeugnisse des bisherigen Arzte« de« Kranken;
b. von einem Garantieschein über die Zahlung der Pflegekosten.
6) für ärztliche Behandlung durch den Anstaltsarzt, Arznei und Verpflegung werden für jeden angefangenen Tag berechnet:
III. Cl. Pflege in den Krankensälen pro Tag.....1,25 Mark,
II. Cl. 2 Kranke in einem Zimmer
pro Tag.....2,50 „
1.. Cl. Einzelzimmer pro Tag . 4 ,
eng anliegenden Tuchkleide, mit dem mit einer langen, weißen Feder verzierten Barett auf den goldbraunen Locken.
Als sie in den kleinen Speisesaal trat, war noch niemand darin. Sie legte ihren Muff auf den Tisch und begann die feinen, perlgrauen Handschuhe anzuziehen.
In diesem Moment trat der Freiherr ein.
„Ach, wie pünktlich," rief er, als er das junge Mädchen gewahrte. „Geben Sie her, ich will Ihnen beim Zuknöpfen Ihrer Handschuhe behilflich fein."
Lächelnd streckte ihm Viola ihre kleine Hand hin.
Da fiel sein Blick auf ihre noch unbehandschuhte Linke.
„Ach, Ihr armer Finger," rief er.
„O, es ist nichts, ein kleiner Beweis meiner heutigen Thätigkeit," meinte Viola.
Der Freiherr beugte sich tiefer herab, wie um den armen blessierten besser zu betrachten; im nächsten Moment fühlte Viola einen heißen Kuß auf dem kleinen rosigen Finger.
Eine warme Blutwelle schoß ihr jäh ins Gesicht während sie insttnctiv die Augen schloß.
Keines von beiden sprach ein Wort, aber jedes meinte, der andere müsse das ungestüme Pochen deS eigenen Herzens hören, und es dauerte sehr lange, ehe Gerhards bebende Hand mit ihrer Arbeit fertig wurde.