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Hersseliick Kreisliliitt.
_______ Mit wöchentlicher Kratir-Aeilage „Illustrirtes Anterhaltungsölatt«.
Nr. 150. Dienstag im 17. Dczembef" 1889.
+ Ueber die deutschen Schweine- einsuhrverbote und die westlichen Viehsperren gegen Deutschland ist dem Reichstage eine umfangreiche Sammlung von Actenstücken zugegangen, welche nicht den mindesten Zweifel darüber lassen, daß die Einfuhrverbote zur Sicherung des deutschen Vieh- standes und zur Beseitigung der ausländischen Sperren gegen deutsches Vieh unbedingt erforder- llch waren.
Das Weißbuch zerfällt in 4 Abschnitte. Der erste bezieht sich auf das deutsche Einfuhrverbot gegen Dänemark, Schweden und Norwegen vom 29. September 18»7. Nach dem Berichte des Gesandten in Stockholm sind seit dem August d. I. neue Erkrankungen unter dem schwedischen Borstenvieh nicht bekannt geworden. Ein Erlöschen der Seuche lasse sich hieraus jedoch noch nicht schließen. Es werbe vielmehr, um für eine solche Annahme Sicherheit zu gewinnen, zunächst noch. Las Ergebniß wertererBesbachtungen abzu- warten fein, denn der bisherige Verlauf der Schweinepest in Schweden habe wiederholt ähnliche seuchenfreie Perioden aufzuweisen, nach denen die Krankheit doch wieder zum Ausbruch gekommen sei. Nach den Berichten des Gesandten in Kopenhagen waren Anfangs Oktober d. J. in der Nähe von Roeskilde wiederum neue Fälle von Schwemeviphterttls vorgekommen. Die Milz- brandartige Rofe unter den dänischen Schweinebeständen habe im Vergleich zum September im October d. I. eine Abnahme erfahren. Der zweite Abschnitt umfaßt die Aktenstücke über das Einfuhrverbot gegen Rußland, Oesterreich-Ungarn und die Hinterländer des letzteren. Die Verseuchung des polnisch-russischen Viehs kann als notorisch gelten. Was Oesterreich-Ungarn betrifft, so handelt eS sich namentlich um die große
(Unbefugter Stach druck Derboten.)
Wicht unö Liebe.
Roman von 6. Wild.
(Fortsetzung.)
Mit siebzehn Jahren ist man noch keine Phtlosophin, und ein Ball, eine angenehme Fußpartie machen einem so manches Unangenehme vergessen.
Viola lachte und scherzte, wenn sie in Gesellschaft war, und die kleinen Triumphe, die sie feierte, machten ihr recht viel Vergnügen, obgleich ste sich dies selbst nie gestehen wollte. Ihre sonst so blassen Wangen wurden rosig und rund, und ihre ganze märchenhafte Schönheit hatte dadurch einen neuen Reiz erhalten.
Hatte sie früher einem schönen Bilde geglichen, dem nur das Leben zur Vollkommenheit fehlt, so hatte jetzt dessen Frische einen unnennbaren Zauber über ihre ganze Erscheinung gegossen; der Blick ihres Auges war klarer und glänzender geworden, ihr Gang rascher und anmuthsvoller, und das süße Lächeln, das zuweilen ihre Lippen umspielte, verlieh ihren Zügen einen hinreißenden Ausdruck.
Nach und nach hatte sie sich an MagdaS kleine Eigenheiten gewöhnt und sich in diese „hausbackene Prosa«, wie sie bet sich sagte, gefunden.
Sie lächelte nicht mehr spöttisch, wenn sie sah, wie das Freifräulein des AbendS zum Strick- strumpfe griff, oder wenn Mazda in der Küche
Steinbrucher Anstalt. Nach den Berichten unseres Generalconsuls in Pest waren noch in der ersten Dezemberwoche d. I. täglich dort über 1000 Schweine krank. Der dritte und vierte Abschnitt betreffen die Sperren Englands, Frankreichs, Belgiens und Hollands gegen deutsches Vieh. Trotz überzeugender Nachweise, daß Schleswig-Holstein mit seinem starken Viehexport nach England (1888 über Tönning allein: 14512 Rinder und 48024 Schafe) ganz seuchenfrei geblieben ist und seinen Viehstapel sorgfältig vor jeder Berührung mit angestecktem fremden Vieh bewahrt, ist es der deutschen Regierung nicht gelungen, England zur Zurücknahme der sog. Schleswig-Holstein-Ordre zu bewegen. Aehnlich liegen die Dinge mit den übrigen Staaten, die bisher Abnehmer deutschen Viehes waren.
Zu einer alsbaldigen Aufhebung der Sperre werden die betheiligten auswärtigen Regierungen voraussichtlich erst dann sich verstehen, wenn ihnen beruhigende Zusicherungen über die Ge- sundheitsverhällnisfe des inländischen Viehstapels werden abgegeben werden können. Deutschland ist zum letzten Mal Ende Juni 1887 von der Maul- und Klauenseuche frei gewesen; im dritten Quartal des Jahres 1887 zeigte sich die Seuche zunächst wieder in mehreren an unserer Ostgrenze belegenen Kreisen (Heydekrug, Ratibor, Leobschütz, Neisse, Löbau, Wolfstein, Passau) und breitete sich von hier aus, dem Oberlaufe und den Eisenbahnlinien folgend, über benachbarte Bezirke bis in das Innere des Reichs aus. Weist hiernach schon der Gang der Seuche auf eine Einschleppung von Osten her hin, so sind auch Fälle solcher Einschleppungen bis in die neueste Zeit mehrfach theils bestimmt, theils wenigstens bis zu einem hohen Grade von Wahrscheinlichkeit nachgewiesen. Auch diejenigen Seuchenfälle, welche die jüngste englische Sperre veranlaßt haben, sind nach dem Ergebniß der hierüber angestellten
etgenhänoig ein LleblingSgericht ihres Bruders bereitete.
Es kam sogar bisweilen vor, daß Viola ihr in die Küche nachgeschltchen kam und sich zu allerhand kleinen Dienstleistungen erbot; und wenn Magda bet Tische erzählte, Viola hätte heute mitgeholfen, und der Freiherr dann galant versicherte, es hätte ihm auch noch nie ein Gericht so gut gemundet, da konnte sie sich freuen wie ein Kmd, und das stolze Fräulein, das fünf Sprachen geläufig sprach und Chemie und andere Wissenschaften stubtrt hatte, fühlte sich glücklich wie eine Königin, wenn man ihren noch sehr bescheidenen Kochkünsten laute Anerkennung zollte.
In der frischen, reinen Luft, welche auf Schloß Linbenhatn wehte, mußten Körper und Seele erstarken, und langsam lockerten sich die Schlacken, damit das echte, reine Gold des Herzens zum Durchbrüche kommen konnte.
Sommer und Herbst waren vergangen, und nun kam der Winter mit seiner ganzen, ungestümen Macht. Draußen lag fußhoher Schnee, und selbst die Wege im Park waren fast ungangbar geworden.
Viola war nun ins Zimmer gebannt, und bald machte sich ein schlimmer Gast, die Langeweile, bei ihr geltend. Dann kamen die bösen Gedanken wieder; es wurde gegrübelt und gesonnen, und das junge Mädchen konnte sich dann in eine finstere, menschenfeindliche Stimmung hineinreden, daß ihr vor sich selbst bange wurde.
Sie fühlte sich so überflüssig/ so vereinsamt,
Ermittelungen auf Schweinetransporte zurückzu- führen, die von Oesterreich her auf den am 5. März d. J. zu Bamberg abgehaltenen Viehmarkt aufgetrieben worden sind.
Für das Jahr 1888 stellt sich die Jmportziffer hinsichtlich Oesterreich-Ungarns auf etwa 170000 Stück, hinsichtlich Rußlands auf etwa 75000 Stück (ausschließlich der Spanferkel.) Die Beibringung von Ursprungs- oder Gesundheitszeugnissen, wie solche mehrfach als Bedingung für die Zulassung zur Einfuhr vorgeschrieben ist, die Anordnung einer thierärztlichen Untersuchung an der Grenzetngangsstelle oder ähnliche Vorkehrungen können gegen die Gefahr der Seucheneinschleppung keinen genügenden Schutz gewähren, weil die infizirten Thiere in der Regel erst mehrere Tage nach der Aufnahme des Jnfektionsstoffes äußere Spuren der Erkrankung zeigen. Auch die Beschränkung des Imports auf einzelne Grenzstellen und die Anordnung sofortiger Schlachtung der eingeführten Thiere hat sich bei der Flüchtigkeit und leichten Uebertragbarkeit des Ansteckungsstoffes als wirkungslos erWse^der Verhängung eurer Quarantäne stand die Rücksicht auf den Kostenpunkt entgegen. Es erübrigte sonach nur, die Einfuhr von lebenden Schweinen aus Rußland, Oesterreich-Ungarn und dessen Hinterländern allgemein zu verbieten. Daß ein solches Verbot in gewisse Handels- und Gewerbeinteressen empfindlich eingretfen, auch die Versorgung einzelner an der Grenze belegener Jndustriebezirke mit billiger Flelschnahrung zeitweise erschweren werde, wurde bereits in der unter den veröffentlichten Actenstücken befindlichen Denkschrift zu dem Entwürfe des Einfuhrverbots hervorgehoben. Die Denkschrift fügte aber weiter hinzu: Auf der anderen Seite erscheint es jedoch nicht zweifelhaft, daß die heimische Produktion den Bedarf auch dieser Bezirke zu decken sehr wohl im Stande ist; es 1 wird daher nur darauf ankommen, durch geeignete
wie an den ersten Tagen ihrer Ankunft, und dann empfand sie es als eine bittere Demüthigung, unter des Freiherrn Dach weilen zu müssen. Sie versuchte es mit ihren Sprachstudien und saß oft stundenlang bet ihren Büchern, um dann mißmuthig aufzuspringm und alles stehen zu lassen.
Wozu mühte sie sich denn ab, es hatte doch keinen rechten Zweck.
Sie war ja kein Gelehrter, welcher der Wissenschaft durch seine Sprachstudien zu nützen trachtet.
Sie setzte sich an ihr hübsches Pianino und spielte und sang.
Aber Magda hatte recht, man konnte doch nicht den ganzen Tag lesen oder Klavier spielen, und wenn es ihr auch über einige Stunden Hinweghals, die Zeit füllte es doch nicht aus.
Und dann dieses llnbefrtedigtsein, wenn sie sich des Abends zur Ruhe legte, diese Furcht vor dem kommenden Morgen, der ihr dieselbe Eintönigkeit, dieselbe lange Weile brächte.
Es war zum Verzweifeln!
Wenn sie jetzt in der Residenz gelebt hätte, wie angenehm würde ihr die Zeit vergangen sein.
Sie hätte Museen und Gemäldegalerien besuchen können, auf Bällen und in Concerten glänzen dürfen, statt hier in trostlosem Einerlei ihre Jugend zu verseufzen.
Sie begriff nur nicht, wie es kam, daß Gerhard und Magva niemals über Langeweile klagten.
Sie waren den ganzen Tag beschäftigt unb befanden sich prächtig dabei,