Erscheint wöchentlich drei Mal Liensta-, Donnerstag und Sonnabend, LbonnementSprei«: vierteljShrlich 1 Mark 40 Pfg. excl.
Postiusschlag.
Die Jnsertiontgetüh«» betragen für den Saum einer Spaltzeile 10 Psg^ im amtlichen Lheile 16 Psg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bei größere» RustrSgen entsprechender Rabatt,
Hersseliiel Kreisblitt.
Mit wöchmtticher Kratis-Aeilage „Illukrirtes IluterhaltungsöliE.
Nr. 149.
Sonnabend den 14. Dezember
1889.
Erstes Blatt.
Amtliches.
Hersfeld, den 11, Dezember 1889.
Unter Bezugnahme auf mein Ersuchen vom 17. November 1885 zur Nr. 12024, (Kreisblatt Nr. 138) betreffend diejenigen Bolksschullehrer deS Kreises, welche seit länger als fünf Jahre provisorisch angestellt sind, ohne die zweite Prüfung abgelegt zu haben, muß ich diejenigen Königlichen Local-Schulinspectoren des Kreises, welche die bezügliche Mittheilung nach dem abgedruckten Schema, pro 1889 mir noch nicht gemacht haben, hiermit an baldgefällige Erledigung ergebenst erinnern.
11566. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
^Dte Polizei-Verordnung vom 9. August 1889, abgedruckt im Kreisblatt Nr. 93, den Fußpfad durch die Besitzung der Kupfermühle dem Feztes entlang betreffend, ist hiermit aufgehoben.
Kalkobes, am 11. Dezember 1889.
Die Ortspolizeibehörde
H e y e r.
AuS dem Reichstage.
Berlin, 11. Dezember. In der heutigen (35.) Plenarsitzung des Reichstage« wurde die gestern nicht zu Ende geführte Berathung der Anträge 1. des Abg. Singer (Soc.- Dem.), betreffend die Erhöhung der MinimaigehaltS der Post-Unterbeamten von 800 auf 850, des DurchschntttSgehalt« der Packettrager -c. sowie de« der Landbriesträger von 800 auf 850, refp. von 650 auf 700 Mark; 2. der Abgg. Baumbach und Richter (deutschfreij.) betreffend die Erhöhung deS WohnungSgetdzuschuffeS für die unteren Beamten mit Rücksicht auf die TheuernngSverhältniffe; 3. de« Abg. Frhrn. v. Ow (ReichSP.) bctr. die Gehaltserhöhung aller unteren Beamten — beendigt, und schließlich alle drei Anträge zusammen mit den entsprechenden Titeln 25, 26, 27, 28 des Etat« der Budgetcommission überwiesen. Im Uebrigen wurden die fortdauernden Ausgaben dieses Etat« ohne erhebliche Debatte genehmigt. — Das ganze Extraordi- narium wurde fast ohne Debatte ganz den Anträgen der Commission entsprechend bewilligt. Zn Titel 6 desselben sind zur Vergrößerung deS Postgrundstücke« und zur Herstellung eines neuen Dienstgebäudes in Frankfurt a. M. als dritte Rate (erste Baurate) 535 000 Mark in Ansatz gebracht; die Commission beantragt, nur 435 000 Mark zu bewilligen. Ein Antrag vom Abg. Frhr. v. B u o l - B e r e » b e rg (Centr.) will nur 235 000 Mark bewilligen und die Worte „erste Rate" streichen. Der Titel wurde, ohne daß in dessen Berathung heute eingetreten wurde, aus Antrag des Abg. v. W e d e l I - M a I ch o w (deutschcons.) an die Budgetcommission zurückverwiesen. — Bei den Einnahmen führten die Anträge des Abg. B a u m b a ch, betreffend die Herabsetzung der Vergütung für die Uebcrlassnng einer Fernsprech- stelle in kleineren Ortschaften und betreffend die Herabsetzung de« Portos für Stadtpostbriefe aus b Pfennig zu einer längeren Debatte. Beide Anträge wurden mit großer Majorität a b - gelehnt; ebenso ein Antrag des Abg. Schmidt (Elber- feld, deutschsreis.) auf Gleichstellung des Bestellgeld-« in den Landbestellbezirken mit dem in den OrtSbestellbezirken. Nachdem der Post- x. Etat genehmigt war, wurde ohne Debatte der Etat der ReichSdruckerei bewilligt. Schluß der «Sitzung 4>/4 Uhr. — Nächste Sitzung morgen Mittag 12 Uhr. (Initiativanträge.)
Berlin, 12. Dezember. Zu der heutigen (36.) Plenarsitzung des Reichstags knüpfte sich an die Berathung de« Antrags Frhr. v. Huene (Ctr.), welcher lautet: ,,Militärpflichtige, welche sich dem Studium bet Theologie einer mit KorporationSrechten innerhalb des Gebietes bei Deutschen Reichs bestehenden Kirche oder ReligionSgesellschaft widmen, werden in Friedenszeiten auf ihren Antrag während der k»urr dieses Studium» bis zum J. April des siebenten
Militärpflichtjahres zurückgestellt. Haben dieselben bis zu dem vorbezeichneten Zeitpunkte auf Grund bestandener Prüfung die Aufnahme unter die Zahl der zum geistlichen Amt berechtigten Kandidaten erlangt, beziehungsweise die SubdiakonatS- weihe empfangen, so werden diese Militärpflichtigen auf ihren Antrag der Ersatzreserve überwiesen und bleiben von Uebungen befreit — eine längere Debatte, an welcher sich außer dem Antragsteller die Abgg. v. Kleist-Retzow (deutschcons.), ReichenSperger (Ctr.), Dr. Delbrück (Reichrp.), Kulemann (nationall.), Dr. v. Myccelski (Pole) und Dr. Windthorst (Ctr.) betheiligten. Bei der alsbald erfolgenden zweiten Berathung wurde der Antrag Frhr. v. Huene mit 127 gegen 111 Stimmen unverändert angenommen.
— Ebenso wurde in erster und zweiter Berathung der Antrag Windthorst (Ctr.) betrefsend die Aufhebung des Gesetze» über die Verhinderung der unbefugten Ausübung von Kirchenämtern vom 4. Mai 1874 mit sehr bedeutender Majorität (gegen vereinzelte Nationalliberale) angenommen. — Auch der Antrag Win dthorst, betreffend die Anwendung der Bestimmung bei Artikels 6 Absatz 3 der Kongoakte auf alle deutschen Schutz g ebicte, wurde nach Beendigung der ersten Lesung, in welcher gegen den Gesetzentwurf besonders das Bedenken geltend gemacht wurde, daß mit Annahme desselben auch dem Islam da» Missioniren gestattet sein wurde, sofort in die zweite Berath:«'^ eingetreten. Nach- , fern der zu derselben cingebrachle Amraa^Mp ck e r ^Siegen); „untepAblehnung des Anrrage» Dr. Windthorst die verbündeten Regierungen zu ersuchen, Maßregeln zu treffen, durch welche bei Festhaltung de« Grundsätze» der Parität da» gleichzeitige Wirken von Missionaren verschiedener Konfession in denselben Bezirken möglichst verhütet wird" von bent Antragsteller begründet aber abgelehnt war, wurde bei Auszählung der Antrag Windthorst mit 116 gegen 109 Stimmen angenommen. — Schluß der Sitzung 4*/< Uhr. — Räch ste Sitzung morgen Mittag 12 Uhr. (RechnungSsachen und zweite Berathung der Anträge betreffend den Befähigungsnachweis.)
“ Jolitische Nachrichten.
Berlin, 12. Dezember. Se. Majestät der Kaiser kam gestern Nachmittag mit dem fahrplanmäßigen Zuge um 3 Uhr 52 Minuten von der Wildparkstation aus nach Berlin und stattete gleich darauf Ihrer Majestät der Kaiserin Augusta im Königlichen Palais Unter den Linden, nach deren Rückkehr von Koblenz, einen längeren Besuch ab. Um 6 Uhr Abends kehrte Se. Majestät der Kaiser in Begleitung deS Flügeladjutanten vom Dienst von hier wieder nach dem Neuen Palais bei Potsdam zurück. — Am Abend um halb 8 Uhr fand bei den Kaiserlichen Majestäten im Neuen Palais bei Potsdam eine musikalische Abend-Unterhaltung statt, zu welcher gegen 240 Einladungen ergangen waren. — Am heutigen Vormittage arbeitete Se. Majestät der Kaiser zunächst von halb 9 Uhr ab im Neuen Palais allein, empfing darauf um lO1^ Uhr Se. Exc. den Ober-Hof- und Hausmarschall v. Liebenau und arbeitete von 11 Uhr ab mit dem Kriegsminister General der Infanterie v. Verdy du Vernois und daran anschließend mit dem Chef des Militär-Cabinets General-Lieutenant und General-Adjutant von Hahnke. Nachmittags um
1 Uhr hatte der ottomanische General Fhr. v. d. Goltz Pascha die Ehre, von Sr. Majestät dem Kaiser und Könige empfangen und mit einer Einladung zur Frühstuckstafel beehrt zu werden. — Se. Majestät der Kaiser gedenkt am Freitag Vormittag 9 Uhr von der Wildparkstation aus mittels Sonderzuges sich über Hannover nach Jagdschloß Springe zu begeben, um daselbst am nächsten Tage eine Hofjagd auf Roth - Dom- und Schwarzwild abzuhalten. — Soweit bis jetzt bekannt, wird Allerhöchstderselbe am Sonnabend Abend mit seiner Begleitung wieder im Neuen Palais bei Potsdam eintreffen.
Wie verschiedene Zeitungen berichten, hat der
aus dem westfälischen Grubenbezirk nach Berlin
zurückgekehrte Abgeordnete Dr. Hammacher sich nicht gerade zuversichtlich über die Lage ausgesprochen. Trotz des unleugbar großen Entgegenkommens der Grubenverwaltungen sei die Erregung unter der Arbeiterschaft eine sehr starke und die Gefahr eines Generalstreiks sei noch nicht als beseitigt avzuseheu. Inzwischen wird gemeldet, daß der bekannte Streikführer, Bergmann Schröder, einer der „Gemaßregelten", sich am Montag auf der Dortmunder Zeche „Kaiser- stuhl" behufs Wiederanstellung meldete und den sofortigen Bescheid erhielt, er sei von Dienstag an wieder ausgenommen. Augenscheinlich hat Herr Schröder einen solchen Bescheid nicht erwartet — wohl auch nicht gewünscht; dennoch aber soll dieses außerordentliche Entgegenkommen der genannten Zeche sehr beruhigend auf die übrigen Bergleute gewirkt haben, sodaß man hoffen darf, dieselben werden von nun an stch friedlicher gesinnt zeigen. — Auch in den nieders chl esischen Bergrevieren gährt es. Zwar erklären die ArbMr, '-aß sie sich von den rheinisch-westfälischen Bergleuten nicht inS Schlepptau nehmen lassen wollten, dort möge man den Kampf allein durchfechten; aber mau weiß, daß die besonnenen Elemente im Augenblick deS Kampfes selbst stets zurückgedrängt und terrorifirt werden. Die schlesischen Bergleute führen Klage, daß einige Grubenverwaltungen ihre Versprechungen nicht gehalten, daß u. a. an einzelnen Stellen statt der versprochenen Lohnerhöhung von 10 pCt. nur 5 pCt. gezahlt würden. Die Arbeiter wollen nun ihre Forderungen, deren Hauptsächlichste in dem Verlangen einer achtstündigen Arbeitszeit und in der Einführung wöchentlicher Abschlagszahlungen bestehen, im Laufe dieser Woche den Grubenbesitzern mittheilen und zugleich erklären, daß im Fall der Ablehnung am 1. Januar 1890 der Generalstreik proclamirt werden soll.
Aus Sansibar wird unterm 10. Dezember gemeldet: Die Deut schen unter Schmidt griffen vorgestern Buschiri an, dem sie 28 Mann tödteten; Buschiri entkam durch Flucht. Deutscher Verlust drei Verwundete.
Ueber daSBefindenEmin Paschas ist am Mittwoch folgendes Bulletin in Sansibar eingetroffen: Am Montag Abend litt Emin Pascha an einem heftigen Husten, der Speichelauswurf war schwierig, aber blutlos. Gestern war das Befinden Emins etwas besser. Das verletzte Auge ist fast gänzlich geheilt, auS dem rechten Ohr tritt immer noch seröse Flüssigkeit aus. Der Patient ist in guter Stimmung.
(R u ß l a n d.) Aus Petersburg hat Prinz Louis Napoleon eine Depesche an seinen Vater, den Prinzen Napoleon gerichtet, worin er den auszeichnenden Empfang seitens der Zarenfamilie rühmt. Kaiser Alexander umarmte und küßte den Prinzen wiederholt, nannte ihn seinen lieben Vetter und betonte die herzlichen Beziehungen zwischen der russischen Kaiserfamilie und der Dynastie Bonaparte. Die Kaiserin gab zu Ehren des Prinzen ein intimes Diner, welchem nur Mitglieder des Zarenhauses beiwohnten. Prinz LouiS Napoleon saß zwischen dem Kaiser und der Kaiserin und wurde von letzterer mit besonderer Auszeichnung behandelt.
(B a l k a n st a a t e n.) Aus Rumänien wird berichtet, daß die beabsichtigte Gerichtsreform, welche die Unabsetzbarkeit deß