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Hersfeliier Krtisblitt.

Mit wöchmtlicher Kratis-AieilageJllustrirtes Nuterhaltungsölatt".

Nr. 147.

Dienstag den 10. Dezember

1889.

Amtliches.

Der Herr Minister des Innern hat dem Ver­eine für Pferderennen und Pferdeausstellungen in Preußen zu Königsberg i/Pr. die Erlaubniß ertheilt, bei Gelegenheit der im Frühjahr nächsten Jahres daselbst abzuhaltenden Pferdeausstellung eine öffentliche Verloosung von Equipagen, Pferden 2c., zu welcher 30000 Loose zu je 3 Mark ausgegeben werden dürfen, zu veranstalten und die Loose im ganzen Bereiche der Monarchie zu vertreiben.

Caffel, den 27. November 1889.

Der Regierungs-Präsident.

I. V.: S ch w a r z e n b e r g.

Caffel, den 2. Dezember 1889.

Königliches Landrathsamt beehre ich mich unter Danksagung für die bisherigen Bemühungen ergebenst zu benachrichtigen, daß der Zwangs- S Georg Scheuer auLMerode inzwischen üffen und seinem Lehrmeister wieder zuge­führt'worden ist, weshalb ich mein Ersuchen vom 15. v. MtS. II. Nr. 5028 als erledigt hier- durch zurückziehe.

Der Landes-Director. I. A.: Schröder.

An Königliches Landrathsamt zu Hersfeld. J. II. Nr. 5235.

* * *

HerSfeld, den 6. Dezember 1889.

Wird den Herren Ortspolizetverwaltern und der Königlichen Gendarmerie des Kreises mit Bezug auf meine Verfügung vom 16. v. Mts., Kreisblatt Nr. 138, zur Kenntnißnahme mitge- theilt.

11355. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

" Hersfeld, den 6. Dezember 1889.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des KreiseS,

(Undfugler NachoruL oetDoten.)

Pflicht unö Liebe.

Roman von 6. Wild.

(Fortsetzung.)

Rein, eS war entschieden unpassend von Magda, daß sie das that, und Viola fühlte, wie sehr sie in geistiger Hinsicht der Schwester ihres Vormundes überlegen war; sie würde an so getsttödtenden Beschäftigungen niemals Gefallen gefunden haben!

Stumm und verständnißlos war Viola ihrer Führen« durch alle Räume gefolgt; halb geärgert, halb gelangweilt hatte sie den Erklärungen Magdas zugehört, jetzt aber erwachte in ihr der ganze Uebermulh eines siebzehnjährigen Mädchens, daS, ohne Welterfahrung, ohne Weltkenntniß stolz auf das bischen Schulwissen pocht, welches eS noch ganz frtfch aus der Pension gebracht, und das es nun in gläuzender Weise zu verwerthen

it eidlich

Ich'bin erstaunt über Ihre Unermüdlichkeit," sagte sie, mit Magda in ihren kleinen Salon tretend, durch dessen weitgeöffnete Fenster süßer Lindenblüthenduft hereinströmre,das ist ja eine wahre Herkulesarbeit, die Sie da täglich zu verrichten haben. Fühlen Sie sich in der That glücklich bei dieser Prosa des Lebens?"

Magda lachte laut auf.

Ob ich mich glücklich fühle? Sehen Sie mich doch an, wie zufrieden mich dieses prosaische Leben Mt! Ein jedes Dasein muß seinen bestimmten

welchen in diesen Tagen Benachrichtigungen an die Gewerbetreibenden zwecks Einlösung der auf das Jahr 1890 ertheilten Wandergewerbescheine zugefertigt werden, haben solche alsbald den betreffenden Adressaten auszuhändigen und den Tag der Behändigung mir umgehend bericht- lich anzuzeigen.

11173 u. 11297. Der Königliche Landrath ___ Freiherr von Schleinitz.

Zugelaufen: ein Dachshund. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Untergeis.

+ Die Erneuerung des Cartells.

Die drei nationalen Parteien, die sich zum ersten Mal zu gemeinsamem Vorgehen bet den Reichstagswahlen im Januar 18s7 zusammen- thaten, haben soeben für die bevorstehenden Wahlen ihr Cartell erneuert. War es damals ausgesprochener Zweck, das durch die Opposition in Frage gestellte SeptennatM retten, so wird in der jetzigen gemeinsamen Erklärung in erster Linie die »Aufrechterhaltung des Besitzstandes" empfohlen.

Es liegt auf der Hand, daß mit dieser Empfehlung nicht ein Zweck selbst, sondern nur ein M t t t e l zu einem höheren Zweck gegeben ist. In der oppositionellen Presse hat man an dieAufrechterhaltung des Besitzstandes" Glossen über die angebliche Angst der Cartellparteten, aus ihrem Besitzstände verdrängt zu werden, geknüpft, und man stellt es so dar, als ob auf dieser Seite nichts Anderes treibende Kraft habe, als der Gedanke der Selbsterhaltung. Das ist offenbar im höchsten Grade verkehrt. Wenn jemals Parteien, trotz ihres Unterschieds, sich gemeinsam von höheren idealen Zielen haben leiten lassen, so ist dies gerade jetzt der Fall, wo ein so greifbares Objekt, wie es vor drei Jahren das Septennat war, nicht vorhanden ist.

Zweck haben, und ich bin überzeugt, daß Sie, wenn Sie sich bei uns eingewöhnt haben, auch daran denken werden, sich einen Wirkungskreis zu schaffen und auf irgend eine Weise thätig zu sein."

Viola zuckte leise zusammen. Wollte ihr Magda zumuthen, in ihre Fußtapfen zu treten?

Ich glaube kaum." versetzte sie kühl;meine gewöhnlichen Beschäftigungen werden mir voll­kommen genügen."

Sie können doch nicht den ganzen Tag lesen und musiciren?" fragte Magda erstaunt.Denken Sie nur im Winter, wenn alles verschneit ist, so daß man kaum zum Hause hinaus kann. Ich würde vor Langeweile sterben, wenn ich nicht meine gewohnten Beschäftigungen hätte.

Viola zuckte die Achseln.

Ich werde mir Bücher komme« lassen und meine Sprachstudien weiter betreiben," meinte sie etwas steif.Sie sprechen gewiß auch fremde Sprachen?"

Nein, ich spreche nur mein ehrliches Deutsch," gestand Magda freimüthig;mein bischen Fran­zösisch habe ich mit der Zeit gänzlich verlernt. Auch mit meinen musikalischen Kenntnissen ist es ziemlich schlecht bestellt. Ich singe auch ein wenig, aber nur einfache Lieder, wie man solche eben nur im engsten Familienkreise vorträgt. Eine sogenannte Weltdame ist gänzlich an mir verloren gegangen. Mein HauS ist meine Welt, in der ich mich vollkommen glücklich fühle, und so wird eS auch immer bleibest?

Die Hingabe an Kaiser und Reich, das Eintreten für die bisherigen Wege der staatlichen Ent­wicklung haben sie in den letzten Jahren stets zusammengeführt, wo es galt, die Interessen deS Vaterlandes wirksam zu fördern. Aus dieser gemeinsamen Arbeit ist die Ueberzeugung von der Nothwendigkeit auch ferneren gemeinsamen Zusammengehens erwachsen, und wenn sie jetzt das Cartellzur Aufrechterhaltung des Besitz­standes" erneuert haben, so legen sie damit Bekenntniß ab von der Nothwendigkeit, auch ferner bei den Wahlen für die Güter einzutreten, für welche sie im Reichstage Schulter an Schulter gekämpft haben. Daß das gemeinsame Ziel nur erreicht werden kann, wenn es den Parteien gelingt, ihren Besitzstand zu bewahren, liegt auf der Hand.

Die Erneuerung deS CartellS wird im Lande um so freudiger begrüßt werden, als darin eine schöne Harmonie mit den Ueberzeugungen und Auffassungen zu Tage tritt, welche vor zwei Monaten (am 2. Oktober) von Allerhöchster Stelle durch denReichsanzeiger" kundgegeben worden. Dort hieß es, der Kaiser sehe in der Verständigung und gegenseitigen Schonung der staatserhaltenden Parteien untereinander eine für unser par­lamentarisches Leben sachlichnützlicheEin- richtung, und speciell in dem Cartell erblickte der Kaiser eine den Grundsätzen seiner Regierung entsprechende po­litische Gestaltung. Wie diese Ueber­zeugungen unseres Kaisers auf der Beobachtung von dem fruchtbringenden Zusammenwirken der drei Parteien berichten, so haben diese Parteien ihrerseits aus der Vergangenheit auch nur die ganz selbstverständlichen Consequenzen gezogen. Die innere Wahrheit der wirklichen Verhältnisse hat sich Bahn gebrochen und sie wird auch den Sieg erringen.

In der einfachen, schlichten Weise MagdaS lag etwas so Ueberzeugendes, daß Viola sich unwill­kürlich getroffen fühlte. Sie hatte verblüffest wollen, und nun war sie die Geschlagene.

Sie war zu stolz und selbstbewußt, um diese Niederlage bitter zu empfinden, und ein peinlicher Ausdruck malte sich in ihren Zügen, als sie den forschend auf sich gerichteten Blick MagdaS bemerkte.

Hatte ihr Gerhards Schwester mit diesen Worten eine Lehre ertheilen wollen?

Ich muß Sie nun für einige Zeit sich selbst überlassen," nahm Magda das Wort,sobald ich kann, komme ich wieder, um Sie in den Park zu führen. Lassen Sie sich bis dahin die Zett nicht lang werden."

Sie nickte freundlich und ging mit festen, ruhigen Schritten hinaus; mit trotzig auf­geworfenen Lippen sah ihr nun Viola nach.

Warum sie mich nur nicht gleich aufgefordert hat, in der Küche mitzuhelfen oder das schadhafte Linnenzeug auszubessern," flüsterte sie spöttisch vor sich hin.Welch' beschränkte Ansichten, welch* prosaische Natur! Arbeit, nichts als Arbeit, den höheren Genuß des Lebens kennt sie nicht einmal dem Namen nach! Nun, mich wird sie nie zu ihren Grundsätzen bekehren. Ich will das Leben genießen, genießen mit vollen Zügen; ich will mich nicht in dieser hausbackenen Alltäglichkeit ver­graben, mich wie ein Kind am Gängelbande führen lasten. Nein, nein, und abermals nein! Ich will nach meiner Weise glücklich sein - besser, et#