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Hklsstl-el Krkisbllitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageMnltrirtes HinterhaltnagsSlatt".

Rr. 146. Sonnabend den 7. Dezember 1889.

Erstes Blatt

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Amtliches

Bekanntmachnn g

wegen Ausreichung der ZinsscheMe. Reihe H zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsolidirten 4°/otgen Staatsanleihe von 1880.

Die Zinsscheine Reihe II Nr. 1 bis 20 zu den Schuldverschreibungen der Preußischen konsoli- dirten 4prozcntigen Staatsanleihe von 1880 über die Zinsen für die Zeit vom 1. Januar 1890 bis 31. Dezember 1899 nebst den Anweisungen zur Abhebung der folgenden Reihe werden vom 2. Dezember d. Js. ab von der Kontrolle der Staatspapiere hierselbst, Oranienstraße 92/94 unten links, Vormittags von 9 bis 1 Uhr, mit Ausnahme der Sonn- und Festtage und der letzten drei Geschäftslage jeden Monats, ausge­reicht werden. , ,

Die Zinsscheine können bei der Kontrolle selbst in Empfang genommen oder durch die Regierungs­Hauptkassen, sowie in Frankfurt a/M. durch die Kreiskasse bezogen werden. Wer die Empfang­nahme bei der Kontrolle selbst wünscht, hat derselben persönlich oder durch einen Beauftragten die zur Abhebung der neuen Reihe berechtigenden Zinsscheinanweisungen mit einem Verzeichnisse zu übergeben, zu welchem Formulare ebenda und in Hamburg bet dem Kaiserlichen Postamte Nr. 1 unentgeltlich zu haben sind. Genügt dem Ein­reicher eine numerirte Marke als Empfangs­bescheinigung, so ist das Verzeichniß einfach, wünscht er eine ausdrückliche Bescheinigung, so ist es doppelt vorzulegen. Im letzteren Fall erhalten die Einreicher das eine Exemplar mit einer Empfangsbescheinigung versehen, sofort zurück. Die Marke oder Empfangsbescheinigung ist bei der Ausreichung der neuen Zinsscheine ^Jn^SchMtWechsel kann die Kontrolle der Staatspapiere sich mit den Inhabern der Zinsscheinanweisungen nicht einlassen.

Wer die Zinsscheine durch eine der oben ge­nannten Provinzialkassen beziehen will, hat derselben die Anweisungen mit einem doppelten Verzeichnisse einzureichen. Das eine Verzeichniß wird mit einer Empfangsbescheinigung versehen sogleich zurückgegeben und ist bei Aushändigung der Zinsscheine wieder abzuliefern. Formulare zu diesen Verzeichnissen sind bet den gedachten Provinzialkassen und den von den Königlichen Regierungen in den Amtsblättern zu bezeichnen­den sonstigen Kassen unentgeltlich zu haben.

Der Erreichung der Schuldverschreibungen

bedarf es zur Erlangung der neuen Zinsscheine nur dann, wenn die Zmsscheinanweisungcn ab­handen gekommen sind; in diesem Falle sind die Schuldverschreibungen an die Kontrolle der Staatspapiere oder an eine der genannten Pro­vinzialkassen mittels besonderer Eingabe einzu­reichen.

Berlin, den 17. October 1889. Königliche Hauptverwaltung der Staatsschulden. I. 1973. * gez. Sydow. *

Cassel, den 25 October 1889.

Die vorstehende Bekanntmachung wird hier­durch mit dem Bemerken veröffentlicht, daß die Formulare zu den in derselben gedachten Ver­zeichnissen bei der Regierungs-Hauptkosse hier und den sämmtlichen Steuerkosfen des Regierungs­bezirks unentgeltlich zu haben sind.

Königliche Regierung.

K. 2025. Rothe. ____

Gefunden: ein ReneMM Meldung .des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Unter­neurode.

Aus dem Reichstage.

Berlin, 4. Dezember. Bei der in der heutigen (29.) Plenarsitzung fortgesetzten Berathung des deutschfreisinnigen Antrag«, betreffend die Beseitigung des obligatorischen Arbeitsbuchs für Bergarbeiter, verbreitete Abg. Stötzel (Centr.) sich eingehend über die Strikebewegung im letzten Frühjahr und suchte die einzelnen Beschwerden der Bergarbeiter als begründet darzustellen. Im Uebrigen forderte er alle Diejenigen, die dazu berufen seien, auf, zur baldigsten Wiederherstellung des Friedens das Ihrige beizutragen. Abgeordneter Dr. Hainmachcr (nat.dib.) betonte besonders den Wunsch, daß die Veröffentlichung der Enquete derjenigen Commission, welche zur Untersuchung der AuSstände in West­falen, am Rhein und Schlesien eingesetzt sei, baldigst ver­öffentlicht werde, und wies dann namentlich die gegen die Bergwerksbesitzer erhobenen Verwürfe mangelnder Loyalität den Arbeitern gegenüber als nicht begründet zurück. Staatssecretär des Innern Staatsminister Dr. v. Boetticher constatirte darauf, daß die Enquete über die Bergarbeiter- strikes noch nicht völlig abgeschlossen sei, man^solle die Anträge der Königlich preußischen Regierung, deren Sache es sei, das Material zu sichten und vorzuprüfen, abwarten und dieselben ruhig und objectiv prüfen, damit so der Friede wieder her- gestellt werde, den Niemand sehnlicher wünschen könne, als die verbündeten Regierungen. Abg. Windthorst (Ctr.) fordert ein schleuniges Vorgehen. Das verlange die hoch­bedeutsame Sache, die wichtiger sei, als irgend etwas Andere«, worüber der Reichstag zu verhandeln habe. Den Arbeitgebern räth er im Uebrigen weiteste Nachgiebigkeit, den Arbeitern aber Mäßigung und Enthaltung von jeder Gewaltmaßregel.

Abg. Haarmann (nat.-lib.j wendete sich namentlich gegen die Ausführungen der Abgg. Stoetzel, Frohme and Schmidt, indem er hervorhob, daß die Lage der Bergarbeiter in Westfalen keine so ungünstige sei, wie sie dargestellt werde. Daß der Antrag selbst keinem Bedürfniß entspreche, beweise schon der Umstand, daß für denselben keine einzige Petition eingegangen sei. Nachdem darauf ein Schlußantrag angenommen war, erhielt als Antragsteller zur Wider­legung der gegen den Antrag erhobenen Einwendungen noch der Abg. Dr. Baumbach (deutschfr.) da« Wort. Eine commisfarische Berathung des Antrages war von keiner Seite beantragt, die weitere Berathung wird also int Plenum statt- finden. Schluß der Sitzung nach 5 Uhr. Nächste Sitzung morgen 12 Uhr. (Etats des ReichSeisenbahnamtS und der Verwaltung der Reichseisenbahnen.)

Berlin, 5. Dezember. In der heutigen (30.) Plenar­sitzung des Reichstage« regte bei der Berathung des ReichS- Eiienbahnctat« Abg. Henneberg (nat.-lib.) die Einführung einer einheitlichen Normalzeit an, welche auch vom Abg. Grafen Stolberg-Wernigcrode (deutschcons.) namentlich im Hinblick auf die Bedeutung in militärischer Beziehung befür­wortet wurde, beim Abg. Frhr. v. Stumm (Reichsp.) in­dessen auf einige Bedenken stieß, über die man aber hinwegsehen könne, wenn ein Bedürfniß für militärische Zwecke vorhanden

sei. Abg. Richter (deutschfreis.) begründete dann bett Antrag: Der ReickStag wolle beschließen, den Herrn Reichs­kanzler zu ersuchen, in Anbetracht der Kohlentheuerung alsbald eine Untersuchung darüber zu veranlassen, ob und inwieweit die Kohlentarrfe auf den deutschen Eisenbahnen den Vor­schriften des Artikel« 45 der ReichSverfassung entsprechen und ob nicht im Interesse der Industrie und der Landwirthschaft eine allgemeine Tarif er Mäßigung zur Erzielung der verfassungsmäßig vorgeschriebenen möglichsten Herabsetzung der Tarife geboten ist, insbesondere auch durch eine Ausdehnung der Ausnahmetarife, welche die höheren Tarife für die Kohleneinfuhr aus dem Auslande beseitigt und den Interessen der inländischen Kohlenronsumenten gebührende Rechnung trägt. Dieser Antrag veranlaßte eine lange Debatte, an welcher sich außer dem Bundesbevollmächtigten, Geheimen Ober- RegierungSrath Dr. Schulz, die Abgg. Richter, Schrader (deutschfreis.), Frhr. v. Stumm (Reichsp,), Graf Stolberg- Wernigerode (deutschcons.), Dr. Hammacher (nat.-ltb.), v. Wedell-Malchow (deutschcons.) und Grad (Els.-Lothr.) betheiligten. Schließlich wurde auf Antrag der Abg. Schrader (deutschfreis.) der Antrag einer Commission von 14 Mit­gliedern znr Borberathung überwiesen. Beim Etat für die Verwaltung der Eisenbahnen wünschte Abg. Lingen« (Centr.) eine noch ausgedehnte .e Sonntagsruhe für die Eisen- bahnbeamten, erkannte aber ~ klebrigen an, saß schon viel in dieser Hinsicht geschehen sei. Eine weitere Debatte knüpfte sich an diesen Etat nicht. Schluß der Sitzung 4'/» Uhr. Nächste Sitzung morgen, Mittags 12 Uhr. (Dritte Lesung der Novelle zum Bankgesetz und Etat der Zölle und Ver­brauchssteuern.)

Mittsche Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser ist, begleitet von den Herren seiner Umgebung am Mittwoch Nachmittag mittelst Sonderzuges im allerbesten Wohlsein in Dessau eingetroffen und bei der Ankunft dortselbst von J.J. H. H. dem Herzoge und der Herzogin von Anhalt auf das Herzlichste begrüßt worden. Zur Empfangsbegrüßung hatten sich auch die Spitzen der Civil- und Militär- bchörden und ein zahlreiches Publikum auf dem Bahn-Perron, und auf dem freien Platze vor dem Bahnhofsgebäude eingefunden; von letzterem wurde der erlauchte Monarch bei seiner Fahrt vom Bahnhöfe nach dem herzoglichen Schlosse mit nicht endenwollenden Jubelrufen begrüßt, welche sich unausgesetzt bis zum Schlosse fort- pflanzten. Se. Majestät der Kaiser erwiderte die Grüße der Bevölkerung in seiner bekannten huldvollen Weise, sich nach allen Seiten hin verneigend. Die Straßen der Stadt sind zur Feier der Anwesenheit des erlauchten Monarchen festlich geschmückt Am Nachmittage fand zu Ehren der Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers im herzoglichen Schlosse zu Dessau eine größere Gala Tafel statt nach deren Aufhebung in den Königszimmern von den Allerhöchsten und den Höchsten Herrschaften und den anderen geladenen Gästen und Fürstlichkeiten rc. der Kaffee einge­nommen wurde. Am späteren Abende besuchte Se. Majestät der Kaiser mit dem herzoglichen Paare und den anderen hohen Herrschaften ic. die Galavorstellung aus dem zweiten und dritten Acte «Der Meistersinger" im herzoglichen Hof­theater. Auf der Fahrt vom Schlöffe nach dem Theater, wie auf dem Rückwege, wurde Se. Majestät der Kaiser von dem nach mehrere« Tausenden zählenden Publikum, welches auf der Fahrt dorthin dichtgedrängt Spalier bildete, mit begeisterten, nicht endenwollenden stürmischen Hurrahrufen begrüßt. Die Straßen der Stadt waren bei Eintritt der Dunkelheit von der Ein­wohnerschaft festlich erleuchtet worden. Am Donnerstag fand zu Ehren der Anwesenheit Sr. Majestät des Kaisers im Herzoglichen Forstreviers