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Mit wöcheuttich-r Kratis-Aeilage „Ällukrirtes Antecöaltu aqsötaLL".
Nr. 145. Donnerstag den 5. Dezember 1889
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„Allustrirtes Unterhaltung-blatt"
pro Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches
Bet der am heutigen Tage stattgefundenen AuSloosung von Rentenbriefen der Provinz Hessen-Nassau für das Halbjahr vom 1. October 1889 bis 31. März 1890 sind folgende ApointS gezogen worden:
1) Litt. A. ä 3000 Mk.
. Nr. 287. 308. 102. 150. <J^. 879. 2) Litt. B. ä 1500 Mk.
Nr. 133. 207. 527. 611.
3) Litt. 0. ä 300 Mk.
Nr. 282. 415. 539. 708 845. 930. 1088. 1282. 1327. 1362. 1634. 1759. 1850. 2112. 2167. 2223. 2242. 2446. 2651. 3646. 3658.
4) Litt. D. ä 75 Mk.
Nr. 68. 71. 264. 426. 597. 599. 783. 816. 1345. 1919. 1999. 2032. 2930. 3288. 3132 3528.
Die ausgeloosten Rentenbriefe, deren Verzinsung vom 1. April 1890 ab aufhört, werden den Inhabern derselben mit der Aufforderung gekündigt, den Kapitalbetrag gegen Quittung und Rückgabe der Rentenbriefe im coursfähigen Zustande mit den dazu gehörigen, nicht mehr zahlbaren Zinscoupons Serie 11 Nr. 11 bis 16 nebst Talons vom 1. April 1890 ab bei der
Rentenbankkasse hierselbst, in den Vormittags! für die Ihnen untergebenen Schulstellen deponirten stunden von 9 bis 12 Uhr, in Empfang zu nehmen. ' KuuvunS ei ton rur Ausloosnna aekommen fein
Auswärts wohnenden Inhabern der gekündigten
Rentenbriefe ist es gestattet, dieselben mit der Post, aber frankirt und unter Beifügung einer nach folgendem Formulare:
„......Mark, buchstäblich.......
Mark Valuta für d . . zum 1........
18 . . gekündigten Hessen-Nassauischen Renten- brief . . Litt. . . Nr . . . . habe ich aus der Königlichen Rentenbankkasse in Münster erhalten, worüber diese Quittung.
(Ort, Datum und Unterschrift)" ausgestellten Quittung über den Empfang der Valuta der gedachten Kasse einzusenden und die Uebersendung des Geldbetrages auf gleichem Wege, jedoch auf Gefahr und Kosten des Empfängers, zu beantragen.
Schließlich machen wir darauf aufmerksam, daß die Nummern aller gekündigten resp, noch rückständigen Rentenbriefe durch die Seitens der Redaction des Deutschen Reichs- und Königlich Preußischen Staats - Anzeigers herausgegebene Allgemeine Verloosung-Tabelle sowohl im Monat Mai, als auch im Monat November jeden Jahres veröffentlicht werden und daß das betreffende Stück dieser Tabelle bei der gedachten Redaction zum Preise von 25 Pfennigen be zogen werden kann.
Münster, am 19. November 1889.
Königliche Direktion der Rentenbank für die Provinz Westfalen, die Rheinprovinz und die Provinz Hessen Nassau.
* * *
Wird den Königlichen Localschulinspectoren des Kreises zur gefälligen Kenntnißnahme und dem Ersuchen mitgetheilt, mir, zwecks Einziehung der bezüglichen Valuta, davon Nachricht geben zu wollen, wenn ein oder der andere der Rentenbriefe zu den in dem betreffenden Kirchenkasten
Coupons etwa zur Ausloosung gekommen sein sollte.
11220.
Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 2. Dezember. Bei der in der heutigen (27.) Plenarsitzung des Reichstages fortgesetzten zweiten Berathung der Novelle zum Bankgesetz wies zunächst der Präsident des Reichsbankdirectoriums v. Dechend des Näheren nach, daß die Reichsbank, deren Leistungen in der vorigen Sitzung gegenüber der Bank von Frankreich herabzusetzen versucht sei, letzterer in Nicht« nachstehe. — Director im Reichsschatzamt Aschenborn führte aus, daß der finanzielle Erfolg au« einer Verstaatlichung der Reichsbank durchaus nicht so hoch, wie von einem Redner der vorigen Sitzung veranschlagt, sein würde, und erklärte eine Herabsetzung der weiteren Dividende für die Antheilseigner unter den Satz der Regierungsvorlage (Antrag v. Huene) für nicht gerechtfertigt. — Abg. Mooren (Centr.) begründete eine Resolution, welche es mißbilligt, daß die Reichsbank für die Errichtung von Zweiganstalten Ver- günstigungen von den betreffenden Gemeinden fordere. — Präsident des Reichsbank-DirectoriumS v. Dechend findet er dagegen ganz natürlich, wenn LM», [in welche ein commercielles Bedürfniß einer Bankstelle nicht nachgewiesen, für die Erlangung einer solchen Opfer zu bringen bereit seien, zumal letztere dem Reiche und nicht den BankantheilSeignern zu Gute kamen. — Abg. Gamp (ReichSp.) hält seine bei der ersten Lesung gemachtcn Ausführungen aufrecht und verlangt namentlich eine anderweitige Gestaltung deS Central- ausschusses und die Aufhebung der Privat-Notenbanken. — Präsident deS RcichsbankdircctoriuinS von Dechend geht auf kurze Widerlegung der Behauptungen des Vorredner« ein. — Äbg. Dr. Bamberger (deutschfreis.) bestreitet, daß die Bank berechtigten Credit willkürlicher Weise verweigere; für eine Erhöhung des Grundkapitals, wie sie der Abg. von Kardorfs fordere, sei kein Grund vorhanden. Er bittet, die Vorlage unverändert zu genehmigen. — Dem Abg. v. Kar- dorff (ReichSp.) gegenüber betonte der Präsident des ReichS- bank-DirectoriumS v. Dechend noch ein Mal, daß da« Grundkapital der Bank von Frankreich keineswegs höher sei, als das der Reichsbank. — Abg. Freiherr v. Stumm (ReichSp.) erklärt sich im Vertrauen auf die Autorität des Herrn Präsidenten des Reichsbankdirectoriums für die Vorlage. —
(Unbefugt« Aochdrvtl Detboten.) Es war die höchste Zeit, wolllen sie nicht den ; heranbrausenden Zug versäumen.
Im Eisenbahncoupee waren sie nicht mehr allein; Gerhard begnügte sich daher, mit Viola von gleichgültigen Dingen zu sprechen. Das junge Mädchen antwortete in ziemlich reserviertem Tone, und es war im ganzen kein sehr erquickliches
Pflicht und Liebe
Roman von C. W i l d.
(Fortsetzung.)
Er vergaß die versteckte Anklage, die in ihrer Antwort lag und sagte freundlich, ihre Hand ergreifend: „Es war nicht recht von Ihnen. daß Sie mir verschwiegen, wie wenig heimisch sie sich dort fühlten. Ich würde Mittel und Wege gefunden haben, um Ihnen einen angenehmen Aufenthalt zu verschaffen. Doch das ist jetzt überstanden; hoffentlich wird es Ihnen bet uns
be
gefallen."
e Hand lag kalt und ruhig in der seinen, mit ihrer vollen, weichen Stimme erwiderte:
als ........ ________________________
„Ich will mein möglichstes thun, um Ihnen keinen
Anlaß zur Unzufriedenheit zu geben."
„Nein, nein, so habe ich es nicht gemeint. Ich — Ihre Jugend genießen, daß sie m blicken. Sie sind noch jung,
Will, daß Sie Ihre Jugend genießen, daß sie heiter inS Leben blicken. Sie sind noch jung, Viola, ich möchte Sie so gern fröhlich und zu- frieden sehen " , t
In den Äugen Violas leuchtete es seltsam auf, aber nur für einen Augenblick; in dernachsten Secunde schon legten sich die dunklen Wimpern dicht über die strahlenden Sterne.
„Sie sind sehr gütig, Herr von Linden," flüsterte ^Der^Wagen hielt beim Bahnhöfe, und der Freiherr Hub fein Mündel aus dem Gefährt,
Zusammensein.
Gerhard athmete erleichtert auf, als sie den Waggon verließen, um in seine bereitstehende Equipage zu steigen, die sie nach kurzer Fahrt auf Schloß Lindenheim brächte.
DaS ruhige, selbstbewußte Benehmen des jungen Mädchens wirkte erkältend auf ihn, und es berührte ihn peinlich, daß sie seine gutgemeinten Worte so kühl und gleichgültig ausgenommen.
„Nun sind wir daheim," sagte er, als der Wagen in den Schloßhof fuhr, „ich biete Ihnen nochmals herzliches Willkommen. Meine Schwester und ich, wir wollen Ihnen stets treu zur Seite stehen, damit Sie hier eine echte Heimath finden."
Viola legte ihre Hand in seine dargebotene Rechte und sah zu ihm auf. Etwas wie Rührung überflog ihr schönes, bleiches Antlitz.
Sie sagte kein Wort, aber in ihren Augen las er einen Ausdruck von Dankbarkeit, so warm, so beredt, daß er darüber ihre frühere Gleichgültigkeit vergaß.
Jetzt ward MagdaS stattliche Gestalt sichtbar.
„Meine Schwester," sagte der Freiherr, Violas Aufmerksamkeit auf sie lenkend.
l Eine leise Rölhe erschien auf den blassen ! Wangen deS jungen Mädchens, allein sie be» meisterte rasch diesen leichten Auflug von Verlegenheit, und hastig aus dem nun haltenden Wagen springend, ging sie festen, anmuthtgen Schrittes der Schwester ihres Vormundes entgegen.
Magda betrachtete mit sprachlosem Erstaunen diese elegante Erscheinung, die in ihrem zierlichen Reiseanzuge so stolz, so selbstbewußt vor ihr stand.
Sie hatte einen unbeholfenen Backfisch zu sehen erwartet, von etwas ungestümen, unternehmenden Manieren, statt dessen stand eine vollendete Dame vor ihr,
Ehe sich die gute Magda noch von ihrem Erstaunen erholen konnte, hatte ihr Viola eine graziöse Verneigung gemacht und mit ihrer weichen, volltönenden Stimme einige Worte gesprochen, deren Sinn dem überraschten Fräulein vollständig entgangen war.
Der hinzutretende Freiherr entriß die arme Magda ihrer Verlegenheit.
Sie reichte nun dem jungen Mädchen die Hand und sagte ihr in ihrer schlichten Weise ein freundliches Willkommen. Dann aber wandle sie sich zu dem geliebten Bruder, und ein eigenthümlich bitteres Gefühl beschlich Violas Herz, als sie sah, wie zärtlich sie diesen in ihre Arme schloß und die frischen, rothen Lippen zum Kusse bot.
Das war Liebe, wahre, ungekünstelte Neigung,
und fit stand als Fremde daneben und mutzts