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Hersskl-tl Kreisliliitt.
Mit wSckentliLer Kratis-Neilaqe „^llukrirtes MnLeröallungsZlE.
Nr. 144.
Dienstag den 3. Dezember
1889.
Aöonnemeuts-Zintadung,
Bestellungen auf das
Kersfewer KreisvLatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage „Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 29. November 1889.
Höheren Orts wird Auskunft darüber verlangt, ob und eventuell in welchem Umfange seit dem Zeitpunkte des Inkrafttretens des Gesetzes, betreffend die Erleichterung der Volksschullasten, vom 14. Juni 1888 (Gesetz-Sammlung Seite 240) d. h. also seit dem 1. Oktober 1888 Aufbesserungen des Stelle neinkommens von vollbeschästlgten Lehrern an Volksschulen ein» getreten sind.
Demgemäß fordere ich die Herren Bürgermeister der Schulgemeinden des hiesigen Kreises auf, mir bis spätestens zum 5. Dezember d. I. berichtUch anzuzeigen, ob und eventuell in welcher Weise den Lehrern das Stell eneinkommen seitens der Schulgemeinden aufgebessert worden ist.
11171, Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Hersfeld, den 29. November 1889.
Im Anschluß an meine Verfügung vom 12. Juni d. Js. J. A. Nr. 692 im Kreisblatt Nr. 84 werden die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des biesiaen Kreises, soweit dieselben
noch im Rückstände sind, hierdurch aufgefordert, die Gemeinderechnungen pro 1888/89 nunmehr bis spätestens zum 20. Dezemb er er. an mich einzureichen.
J. A. 1166. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Cassel, den 23. November 1889.
Unter Bezugnahme auf die Negierungs-Ver- fügung vom 19. August 1885 (A. II. 11298) mache ich Ew. Hochwohlgeboren ergebenst darauf aufmerksam, daß von dem daselbst erwähnten Werke des Staatsanwalts Chuchul vor Kurzem eine zweite, berichtigte und bis auf die neueste Zeit vervollständigte Auflage im Verlage der Gebrüder Gotthelft hier erschienen ist.
Der Regierungs-Präsident. Rothe.
An sämmtliche Königlichen Landräthe des Regierungsbezirks und den Königlichen Polizei- Director hier. J. A. II. Nr. 9206.
* * *
Hersfeld, dm 30. November 1889.
Wird den Herren Bürgermeistern und Gutsvorstehern des Kreises unter Bezugnahme auf die im Kreisblatt vom 8. September 1885 Nr. 106 veröffentlichte Verfügung Königlicher Regierung vom 19. August dess. Jahres zur Kenntnißnahme mitgetheilt.
11168. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Hersfeld, den 30. November 1889.
In Folge Verfügung Königlicher Regierung mache ich die Herren Bürgermeister des Kreises auf Folgendes aufmeiksam.
Freihändige Verpachtungen von Gemeinde- j a g d e n sind auch in dem Falle als Verletzungen der Vorschrift des §. 18 des karhefsischen Jagdgesetzes vom 7. September 1865 anzusehen. daß । ein bestehendes Pachtoerhältniß mit dem bts- I herigen Pächter verlängert wird, da es nicht
zweifelhaft sein kann, daß Pachtverlängerungen grundsätzlich als Neuverpachtungen zu gelten haben.
Durch den Abschluß freihändiger Verpachtungen über Gemeindejagden machen die betreffenden Gemeindevorstände sich disciplinarisch strafbar, und wird außerdem gegen die thatsächliche Aus- füdrung der freihändig abgeschlossenen Jagd- Pachtverträge polizeilich eingeschritten werden, d. h. es wird dem Jagdpächter die Nichtaus- Übung der durch den freihändig geschlossenen Vertrag erworbenen Jagdausübungsrechte, sowie dem Gemeindevorstande die Nichtzulassung bes Jagdpächters zur Ausübung dieser Rechte polizeilich aufgegeben werden.
10726. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz^
Ein Karren aufgefangen in der Werra. Meldung des Eigenthümers bet dem Ortsvorstand zu LengerS.
+GrafBismink übclSüdwcstasrika.
Die unverständigen Gegner der deutschen Colonialpolitik berufen sich darauf, daß große praktische Erfolge noch nicht erzielt worden seien. Fünf Jahre sind es her, daß wir in eine vorsichtige Colonialpolitik eingetreten sind. Wo sonst in der Welt in einem so kurzen Zeitraum große colonialpolitische Erfolge erzielt worden seien, entzieht sich der Wissenschaft, selbst der genauesten Kenner verColomalgeschichte. Andererseits ist nicht minder ungeschickt als jener Ein- wand die fortgesetzte Vertästerung des Werthes unserer Schutzgebiete. Leute wie die Abgeordneten Lamberger und Richter können nicht von der Behauptung loskommen, daß z. B. Südwest- afrika ein ganz wertyloses „Sandloch" fei, und der Erstgenannte meinte sogar, das deutsche
(.Unbuuwiu äu46iu6 verboten.)
Mmt und Liebe
Roman von 6. Wild.
(Fortsetzung.)
i feine Halle mehr ein lebhafureS Empfinden in „Wir wollen Die Alten fern, Gerhard, und alle | seiner Seele zu erregen vermocht, bis die Er- j mystischen Ahnungen beiseite lassen. Weiß der
innerung an die sterbende seltne wieder ein i eigenartiges Gefühl in seinem Herzen wachgerufen.
War es Mitleid, war es Liebe?
1 O nein, die letztere war es gewiß nicht! AIs
Die Geschwister trennten sich nach freundlichem - — ( . _ - .
Gutenachtgrüße, aber beide blieben noch lange wach, sie ihm in strahlender Schönheit begegnet, da war
Die Sorge ist ein böser Gast und scheucht den er kalt an ihr vorüvergegungen, uno jetzt, diese Schlaf von den müden Wimpern, und während bleiche, gebrochene Frau. Er schuttelie unmuthig Mazda nur mit heimlichem Bangen der neuen den Kopf und warf sich au£ sein Lager, um im Hausgenossin gedachte, durch!' noch einmal mit prüfendem Blill------„_..„„.„
Auch er hatte einst geliebt, ein schönes, viel fest, die im Wachen vor gefeiertes Mädchen, eine Freundin Meltnens, die er im Hause von deren Eltern getroffen.
Er hatte geliebt, heiß und innig geliebt, ohne erhört zu werden, denn die Wünsche der stolzen । Schönheit gingen höher hinaus, als die Gattin eines einfachen Land Edelmannes zu werden, der ihr wohl eine angenehme, aber keine glänzende Existenz zu bieten hatte.
, Er mit seiner treuen, innigen Liebe war verschmäht worden, und das junge, ehrgeizige Mädchen hatte seine Hand einem alternden Manne gereicht, dessen stolzer Fürstentitel alle Mängel und Fehler seiner Person und seines Charakters mit einem langen, schimmernden Purpurmantel deckte.
Ein bitteres Lächeln spielte um Gerhards Lippen, als er an diese erste und einzige Liebe seines Lebens dachte. Seit jener Zeit war er den Frauen sorglich aus dem Wege gefangen;
hging der Freiherr Schlafe Vergessenheit zu suchen.
ck die Vergangenheit. Allein selbst der Traumgott hielt die Bilder tj.»—« «i«f foft h?» im siUnAon nnr seiner Seele aesebwebt, und erst als der erste Sonnenstrahl die hohen Wipfel der Lindenbäume im Parke zum Morgm- gruße mit goldigem Schimmer beglänzte, scheuchte Eros, leise Die bleiche Stirn des unruhigen Schläfers berührend, Die düsteren Traumgebilde fort.
Als der volle Glanz der immer höher steigenden
Hummel, was mir gestern durch den Kopf gefahren ut! Doch das ist vorbei und soll nicht wieder kommen"
Und Mazda hielt, was sie versprochen; sie wär eine viel zu gesunde und kräftige Natur, um sich lange mit derlei Unwahrscheinlichketten zu beschäftigen.
Dann nahm auch die Sorge um das Hauswesen sie viel zu sehr in Anspruch, um ihr für andere Dinge Zeit zu lassen; sie vergaß nicht, das Violas Kommen näher rückre, aber sie hatte sich in das Unvermeidliche gefügt, und ihr bangte nicht mehr davor, die Tochter jener Frau in ihrem Hause aufzunehmen.
Im Fluge ging die Zeit dahin, und bald lagen nur noch wenige Wochen zwischen dem Tage, da Viola ihre neue Hermath betreten sollte.
Gerhard hatte während dieser zwei Jahre einige Male an fein Mündel geschrieben und pünktlich immer Antwort erhalten.
Sinnend ruhten oft seine Blicke auf der flüchtigen eleganten Schrift, die alles Schülerhafte längst abgestreift zu haben schien; der Ton der Briefe klang kühl und gemessen, die Schreiberin beschränkte sich darauf, das Allernothwendigste zu sagen und dem Vormund für seine Güte in
Sonne sich über das bufterfüllle Blumenparterre ergoß, trat der Freiherr auf Die Freitreppe hinaus, mit vollen Zügen die frische, würzige Morgenluft einathmend.
Mazda kam ihm freundlich entgegen. An ihr war die schlaflose Nacht spurlos vorübergegangen.
Ihre blauen Augen leuchteten klar wie sonst, und aus ihren Wangen lag Die frische Nöthe der Gesundheit. Sie war keine märchenhaft poetische, aber eine wahrhaft herzerquickende Erscheinung, wie sie mit einem Lächeln auf den Lippen zu dem , „ ____________________ .....
Bruder trat und, treuherzig zu ihm aussehend, sagte- Wolke des Verdrusses, wenn er diese zierlich he,
tadellosem Stile den Dank auszusprechen, und mehr als einmal flog über Gerhards Stirne eine