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Nr. 142. Donnerstag den 28. November 1889.
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Amtliches.
Hersfeld, den 25. November 1889.
Nach einer Mittheilung des ständischen Bau» amtes dahier sind die Gemeinden
Asbach, Beiershausen, Gersdorf, Gershausen, Goßmannsrode, Hattenbach, Hilperhausen, »im, Kirchheim, Kohlhausen, Mengs- , Reckerode, Reimboldshausen, Roßbach, Rotterterode, Stärklos und WAings» Hain mit Erledigung von Landwegebau-Aufgaben im Rückstände.
Die Herren Ortsvorstände der genannten Gemeinden haben für die Ausführung der rückständigen Arbeiten, mit Frist bis zum 18. Dezember d. I., Sorge zu tragen. Nach Ablauf dieser Frist wird der etwa weiter verbliebene Rückstand auf Kosten der säumigen Gemeinden veraccordirt werden.
11054. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 25. November. Auf der Tagesordnung der Ä(22.) Plenarsitzung des Reichstages steht die erste ng der vom Abg. Aichbiechler und Genossen
(Unbefugt« Aachacack verboten.
Mtcht unb Liebe.
Roman von C. W ild.
(Fortsetzung.)
„Buchfelds wegen", fuhr der Freiherr fort, »ward auch ich eingeladen, und so kam ich häufig in das Lottumsche Haus.
Ein ständiger Gast desselben war auch ein allgemein beliebter Schauspieler Namens Thal» heim, der in den angesehensten Zirkeln der Residenz Zutritt hatte.
Thalheim war ein Mann reiferen Alters, nichtsdestoweniger aber ein bevorzugter Damen- ltebling; denn nicht allein, daß er wirklich ein Künstler war, er besaß auch im persönlichen Umgang eine so gewinnende Liebenswürdigkeit, daß man sich unmöglich diesem fasctnirenden Eindruck entziehen konnte.
Der Zufall hatte mich zu dem Wohnungs- Nachbar Thalheims, welcher Gareon war, gemacht.
Von den Gesellschaften bei Lottums gingen wir meist zusammen nach Hause, und Thalheim Pries dann stets tu beredten Worten die Schönheit Melinens, die ihn mit der ganzen Launenhaftigkeit eines verwöhnten Kindes vor allen anderen Gästen sichtlich bevorzugte.
Buchfeld schien dies nicht zu bemerken oder wollte es nicht bemerken; genug eines Tages machte er mir die Mittheilung, daß er entschlossen sei, bei MeliueK Eltern um ihre Hand anzahalten
(Centr.) eingebrachten Gesetzentwürfe, betreffend die Sonntagsarbeit und betreffend die Frauen- und Kinderarbeit in Ver- bindung mit dem Antrag Loh reu gleichartigen Inhalts. — Bei Begründung der beiden ersten Anträge weist Abg. Hitze (Centr.) darauf hin, daß die eingebrachten Gesetzentwürfe in ihrer jetzigen Gestalt das Ergebniß gemeinsamer Arbeit des Reichstages seien, während die Anträge seiner Partei ursprünglich viel weiter gegangen seien. Er warnt davor, sich auf eine Resolution an Stelle der Gesetzentwürfe zu beschränken.
— Abg. Schrader (dentsch-freis.) empfiehlt, mit einem vollständig durchberathenen Gesetzentwurf an die verbündeten Regierungen heranzutreten, um dadurch entweder die Zustimmung derselben zu erhalten oder sie doch zu eigenen Vorschlägen ihrerseits zn veranlassen. Abg. Duvigneau (nat.- lib.) erklärt, daß trotz einzelner Bedenken seine Freunde den Anträgen zustimmen werden. — Abg. Freiherr v. Stumm (Reichsp.) erklärt sich mit der Richtung der Anträge im Allgemeinen wohl einverstanden, legt aber des Nähern auseinander, daß eS sich empfehle, sich auf die bei bem Etat des Reichsamts des Innern berathene Resolution Baumbach-Stumm zu beschränken. — Abg. Meister (Soc.-Dem.) ist mit den Anträgen auf Verbot der Sonntagsarbeit einverstanden. Die Anträge aber betreffend Frauen- und Kinderarbeit seien nicht Fisch noch Fleisch. Abg. S t o e ck e r (deutschcons.) erklärt sich mit den Anträgen durchaus einverstanden; man müßte sich prinzipiell auf die von Gott gegebene Staats- und Gesellschaftsordnung stellen. Eine bloße" Resolution sei gegenüber der ablehnenden Haltung der Regierung nicht angebracht. Nachdem dann noch der Abg. Win terer (Elsaß-Lothr.) für die Anträge mit Ausschluß des gänzlichen Verbots der Kinderarbeit eingetreten war und die Abgg. Dr. Lieber (Centr.) und Henning (Reichsp.) für die Antragsteller das Schlußwort erhalten hatten, wurde die Discussion geschlossen. Die zweite Berathung der Anträge wird ohne commissarische Berathung im Plenum stattfinden. Schluß der Sitzung 5'/. Uhr. Nächste Sitzung morgen Nachmittag 1 Uhr. (Fortsetzung der Berathung des Etats des Auswärtigen Amts in Ber. bindung mit dem zweiten NachtragSetat pro 1889,90.)
Berlin, 25. November. In der heutigen (23.) Plenarsitzung des Reichstags wurde die Specialberathung des Etats des Auswärtigen Amts bei Kapitel 5 Titel 4 (Gesandtschaft zu Bern) wieder ausgenommen. Auf die neulichen Ausführungen des Abg. Dr. Baumbach (deutschsreis.) zurückgreifend, erklärte der Staatssecretär des Auswärtigen Amts, Staatsminister Graf v. Bismarck, daß man diesseits einem neuen Niederlassungsvertrage mit der Schweiz keineswegs . abgeneigt sei. Der gegenwärtige, übrigens noch bis zum Juli laufende
und daß er gegründete Hoffnung habe, nicht abgewiesen zu werden
„Das glaube ich wohl," versetzte ich, „allein Meline, sie ist zu launenhaft, daß -"
Er unterbrach mich.
„Laß das," sagte er rauh, „ich hoffe auf kein Glück an ihrer Seite, aber ich kann ohne sie nicht leben. Mag es nun kommen wie es will, sie muß die meine werden!"
Am Abend desselben Tages saß ich ruhig bei meinen Büchern, als Thalheim bleich und verstört bei mir eintrat.
„Rathen Sie, helfen Sie," rief er mir ent- gegen, „Sie sind Buchfelds Freund und auch ein Freund des Lottumschen Hauses — dieses excentrische Mädchen hat mich da in eine furchtbare Verlegenheit gestürzt."
Er wischte sich den Schweiß von der Stirn und ließ sich erschöpft auf einen Stuhl sinken.
Nie war mir der berühmte Heldenspteler so abgelebt und gealtert vorgekommen, als in diesem Augenblick, da er bleich und bebend vor mir saß.
„Stellen Sie sich nur vor," fuhr er hastig fort, „Meline von Lottum ist vor einigen Minuten zu mir gekommen. Sie sagte, ihre Eltern wollten sie zu einer Hetrath mit dem Baron Buchfeld zwingen, und sie hasse, sie verabscheue ihn, sie liebe nur mich und wolle meine Frau werben."
Ich stieß einen Ruf der Ueberraschung aus.
„Unerhört, nicht wahr?" setzte Thalheim eifrig hinzu. „Sie können sich meine keineswegs ange- nehme Ueberraschung denken. 3$ und heirathen!
Vertrag sei nur deshalb gekündigt worden, um einigen Bestimmungen, über deren Auslegung Meinungsverschiedenheiten entstanden seien, eine solche Fassung zu geben, die künftig den Differenzen vorbeugen würde. — Abg. v. Kardorff (Reichsp.) hält es im Interesse unserer Beziehungen zur Schweiz für zweckmäßig, den Gegenstand nunmehr zu verlassen. Ein Schlußantrag wird auch angenommen und der qu. Titel bewilligt. — Eine längere Debatte, welche sich nach und nach über alle kolonialpolitischen Angelegenheiten verbreitete, knüpfte sich an den Titel „Botschaft in London", indem der Abg. Richter (deutschfreis.) das Weißbuch über die Verhandlungen mit der englischen Regierung, betreffend die deutschen Interessen im Niger-Benue-Gebiet zur Sprache brächte. An der Debatte beteiligten sich außerdem die Abgg. v. Kardorff (Reichsp.), Graf Mirbach (deutschcons.), Dr. Hammacher (nat.-lib.), Dr. Bamberger (deutsch- freis.), Windthorst (Centr.) und v. Bennigsen (nat.-lib.)
— Beim Titel „Consulat in Apia" fragt Abg. Richter (deutschfreis.) an, ob ein Weißbuch über Samoa zu erwarten sei und erneuert seinen Wunsch nach Aufhebung der Dampferzweiglinie Sydney - Samoa. Staatssecretär des Aeußern Staatsininister Graf v. Bismarck erklärt, daß nach der übereinstimmenden Meinung der becheiligten Mächte eine Veröffentlichung der Verhandlungen der Samoaconferenz im politischen Interesse einstweilen nicht angezeigt erscheine und betont, daß das gute Einvernehmen der drei Großmächte bei der Wiedereinsetzung des Königs Malietoa sich oe|cnber4 bocumentirt habe. Die Linie Sydney-Samoa habe vorwiegend handelspolitische Bedeutung. — Beim Consulat in Zanzibar bringt Abgeordneter Richter (deutschfreis.) die Verhältnisse der Witugesellschaft zur Sprache. — Abg. Dr. Hammacher (nat.-lib.) betont demgegenüber den privaten Charakter dieser Gesellschaft. Beim Abschnitt „Besoldungen der Beamten in den Schutzgebieten" kündigt zum Titel 111 (Kamerun) Abg. Richter (deutschfreis.) an, daß er den von dem Abg. Stecker in voriger Session Angebrachten Antrag, betreffend den Spirilushandel, wieder aufnehmen werde. — Regierungs- commissar Geh. Legationsrath Dr. Krauel erklärt, daß dort, wo der Verbrauch des Branntweins nachweislich schädliche Wirkungen geäußert, die Regierung den Verkauf desselben verhindert oder doch eingeschränkt habe. Im Uebrigen geschehe auch ohne die Anregung des Reichstages Seitens der Regierung alles was in dieser Hinsicht nothwendig sei. Hierauf wurde die Debatte vertagt. Schluß der Sitzung 4l/2 Uhr.
— Nächste Sitzung morgen Nachmittag 1 Uhr. (Fortsetzung der Etatsberathung).
Das ist mir gar nie eingefallen! Und noch dazu ein so junges, launenhaftes Geschöpf, das den Kopf voll der romantischsten Ideen hat — das da träumt von einem Idyll: eine Hütte und ein Herz, nun, ich habe genug davon! Ich werde mich wohl hüten, einem so kindischen Geschöpfe jemals wieder einige Schmeicheleien zu sagen! Das fällt über einen her wie der Sturmwind, wirst sich mir um den Hals und schreit: Schütze mich, schütze mich! Meine Eltern wollen mich einem ungeliebten Manne verkaufen, sei du mein Retter, denn ich liebe dich!"
„So schön nun Fräulein Meline auch ist," fuhr Thalheim fort, „so muß ich auf ihre Hand doch Verzicht leisten, abgesehen von der-Altersverschiedenheit, so ist sie zu viel an Luxus gewöhnt, und sie selbst ist ein armes Mädchen, denn gestern ist die letzte Spekulation ihres Papas total mißlungen."
Thalheim machte eine Pause.
Ein kurzer, scharfer Schrei war von drüben hörbar geworden, jetzt war alles still.
Mit Staunen und Unwillen hatte ich diesen, in halb cyntschem, halb klagendem Tone hervor- gesprudelten Wortschwall angehört. Ehe ich jedoch noch antworten konnte, wurde die Thür meines Zimmers aufgerissen, und Meline erschien auf der Schwelle.
Hochaufgerichtet, mit todtblassen Wangen und zuckenden Lippen stand sie da.
„Ich habe alles gehört, Herr Thalheim," sprach seltne mit blonden A^en, Meisen Hjz