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Hersskliikl Kreisblitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageAllnkrirtes NuteröakLuugsölatt".

Nr. 140.

Sonnabend den 23. November

1889

Aöonnemenis-ßintadung.

Bestellungen auf das

Hersfetder Kreisvtatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage Jllustrirtes Unterhaltungsblatt" pro Dezember werden von allen Kaiserlichen Postanstatren, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.

Amtliches.

Gaffel, am 13. November 1889.

Ew. Hochwohlgeboren ersuche ich im Interesse der Gebäude-Eigenthümer des dortigen Kreises ergebenst, dieselben in geeigneter Weise, insbe­sondere dann, wenn Ew. Hochwohlgeboren von dem Abschluß einer Gebäude-Versicherung Kreis- Eingesessener mit einer andern als der Landes- Anstalt Kenntniß erhalten, gefälligst darauf aufmerksam machen zu wolle«, daß die Versiche- rung von Gebäuden bet ausländischen Versicherungsgesellschaften statt in der hessischen Brandversicherungs-Anstalt nach den maßgebenden Bestimmungen des in fortdauernder Wirksamkeit befindlichen Staats - Mimsterial - Ausschreibens vom 20. November 1829 und des § 3 des Gesetzes vom 18. März 1879, betreffend die Hessische Brandversicherungs-Anstalt in Cassel, nur dann zulässig sei, wenn die betreffenden Gebäude weder mit Hypotheken noch mit Grund­schulden belastet sind und außerhalb d er Ortslage, auch über 100 Fuß von fremden Gebäuden oder Ballstätten entfernt liegen. Der fortdauernde Rechts­bestand des angeführten Staats Ministertal- Ausschreibens (Kurhessische Gesetz-Sammlung de

(Unbefugter Rachvruck verboten.

Micht und £ie6e.

Roman von L. Wild.

(Fortsetzung.)

Dennoch wurde sie von allen ihren Dienst­leuten mehr geliebt als gefürchtet, denn so energisch sie auch war, so hatte sie doch eine eigene Gabe, Befehle und Rügen nie in einem verletzenden Tone zu ertheilen; dazu war sie mild und gut­herzig und half, wo sie nur konnte; nur in einem blieb sie unerbittlich: wenn sie jemand auf einer Lüge ertappte, der wurde ohne Gnade aus dem Hause gejagt.

Ihrer offenen Natur war jede Heuchelei und Verstellung so zuwider, daß sie lieber ein derbes, aber ehrlich gemeintes Wort mit in den Kauf nahm, als eine kriechende Schmeichelei.

Magda war kaum zwanzig Jahre alt gewesen, als ihre Eltern kurz hintereinander starben; sie hatte ihren um sieben Jahre älteren Bruder Gerhard immer zärtlich geliebt, und nach dem Tode der Eltern schloffen sich die Geschwister noch inniger an einander, obschon sie in ihrem Denken und Fühlen himmelweit verschieden waren.

Magda sorgte für die Bedürfnisse ihres Bruders NA mütterlicher Zärtlichkeit, und es machte ihr große Freude, wenn man ihr die Versicherung gab, ihr Bruder sei einer der besten Landwirthe und sein Gut eine Art von Musterwirthschaft, wie weit und breit desgleichen nicht zu finden sei.

@9 hatte wohl in früheren Jahren nicht an

1829 Seite 79) ist in den Motiven zum Gesetz vom 18. März 1879, betreffend die Hessische Brandversicherungs-Anstalt, ausdrücklich anerkannt worden.

Weiter bitte ich, die Interessenten zur Wider­legung vielfach verbreiteter irriger Anschauungen gefälligst darauf hinweisen zu wollen, daß nach Auslegung der Gerichte alsausländische- Versicherungsgesellschaft dermalen j e d e a,u ß e r - halb des territorialen Versiche- ruugsgebietes d er Hessischen Brand- versicherungs - Anstalt bestehende V rsicherungsgesellschaft zu betrachten ist, und daß der Versicherungsnehmer im Falle einer hiernach unzulässigen Versicherung bei einer Privatgesellschaft die Beschlagnahme der Ent­schädigungsgelder zu gewärtigen hat.

Der Landes-Director i. A.: Dr Snorz.

An den Königlichen Landrath Herrn Freiherr» von Schleinitz, Hochwohlgeboren zu Hersfeld. J. lila Nr. 13694.

Hersfeld, den W. November 1889.

Wird den Herren Ortsvorstäuden der Stadt- und Landgemeinden des Kreises zur Kenntniß­nahme und Bescheidung der Gebäude-E'genthümer in vorkommenden Fällen mitgetheilt.

10887. Der Königliche Landcath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 18. November 1889.

Den Herren Ortsvorständen des Kreises gehen in den nächsten Tagen die nach den festgesetzten Unicaten berichtigten zweiten Ausfertigungen der Klassensteuer-Zu- und Abgangslisten pro I. Semester 1889/90 mit der Auflage zu, die Abgänge nach Zeit und Betrag in den Klassen­steuer - Rollen vom laufenden Steuerjahre zu

Bewerbern gefehlt, denn Magda war im Grunde genommen keine so schlechte Partie; das ihr zu­kommende Erbtheil bestand aus einem ziemlich großen Feldcomplexe und einer ansehnlichen Summe Geldes, und ihre vorzüglichen Haus fraueneigenschaften machten sie so manchem praktisch denkenden Gutsbesitzer zu einer begehrenswerthen Frau.

Allein Magda schlug consequent jeden noch so vortheilhaften Antrag aus; in ihrer ruhigen und bestimmten Weise erklärte sie, sich nicht von ihrem Bruder trennen zu wollen, wenigstens so lange nicht, bis er eine Frau ins Haus gebracht, und im stillen gab sie sich der Hoffnung hin, daß dies nie geschehen würde, denn sie wußte es ja doch, keine andere konnte so gut für Gerhard sorgen, als eben nur sie allein.

Mit einer Art von Eifersucht beobachtete sie daher alle jungen Damen, mit welchen Gerhard in Gesellschaften zu verkehren Pflegte: allein zu ihrer großen Befriedigung bemerkte sie, daß ihm alle vollkommen gleichgültig blieben.

Artig und zuvorkommend war er immer, aber ein besonderes Interesse hatte er noch nie für irgend ein weibliches Wesen gezeigt.

Ach und wie froh war Magda dessen! Wenn ihr Gerhard so ein geschniegeltes, gebügeltes, zierliches Dämchen ins Haus gebracht hätte, welches sich stets nur nach der letzten Mode kleidete und keine Idee davon hatte, wie man eine kräftige Suppe bereitet und das Linnenzeug am besten verwahrt, welch' Unglück wäre da­

notiren und hiernach die gu. Listen in der Repositur aufzubewahren.

10854. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 20. November 1889.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des Kreises, welche noch mit der Erledigung meiner Verfüg­ung vom 28. October d. I Nr. 10201 im Kreisblatt Nr. 130, Zählung des Pferde- und Rindviehbestandes betreffend im Rückstände sind, werden hieran mit Frist bis zum 1, De­zember d. 3 erinnert.

10201. Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz.

+ Ein einheitliches Zeitshstem für Deutschland.

Wer hätte nicht schon auf Reisen, ja selbst auf kurzen Fußwanderungen in eine benachbarte Send die Erfahrung gemacht, daß seine Uhr ört richtig zu gehen, 5. h. daß sie nicht mehr mit der öffentlichen Zeit, welche die Thurm-, Post-, Bahnhofsuhren anzeigen, sich in Ueberein­stimmung befindet. Begtebt sich ein Reisender von Berlin nach Köln, so geht eine in der Hauptstadt richtig gestellte Uhr in Spandau eine Minute vor, in Stendal 6 Minuten, in Hannover 15 und in Köln 26 Minuten. Warum die Ortszeiten verschieden sind und die Leute in Köln später aufstehen als in Berlin, kann sich Jeder sagen, der weiß, daß die Sonne im Osten aufgeht oder richtiger daß die Erde sich an jedem Tage einmal um sich selber dreht. Die Geographen haben den Erdball durch von Norden nach Süden, von Pol zu Pol laufende Kreislinien eingetheilt, welche Meridiane, Mittags- kreise heißen, weil für jeden Ort, durch den sie

für sie gewesen! Eines jener Geschöpfe, das biS spät am Morgen im Bette lag, französische Romane las und zur Noth allenfalls eine Tapiffe- rtearbett in die Hand nahm!

Nein, nein, so etwas war für ihren Gerhard nichts, und heutzutage hatten ja leider GotteS die meisten Mädchen solch' eine verschrobene Er­ziehung erhalten, die nur darauf berechnet war, in der Gesellschaft Furore zu machen und den Männern Sand in die Augen zu streuen.

Wenn so ein junges Mädchen mit gelehrten Brocken um sich warf, sich die Finger beim Clavter verrenkte und mit dünner Stimme einige beliebte Arten fang, dann sagte man allgemein, das sei eine gebildete junge Dame; ob sie es auch ver­stand, ein Hauswesen zu leiten und überall nach dem Rechten zu sehen, darum kümmerte sich niemand.

Da war es denn auch kein Wunder, wenn es so viel unglückliche Ehen gab und der Mann außer Hause die Behaglichkeit suchte, die er daheim nicht fand.

Vor solch' einem Schicksale sollte der geliebte Bruder bewahrt bleiben, und Magda dankte täglich dem Himmel, daß er Gerhard ein so kaltes, unempfindliches Herz gegeben, das ihn ruhig und unberührt an all den hübschen jungen Mädchen vorbeigehen ließ, deren es in Linden- Heims Nähe nach Magdas Ermessen, in viel zu ; großer Menge gab.

1 So standen die Dinge auf dem Stoffe de-