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8*i größeren «ufträgen entsprechender Ratatt
Hersseüitl Kreisblitt.
Mit wöchmtlicher chratir-Zieilage «Mustrirtes Muterbattungsölatt".
«L 136.
Domerstag den 14 November
1889.
Amtliches.
Hersfeld, den 12. November 1889.
Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit Erledigung meiner Verfügung vom 8. Januar 1886 Nr. 60 im Kreisblatt Nr. 6, die pro 111. Quartal 1889 zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Rückstände an directen Communal-, Kreis' und Provinzial-Steuern betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit Frist b i s z u m 20. d. M t s. bet Meldung von 3 Mk. Strafe erinnert.
10645. Der Königliche Landrath _______Freiherr vonSchleinitz.
Hersfeld, den 12. November 1889.
Die Dienstmagd Anna D t ch e r t, geboren am 12. September 1867, wohnhaft zu Rotensee, tat um Ertheilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht. 10653? _ .......Der Königliche Landrath
Freiherr von Schleinitz.
Ein Schiffchen aufgefangen in der Fulda. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Mecklar.
Aus dem Reichstage.
Berlin, 11. November. In der heutigen (12.) Plenarsitzung des Reichstages kam zunächst der von den Abgg. Rickert und deutschfreisinnigen Genossen eingebrachte Gesetzentwurf betreffend Abänderung der Militär-StrafgerichtS- ordnung, wonach verabschiedete Officiere (nicht die Officiere z. D.) der Militärgerichtsbarkeit nicht unterworfen sein sollen, zur Berathung und wurde in zweiter Lesung mit erheblicher Majorität angenommen. Hierauf begründete der Adg. Rickert (dfr.) die Resolution betr. Vorlegung des Entwurfs einer Militärstrafproceßordnung, indem er namentlich daraus hinwieS, daß die Nothwendigkeit einer Reform von allen Seiten längst anerkannt sei, auch eine dahinzielende Vorlage schon im Jahre 1876 seitens der verbündeten Re-
fUnbefugter Nachdruck verboten.) gilt Ieitungsinserat.
Novellltie von 6. Nudorsf.
(Fortsetzung.)
Nach einer Pause fuhr Sartori fort: „An Ihre Rettung des kleinen Mädchens anknüpfend, möchte ich ein Begebnitz mittheilen, das von der Macht, mit welcher unser Geist über die Kräfte des Körpers herrscht, ein wunderbares, geradezu erhebendes Licht wirft. Ein naher Verwandter meines verstorbenen Vaters, ein junger Mann von den glänzendsten Gaben, machte, nachdem er seine Examina mit Auszeichnung bestanden, eine Reise in das Gastetner Thal, welches die Ache durchströmt. Diese, bet Lend in die Salzach fallend, bildet einen köstlichen Wasserfall. Von einer neben dem Fall gelegenen Schmiede hat man einen herrlichen Blick über die tosenden, schäumenden Wassermassen, welche unmittelbar davor noch über ein beinahe 20 Fuß hohes Wehr sich stürzen. Vor der Schmiede befand sich damals ein langer Steg, der zwischen Fall und Wehr über das Wasser führte. Dieser Steg war aus zwei schmalen, vom Wasserdunst schlüpfrigen Brettern gebildet, die auf schwachen Pfählen ruhten und durch die Gewalt des Elementes merklich hin und her gerüttelt wurden. Der Wunsch des jungen Mannes, das erhabene Schauspiel vollständig zu genießen, vielleicht auch der prickelnde Reiz, welchen die Gefahr für manche feister hat, führten ihn auf den schwankenden
redend bei den gesetzgebenden Factoren des Reichs liege. — Auf die Ausführungen des Abg. Boeckel (fractionslos) über Mißstände bei den Abzahlungsgeschäften erwidert der Herr Staatssekretär des Innern, daß die Reichsregierung auf Abhilfe der Umstände bedacht fei, daß aber ein Vorgehen auf diesem Gebiete nicht leicht sei, weil derartige Geschäfte zum Theil einem wirklichen Bedürfnisse der kleinen Leute entsprächen. — Abg. Richter (deutsch-jreis.) wünscht Ausschluß darüber, wie der Reichskanzler über die neulich ange- regte Frage eines besonderen Reichsfinanzministers denke. — Staatssekretär des Innern Staatsminister Dr. v. Boetticher erwidert, daß er die Ansicht des Herrn Reichskanzlers über diese Frage nicht kenne, daß aber oer Bundesrath keine Veranlassung gehabt habe, auf eine gelegentliche Aeußerung eines Abgeordneten hin sich mit einem Gegenstände zu beschäftigen, der eine Verfassungsänderung involvire. — Beim Etat der Reichs.Justizverwaltung gingen verschiedene Redner auf den Entwurf des Bürgerlichen Gesetzbuches ein; im Allgemeinen erklärte man sich indeß darüber befriedigt, daß das große Werk so weit gediehen sei. Der Staatssekretär des Reichs-Justizamts v. Oehlschlaeger erklärte, daß die Vollendung des Werkes wohl nicht mehr so lange ausstehen würde, als man vielfach annehme, ein bestimmter Zeitpunkt lasse sich heute inbeffen nicht angeben. Die zahlreichen Kund- gebumpeu Wl *iJ.m wM °er Entwurf, hervo^ gerufen hab«, seien ein erfreulicher Beweis für die Antbeil- nahme des ganzen Volkes an dem Zustandekommen des Werkes. — Bei dem Etat des Reichsamts des Innern ging Abg. Lingeus (Centr.) auf die Berichte und die Stellung der Fabrikinspectoren ein. Abg. Frohme (Soz.) hält das Koalitionsrecht der Arbeiter gefährdet, wirft den Fabrikinspectoren vor, nur den Interessen der Arbeitgeber zu dienen. Staatssekretär' des Innern Staatsminister Dr. V. Boetticher erklärt dem gegenüber, daß ihm nichts übrig bleiben werde als ein Votum des Hauses darüber einzuholen, in welcher Weise die Vorlegung dieser Berichte eigentlich erfolgen solle, und weist die Angriffe zurück, welche der Vorredner gegen die Fabrikinspectoren erhoben hatte. Thatsächlich geschähe zum Schutze der Arbeiter fortdauernd immer mehr. Das Koalitionsrecht werde von Niemandem angegriffen, aber durch die sozialdemokratische Agitation und Presse werde planmäßig das gute Einvernehmen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern gestört. Die weiteren Bemerkungen des Abg. Frohme widerlegt der Herr Staatsminister Dr. v. Boetticher als jeden Beweises ermangelnd. Nachdem noch der Abg. Dr. v. Frege (deutschcons.) darauf hingewiesen hatte, daß eine Besserung der Lebenslage der Arbeiter sich allgemein
ihm auf, schön, rein, goldig Bald sah er nur noch Vater, Mutter und Schwester, wie sie ihm entgegentreten würden bei seiner Rückkehr, und er wollte zurückkehren, ihre Herzen vor dem schweren Leid bewahren. Der junge Mann athmete freier und vermochte wieder seinen Blick auf die tosenden Wasser zu richten, und je mehr er sich verantwortlich fühlte, alle Kraft zusammen zu nehmen, um den Theuern Schmerz zu ersparen, je ruhiger wurde er. Ein reiner fester Wille vermag viel, und ganz von dem Pflichtgefühl getrieben, mannhaft dem dämonischen Zauber zu widerstehen, welcher ihn in Banden hielt, erhob er seinen Kopf noch einmal zu dem bald sinkenden Tagesgestirn, stand auf und ging mit gestählten Gliedern über den schwankenden Steg. Am Ufer angelangt brach er jedoch zusammen, seine Hände umfaßten die feste Erde, welche ihn nun sicher geborgen hielt, und ein heißes Dankgebet zu Gott entströmte seinen Lippen."
„O, welch ein Glück, daß der junge Mann in seiner Liebe die Kraft fand, sich emporzuraffen, seine Eltern hatten ihm gleichsam zum zweiten Male das Leben geschenkt! Und daß er seinen Kopf an die nicht wankende Erde lehnte, ist mir auch erklärlich," sagte Anna. „Wenn ich von einem Erdbeben las, schien mir dies Natur- ereigniß stets den größten Schrecken in sich zu ’ tragen, weil das Feste, welches wir gewöhnt : sind unter unsern Tritten zu finden, auch zu i wanken beginnt." —
: Niemals hatte Sartori sich so froh, so voll«
gierungen in Aussicht gestellt worden sei. Nachdem noch der l 1 Abg. Groeber (Ctr.) sich für den Antrag ausgesprochen^, hatte, erklärte sich der Abgeordnete Fieser (nat.-lib.) mit i dem ersten Theil des Antrags zwar einverstanden, beantragte ; aber den zweiten Theil desselben, wonach die Militärgerichtsbar- < keit im Frieden auf Dienstvergehen der Militärpersonen be- < schränkt sein soll, zu verwerfen, weil es nicht angängig sei, > die Militärpersonen zwei verschiedenen Autoritäten zu unter- ( stellen. Hierauf wurde in getrennter Abstimmung der erste s Theil des Antrags angenommen, der zweite ab gelehnt. 1 Darauf kam der ebenfalls von freisinniger Seite gestellte ( Antrag betr. den Schutz der Wahlfreiheit zur Ver- i Handlung. Nachdem Abgeordneter Rickert (dfr.) den Antrag i begründet, erklärte sich auch Abg. Singer (Soz.) für den- । selben, wenn er sich auch keinen wirksamen Erfolg versprach. ‘ Abg. Müller-Marienwerder (ReichSp.) wies dagegen i nach, daß der Antrag ungerechtfertigt und zwecklos sei und : beantragte eine motivirte Tagesordnung. — Der badische Bundesbevollmächtigte Freiherr v. Marschall wies die An- i griffe, welche der Abg. Rickert gegen die badische Regierung wegen Handhabung deS Sozialistengesetzes bei Gelegenheit der Wahl-Agitation in Offenburg gerichtet hatte, bestimmt zurück. Nachdem sich darauf der Abg. Fieser (nat.-lib.) int Sinne der Ausführungen des Abg. Müller ausgesprochen hatte und der Abg. Träger (bjtJ für dxn Antrag eingetreten war,, . wobei er erklärte, daß man nicht eher sich beruhigen dürfe, als bis die Regierung aufhöre, die „Wahlmache" als einen Theil der Regierungskunst zu betrachten, wurde ein VertagungS- antrag abgelehnt; ein Schlußantrag dagegen genügend unterstützt. Inzwischen bezweifelte der deutschfreis. Abg. Schmidt (Elberfeld) die Beschluß fähig keit des Hauses. Der Namensaufruf ergab auch die Anwesenheit von nur 108 Mitgliedern. Das Haus war also nicht beschlußfähig. Schluß der Sitzung 5a/4 Uhr. — Nächste Sitzung Dienstag, den 12. November, Nachmittags 1 Uhr. (Zweite Berathung des Etats.)
Berlin, 12. November. In der heutigen (13.) Plenarsitzung des Reichstages wurde in die zweite Berathung des Etats für 1890/91 eingetreten. Beim Etat des Reichstages wurden einige Wünsche geschäftlicher Natur vorgebracht. — Beim Etat des Reichskanzlers und der Reichskanzlei erklärte der Staatssekretär des Innern Staatsminister Dr. v. Bötticher auf Anregung des Abg. Richter (dfr.), daß das Urtheil der Jury über die Platz- frage des NationaldcnkmalS für den hochseligen Kaiser Wilhelm dem Reichstage vorgelegt werden werde, daß aber die schließliche Entscheidung über diese Angelegenheit selbst-
Steg. Auch war er bisher stets völlig frei von Schwindel gewesen. Er schritt den Steg bis zu Ende und schlug erst dann die Augen, welche er bis dahin nur auf die schmale Bahn gerichtet hatte, zu den tosenden Wassern auf. Da ergriff ihn ein so starker Schwindel, seine Brust wurde durch den ungeheuren Druck der Luft so beengt daß er nichts zu thun vermochte, als mit ge schlossenen Augen sich auf das schüttelnde Brett zu setzen. Der Kopf brannte, in den Schläfen hämmerte es, er hielt sich für verloren, Niemand konnte ihm Hülfe bringen. In diesem Zustande wendeten sich seine Gedanken naturgemäß den Liebsten zu, welche er auf Erden besaß, Vater. Mutter und Schwester! Wie würden sie trauern um ihn, welchen sie so unaussprechlich geliebt, auf den sie große Hoffnungen gesetzt hatten. Der Vater hatte gespart, um ihm das Geld zu der so lange und sehnsüchtig gewünschten Reise zu geben, die Mutter ihn mit heißen Segens- wünschen entlassen. Und er sollte hier so elend, ja aus solch jämmerliche Weise umkommen. DaS war das Ende für alle die überreiche Liebe und Treue. ,Vater, geliebter Vater, theure Mutter, und Du meine Johanna, ich werde Euch nie mehr sehen habt Dank, habt Dank?
Aber mußte es sein, vermochte der Gedanke an die Theuern nicht jene Schwäche zu besiegen, welche ihn lähmte und in Banden hielt? Er erfüllte seine Seele mit all den Bildern, welche seine Lieben ihm Verehrungswerth erscheinen ließen, seine Kindheit, seine Jugend stiegen vor