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Nr. 132. Dienstag den 5. November
1889.
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Amtliches.
Bekanntmachung, betreffend den Aufruf und die Einziehung der Einhundertmarknoten der Bremer Bank in Bremen.
Vom 25. Oktober 1889.
Nachdem die Bremer Bank in Bremen auf daS Recht, Banknoten auszugeben, vom 1. Oktober d.J. an verzichtet hat, hat der Bundesrath auf Grund btS»p6 des Lautgesetzes vom ±4. März 1875 (Reichs-Gesetzbl. S. 177) den Aufruf und die Einziehung der von der Bremer Bank in Bremen unter dem 1. Juli 1872 ausgegebenen Einhundertmarknoten mit folgenden Maßgaben angeordnet:
1. Der Aufruf ist im laufenden Jahre, und zwar in angemessenen Zwischenräumen, zweimal und im Laufe der Jahre 1890 und 1891 mindestens je zweimal bekannt zu machen im Deutschen Reicbsanzeiger, in der Berliner Börsenzeitung, in der Weserzeitung.
2. Die aufgerufenen Noten können vom Tage der ersten Bekanntmachung bis zum 31. Dezember 1889 bei der Kasse der Bremer Bank in Bremen und bei der Deutschen Bank in Berlin gegen Baargeld umgetauscht werden.
3. Nach dem 31. Dezember 1889 hören die mit der Firma der Bremer Bank umlaufenden Noten auf, Zahlungsmittel zu sein; dieselben behalten jedoch die Kraft einfacher Schuldscheine und werden als solche bei der Kasse der Bremer Bank in Bremen bis zum Ablauf des Jahres 1891 eingelöst werden.
4. Die bis zum Ablauf der letztbezeichneten Frist nicht zur Einlösung gelangten Banknoten sind auch als einfache Schuldscheine präkludirt.
Berlin, den 25. Oktober 1889.
Der Reichskanzler.
In Vertretung:
von Boetttcher.
+ Die Kud-kl-ebatte.
Die erste Berathung des Reichshaushaltsetats für 1880/91, des Anleihegesetzes und der Novelle zum Reichsmilitairgesetz, welche am Dienstag ihren Anfang nahm, hat drei Sitzungen in Anspruch genommen Wie üblich, hat diese „Generaldebatte," wenn man von dem einleitenden Bor- trage des Schatzsecretairs Frhrn. v. Maltzahn absieht, sich im Ganzen wenig mit der Gestaltung des Etats und der Finanzlage beschäftigt. Das politische Bekenntniß spielte vielmehr eine weit größere Rolle, und nachdem Hr Rickert am ersten Tage sein Klagelied über den Mangel an Schonung der Volkskraft, über die „Vertheuerungs- Politik," über die neuen militärischen Forderungen, über die Ueberweisungspolitik, über die Getreidezölle, über das Schweine-Einfuhrverbot, über das Socialistengesetz, über die „colossale Reaction," über den Mangel an politischer Freiheit und wer weiß noch was angestimmt, war es natürlich, daß die Redner an den folgenden Tagen mehr oder weniger zu diesen
Fragen Stellung nahmen und ihren Standpunkt darlegten.
Außer Herrn Rickert nahm von freisinniger Seite nur noch Herr Richter das Wort; sie sagten begreiflicherweise dasselbe. Aber als dritten im Bunde kann man den Socialdemokraten B e b e l bezeichnen, der sich in den vorgetragenen Anschauungen von den Auffassungen jener im Wesentlichen nicht entfernte. Die Ver« theuerung der Lebensmittel, die Militairaus« gaben, das Socialistengesetz und die „Unterdrückung der Freiheit" waren die Hauptstichworte seiner Rede. Während Herr Rickert aber uur Italien zum Vergleiche mit Deutschland heranzieht und dort so viel bessere Zustände findet, ist Herr Bebel in dieser Beziehung besonders gut auf England und Frankreich, wo man in Paris die Socialdemokraten so königlich bewirthet hat, zu sprechen. Er sieht in Deutschland „nicht einmal die Hälfte der Freiheit, die man dort genieße. Zu den Lobrednern des Auslandes gesellte sich übrigens auch Herr Windthor st, der außer England auch noch Amerika als Muster für Deutschland aufstellte!
Diese Schwarz- in Schwarzmalerei unserer politischen wie wirthschaftlichen Zustände wurde von dem Staatssecretär v. Bötticher und dem Abgeordneten v. B e n n i g s e n in entschiedener und glücklicher Weise zurückgewiesen. Mit Recht bezeichnete letzterer jene Schilderungen als eine Karrikatur unserer Verhältnisse und er sowohl wie Herr v. Bötticher brachten reichliches Material vor, welches den Beweis dafür liefert, daß Deutschland wahrlich keinen Grund zur Unzufriedenheit hat und daß die Opposition nur für Wahlzwecke arbeitet, um sich durch Klagen über politische und wirthschaftliche Verhältnisse Anhang zu gewinnen.
Ein wesentlicher Theil der Discussion drehte sichumdiemilitärischenForderuagen.
vermochte er doch nicht, einigen geselligen Per I bindungen sich ganz zu entziehen. Der Gerichtsrath - Döring, sein unmittelbarer Vorgesetzter, hatte von dem Geist und der seltenen Arbeitskraft Sartori's eine so hohe Meinung bekommen, daß er gegenüber seiner jungen Frau voll von dessen Lobe war. Die Dame wünschte den so hoch Gepriesenen, von welchem sie schon allerlei Auffälliges erfahren hatte, kennen zu lernen und Sartori erhielt eine Einladung, die er füglich nicht ablehnen konnte. Die Räthin Döring war eine Frau in der Mitte der zwanziger Jahre, heiter und von angenehmen Umgangsformen. Einige Freundinnen derselben, sowie junge Assessoren und Referendare versammelten sich gewöhnlich an den Sonntagen in dem Hause des Raths, man las klassische Stücke mit vertheilten Rollen, musicirte oder stellte lebende Bilder. Es war ein harmloser Verkehr, in dessen Rahmen nur die Heldengestalt von Sartori wenig paßte. Dieser hatte sofort gebeten, ihm Charakterrollen zuzutheilen, da er für den Ausdruck zärtlicher oder schwärmerischer Gefühle kein Talent zu besitzen glaube. Unter den jungen Damen erschien auch gegen den Schluß des Winters Anna Lindner, ein ernstes Mädchen von 22 Jahren, welche Lehrerin in Handarbeiten an einer Mädchenschule war. An dem letzten Sonntage hatte sie einer leichten Erkrankung wegen sich entschuldigen lassen. Die Ursache derselben war ein heftiger Schreck gewesen, und der Fall wurde in dem kleinen
sllnbejugt-r Nachdruck verboten.) j
Ein Zeitungsinserat.
Novellette von E. R u d o r f f.
(Fortsetzung.)
Das war nun vorüber und Ewald versenkte sich noch tiefer in die Arbeit.
Einen Freund besaß er nicht, die Mutter war ihm Freundin im edelsten Sinne des Wortes gewesen. Die jungen Männer, mit welchen er auf dem Gericht zeitweise in Berührung kam, hatten ihn wenig angezogen, und ihre — ihm oft ungerechtfertigt scheinende — Heiterkeit ihn geradezu abgestoßen. Der eine derselben, Referendar Horst, hatte ihn einmal gefragt, ob er in seiner ernsten Stimmung sich wirklich glücklich fühle, ob niemals die Lust zum Scherz, zur Heiterkeit in ihm sich rege?
Wie sonderbar! waren die Mutter und er nicht glücklich gewesen? Hatten die jungen Männer, welche so verschwenderisch das Wort Glück gebrauchten, wohl den rechten Begriff von dem eigentlichen Wesen desselben? Glücklich sein, heißt doch sich befriedigt fühlen, nichts höheres verlangen, als in dem Zustande zu beharren, der uns beschieden ist. Ja, er war glücklich, und wenn künftig ein Augenblick kommen sollte, in welchem seine Wünsche weiter schweifen würden, mit rechter Neugter wollte er sich umschauen wohin sie ihn trügen.
Trotzdem der junge Mann keinen Umgang suchte,
Kreise lebhaft besprochen. Gerade als Anna am Tage zuvor mit den letzten Schülerinnen aus dem Schulgebäude getreten war, hatte sie gesehen, daß eines dieser Kinder — auf der andern Seite der Straße eine Verwandte erblickend — ohne auf einen daherkommenden Pferdebahnwagen zu achten, schnell fortlief, ausglitt und niederfiel. Der jungen Lehrerin blieb kaum Zeit nachzueilen, mit festem Griff das Kind zu erfassen und knapp vor den Hufen der Pferde fortzuziehen. Es war gerettet, allein Anna, fast von den Rädern der Wagens gestreift, stand zitternd, keines Wortes mächtig da. und glaubte den nächsten Tag noch in der Stille ihres Zimmers zubringen zu müssen.
„Anna ist ein eigenartiges Wesen," sagte die Räthin, „sie hätte zu Hause so gut, ja beinahe glänzend leben können, und quält sich hier mit dem Ertheilen von Unterricht in Handarbeiten "
„Besitzt die junge Dame nahe Verwandte?" fragte Sartori, da er sich scheute, ganz stumm bei dem Gespräch zu bleiben, obwohl eine andere Gedankenreihe ihn weiterführte und lebhaft interessirte.
„Ihre Mutter, eine sehr wohlhabende Dame, ist erst vor achtzehn Monaten gestorben. Diese, welche eine blendende Schönheit gewesen war, verheirathete sich vor sechs Jahren, erst fünfunddreißig Jahre alt, zum zweiten Male. Anna war der Liebling ihres Vaters gewesen und sagte mir später - wir sind in derselben Stadt geboren' — daß sie sich in das neue Verhältniß nicht habt