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ItrsftlüH Sirislilntt.

Mit wöchentlicher Kraüs-Deilag« „Sllnürirtes Anterkaltungsklatt".

Nr. 123.

Dienstag den 15. October

1889.

Amtliches.

eine Hemmkette. Meldung des Eigenthümers bei dem Ortsvorstand zu Hattenbach.

Der Herr Ober-Präsident hat genehmigt, daß zum Besten des Fonds für den Neubau einer evangelischen Kirche zu Fulda eine einmalige Sammlung freiwilliger Beiträge bei den evan­gelischen Einwohnern der Provinz Hessen-Naffau bis zum Ende k. I. durch polizeilich legitimirte Collectanten abgehalten werden darf. Cafsel am 27. September 1889.

Der Regierungs-Präsident: __I. V.: Schwarzenberg.

Hersfeld, den 14. October 1889.

In den nächsten Tagen wird mit Genehmigung des Herrn Oberpräsidenten eine Hauscollecte für die Jdioten-Anstalt zu Scheuern stattfinden.

Diese segensreich wirkende Anstalt, in welcher im abgelaufenen Jahre 267 schwachsinnige Kinder, darunter 3 aus dem hiesigen Kreise, verpflegt wurden, ist zu ihrem Foxtbestande vorzugsweise auf die Mildthätigkeit der Eknwvhner.der Provinz Hessen-Nassau angewiesen, und wird die erwähnte Collecte deshalb den hiesigen Kreisbewohnern wärmstens empfohlen. Für die Landgemeinden erscheint es zweckmäßig, wenn aus den Gemeinde­kassen ein angemessener Beitrag dazu gezahlt wird. 9557. Der Königliche Landrath

_____________Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 10. October 1889.

Für den am 5. Dezember 1870 geborenen Johann Adam Hartwig zu Mecklar ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsoerbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.

9445. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz

Gefunden: im fiscal,Wald, Schlag Aulskuppe,

in der Halle zugegen, desgleichen erschienen der Reichskanzler Fürst Bismarck in der großen Uniform seiner Kürassiere und Graf Herbert Brsmarck in großer Ministeruuiform. Die Ehrencompagnie hatte das erste Garderegimentz. F. in den historischen Blechmützen gestellt. Als der Hofzug langsam einlief, durchbrausten die Klänge der russischen Nationalhymne die Halle. Nach Begrüßung der beiden Monarchen mit Kuß und Umarmung und der beiderseitigen hohen Umgebung wurde die Ehrencompagnie abgeschritten. Bei dem Vorbeimarsch der letzteren hatten die Majestäten am Kopfende des Zuges Aufstellung genommen. Der Zar trug die Uniform des Kaiser Alexander-Grenadier-Regiments. Den Fürsten Bismarck hatte er mit freundlichem Händedruck begrüßt. , r.,rjt

Auf der Fahrt vom Bahnhöfe bis zum russischen Botschaftspalais unter den Linden hatten alle Waffengattungen der Garnison Spalier gebildet. Vor dem offenen Wagen mitden beiden Kaisern ritt eine Eskadron des Garde-Kürasster-Regimeuts, und unmittelbar hinter demselben eine Eskadron des 2 Garde-Ulanen-Regiments. Sobald der Kaiserliche Wagen sich dem Brandenburger Thor näherte, feuerte die auf dem Königsplatz aufgestellte Leibbatterie den Ehrensalut von 101 Schuß. An der Botschaft angelangt, verließen die beiden Kaiser den Wagen, schritten die Front der Ehrencompagnie ab und nahmen dann vor dem Eingänge Aufstellung, um die im Spalter gestandenen Truppen in Parademarsch defiliren zu lassen. Hinter dem Spalier der Truppen war eine zahlreiche Menschenmenge erschienen, welche die Majestäten und demnächst auch den Fürsten Bismarck mit sympathischen Zurufen begrüßte. _

An dem von dem Botschafter Schuwalow in dem russischen Botschaftspalais dargebotenen Frühstück nahmen Se. Majestät der Kaiser. sowie

Seine Majestät der Kaiser von Rußland

traf am Donnerstag Nachmittag zu Schiffe in Kiel ein. Nachmittags ö1/^ Uhr begaben sich der kommandirende Admiral, Viceadmiral v. d. Goltz, und der Contreadmiral Knorr, der Hof­marschall Sr. K. H. des Prinzen Heinrich, Kapitän zur See v. seckendorff, die zum Ehren­dienst kommandirten Generale, General der In­fanterie v. Werder und GL. v. Kaltenborn- Stachau, sowie der russiche Botschafter in Berlin, Graf Schuwalow, zur Begrüßung Sr. Majestät des Kaisers Alexander an Lord der „Dershawa," welche in allen Theilen mit elektrischem Lichte auf das Glänzendste beleuchtet war. Abends fand eine Galamahl auf der „Dershawa" statt. Der innere Hafen und die Ufer waren elektrisch beleuchtet. Kaiser Alexander und Großfürst Georg bestiegen 11 Uhr 25 Min. die Barkasse der Macht „Dershawa" und fuhren am deutschen Panzerschiffe „Baden", dessen Mannschaft mit brausenden Hurrahs grüßte, vorüber nach der Jensenbrücke. Begleitet von dem deutschen Ehren­dienst, dem Botschafter Grafen Schuwalow, sowie den Generaladjutanten Tscherewin und Kutusoff, legte der Kaiser den kurzen Weg von der Jensenbrücke bis zum Bahnhöfe zu Fuß zurück. Das Militär der Garnison bildete, Fackeln tragend, Spalier.

Die Ankunft auf dem Lehrter Bahnhof in Berlin erfolgte Freitag um 10 Uhr. Kaiser Wilhelm in der grünen Uniform seines russischen Regiments war geraume Weile vorher erschienen. Prinz-Regent Albrecht und die anderen anwesen­den Prinzen, die gesammte Generalität waren

Zm Ilschiande.

Erzählung von J. Jsrnbeck.

(Fortsetzung.)

Anne Lowise verbrachte Stunden qualvollster Angst; sie wußte nicht, wie sie noch helfen sollte, >enn weder die kühlenden Kompressen, noch die o oft bewährten Lebenstropfen, die sie vorsorglich n ihrem Körbchen mitgebracht hatte, wollten eine ludernde Wirkung üben. Zuletzt faßte sie einen chnellen Entschluß.

«Höre wohl zu auf das, was ich Dir sage!" wendete sie sich an den Knaben. „Ich will gehen und eine der Nachbarinnen bewegen, daß sie in des Krügers Wagen, der schon zurück sein muß, fortfährt und aus der Stadt den Arzt holt." Sorge Du solange für Deine Mutter Jensen. Das Tuch nimmst Du von ihrer Stirn, sobald Du fühlst, daß es warm ist. Dann legst Du ihr das frische, kalte, aus dem Wasserbecken auf. Da, in dem Topfe, ist für sie zu trinken, wenn sie danach verlangt. Für Dich ist hier noch ein Apfel. Und nun sei ruhig und artig bis ich zuruckkomme!"

Der Knabe starrte das junge Mädchen mit offenem Munde an und kämpfte mit seinen Thränen. Als Anne Lowise aber die Hütte verlassen hatte, da nahm er mit wichtiger Miene seinen Wärterposten ein.

* * *

P^en Abend hatte das Unwetter anf^ehört

uuo nun fano sich auch ein Bote bereit. Den Arzt aus der Stadt zu holen. Vor Anbruch des nächsten Tages konnte man den Doctor aber nicht erwarten. Die Nachtwache bei der Wittwe Jensen, die immer noch in Fieberphantasien raste und deren Kräfte von Stunde zu Stunde ab- nahmen, hielt Anne Lowise mit einer Fischerfrau. Die letztere zeigte eine besonaere Theilnahme für den Knaben, der auf einer mit Heu und Blättern gefüllten Matratze in einer Ecke einge­

schlafen war.

„Was soll aus dem Fritzchen werden, wenn seine Ziehmutter stirbt?" fragte sie und schob sorgsam ihren alten Mantel unter seinen Kopf. „Seine Eltern hat der unglückliche Wurm nie gekannt und wenn die Jensen sich seiner nicht erbarmt und ihr bischen Armuth mit ihm getheilt hätte, er wäre im Elend verkommen! Sage mir einer, was er will — aber ich will nicht auf meinen zwei Füßen stehen, wenn Gott der Herr ihr diese Gutthat nicht angeschrieben hat!"

Aber mit dem Klagen und Bedauern war es bet der resoluten Frau nicht abgethan. Nach einigem Nachsinnen fuhr sie fort: „Ich habe selbst sechs eigene lebendige Kinder und eS wird mir und meinem Manne, weiß Gott, oft schwer genug, die hungrigen Mäuler zu füllen! — Aber das sage ich und da soll mir Keiner dreinreden: stirbt die Jensen, so nehme ich das Fritzchen! Wo sechs satt werden, da kann auch das siebente mitthun!"

Anne Lowise drückte der Braven die Hand,

„Gott wrro's Euch an Euren eigenen Kindern lohnen, daß Ihr so barmherzig seid. Ich kann ihn ja nicht in meines Vaters Haus mitnehmen, aber helfen will ich Euch an Eurem Liebeswerk für den Fritz, so viel ich kann. Wir wollen aber hoffen, daß ihm die Mutter Jensen noch lange erhalten bleibt!"

Diese Hoffnung wurde nun durch des ArzteS Aussage nicht gestärkt. Er gab aus seiner Reiseapotheke eine Mixtur, verordnete weitere kühlende Umschläge und fuhr dann wieder ab.

Die Fischerfrau brächte nun den kleinen Fritz zu ihren Kindern und theilte sich zwei Tage hindurch mit Anne Lowise in der Pflege der Kranken. Für das junge Mädchen kam zu der Sorge um die Leidende, deren verfallende Züge schon die Schatten des Todes zeigten, noch die um den Vater, von dem sie vergeblich eine Nach­richt erwartete. Endlich traf aber auch diese ein. Die Postverbindung mit dem abgelegenen Erden- winkel war nicht die schnellste und so konnte der Capitain Classen schon in wenigen Stunden seinem Briefe folgen. Er hatte geschrieben, daß er seine Knochen nicht zum zweiten Male einem Wagen anvertraue. Mit einem nach Darßerort bestimmten Barkschiff wollte er die Rückreise machen; wenn dieses nicht an einer für ihn passenden Stelle anlegen und ihn zu Lande bringen könne, dann werde sich schon ein Fischer­boot finden, mit dem er die Heimath erreiche. Von Peter Dürt stand kein Wort in dem Briefe.

Anne Lowise hatte nur noch wenig Heit, mq