Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnadend, «bonnement-pre»: viertelsShrlich 1 Mark 40 Pf«. excl.
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ttsstliler Kreisblitt.
Mit wöchentlicher Kratts-Aeilaae „Illustrirtes Anterhattungsktatt^^
Nr. 122.
Sonnabend den 12. October
1889.
Aöonnements-Gintadung.
Bestellungen auf das
Hersfetder Kreisvlatt mit der wöchentlicher» Gratis-BeUage „SUuftritteS Unterhaltungsblatt" pro IV. Quartal 1889 werden noch fort» während von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 10. October 1889.
Die Nummerliste der verloosten und zum 1. Januar 1890 gekündigten 3*/2 °/otigen Staats- schuldscheine von 1842 liegt in den Geschäfts- localen des Landrathsamtes und der Steuerkassen deS Kreises zur Einsicht der Interessenten offen. Zugleich mache ich auf die diese Nummerliste betreffende Bekanntmachung der Königlichen Hauptverwaltung der Staatsschulden vom 3. September d. I, abgedruckt im RegierungsAmtsblatt Seite 187, aufmerksam.
9366. Der Königliche Landrath __Freiherr vonSch leinitz.
Hersfeld, den 10. October 1889.
Die Herren Bürgermeister der Landgemeinden des Kreises werben hierdurch angewiesen, alsbald einen Plakat-Fahrplan über die Züge auf den der Königlichen Eisenbahn-Direction zu Frankfurt a. M. unterstellten Eisenbahnen dahier ab« holen zu lassen welcher an einer geeigneten Stelle, im Wirthshaus oder wo es sonst passend erscheint, zugänglich auszuhängen ist.
Der Königliche Landrath Freiherr von Schleinitz
» Das Nationaldcnkmal für Kaiser!
Wilhelm I.
In dem Preisausschreiben zum Nationaldenk- mal für Kaiser Wilhelm I. war über die gestellte Aufgabe gesagt, daß es zunächst darauf ankomme, den richtigen Standpunkt für das Denkmal zu finden und daß die Ausschreibung einer engeren Concurrenz, zu der jedenfalls die Sieger der ersten aufzufordern seien, vorbehalten bleibe. Nach diesem Programm war zu erwarten, daß sich nicht bloß Bildhauer sondern in hervorragendem Maße Architekten bethetligen würden, weil eben zunächst ein Bild über die architektonische Ordnung, die das Standbild umgeben soll, zu gewinnen war. Die Bewerber hatten zwischen 8 namhaft gemachten Plätzen, darunter Schloß- freiheit, Opernplatz, Pariser Platz, Thiergarten und Königsplatz, zu wählen. Die Aufgabe des Preisrichtercollegiums, welches aus Mitgliedern des Bundesraths, des Reichstags, hervorragenden Architekten, Bildhauern und Kuustästhetikern bestand, aus rund 140 Entwürfen und Modellen die 6 besten herauszusuchen, war gewiß nicht leicht. Eine Unsumme von Kraft», Zeit- und Geldaufwand steckte in den Arbeiten, die künstlerische Phantasie hatte zum Theil sehr frei mit dem Zuge der Linden und dem Thiergarten ge schaltet, viel Schönes war geboten worden und eine feste sichere Meinung im Publikum hatte sich angesichts der ausgestellten Zeichnungen und Modelle nicht herausgebrldet
In verhältnißmäßiger kurzer Zeit fällten die Richter unter Vorsitz des Ministers von Bötticher ihren Spruch; die zwei ersten Preise haben Architekten, die vier zweiten Bildhauer erhalten. Der eine erste Preis ist den Architekten R e t t i g und P f a n n für ein wahrhaft grandioses Projekt zugefallen welches für den Platz, wo
das Kroll'sche Theater steht, als Gegenstück zum Reichstagsbau Wallots, dessen Mitarbeiter die beiden Genannten sind, gedacht ist. Unter einer mächtig zum Himmel strebenden durchbrochenen Kuppel soll das Standbild zu stehen kommen, an dem Kuppelbau schließen sich rechts und links von hohen Säule« getragene Hallen an. Die Formenschönheit deS Entwurfs hatte in Architektenkreisen ungetheilte Bewunderung gefunden. Der mit dem anderen ersten Preise ausgezeichnete Architekt, S ch m i tz, ein Künstler, der bereits im Jünglingsalter den ersten Preis für das Victor-Emanueldenkmal tu Rom davontrug, stellt das Denkmal auf die Kreuzung der Stegesallee und der Charlottenburger Straße im Thiergarten vor ein Triumphthor in Mitten einer abgerundeten Hallenaulage. Von den vier preisgekrönten Bildhauern Hildebrand in Florenz, Hilgers und Schaper in Berlin und I o h. S ch i l l t n g. dem Schöpfer des Niederwalddenkmals, in Dresden, hat der erste für sein mausoleumartiges Bauwerk einen beliebigen Platz im Thiergarten bezeichnet, während die beiden Berliner ein Forum vor dem Brandenburger Thore an der Thiergartenseite bildeten und der Dresdener Schilling den Opernplatz für sein in dem Reiter überaus schlichtes und wahrheitsgetreues, in der Darstellung der Werke des Kaisers auf einem Triumphbogen gedankenvolles Werk ausersah.
Nimmt man an, daß dem letztgenannten Entwurf die charakteristische und würdige Auffassung des großen Friedenskaisers und das bewiesene hohe bildhauerische Können den Preis verschafft hat, so ergiebt sich aus dem Spruche der Richter im Allgemeinen für die Platzfrage, daß das Denkmal nicht im Innern der Stadt, sondern vor dem Brandenburger Thore auf dem Königs- platz oder am Thiergarten in monumentaler Größe seine Stelle finden soll. Alle phanta«
(Undrsugter Nachbluü vetbotm.)
Im Iischlande.
Erzählung von J. Jsenbeck.
(Fortsetzung.)
Anne Lowise hatte den Namen wiederholt. Noch einmal stammelte sie fragend: „Peter Dürt?" Dann setzte sie sich auf den Stuhl zu Seiten des Bettes; ihre Augen hingen wie gebannt an den Lippen der Kranken.
„Ja — Peter Dürt! Ueber den muß ich mit Dir sprechen!" fuhr diese fort. „Oder hat er Dich mit seinem scheinheiligen Wesen auch schon so bethört, daß Du seinen glatten Worten mehr glauben willst als mir altem Weib? Aber Du sollst und mußt mich anhören, magst Du wollen oder nicht!"
Anne Lowise hatte die Hände auf dem Schooß gefalten; in ihr stürmte und wogte es, wenn auch ihr Gesicht ruhig blieb. Ihre Ahnung hatte sie also nicht betrogen, Peter Dürt hatte nicht ohne Grund ihre Abneigung erweckt. Wie mit Blitzesschnelle jagten sich die verschiedensten Gedanken in ihrem Hirn. Durste sie sich freuen, daß es vielleicht Vorgänge in seinem Leben gab, die sie vor einer Verbindung mit ihm bewahrten, wenn dadurch zugleich der Lieblingsplan ihres VaterS zerstört wurde. Auch ihr Gerechtigkeitsgefühl wurde laut. Konnte, durfte sie dem, was die Wittwe Jensen ihr sagen wollte, ohne weiteres Glauben schenken?
„Lange genug habe ich geschwiegen, meinen
Jammer und mein Leid allein getragen!" sprach
die Kranke weiter. „Aber in meinem Grube । heuert, oft genug war er mit seinem Capitain würde ich mich umdreben, wenn ich wüßte. daß ein halbes Jahr und noch länger fort. Dadurch Du unglücklich würdest. Als Dürts Frau kannst trat ich Deiner Mutter immer näher und wenn Du nickt glücklich werden!" Die Alte mußte inne halten und Athem schöpfen. „Vor der Welt ist er ein Ehrenmann," lachte sie dann auf. „Dein Vater schwört auf ihn und paß auf, er bringt ihn auch heil und ganz mit. denn dem kann Sturm und Wetter nichts anhaben, weil er mit dem Teufel tm Bunde steht. - Aber soll ich Dich darum auf meinen Armen getragen, Dich als kleines Kind gehegt und gepflegt haben wie meinen Augapfel, damit Du jetzt dem Dürt zur Beute wirst?
„Regt Euch nicht so auf," bat Anne Lowise. „Ihr werdet Euch schaden!"
„Mir schadet nichts mehr," erwiderte Frau Jensen. „Höre zu und unterbrich mich nicht! — Du weißt, daß ich schon den Eltern Deiner Mutter, die in Rostock wohnten, gedient habe. Da lernte ich auch meinen Mann kennen. Meine Verhetrathung änderte nur wenig in meinem Verhältniß zu der alten Herrschaft und als die Tochter derselben, Deine Mutter, dem Capitain Claasen angetraut war, da zog ich mit hierher, um der jungen Hausfrau eine Stütze zu sein; allein unter den fremden Menschen hätte sie sich ja zu Tode gegrämt in all den langen Monaten, da ihr Mann auf dem Wasser schwamm. Mir ging es ja nicht besser wie ihr, nicht anders, wie allen Seemannsfrauen. Mein Heinrich hatte sich als Zimmermann auf Deines Vaters Schiff ver.
ich ihr auch die dienende Magd blieb, so hat sie mich doch durch ihre Güte und Liebe höher gehoben. Aber das habe ich Dir ja schon oft genug erzählt, daß ich Deinem guten seligen Mütterchen es verdanke, wenn ich an einem guten Buch mein Gefallen finden und meine Worte besser setzen kann, als die anderen Weiber meines gleichen. Mein Heinrich hat manches mal gesagt, daß er ordentlich stolz werden müsse, weil er eine Brau habe, die sich nicht geniren brauche mit dem fairer und dem Schullehrer zu sprechen. Na, das waren ja wohl nur so Redensarten, aber wie hat er sich gefreut, daß ich nun auch unser einziges Kind, unsere Marie, besser erziehen konnte, als es mir ohne Deine Mutter möglich gewesen wäre. Mein Mariechen war fünf Jahre älter
Ihr
als Du und —* „ „
„Ihr sprecht von Eurer Marie, Mutter Senfen?* fiel da Anne Lowise ein. „Ihr selbst nennt den Namen und habt doch meinen Vater und mich unter Thränen gebeten, Euch nie an Eure todte Tochter zu erinnern!"
„Und allen Menschen bin ich auS dem Wege gegangen, mit Niemandem habe ich gesprochen, um ihren Namen nicht aus einem anderen Munde zu hören. Ihr Alle habt geglaubt, daß ich die Selbstmörderin verdamme und verurtheile, wie
" es gethan habt! Ja, sie war eine Sünderin
sie beging das schwerste Verbrechen - eil!