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nach Siel angetreten werden, woselbst Allerhöchst- derselbe am Dienstag früh um 8 Uhr im aller­besten Wohlsein eintraf. Während seines Aufenthaltes in Kiel besichtigt Se. Majestät der Kaiser das dort angelangte englische Ge­schwader.

Den neuesten Bestimmungen gemäß wird die Kaiserin Friedrich die Reise nach Athen am 19. October über Dresden, Wien und Venedig mittelst Sonderzuges antreten.

Wie bestätigt wird, dürfte der Kaiser von Rußland am Freitag Vormittag in Berlin ein­treffen und im russischen Botschattsbotel absteigen. Das Frühstück findet im Botschaftsbotel statt, während das Diner beim Kaiser eingenommen wird. Freitag Nachmittag begeben sich die hohen Herrschaften nach Letzlingen zur Jagd, von wo sie am Sonnabend zurückkehren. Am Sonntag wird dann der Zar wahrscheinlich die Heimreise antreten, doch ist nicht unwahrscheinlich, daß der Aufenthalt noch bis Montag verlängert wird.

Eine Anzahl Würdenträger, darunter der Minister des Kaiserlichen Hauses, Graf Woronzow-Daschkow, sind aus Petersburg nach Berlin gereist, um beim Besuche des Zaren gegenwärtig zu sein.

Aus Anlaß der Vermählungsfeierlich­keiten in Athen wird sich auch ein aus 4 Schiffen bestehendes russisches Geschwader nach dem Piräus begeben.

Die Wiederherstellung der ehelichen Verbindung des Kaiserlich deutschen Bot­schafters in London Grafen Hatzfeldt mit seiner früheren Gemahlin, geborenen Moulton hat am Montag in Wiesbaden in aller Stille stattgefunden.

Das Reichsversicherungsamt trat dem R. A." zufolge dieser Tage zum ersten Male zur Besprechung in land- und forstwirthschaftlichen Rekurssachen unter Vorsitz seines Präsidenten Dr. Bödicker zusammen. Die genannte Unfall­versicherung ist nun im Reiche für etwas über 8 Mill., die gewerbliche und Seeunfallversicherung für mehr als 4 Millionen Arbeiter in Kraft.

DemFrankfurter Journal" zufolge ist von Seiten bekannter Geschäftshäuser in Mannheim der Plan ausgearbeitet worden, die kleinen Häfen der ostafrikanischen Küste nach Wiederkehr gänzlich geordneter Zustände durch regelmäßige Fahrten kleiner Dampfer in Ver­bindung unter einander zu bringen und gleichzeitig einen Anschluß zu schaffen an die angestrebte subventiontrte directe Linie nach Europa.

Das Uebungsgeschwader, bestehend aus S. M. PanzerschiffenKaiser" (Flaggschiff), Deutschland",Friedrich der Große",Preußen", und der AvisoWacht", Geschwaderchef: Contre Admiral Hollmann ist am 5. October cr. in Gibraltar eingetroffen und beabsichtigt, am 9. October cr. die Reise wieder fortzusetzen.

(Dänemark.) Der Kaiserlich russische Generaladjutant von Tscherewin ist, von Berlin kommend, am 8. d. M. in Kopenhagen eingetroffen, um Se. Majestät den Kaiser Alexander III. auf seiner Reise nach Berlin zu begleiten. Der zweite Sohn des Zaren, Großfürst Georg, welcher ä la suite des Ulanen-Regiments Kaiser Alexander III. von Rußland (Westpreußisches) Nr. 1, steht, wird.

Thränen traten in Anne ^owtsens Augen; Dieser Kranz ließ die letzten Worte des Vaters noch einmal in ihr nachhallen. Sie sollte für den bräutlichen Schmuck sorgen und war sich doch bewußt, daß bräutliches Glück ihr nimmer werden würde. Nur ein Opfer konnte es sein, wenn sie zu Peter Dürl's Werbung ihr Ja sagte. Aber sie mußte das Opfer bringen um der Kindesliebe willen, um des Vaters Wunsch zu erfüllen, dem zu Liebe zu leben sie der sterbenden Mutter in die erkaltenden Hände geschworen hatte.

Aus ihrem traurigen Träumen und verzweifeln­den Nachfinnen, das sie der Gegenwart ganz entrückt hatte, wurde Anne Lowise durch ein Pochen an der Thür aufgeschreckt. Gleich darauf trat ein kleiner Knabe ein, der, athemlos vom eiligen Lauf und erstaunt darüber, daß er die sonst immer fröhliche und heitere Capitainstochter in Thränen sah, ängstlich auf der Schwelle stehen blieb. Nur durch wiederholte Fragen konnte Anne Lowise ihn zum Sprechen bringen und dann bedurfte es noch all ihrer Aufmerksamkeit, ehe ste den Grund feines Kommens aus den ver­worrenen Antworten herausgefunden. Daß die alte Wittwe Jensen, des Kleinen Pflegemutter, die in einer der baufälligen Hütten am Ende des Dörfchens wohnte, schwer erkrankt sei und flehentlich nach ihr verlange, hatte Anne Lowise endlich er­fahren. Damit war aber auch jeder Gedanke an das eigene Leid in ihr verscheucht; eilig band sie ein Tuch um Kopf und Schultern und nahm des kleinen Boten Hand, um mit ihm den Samariter-

wie man gleichfalls meldet, seinen Kaiserlichen Vater nach Berlin begleiten, während sich der Groß­fürst-Thronfolger zusammen mit seinen Königlichen Großellern, dem König und der Königin von Dänemark, direct von Kopenhagen nach Athen begiebt. Die Abreise des dänischen Königspaares dürfte etwa zwei Tage später von Kopenhagen aus erfolgen als die Abreise des Zaren nach Berlin. Ihre Majestät die Kaiserin von Rußland bleibt bis zur Abreise des dänischen Königspaares gleichfalls in Kopenhagen bezw. Fredensborg und trifft sodann mit ihrem Kaiserlichen Gemahl auf der Rückreise nach Petersburg zusammen.

(Amerika.) Die Gold- undSilber- vorräthe in den Vereinigten Staaten von Amerika belaufen fidj, nach einer Angabe des Directors der dortigen Münze auf 617 000000 Boa. in Goldstücken, 340000000 Doll. in Silberdollars, 76000000 Doll. in anderen Silbermünzen, während das Schatzamt über einen Goldbarrenvorrath von 64000000 Doll. verfügt, der zur Deckung der Goldcertificate dient. Be­merkt sei im Anschluß hieran, daß einer unge­fähren Schätzung zufolge amerikanische Touristen dieses Jahr in Europa hauptsächlich beim Besuch der Pariser Ausstellung 70 000 000 Doll. ver­ausgabt haben.

Aus Provinz und Nachbargebiet.

H e r s f e l d, 9. October 1889.

* Die Zahl der Gerichtsassessoren, welche vor zehn Jahren nur 299 betrug, ist jetzt in stetigem Steigen auf 1819 gewachsen. Die Zahl der Referendarien, welche 1874 1744 betrug und bis 1883 stetig auf 3937 in die Höhe gegangen war, ist seitdem langsam gefallen und belauft sich zur Zeit auf 2981, so daß auch jetzt bald eine wenn auch geringe Ver­minderung der Zahl der Assessoren zu erwarten ist.

* Falsche Ein« und Fünfm arkstücke sind im Umlauf, welche sehr rein geprägt sind. Die Einmarkstücke tragen die Jahreszahl 1886 und das Münzzeichen D der Münzstätte in München, die Fünfmarkstücke die Jahreszahl 1887.

* Folgende Bestimmung dürfte allgemeine Be­achtung verdienen. Wenn ein Gerichtsvoll­zieher Sachen pfändet in der irrigen Annahme, daß dieselben dem Schuldner entbehrlich und daher pfändbar find, trotzdem die Sachen als unentbehrlich der Pfändung nicht unterliegen, so befindet sich der Gerichtsvollzieher dennoch in der rechtsmäßigen Ausübung seines Amtes. Dem Schuldner steht gegen eine solche Amts­handlung nur der Beschwerdeweg an das Vollstreckungsgericht frei; derselbe ist aber dem Strafgesetz verfallen, wenn er dem Gerichtsvoll­zieher durch Gewalt oder Bedrohung Widerstand entgegengesetzt, oder die gepfändeten Sachen eigenmächtig der Verstrickung entzieht.

* Zur Berufswahl der Abiturienten bringt dieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" einen Artikel, welcher insbesondere auf die Ueber- füllung der juristischen Laufbahn und des Lehrer- saches hinweist und davor warnt, ohne ausge- sprochene Neigung zu einem bestimmten Studium sich durch die Freiheit des Studentenlebens zum Universitätsbesuch verlocken zu lassen. Dagegen

gang anzutreten. Aber noch einmal kehrte sie wieder um; sie erinnerte sich der Noth, in der die arme Wittwe schon in gesunden Tagen lebte.. Ein Körbchen war schnell von den Vorräthen der Speisekammer gefüllt, dann wurde der begehrlich zuschauende Knabe noch durch einige gedörrte Aepfel erfreut und nun das Haus verlassen.

Anne Lowise fand die Wittwe Jensen stöhnend und ächzend auf ihrem ärmlichen Lager, unter der dünnen Decke vergeblich Erwärmung in dem Fieberfrost suchend, der sie schüttelte.

Gott sei's gedankt, daß Du da bist, Anne!" sagte die Kranke mit matter Stimme, als sich das junge Mädchen über sie beugte.

Warum habt Ihr denn nicht längst nach mir geschickt, Mutter Jensen?" fragte Anne Lowise. Ihr wißt doch, daß ich gern gekommen wäre bei Tag und bet Nacht, um Euch zu helfen so gut ich kann!"

Du hast schon genug mit Dir allein zu thun, Kind," fuhr die Alte fort.Und dann will ich nicht, daß Dein Vater aber darüber spreche ich mit Dir, wenn wir allein sind. Du mußt den Jungen fortschicken, Anne Lowise!"

Zuerst müßt Ihr etwas essen und trinken! Ich werde Euer Bett machen, Feuer im Ofen anlegen und für Euch sorgen, wie Ihr so oft für mich gesorgt habt!"

Mit sichtlichem Behagen hatte die alte Frau eine Tasse Kaffee getrunken, die Anne Lowise ihr bereitet hatte: so gut es ging hatte die letztere auch das Bett gesäubert und bequemer zugerichtet.

bedinge der Aufschwung von Handel und Jndustte für dieselben neue Kräfte.. Leider aber herrsche in weiten Kreisen unserer gebildeten Stände noch das alte Vorurtheil gegen die Erwerbsthätigkeit in diesen Zweigen.

* Einer längeren Wahrnehmung zufolge wird alljährlich eine Anzahl zum Militärdienst ausgehobener Rekruten kurz vor ihrer Einstellung brodlos, indem sie keine Beschäftigung mehr erhalten. Die Militärbehörden gestatten daher auf Grund der Gesetzvorschriften, daß brodlos gewordene Rekruten vor der angeordneten Ein­stellungsfrist zum Militärdienst zugelassen werden. Die Ueberweisung solcher Rekruten erfolgt mit Genehmigung der Vorgesetzten Infanterie-Brigade an einen Truppentheil derselben, nachdem dem Bezirksfeldwebel der polizeiliche Nachweis der Brodlosigkeit beigebracht worden ist.

* Der Amtsrichter Winkler in Ziegenhain ist als Landrichter an das Landgericht in Stendal versetzt.

* Die neuen Postkarten, welche von einzelnen Postanstalten bereits dem Verkehr über­geben sind, machen einen überaus gefälligen Ein­druck. Format und Größe ist dieselbe wie bei den bisherigen Karten, der Aufdruck auf der Vorderseite in deutschen Schriftzeichen und ebenso wie die Marke in grünem Druck hergestellt. Die Marke ist überaus geschmackvoll entworfen. In einem Medaillon in der Mitte steht: 5 Pfennig, unten auf einem breiten Bande: Reichspost. An den Seiten ranken sich ein Eichenreis und ein Lorbeerreis empor. Ueber dem Ganzen schwebt die deutsche Kaiserkrone. Der äußere Rand der rechteckigen Marke wird durch Arabesken abge­schlossen.

H Hersfeld. 9. October. Sonntag den 13, October arrangirt der rühmlichst bekannte Hof­künstler M e u n i e r eine glänzende SoirSe. ES wäre überflüssig über die Leistungen des Künstlers noch zu berichten, da der Ruf des rc. Meunier ein weit verbreiteter ist. Alles Nähere, wo die Vor­stellung stattfindet, in der nächsten Nr. d. Bl.

Fulda, 6. October. Die Unsitte, wenn sich Kinder auf im Fahren befindliche Wagen hängen, hat gestern hier wieder ein Opfer gefordert. Ein Junge halte sich unter einen beladenen Wagen zwischen die Vorder- und Hinterräder gehängt, fiel herunter und wurde der Länge nach von den Hinterrädern überfahren, so daß der Tod augen­blicklich eintrat. ' . 8

Zwesten, 7. October Die H.'schen Eheleute dahier gingen am 5. d. M. auf Tagelohn, während ihre drei kleinen Kinder wie gewöhn­lich ohne Aufsicht im verschlossenen Hause blieben. Der vierjährige Knabe zündete, um sich Kurzweil zu machen, ein Feuer an, und schleppte daS brennende Stroh auf den Hausflur und in die Wohnstube. Zur rechten Zeit sprangen noch vor­übergehende Leute, durch Rauch und Geruch auf die Gefahr aufmerksam gemacht, hinzu und löschten die Flammen, die den größten Schaden hätten anrichten können.

Felsberg, "7. October. Bei der. heutigen Landtags-Ersatzwahl erhielt Gl eim (natl.) 90, von Weyrauch (cons.)84Stimmen. Ersterer ist somit gewählt.

Frankfurt a. M., 5. October. Gestern

Die Kranke lag nun still und ruhig in ihren Kissen und schien sich an dem Feuer zu erfreuen, das in dem von Sprüngen und Rissen durch­zogenen eisernen Ofen prasselte. Der Knabe saß still in einer Ecke und kaute an einem Butterbrot.

Du mußt den Jungen fort schicken, Anne Lowise!" fuhr die Frau plötzlich mit der ganzen Erregtheit einer Kranken auf, deren Gedanken nur auf einen Punkt gerichtet sind.Du mußt den Jungen fort schicken, denn ich will allein mit Dir sprechen!"

Anne Lowise hatte die Alte fast erschrocken angesehen, aber dann dem Knaben freundlich gesagt, er solle sich draußen vor die Thür setzen, die Muter Jensen wolle schlafen. Nun ging sie an das Bett und legte die Hand wie prüfend auf den Kopf der Frau; glaubte sie doch, daß nur die Fieberhitze aus ihr gesprochen.

Wie wohl das thut!" sagte die Kranke leise und schloß für einen Moment die Augen. Aber gleich darauf fuhr sie wieder heftig und lauter fort:Da setz' Dich hin, Anne, und höre zu, aber unterbrich mich nicht!"

Ihr solltet Euch doch lieber ruhig hinlegen und zu schlafen versuchen!" mahnte das junge Mädchen.

Schlafen? Schlafen?" murmelte die Alte. Es geht mit mir zu Ende, das fühle ich. Aber ruhig sterben kann ich nicht, ehe ich Dir nicht Alles gesagt habe ehe ich Dich nicht gewarnt habe vor Peter Dürtl"

(Fortsetzung folgt.)