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ersfei-el Kreisdllltt
Mit wöchentlicher Kratis-Neilage „ÄlluNrirtts Anterhaltungsklatt".
Nr. 119.
Sonnabend den 5. October
1889.
Aöonnements-Gintadung.
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Hersfelder Kreislilatt mit der wöchentlichen Gratis Beilage „Jllirstrirtes Unterhaltungsblatt" pro IV. Quartal 1889 werden noch fortwährend von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Hersfeld, den 2, Oktober 1889.
In Betreff der Gestaltung öffentlicher Tanz- Musiken sehe ich mich veranlaßt, unter Aufhebung der Verfügung vom 19. September 1879 Nr. 10574 im Kreisblatt Nr. 76, folgende Bestimmung zu treffen:
1^ Sie Herre« LmMmeiste,. der Landgemeinden oes Kreises werden hierdurch ermächtigt, die Erlaubniß zur Veranstaltung öffentlicher Tanzbelustigungen, und zwar auch über die gesetzliche Polizeistunde hinaus, an folgenden Tagen zu ertheilen: am 2. Weihnachtstage, am 2. Ostertage, am 2. Pfingsttage, sowie am 27, Januar (Kaisers Geburtstag), am 2. September (Sedantag), und zur Kirmeß- seier, hier jedoch mit der Beschränkung, daß die Feier in keinem Falle an einem Donnerstage beginnen und nur an 2. Tagen getanzt werden darf, sowie daß, wenn in die Kirmeß zeit ein Sonnabend fällt, die Feier an diesem Tage Abends um 10 Uhr ihr Ende findet und die Wirthshäuser zu dieser Stunde geräumt werden müssen
2. Wenn außerdem noch Tauzbelusttgungen statt- fiuden sollen, so ist dazu meine besondere
(Unlkfugtet Rachvruck "itbou» )
Aus her Oberförstern.
Von U. von Eck.
_ (Schluß.)
O, wie hatte sie ihn verkannt, und wie sollte, wie konnte sie das wieder gut machen! Mußte er sie nicht allein schon hassen für all' das Leid, was er durch ihre Mutter erduldet, durch ihre schöne, todte Mama", wie sie sie oft in kindischem Hochmuth genannt! Und dann all' ihr eigener Trotz und Eigenwille —
. „Onkel, Onkel," rief sie mit hervorbrechender Heftigkeit, „darf ich Dich noch so nennen? Kannst Du mir je verzeihen? Ist es möglich, daß Du mich nicht verabscheust?"
„Dich verabscheuen, mein liebes, liebes Kind?" agte der Oberförster so weich und mild, wie Cola hn noch nicht hatte reden hören — wie klang das o eigen von diesen ernsten Lippen! „Bist Du nicht mein liebes, kleines Mädchen, das ich geliebt und erzogen habe von Jugend auf - bist Du nicht ihr Kind, Cola? Nein, Du sollst nicht büßen für die Fehler Anderer, nicht für meine Leiden, mein Herz und mein Haus sollen Dir offen stehen — biS — bis Du ein geliebteres findest. Bis dahin — habe Deinen alten Onkel ^n wenig lieb, meine kleine Cola, dann ist mir reichlich vergolten!"
Das junge Mädchen drückte stumm statt aller! Sie war nicht schön, die kleine Dorfkirche — i Augen! Frei blicken sie und voll— aber nicht Nutv-rt einen stutz auf seinen Mfid, das erste 1 aber MN konnte in ihr nicht an die M die Züge, vn voll Äusdrncks, voll
Genehmigung einzuholen, wobei das Gesuch entsprechend begründet und namentlich auch angegeben werden muß, an welchen Tagen bereits Tanzmusik im Orte stattgefunden hat, und an welchen der unter 1. erwähnten Tage dafür das Tanzvergnügen ausfallen soll.
3. In allen Fällen ist das betreffende Gesuch um Gestattung öffentlicher Tanzmusik zunächst schriftlich an den zuständigen Herrn Pfarrer zu richten, und überhaupt genau nach Maßgabe der Verfügung vom 28. Februar 1879 Nr. 1004 im Kreisblatt Nr. 19 zu verfahren.
4. Hinsichtlich der Kirmeßfeier behalte ich mir vor, in den aus mehreren Ortschaften bestehenden Kirchspielen die Tage näher zu bestimmen, an welchen Tanzbelustiguugen stattfinden dürfen.
9114. Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n t tz.
Cassel, den 20. September 1889.
Aus Veranlassung eines Einzelfalles mache ich ergebenst darauf aufmerksam, daß nach den noch gültigen Vorschriften der §§. 255 und 250 der Strafgerichts Ordnung für das preußische Heer (II. Theil dcs Strafgesetzbuchs f. d. pr. H.) vom 3. April 1845 jede Verurtheilung wegen Fahnenflucht in dem Amtsblatts der heimathlichen Regierung des Abwesenden zu veröffentlichen ist. Damit namentlich in den Fällen, in welchen es sich um Entlassung aus der Preußischen Staatsangehörigkeit, Ertheilung eines Heimathscheinesrc. handelt, bei Feststellung der persönlichen Verhältnisse des Antragstellers die erwähnten Bestrafungen auch nach längerer Zeit nicht übersehen werden wollen Euer Hochwohlgeboren für die Zukunft den bezeichneten Bekanntmachungen besondere Beachtung in der Weise zuwenden, daß von dem dort interessirenden Inhalt derselben ein cnlfpredjenber Vermerk zu den Akten genommen
Mal ohne inneren Teotz, uno schunegle ihren braunen Lockenkopf an seine Schulter.
Das ernste Gesicht des Oberförsters verklärte ein freudiges Lächeln — o, wie viel schöner wurde es dadurch und wie viel jünger!
„Und der Ring, Cola?" fragte er leise.
Ueber Colas schönes Gesicht ging ein heftiges Errölhen, aber sie schlug die großen, schwarzen Augen voll auf, als sie flüsterte: „Waldemar hat ihn!"
„Ich wußte es, mein Kind," lächelte der Ober
förster. —
Da brach hell ein freundlicher Strahl Wintersonne durch die Fensterscheiben.
der
In der Dorfkirche.
' Ein heller, warmer Frühlingstag I Eine Welt voll Zauber und Düften, ein Himmel voll Licht und Seligkeit! Bist Du schon einmal gewandert an solch' einem Tage, draußen, außer den Mauern der Städte, wo da die Sonne heller scheint, die Vögel jubelnder singen, und auch Dein Menschenherz höher schlägt voll Lust und voll Hoffnung? Hast Du Dir da Dein Glück in Seligkeit und Deinen Gram in stille, sanfte Wehmuth verkehren
O, derselbe weise Herr, der den Winter gab, derselbe gütige Vater mußte den Frühling folgen lassen, er wußte, daß es Kummer auf Erden giebt.
wird. Die Unterbehörden sind mit der erforderlichen Anweisung zu versehen.
Der Regierungs Präsident. Rothe.
An sämmtliche Königliche Landräthe des Bezirks und den Königlichen Polizeidirektor hier. A. I. 9070 II. Ang.
* *
Hersfeld? den 2. October 1889.
Wird den Ortspolizeibehörden bezwse. den Herren Bürgermeistern des hiesigen Kreises zur Kenntnißnahme und mit dem Auftrage mitgetheilt, mir in jedem Falle, in welchem ein wegen Fahnenflucht Verurtheilter später um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande oder um Ertheilung eines Heimathscheines rc. nachsucht, auf meine jedesmalige desfallsige Aufforderung zur Berichterstattung entsprechende ausführliche Mittheilung zu machen.
8928. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
* Falscher DWlisMS.
Das Kartell zwischen den beiden conservativen Parteien und den Nationalliberalen wurde 1887 bei den sogenannten Septennatswahlen und zunächst nur für diese abgeschlossen. Es galt vorerst die Abwehr eines am empfindlichsten Punkte, beim Heerwesen einsetzenden Versuchs der Mehrheit Richter-Windthorst-Grillenberger, die Macht des Parlaments gegenüber der Krone zu erweitern. Was jene drei Parteien zusammengeführt hatte, hielt sie auch während der ganzen Legislaturperiode zusammen: der Royalismus, der allen dreien gemeinsam ist, der nationale Gedanke, welcher in Sachen Kaiser und Reich die Unterordnung von Parteisonderbestrebungen verlangt, die Einsicht, daß sich diejenigen Gruppen, welche in den großen Zielen einig sind, auch bei den praktischen Anforderungen der Gesetzgebung
denken, alles in ihr schien Andacht. In der Mitte des Schiffes hing ein Engel herab, rohes Schnitzwerk und ihm fehlte ein Arm; der Kanzel mangelten alle gedrechselten Zierrathen, und die schwarze Decke auf dem schmucklosen Altare war anspruchslos genug, aber es schwebte ein Geist des Gebetes und der Frömmigkeit durch den ganzen, stillen Raum, er verklärte die unnatürlichen Christus- und Marienbilder an den Mauern, er lag auf dem altersschwarzen Cruzifix.
Heute hatte man die Kirche mit Grün geschmückt — der Frühling legte seine Erstlinge dem Herrn auf den Altar. Und jetzt, jetzt läuteten die einfachen Glocken ihr trautes einförmiges Lied in das Dorf hinein. Und scheinen sie nicht heute besonders hell und freudig, besonders hoffnungsreich zu klingen?
Da rauschen volle Orgel-Accorde anbetend und frühlingsfreudig hinaus in den Sonnenschein, empor zum ewigen Lichte — drinnen steht vor dem einfachen Altare, vor dem greisen Prediger ein junges schönes hoffendes Paar, jung und schön wie der Frühling draußen, und ebenso voll von Hoffnungs- und Zukunftsträumen.
O, wie lieblich schmiegen sich, und gleichsam froh der Umarmung, die zarten, grünen Myrthen- zweiglein um die Stirne der jungen Braut und in ihren braunen Locken, wie strahlt ein ganzer Himmel voll Glück aus ihren großen nachtschwarzen