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ßtrsselder Sreisdiitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllukrirtes Il«terhaktu«gsölatt".__________

Nr. 117. Dienstag den 1. October 1889.

Ahnnnomnnto Finkiliinfi I Zugelaufen ein Hund. Meldung des Eigen-! Die Kaiserlichen Worte sind ADOnuBITlünLS'uiniaUUny. ! thümers bei dem Ortsvorstand zu RotterterodeZ stand der Erörterung namentlich M der frei« Ut dem 1. October beainnt ein neues Abonne- .......--' ."! .....u-ggesgggggBgg finnigen Presse geworden, die obwoh sie sich

Mit dem 1. October beginnt ein neues Abonne­

ment auf das wöchentlich 3 Mal erscheinende

Hersfelder Kreisblatt mit der wöchentlichen Gratis-Beilage Jllustrirtes Unterhaltungs-Blatt"

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Die Expedition.

Amtliches.

Hersfeld, den 27. September 1889.

Den Herren Ortsvorständen des hiesigen Kreises werden in der Kürze die Rekrutirungs- Stammrollen der Jahrgänge 1867, 1868 und 1869, nachdem dieselben mit den alphabetischen Listen diesseits gleichgestellt worden sind, in Gemäßheit des §. 46.12 der Wehrordnung vom 22. November 1888 zugesandt, um dieselben nebst ihren Anlagen (pfarramtlicher Geburtsschein rc) in der Gemeinde-Repositur aufzubewahren. 8975. Der Königliche Landrath _____ Freiherr von Sch leinttz.

Gefunden: Drei Pfund Hefe. Meldung des Eigenlhümers bet dem Ortsvorstand zu Rotensee.

(Unbefugter Nachdruck verboten.)

Auf der Oberförster«.

Von U. von Eck.

(Fortsetzung.),

Oder wollte er sie wohl gar damit strafen? Lächerlich! Was hatte sie denn gethan? Sie war auf den Ball gegangen, während er es ihr verboten hatte nun ja, das war es ja gerade, was sie wollte: ihm trotzen, ihm zeigen, daß sie einen eigenen Willen habe und meine, ihn zu gebrauchen. Cola gestand sich mit verbissenem ^ngrimme, daß sie die Heldenthat wohl kaum ausgeführt hätte, hätte sie nicht den Onkel und feine Augen einige Meilen entfernt geglaubt.

. «o langte man an der letzten Station vor .Bestimmungsorte an. Der Wagen des war schon dort, er hatte ihn bei K Zu dieser Zeit bestellt, und als der Mmmprt»10^ dem östlichen Horizont herein- und Nichte 1)01 dem tf o mH^Ä Der Oberförster empfahl Ni,iu> * 0er Freundlichkeit, sich nun zur acnkUi & ^ einige Stunden Schlaf zu rSiiM ,w""schte er eine längere Unter- iÄm Ä d°"Ut «towmb er ^hh^ kreppe hinan in ihr Stübchen (Mii^ endlich brauchte sie mit ihren »ntin^ länger zurückzuhalten. Ueber die M ^Fselben war sie sich selbst kaum klar, Zorn, Beschämung, Stolz und Furcht vor dem

# Der Geschichtsunterricht.

Der Kaiser hat bekanntlich bei seiner Anwesen­heit in Hannover einer Deputation der Göttinger Universität gegenüber Veranlassung genommen, den hohen Werth des Studiums der Geschichte für die Erziehung des Volkes zu betonen.Je mehr und eifriger und eingehender sagte der hohe Herr die Geschichte dem Volke einge- prägt wird, desto sicherer wird es Verständniß für seine Lage gewinnen und dadurch in einheit­licher Weise zu großartigem Handeln und Denken erzogen werden.....Ich hoffe, daß in den nächsten Jahren das Geschichtsstudium noch einen ganz anderen Aufschwung nehmen wird wie bisher." ,

Wie einzelne Blätter weiter berichteten, berührte der Kaiser dasselbe Thema, es noch weiter aus­führend, in Hannover im Gespräch mit den Militärgeistlichen: der Geschichtsunterricht müsse mehr Religion und Deutschthum betonen und auch die neuere Geschichte weit ausführlicher behandeln. Die alten Völker zu kennen wäre wohl schön, aber für unsere deutschen Sitten und zum Verständniß der Fragen der Gegenwart sei es höchst nöthig, daß wir die Geschichte, namentlich die neuere und neueste Geschichte, unseres eigenen Volkes von Grund aus ver­ständen. Daß die umstürzenden Bestrebungen der Socialdemokratie so viele Köpfe und Herzen ver­wirrten, käme daher, daß man in hohen, wie niederen Schulen zu wenig die Verirrungen und Greuel der französischen Revolution und die ge­waltigen Heldenthaten in den Befreiungskriegen zur Rettung des Vaterlandes den Kindern vor- stellte. Er hoffe, daß auf diesem Gebiete die Jugend von frühauf besser belehrt werde.

Onkel stritten miteinander. Sie fühlte sich im in einer halben Stunde in seinem Arbeitszimmer ' erwarte. Cola legte ihre Reisekleid ab und wählte ein einfaches Hauskleid, sie war blaß, und unter ihren Augen zeigten sich dunkle Schatten, aber sie waren eben so voll und groß wie gewöhnlich und auch eben so trotzig, vielleicht noch ganz besonders so. ,

Sie genoß etwas von dem Frühstück, welches das Mädchen hereingesetzt, dann ging sie die

ganzen sehr unglücklich, aber sie athmete doch erleichtert auf, seit sie sich außer dem Bereich jener strengen blauen Augen wußte.

Mit einer heftigen Geberoe schob sie das Etui mit dem Perlenschmuck auf den Tisch, das einzige, was sie aus dem Hause ihrer Großtante mitgenommen. Das Uebrige werde ihr nachge­schickt werden, hatte der Onkel gesagt; er habe die Tante darum gebeten tu einem Briefe, worin er zugleich seine und Colas eilige Abreise entschuldigt, und den er für sie zurückgelassen habe. Cola ersah daraus, daß sie nicht in die Residenz zurückkehren werde.

Sie warf sich auf das Sopha und verharrte einige Minuten schweigend und ganz unbeweglich in derselben Stellung, das Gesicht mit den Händen bedeckt. Dann durchlief ein leichtes Zittern ihre zarte, geschmeidige Gestalt, große Thränen quollen langsam zwischen den kleinen braunen Fingern hervor die ersten, die Cola seit ihrer Kindheit geweint und heftig schluchzend vergrub sie endlich das Gesicht in die Kisten. Sie weinte lange heiße, bittre Thränen, weinte, bis ihre Augen thränenleer und müde waren dann schlief sie ein.

Sollten sie prophetisch gewesen sein, jene Worte des Knaben:Perlen bedeuten Thränen?"

Cola mochte wohl einige Stunden geschlafen haben und schlug gerade die Augen wieder auf, als die alte Regtne an ihre Zimmerthüre pochte und meldete, daß der Oberförster seine Richte

selbst stets etwas auf ihr wissenschaftliches Interesse einbildet - nicht Anstand nahm, dagegen Ein­wendungen zu machen und so auch emen Geschichtslehrer als Zeugen dafür zu citiren, daß auf den höheren Schulen schon viel zu ,viel Geschichte getrieben werde. Eins von diesen Blättern unternimmt es sogar, die innere Be­rechtigung der von dem Kaiser selbst angegebenen Begründung in Zweifel zu ziehen, indem es leugnet, daß die Bestrebungen der Socialdemokratie mit den Verirrungen und Greueln der franzö­sischen Revolution in irgend welcher Verbindung

Das Verhalten der freisinnigen Presse erscheint uns in hohem Maße verdächtig. Wie ist es möglich, daß der hohe Werth des Geschichts- studiums, welches läuternd auf die Anschauungen und das Urtheil des Volks einzuwirken im Stande ist, angesichts der Wärme, mit welcher der Kaiser dafür eintritt, mit einem Male in Abrede gestellt wird. Auch diejenigen Denker und Philosophen, welche von der Geschichte als Wissenschaft nur eine sehr geringe Mer- nung hatten, haben doch niemals ihren hohen Werth als Volkserziehungsmittel verkannt. Von den zahlreichen Aussprüchen überGeschichte" führen wir einen minder bekannten an, denjenigen Arthur Schopenhauers, welcher, trotz seiner geringen Werthschätzung der Geschichte als Wissen­schaft sagt:Was die Vernunft dem I ndividuo, das istdie Geschichte dem menschlichen Geschlechte, sie erweitert den Blick über die Gegen­warthinaus in Vergangenheit und Zukunft und ermöglicht dadurch ein bewußtes, besonnenes, zu­sammenhängendes Leben." Diese Er-

Treppe hinunter.

Vor der Thüre von ihres Onkels Zimmer stand Cola einen Augenblick still sie fühlte ihr Herz schlagen, hier war sie so selten gewesen, nur bei ganz besonderen Anlässen hatte sie es betreten, der Ort an und für sich hatte für sie schon etwas, was ihr Scheu einflößte. Aber sie wollte sich nicht fügen sie wollte dem Onkel sagen, daß sie seinen Befehlen nie gehorchen werbe, wenn sie so unmotivirt seien, wie das Verbot, den Ball in der Residenz zu besuchen, sie nahm sich nochmals vor, ihm zu zeigen, daß sie auch einen Willen habe, ihr ganzes Gesicht wappnete sich mit Trotz und Stolz, dann legte sie die Hand auf den Thürgriff.

Herr von Edla stand in der Mitte des Zimmers und blickte der Eintretenden entgegen; sem Gesicht war ernst, aber der strenge Zug darin war einer bei ihm seltenen Weichheit gewichen.

Cola bemerkte es nicht, sie hatte ihn nicht angesehen, trotzig hafteten ihre Augen amBooen, als sie vor ihm stehen blieb, mit einer Sliwe* dir deutlich genug sagte: da bin ich nun, abe^