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Helsstider Kreisblett.
Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illukrirtes Nuterhaktnugrblatt".__________
Nr. 112. Donnerstag den 19. September
1889.
Amtliches.
Hersfeld, den 16. September 1889.
Der unterm 5. d. Mts. (Kreisblatt Nr. 107) erlassene Steckbrief gegen den Schulknaben Sebastian Liebermann aus Obergeis, hat seine Erledigung gefunden und wird deshalb hiermit zurückgezogen.
8660. Der Königliche Landrath
Freiherr v o n S ch l e i n i tz.
* Die 1 , in Frankreich.
Am 22. September soll die französische Depu- tirtenkammer neu gewählt werden. Die Parteien rüsten sich, um alles daran zu setzen, was ihnen den Sieg verschaffen könnte. Doch Niemand wird über die Chancen dieser oder jener ein irgendwie zutreffendes Urtheil zu fällen vermögen, da diesmal im Vergleich zu früher wesentlich neue Triebfedern zum Vorschein gekommen sind und sich die Verhältnisse in manchen Richtungen geändert haben, ohne daß man weiß, welche Wirkungen diese Aenderungen auf die Wähler und auf den Volksgeist ausüben werden oder ausgeübt haben.
Bisher waren es hauptsächlich die Parteien der Monarchisten, zu denen die Orleanisten und Bonapartisten zu rechnen sind, sowie die der Republikaner und Radicalen, welche bei den Wahlen um die Palme stritten. Bei den zum ersten Mal auf Grund des Systems der Wahllisten im October 1885 vollzogenen Wahlen hatten die Monarchisten einen nicht unbedeutenden Vorsprung erhalten, womit aber das parlamentarische Schwergewicht mehr in die Hände des Radicahismus verlegt wurde, mit dem sich die Monarchisten überall verbündeten, wo es galt, dem Republikanismus einen Streich zu versetzen.
Mit der Flilth.
Novelle von Zoö von Reuß.
(Schluß)
Es mußte etwas sehr dringendes sein, das sie zu dieser Stunde aus ihrem Parkhäuschen Heraustrieb, denn sie war allmählich ein seltener Gast im Schlosse geworden. Ebenso kam Aimse nur noch in großen Pausen zu der Pflegerin ihrer Kindheit. Denn nur mit höchstem Schrecken dachte sie an die letzte Begegnung mit dem Milchbruder und zitterte vor einer Wiederholung.
»O, Monseigneur, o, Mademoiselle!" rief Ma- Madeleine!" ^^ Bewegung, „hören Sie auf »Was ist Ihnen?" frug der Vicomte verwundert. p»"^?A^Sie anzuflehen - sogleich! Denn
Ä£A? Gefahr, ganz gewiß!" »Woher, wissen Sie?'
um ^ Morgen kam Ettenne aus Paris, wie erfand auf dem Lande zuzubringen, um tiÄ ^ Wahrheit kam er wohl nur, hjff, sehen! Denn er liebt Sie
& ÄT K ’ ‘ • Das ist das provenca- das VaE.,8^ 018 ich ihm sagte, daß Sie Caviana? ^ verachteten, und daß Baron S?S i A Schlosse weile und Graf
die ®UäfteUnh^ «roße Herren zuweilen als wild nun nöö Herrn Vicomte kämen, ward er Er Ä ÄL« e ^ ihn niemals gesehen habe, anzuhören^ " ^n aus, o, es war schrecklich
Gegenwärtig ist die Bedeutung des Radicalismus in den Hintergrund gedrängt, seitdem sich aus ihm die Spielart des Boulangismus in Anlehnung an den Monarchismus entwickelt hat. Heute steht die Frage nach der Zukunft des Radicalismus nicht mehr im Vordergrund. Bei den bevorstehenden Wahlen handelt es sich allein oder vorzugsweise darum, ob der Republikanismus siegen oder der Vereinigung der wenngleich selbstständig auftretenden Bonapartisten, Orleanisten und Boulangisten unterliegen wird.
Die Regierung des Präsidenten Carnot hat es an energischem Einschreiten gegen den Exge- neral Soulanger, der nach dem Urtheil des Senatsgerichtshofs die republikanische Verfassung hat stürzen wollen, nicht fehlen lassen und dies hat gewiß in den Kreisen, welche Ruhe und Ordnung lieben, den besten Eindruck gemacht. Auf der anderen Seite hat sie den Erfolg der Weltausstellung für sich, welche den Franzosen wieder den Glauben an ihren eigenen Nimbus beigebracht hat. Ebenso wird ihr die Energie gegen den Wilsonismus gewiß zu Gute gerechnet.
Aber die Gegner der Republik sind gleichfalls stärker geworden. Der Boulangismus ist — gleichviel wie stark er an sich sein mag — als solcher neu hinzugetreten; er vereinigt radicale und monarchistische Elemente in sich und indem er zugleich verspricht, nicht die Republik stürzen, sondern nur die parlamentarische Republik reformiren und an ihre Stelle den, wenn auch unklaren Begriff der nationalen Republik setzen zu wollen, findet er auch in republikanischen Kreisen seine Anhänger. Ob der politischen Sache des Generals seine Verurthei- lung geschadet haben wird, bleibt abzuwarten. Von London aus hat er sein Wahlmanifest erlassen und soeben auch noch dem Ministerpräsidenten Tirard gegenüber erklärt, daß er nach
„O, mein Gott," sagte Aimse erzitternd.
„Er sagte, daß er die großen Herrn verabscheue und daß er das Leben des Herrn Vicomte in seiner Hand halte, denn er gelte viel jetzt in Paris. Und der Tag der Rache sei gekommen! Noch heute werde der Herr Vicomte und sämmtliche Bewohner des Schlosses gefangen genommen werden. Diesmal werde sich aber Niemand finden, den Herrn Vicomte zu befreien ... Den ganzen Tag saß ich weinend und betend im Parkhäuschen, und wußte nicht was ich beginnen sollte. Denn er hatte auch mir mit seiner Rache gedroht, wenn ich reden würde. Am Abend ging ich nach der Kirche, um vor dem Madonnenbilde zu beten. Als ich aber hinzutrat, fand ich die ewige Lampe davor erloschen, die die gnädige Frau Vicomteffe einst gestiftet hatte, damals als Mademoiselle geboren ward. Da wußte ich, daß das Unglück ganz gewiß kommen werde über das Schloß, und ging um es Ihnen zu sagen. Fliehen Sie - schnell l . . . Es bricht herein, gewiß!"
Der Vicomte war zu klug, um sich über die Gefahr zu täuschen. Er versuchte die Tochter zu trösten und bat sie, mit Madeletne zu gehen nach dem Parkhäuschen oder in das Haus des curö — überall sei sie gegenwärtig sicherer als im Schlosse . . . Aim^e aber erklärte mit Bestimmtheit, den Vater nicht verlassen zu wollen.
Noch stand man rathlos — da plötzlich vom See herauf drang leise Gesang:
„Das Schiff streicht durch die Wellen, Fridolin — Die sanften Lüste schwellen, Moltn - -7"
Frankreich zurückkehren werde, wenn er vor ein Kriegsgericht gestellt werden würde. Mit diesem Schachzug hat er den Senatsgerichtshof der Parteilichkeit beschuldigen und sich zugleich in den Augen seiner Anhänger als den ebenso muthigen, wie unschuldig Verurtheilten empfehlen wollen. Wie Soulanger, so haben auch die anderen beiden Prätendenten, der Graf von Paris und der Prinz Victor Napoleon sich den Wählern durch Manifeste in Erinnerung gebracht. Alle drei, so verschieden ihre Fahne ist, arbeiten doch gewissermaßen sich in die Hand, und sie sind nicht zu unterschätzen in ihrer gemeinsamen Gegnerschaft gegen die Republik. Sie haben alle drei bei den jetzigen Wahlen, wenn sie auch später auseinander gehen würden, nur den einen Gedanken: Untergrabung der gegenwärtigen Republik. m
Bei den letzten Wahlen wurden für die Republik 3565412 Stimmen, zu denen auch die Radicalen gehörten, abgegeben, während die Monarchisten 3147 129. gebrachten. Die inzwischen veränderten inneren politischen Verhältnisse, die sich in der Neubildung der boulangistischen Partei und in der entsprechenden Abbröckelung von dem Radicalismus und Republikanismus kennzeichnen, können leicht das Schwergewicht auf die andere Seite bringen, zumal seitens des Klerus stark für die Gegner der Republik agitirt zu werden scheint. Die Regierung hat ihn zwar mit strengen Strafen bedroht; immerhin wird man annehmen können, daß er sich hierdurch nicht so ohne Weiteres einschüchtern lassen wird. Unter diesen Umständen wird man mit Interesse der Entscheidung entgegensehen dürfen.
Folitische Nachrichten.
Se. Majestät der Kaiser hatte sich am Montag früh mit dem Großfürsten-Thronfolger eBgBHHHBÄSSHBBHBHBSHeeSgBg8SSBB5HH3SBBee**
„Er kommt uns zu retten!" riefAimäe entzückt und beugte sich zum Fenster hinaus. Ein Blitz, der leuchtend die Gewitternacht durchdrang, ließ sie ein Boot gewahren, dort beim Schwanen- Häuschen das von der östlichen Seite des Sees herüberkam, um in der hafenartigen Einbuchtung anzulegen, die dicht an das Mauerwerk des Schlosses grenzte. Von dort führte eine Treppe direct nach den verschiedenen Corridoren des Schlosses herauf.
„Wer kommt, mein Kind?"
„Wer? — Der deutsche Graf! Er ist der Retter," triumphirte Aimse.
Die Antwort ward dem Vicomte abgeschnitten. Charles, sein Lieblingsdiener, trat über die Schwelle, bleich wie der Tod. „Monseigneur, sie kommen, ein Piket Nationalgarden — auf der Straße von Paris. Sie haben sich dem Schlöffe zugewandt, der Reitknecht ist ihnen begegnet. Aber er gewann einen Vorsprung auf einem Seitenwege . . ."
Zehn Minuten darauf saß der Vicomte mit Aimöe unten im Boot des Retters. Graf Hohnstein, der die Ruder führte, lenkte eilig auf den See hinaus.
„Im Auftrag meines Hofes noch einmal nach Frankreich zuruckgekehrt, erhielt ich durch Graf Srcteuil Nachricht, daß der Vicomte von Merville sich demnächst vor dem Nattonalconvent verantworten müsse. Der Republikanismus des Maire von Paris fühlte sich bedroht durch die Schrift „das Verbrechen des KöntgsmordeS!" Die Nach«