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Hersscidel Kreisbliitt.

Mit wöchentlicher Hratis-Aeilage „Illustrirtes Nuterhaltungsölatt".

Nr. 111.

Dienstag den 17. September

1889.

Amtliches.

Hersfeld, den 12. September 1889.

Seitens des Herrn Ministers für Handel und Gewerbe ist genehmigt worden, daß die Be­stimmung des Erlasses vom 29. October 1876, nach welcher von der regelmäßigen Revision der Dampfkessel-Anlagen ausnahmsweise dann abzu- sehen ist, wenn ein ganzes Fabrikunternehmen oder eine einzelne selbst staubige Abtheilung eines größeren Werkes auf längere Zeit vollständig außer Betrieb gesetzt und hiervon der Ortspolt­zeibehörde Anzeige erstattet wird, auch auf die Revision von Dampfdreschmaschinen Anwendung findet. In diesem Falle ist jedoch die Zeit des Stillstandes bei Berechnung der Revisionsperiode außer Ansatz zu lassen.

Unter Bezugnahme auf die Verfügung vom 15. November 1876 Nr. 12035 (Kreisblatt Nr. 93) beauftrage ich die Herren Ortspolizeibeamten des Kreises, den Kesselrevisoren von den Anzeigen über Betriebseinstellungen, Zowie eventuell von Inbetriebsetzungen rechtzeitig" Mittheilung zu

mache 8547.

Der Königliche Landrath Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 14. September 1889.

Nach dem Ergebnisse der eingegangenen Stimm­zettel sind zu Mitgliedern des Kreisvorstandes aus den Kassenmitgliedern der Elementarlehrer- Witwen- und Waifenkasse für die nächste Wahl­periode von 6 Jahren gewählt worden:

Lehrer Römer zu Sorga,

„ Euler zu Kalkobes,

„ Kantor Bachmann zu Hersfeld, was in Gemäßheit der Vorschrift im §. 40 der Statuten hierdurch veröffentlicht wird.

8641. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleini tz.

Steckbrief.

Der im nachfolgenden Signalement näher be-

Mit der Flüth. “

Novelle von Zoö von Reuß.

(Fortsetzung.)

»Nein, Du bist eine Heilige!' sagte er klagend. .Nur die alten Kalenverhetligen vermochte der Rational convent abzuschaffen und die goldstrotzen- den Madouneubilder zu plündern. Ueber die heiligen Seelen hat er keine Macht!'

.Kaum zwei Jahre sind es, dass ich das sacrö coeur verliess — welche Pein haben sie wir ge­bracht. Sorge und Leid, Unruhe und Zweifel, alles, alles l Die Zeit ist böse und duldet kein Gluck!' sprach Amse, mehr zu sich selbst als zu ^"kune. .Ihr Panier heisst: Entsagung!'

.Nimmer, nimmer!'

»«ÄÄ bcn Bicomte, meinen Vater, würde ich fip“" M den frommen Schwestern,' fuhr fort. Dann setzte sie sich be- H '^ ist unmöglich geworden, man s^V^a^ oon der heiligen Stätte — auch «hii Friedens ist entweiht. Fluch dieser h»r LinhL^ ^u Etienne treibst auf den Wellen Stihffl S X schloss sie, die Augen mit den auf den Stuhl niedersitzend. ^^drwurs traf ihn bis inS Herz Dass gerade Ä h Är^e“ »mbte! .. . Unwillkürlich hnnL1 1 Ä w* als Knabe bot be: Ma- Äü ftüsjen^E ^u Saum ihres Kleides mit

I zeichnete Musketier Robert, Heinrich, Louis Streng der 11. Compagnie 2. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 32 hat sich am 9. September 1889 Abends gegen 6 Uhr ohne Urlaub aus dem Unterkunftsort Hildburghausen entfernt und ist der Fahnenflucht dringend verdächtig.

Alle resp. Militär- und Civilbehörden werden deshalb dienstergebenst ersucht, nach dem 2c. Streng zu recherchiren, ihn betreffenden Falls festzunehmen und an die nächste Militär-Behörde behufs Weitertransports nach Meiningen abliefern lassen zu wollen.

Signalement: Geburtsort und Kreis: Saalseld Kreis Saalfeld, Religion: evangelisch, Alter 221/li Jahre, Profession: Schleifer, Größe: 1,66 m, Haare: schwarz, Stirn: niedrig, Augenbrauen: schwarz, Augen: schwarz, Nase: spitz, Mund: breit, Bart: kleinen schwarzen Schnurrbart, Zähne: vollzählig: Kinn: rund, Gesichtsbildung: rund, Gestalt: schlank, Sprache: deutsch. Besondere Kennzeichen: keine.

Bekleidung: 1 Feldmütze IV. Grt., 1 Halsbinde IV. Grt-, 1 Waffonrock IV. Grt., 1 Drillichhose II. Grt., 1 Paar Schnürschube, 1 Leibriemen mit Säbeltröddel, 1 Seitengewehr Nr. 112, 1 Hemd, 1 Unterhose.

U. O. Hildburghausen, 13. September 1889. Commando des 2. Thüringischen Infanterie- Regiments Nr. 32.

Mitte Mai und October findet alljährlich in dem mit dem Hessischen Diakonissenhause ver­bundenen Seminar zur Ausbildung von Klein- ktnderlehrerinnen (Kindergärtnerinnen) die Auf­nahme neuer Zöglinge statt. Der Cursus des Seminars ist einjährig.

den Cursus, Unterricht etnge-

Die Pension für ! . . . schlössen, beträgt 830 Mark.

Anfragen sind zu richten:

An den Vorstand des Diakonissenhauses bei

Caffel. Poststation Wehlheiden.

.Reich' mir die Hand Atwse zur Rückkehr!' rfei er in wrldem Schmerz, .und ich werde wieder sein wie ich war.'

.Als — Schwester? Gern! Ich habe immer meinen Bruder in Dir gesehen, Etienne. O, es wird alles gut werden!'

.Und Dein Herr, Deine Seele, Deinen — Leib, wem w 111 Du sie geben? Ein anderer wird sie be ätzen! Wer ist es A.mee, sprich!'

Aimör schwieg in Verlegenheit. Trotz der Ent­sagung, welche der Augenblick von ihr forderte, konnte sie nicht aushören mit aller Kraft des Lebens noch au? eine bessere Zukunft zu hoffen. Welche Gestalt diese Zukunst habe, war ihr gleichgültig, wenn nur Gras Hohnstein den Mittelpunkt bildete. Zeit und Raum, was sind sie für eine treue Liebe?

.Ich verlache Deine zahme Liebe!' brauste Erkenne von neuem auf. »Ihr bleibt meine Schuldner!... O, ich werde sie dereinst ein- treiben, meine Schuld, sei es im Leben oder —' die Thür ging auf, Madeletoe trat ein.

.Abr seit im Dunkeln bet einander, meine K.nder?' rief He, selbst im MondUcht ihre Gäste erkennend. .Ich ahne, Ihr habt miteinander auS den Kinderzeiten geplaudert, oder Euch Märchen erzählt? Wollen sie Madeleine verlassen, nun so eilig Mademoiselle?' frug sie Almse, die sich erhob, indem sie schnell die Lampe am Kaminseuer ent­zündete. Als Antwort ergriff die Bicomtesie nur die weite Hand ihrer einstigen Ernährerin, u« sie

Kaisertage in Hannover

Hannover, 13. September. Die große Parade des X. Armeecorps ist auf das Glän­zendste verlaufen. Die Truppen waren in zwei Treffen aufgestellt. Se. Majestät der Kaiser, welcher große Generals-Uniform trug, ritt zu­nächst die Front der Truppen ab und ließ die- selben sodann zweimal an sich vorüber defiliren. Ihre Majestät die Kaiserin, in weißem Reitkleid mit den Farben und Abzeichen des Kürasstr- Regiments Königin (Pommersches) Nr. 2, be- gleitete Se. Majestät zu Pferde. Seine König­liche Hoheit der Prinz Albrecht als General- Inspecteur der 1. Armee-Jnspection kotoyirte das ganze Corps und führte das Hannoversche Füsilier Regiment Nr. 73, sowie das Braun- schweigische Infanterie-Regiment Nr. 92 und das Braunschweigische Husareu-Regiment Nr. 17, der Großherzog von Oldenburg das Oldenburgische Infanterie Regiment Nr. 91 und das Olden- burgische Dragoner-Regiment" ^. 19, Prinz Balduin von Flandern ,4ü 2. Hannoversches Dragoner-Regiment Nr. 16, Feldmarschall Prinz Georg von Sachsen das Altmärkische Ulanen- Regiment Nr. 16 und der Chef des Generalstabes Graf Waldersee, das 1. Hannoversche Ulanen- Regiment Nr. 13, bet welchem derselbe ä la satte steht, bet Sr. Majestät vorüber. Das militärische Schauspiel währte drei Stunden. Von den dicht­besetzten Tribünen sah^ein reicher Damenflor Zuschauern Aufstellung

besetzten Trib. , , demselben zu, während Tausende von das ganze Feld umrahmten. Die der Truppen auf dem sanft ansteigenden Gelände bot einen prächtigen Anblick. Der russische Großfürst Thronfolger, welcher die Uniform des 1. Westfälischen Husaren-Regiments Nr. 8 mit dem Bande des Schwarzen Ablerordens trug, wohnte der Parade zur Linken Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm bei. Se. Majestät der Kaiser, welcher nach der Parade dem Chef des X. Armee- corps, General der Infanterie von Caprivi,

rasch zu drücken. Dann trat sie zur Thür hinaus, in das SalbOuntel der Mondnacht. Wie von Furten gehetzt eilte sie die Parkwege hinab, big zur nächsten Settenpforte des Schlosses.

Wieder war fast ein Jahr vergangen. ,

Die Revolution schritt weiter, unaufhaltsam. Zuweilen freilich schien sie eine Pause zu machen, em Band allpemetner Verbrüderung schien plötzlich König und Bolk w'e eine einzige grosse Famsiie zu umschlingen und dem gebeugten Lande eine schönere Zukunft zu versprechen. Aber plötzlich wieder erhob sie das Gorgonenhaupt. alles ver- Iteinernd was sie aaschaute! Und noch ehe mau aus der Betäubung erwacht war, brauste sie weiter, und blutiger, immer blutiger ward ihre Spur!

Die Tuckerten waren längst nichts mehr als das Gcfängnttz der KöntgSfamilte. Dennoch kostete eg Marie Antoinette viele Ueberredungskünste, ehe eg ihr gelang, den König zur Flucht zu bewegen. Tag um Tag waren sie den Demüthigungen, ja selbst pöbelhaften Rohheiten ausgefetzt gewesen, durch welche die Revolution mehr und mehr ihre wachsende Feindseligkeit gegen die mouarr ische Regterungsgewalt auedrückte, wie sehr dieselbe auch bereits ihrer Gewalt entkleidet war. Endlich teilte sich das erniedrigte Königthum aus der trop ofen Geiangeufchast retten, um nach feiner Sicherstraung t» Auslande den Kampf gegen seine Feinde aus«