holt auf das Enthusiastischste. Den Thee nahmen die Allerhöchsten Herrschaften im Theater ein.
Faktische Aachrichten.
Gutem Vernehmen nach werden an den Kaisermanövern bei Minden, Hannover und Springe theilnehmen: Die Militärvevollmächtigten Oesterreichs, Italiens, Frankreichs, Rußlands und Japans. Außerdem treffen bereits in Minden ein: Prinz Albrecht von Preußen, die Großher- zoge von Hessen, Oldenburg und Weimar. Der Prinz Carl von Schweden, Prinz Balduin von Flandern, Prinz Max von Baden, die Fürsten von Lippe und Schaumburg-Lippe, der Erbprinz von Schaumburg-Lippe, Prinz-Feldmarschall Georg von Sachsen, Fürst Hohenlohe-Langenburg, sowie der Großfürst-Thronfolger von Rußland mit den Generalen Mußin Puschkin und Frederiks. Bei den Manövern wird auch als Gast Commerzienrath Krupp zugegen sein.
Die „Nordd. Allg. Ztg." bezeichnet die Nachrichten betreffend den R ü ck t r i t t des Finanz- ministers v. Schloz als müßige Erfindungen. Herr v. Scholz sei augenleidend und habe zur Wiederherstellung seiner Gesundheit einen längeren Urlaub angetreten. Von einem Rücktritt des Ministers sei in amtlichen Kreisen nichts bekannt.
Der Bundesrath wird seine regelmäßigen Sitzungen wahrscheinlich schon Mitte d. M. wieder beginnen, zu welcher Zeit vielleicht schon eine Reihe Specialetats vom Reichshaushalt 1890/91 vorliegen werden.
AufAntrag des Reichscommissars Hauptmanns Wißmann soll ein juristischer und ein kaufmännischer Beirath nach Ostafrika entsendet werben. Als ersterer ist der bisher im Auswärtigen Amt beschäftigte Affeffor von Buri ausersehen, der in Kürze die Reise zu Hauptmann Wißmann antreten wird.
Ueber die Peterssche Emin-Ex- p e d i t i o n sind aus englischen Quellen sehr ungünstige Nachrichten verbreitet. Auch von deutscher Seite wird behauptet, daß der Marsch ins Innere, der angeblich schon Mitte Juli von Witu aus erfolgte, in Wirklichkeit noch nicht angetreten wurde; es habe sich nur um eine Recognoscirung gehandelt, bei welcher Dr. Peters ernste Conflicte mit den Eingeborenen gehabt habe. Sichere Nachrichten sind abzuwarten. Einstweilen erweckt es den Anschein, als ob die Expedition in der That nicht genügend vorbereitet gewesen sei. Man würde dann entschieden besser gethan haben, die Mittel für die Aufgabe Witz- manns zu verwenden, wozu auch das Comits von maßgebender Seite, aber ohne Erfolg, angeregt worden war.
Ueber die Rückkehr der überlebenden Mannschaften des „Adler" und d e s „E b e r" wird aus Kiel unter dem 7. d. Mts. gemeldet: Die abgelösten Mannschaften S. M. Kreuzer „Adler" und S. M. Kanonenboot „Eber" sind Nachmittags 2 Uhr hier eingetroffen und vom Viceadmiral Knorr sowie dem Officiercorps begrüßt worden. Eine tausendköpfige Menge hatte sich bei der Ankunft eingefunden und geleitete die Angekommenen im Triumphzuge nach dem Schloßhof, wo S. K. Hoheit Prinz Heinrich eine Ansprache an dieselben hielt. S. K.
Kellner ein GlaS Landwein bestellte. Der Plan, den er verfolgte, verlangte, daß er fich als einstiger Spielkamerad und Vetter der Vicomteffe zu erkennen gab.
Etienne machte große, erstaunte Augen, und schien seinerseits den Baron jetzt auch zu erkennen. Daß es nicht früher geschehen, war ihm selbst unbegreiflich, da er fich eigentlich fortgesetzt mit dem Baron in Gedanken beschäftigte. Mußte er nicht Aimse'S Galten in demselben sehen? Zwar schien seine Mutter ganz genau das Gegentheil zu wiffen, aber seine Eifersucht glaubte ihr nicht. Freilich schien der Baron stark verändert in der mehrjährigen Zeit, wo er ihn nicht gesehen hatte. Das Haar war ungepudert, dazu trug er weder ein höfisches, noch wilitairtsches Abzeichen — so sah er aus wie ein junger Pariser Bürger, der einen Spazierritt auf das Land gemacht bat.
„Sie werden natürlich b:e politische Laufbahn weiter verfolgen nach diesem ersten glücklichen Schritte!" fuhr Alphons von Cav'guac fort.
In Etievve's sprechendem Antlitz spiegelte fich jetzt Haß und leidenschaftliche Abneigung. Das Auge blitzte Zorn als er entgegnete:
„Die Wege des Bürgers Marchaud und des Barons Caviguac werden fich niemals finden l*
„Pah, wir treiben alle mit der Fluth!" „Hoffentlich ohne jemals einander zu berühren!" ,34 verstehe Ihr Mißtrauen, Bürger Marchaud, eS ist ein doppeltes!"
„Möglich
„Pas Kind des Volkes haßt den Edelmann in
Hoheit führte darin aus, es sei den Heimkehrenden vergönnt gewesen, in hervorragender Weise und in herrlichem Maße ihre Pflicht im Auslande zu erfüllen; sie hätten sich als brave Söhne des Vaterlandes und als Deutsche von echtem Schrot und Korn gezeigt und nicht allein im blutigen Kampfe mit dem Feinde, sondern auch im Kampfe gegen die Elemente ihre Treue bis in den Tod bewährt; er halte sich daher für berechtigt, die Kameraden vom „Eber" und vom „Adler" im Namen Seiner Majestät des Kaisers, der oft mit ihm von ihnen gesprochen, und welcher jeden wahrhaft tapferen Mann wie seinen Sohn lieb habe, zu bewillkommnen.
(Frankreich.) Die Manöver des 6. französischen Corps, welches bekanntlich zunächst der deutschen Grenze stationirt ist, werden diesmal von den militärischen Fachkreisen in Frankreich mit ganz besonderer Aufmerksamkeit beobachtet, weil der Commandeur Miribil, ein wichtiges organisatorisches Experiment anstellt. Es ist ihm nämlich noch eine dritte Infanterie- Division beigegeben worden, welche aus einer Brigade Marinetruppen und fünk Jägerbataillonen zusammengesetzt ist, und soll es in der Absicht der obersten französischen Heeresleitung liegen, den Effectivbestand sämmtlicher Armeecorps auf drei Divisionen zu bringen. — Boulanger hat es jetzt ziemlich schlau angefangen, um mit Anstand von Frankreich fernzubleiben. Er richtete nämlich ein Schreiben an Tirard und verlangt darin, vor ein Kriegsgericht gestellt zu werden. Sowie ein solches zusammengetreten sei, werde er sich demselben ungesäumt stellen. Da man nun mit einem Angeschuldigten, der schon Ver- urtheilte! ist, nicht über den Gerichtshof verhandelt, vor den er gestellt werden soll, so hat die Schrift Boulangers selbstverständlich keinen praktischen Erfolg.
(Rußland.) Den „Daily News" wird aus Odessa gemeldet: „In unterrichteten Kreisen ist das Gerücht im Umlauf, daß ein Bündniß zwischen Rußland und Frankreich im nächsten Frühjahr förmlich angekündigt werden wird. Es sind, wie es ferner heißt, auf Seiten Rußlands Gründe vorhanden, den endgültigen Abschluß des Bündnisses bis nach Ablauf dieses Jahres zu verschieben, obwohl der Vertrag im Geiste, wenn nicht im Buchstaben bereits thatsächlich besteht. Inzwischen ist für gewisse mögliche wichtige Fälle Fürsorge getroffen." Das würde nicht überraschen! — Mittheilungen aus Kiew zufolge wurden vorige Woche 15 Studenten der Universität, darunter 13 Polen, verhaftet. Einer derselben, Namens Zaremba, ist Oester- reicher. Die Verhaftung dieser nihilistis cher Umtriebe Verdächtigen steht in engem Zusammenhänge mit der kürzlich in Charkow erfolgten Verhaftung von 40 Studenten, größten- theils Polen. Unter den russischen Studenten herrscht gegenwärtig große Panik, da man auf die Spur einer weitverzweigten Verschwörung gegen das Zarenreich gekommen sein soll. Die Studenten aller Facultäten werden jetzt polizeilich überwacht. — Am 31. August wurde in S e b a st o p o l unter großen militärischen Feierlichkeiten das Denkmal, der beim Sturm auf die Festung gefallenen Franzosen enthüllt. Ein französisches Kriegsschiff, der „Pereil", dem die
mir, der Jugendfreund der Vicomteffe von Mervtlle
— den zukünftigen Gatten . . . ."
„Sie reden die Wahrheit!" gestand Etienne offen.
„Leider werde ich dieser Gatte niemals sein!"
Ueber Etieune's schönes Antlitz fuhr ein Freuden- strahl — sein Empfinden war augenscheinlich zu lebhaft, um sich verbergen zu lassen. Also war er doch recht berichtet von der Mutter?
„Wir waren für einander erzogen — es war bestimmt worden im Kreise unserer Verwandten, daß die Vicomteffe Baronin Cavignac werden sollte, gleich nachdem sie aus dem Kloster trat ... .*
„Die Revolution änderte den Plan?" frug Etienne hochgespannt, indem sein Blut in Wallung gerieth. Durfte er wirklich noch hoffen?
„D'e Revolution verschob die Ausführung des Planes — weiter nichts. Die Hauptsache bleibt die Person der Vicomteffe selbst ....."
„Sie weist Baron Cavigvac zurück?"
„Ihr Herz gehört einem andern!"
„Einem —andern?" jauchztees in Ettenne's Brust.
Baron Cavignac weidete sich einen Augenblick an dem Entzücken des jungen Mannes, da er die Möglichkeit besaß, ihn um so tiefer zu treffen, und antwortete nicht.
„Einem andern — wer ist es?"
„Ein unbedeutender deutscher Graf, besten Bekanntschaft d'e Vicomteffe zufällig machte. Sie müssen fremd geworden sein in der Hetmath — wiffen Sie wirklich kein Wort?"
„Ich hörte davon sprechen, einmal, zweimal," sagte er tonlos, „aber —"
türkische Regierung zu diesem Zwecke die Ein-; fahrt ins Schwarze Meer gestattete, wohnte der Feier bei.
(Amerika.) Die Repräsentantenkammer des Staates Connecticut hat auf Vorlage des Senats einstimmig ein Gesetz angenommen, nach welchem Kindern unter 16 I a h r e n das Tabakrauchen verboten ist. Es war der ursprüngliche Zweck des Gesetzes, gegen das in Amerika sehr überhand genommene und besonders gefährliche Cigarrettenrauchen jüngerer Personen einzuschreiten; der betreffende Ausschuß hat indessen die Vorlage auf den Gebrauch des Tabaks in jeder Form ausgedehnt. _____________
Aus Provinz und Nachbargebiet.
tz e r s f e l d, den 9. September 1889,
* Falsche 50-Markscheiue sind (nach Angabe der „O. B. Z.") in den letzten Tagen in Berlin, Dresden und Görlitz in Umlauf gesetzt worden. Auch in einem Bunzlauer Bankgeschäft wurde ein falscher bO-Markschein angehalten. Bei dem Falsifikate sind die Fasern durch Zeichnung nachgeahmt.
* Ein warnendes Beispiel für Raucher dürfte folgender Vorfall sein. Bor einiger Zeit verbrannte sich ein Fleischermeister in Landeck mit einer Cigarre seine Unterlippe. Ohne weiter darauf zu achten, rauchte er, wie bisher, seine Cigarre ohne Spitze weiter. Doch schon nach einiger Zeit schwoll die Unterlippe ganz unförmlich an. Da alle dagegen angewandten Mittel nichts halfen, unterzog er sich in Breslau einer Operation der Lippe. Leider aber hatte auch diese Operation aus die Dauer nicht den gewünschten Erfolg, da eine Blutvergiftung durch Nikotin vorlag. Unter schrecklichen Schmerzen erlag vor wenigen Tagen der im besten Mannesalter stehende Fleischer seinem Leiden.
* Nach dem „Hamb. Corresp." ist man au amtlicher Stelle mit der Frage beschäftigt, ob eS sich empfiehlt, in Deutschland eine einheitliche Zeitrechnung einzuführen. Die süddeutschen Bundesstaaten besitzen bereits jeder für sich eine einheitliche Zeitrechnung; im übrigen Deutschland enthalten die für das Publikum bestimmten Fahr- Pläne und Fahrbücher die unter sich verschiedenen Ortszeiten aller einzelnen Stationen, wogegen die Dienstfahrpläne der Eisendahnverwaltungen meist nach Berliner Zeit ausgestellt sind. Dieser Zustand ist angeblich für die Pünktlichkeit «MSicherheit des Eisenbahnbetriebes nachtheilig.
* (K ü u st I i ch e r Kaffee.) Im Jahresbericht der Handelskammer von Münster t. W. lesen wir: „Nach Mittheilung der landwirthschaft- lichen Versuchsstation wird neuerdings mit großer Dreistigkeit und beispielloser Reclame von Köln a. RH. aus ein Kunstkaffee empfohlen, der vorwiegend aus Weizenmehl hergestellt, mit Syrup, Dextrin oder dgl. versetzt und in gebranntem Zustande von echtem Kaffee mit bloßem Auge kaum zu unterscheiden ist."
* Am Sonnabend tagten in Cassel im Pa'aiS- Restaurant die Thterärzte des diesseitigen Regierungsbezirks. Der Verein desselben besteht jetzt gerade 25 Jahre, welches Ereigutb gleichzeitig gefeiert wurde.
* „Wenn die Schwalben heimwärts zieh'nl- — Schon haben — ungewöhnlich zeitig — die
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„Sie glaubten es nicht — Sie suchten Ihren Feind an anderer Stelle?" ging der Baron immer kühner auf das Ziel los.
Etienne schwieg zufttmmend.s
„Sie sind in einem begreiflichen Irrthum befangen gewesen!"
„Jst's möglich!"
„Es ist gewiß!"
„Dieser deutsche Graf, was thut er hier! O, Frankreich muß aushören, Hospttalität zu üben!" rief Etienne in ausbrechendem Zorn.
„Er genießt das Vertrauen der Oesterreicherin, ich ahne, daß sie ein geeignetes Werkzeug in ihm gefunden hat und ihn zu ihren Zwecken benutzt...."
„Sie müssen alle von der Erbe vertilgt werden, diese Aristokraten, alle, alle! O, der National- convent hat Recht!' ___ (F. f.)
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