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Hersskliiel Kreislililtt.

Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illugrirtes Auterhallungsblatt".'_________

Nr. 106. Donnerstag den 5. Scptcmicr 1889.

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* Die Parisn Writansstelinng.

Weltausstellungslüsterne Leute und Zeitungen in Deutschland fühlen sich durch den Erfolg der Pariser Weltausstellung bedrückt. Sie haben die Parole erfunden, daß diese Ausstellung für Deutschland und die deutsche Industrie eine „Niederlage" bedeute, welche so bald als möglich wieder gut gemacht werden müsse. Frankreich . habe durch sein großes Unternehmen einen solchen Vorsprung erhalten, daß die deutsche Industrie < nicht nur den Schaden, sondern auch den Spott davon tragen werde. In Folge dessen gebe es für letztere kein anderes Mittel, als so schnell wie möglich eine Weltausstellung in Berlin zu veranstalten.

; „ Ueber dieses Project selbst wollen wir hier I kein Wort verlieren. Aber energisch müssen wir gegen die grundlose und haltlose Behauptung , Protestiren, daß die deutsche Industrie irgend welche Ursache habe, die Pariser Weltausstellung ; als eine Niederlage für Deutschland anzusehen. Es mag immerhin sein, daß die Franzosen in Folge ihres diesjährigen Unternehmens ihr Ab­satzgebiet etwas erweitern werden; ebenso wollen I wir die Möglichkeit nicht in Abrede stellen, daß x sie Tüchtiges auf industriellem Gebiet geleistet und manche Scharte ausgewetzt haben. Aber

sicherlich haben sie hiermit die Welt nicht aus I den Fugen gehoben und auch den Wegen der Industrie und des Absatzes keine neue Richtung gegeben. In keinem Falle aber ist die deutsche Industrie durch eine Ausstellung, auf der sie nicht betheiligt war, „geschlagen" worden. So leicht werden auch auf wirthschaftlichem Gebiete Schlachten nicht geschlagen und noch weniger ist auf diesem Gebiete eine Verurteilung in absentia oder in contumaciam möglich. Diejenigen, welche die Lorbeeren der Pariser Ausstellung nicht schlafen lassen, sind gar nicht im Stande, ein Urtheil über den Voriprung, den angeblich Frankreich nunmehr haben. Loll, zu fällen. Die von ihnen ausgegebene Parole ist zum Mindesten eine gedankenlose und nur aus einer Art von Ausstellungswuth erklärlich.

Die deutsche Industrie braucht in der Thatsich weder durch die angeblichen Erfolge der Pariser Weltausstellung, noch durch die Wehrufe einiger unternehmerischer Köpfe ins Bockshorn jagen zu lassen. Sie hat keinen O^uM zum Leide, denn die bisherige Entwickelung der beiderseitigen In­dustrien ist eine solche, daß Deutschland sich des­halb noch lange nicht bedroht zu fühlen braucht. Man vergleiche nur folgende Zahlen.

Im Jahre 1887 belief sich der Gesammtwerth der deutschen Ausfuhr auf 3190,1 Millionen Mark oder 20,4 Procent des Werthes der Aus­fuhr der wichtigsten Industrieländer (England, Deutschland, Vereinigte Staaten, Frankreich, Oesterreich, Ungarn,. Belgien und Schweiz), Frankreich hatte dagegen nur eine Ausfuhr von 2655,5 Millionen Mark, oder 16,9 Procent.

Weiter erwähnen wir nur beispielsweise, wie sich die Concurrenz Frankreichs und Deutschlands auf dem belgischen Markt entwickelt hat. Während Frankreich früher hier dominirte, hat Deutschland neuerdings solche Anstrengungen gemacht, daß sich der Absatz Frankreichs nach

Belgien namhaft verringerte, während der belgische Markt immer mehr deutsche Fabrikate aufnimmt. Beispielsweise — diese Zahlen hat jüngst die „Hamb. Börsenhalle" gebracht — ist die Papiereinfuhr Frankreichs vom Jahre 1874, wo sie 777 735 Francs betrug, auf 581168 Francs im Jahre 1887 heruntergegangen, während die­jenige Deutschlands sich von 710207 Francs auf 3 353 934 Francs gehoben hat! Die Ein- fuhr fertiger Kleidungsstücke aus Frankreich nach Belgien verringerte sich in den bezüglichen Jahren von 3 441887 Francs auf 2672817 Francs, die­jenige aus Deutschland hob sich von 833587 auf 2 646 066 Francs.

Genug mit den Zahlen! Sie greifen nur Einiges aus dem Verkehrsleben heraus, sie sind aber für das Verhältniß der beiden Industrien charakteristische Symptome. Und dieser Ent­wickelung soll die Pariser Weltausstellung mit einem Male Halt geboten, ja sogar sie in ihr Gegentheil verwandelt haben? Credat Judaeus Apeüal g , ,.________________________

Komische Nachrichten.

Se. Majestät der Kaiser hat sich am Mon­tag in das Manöverterrain derGarde begeben, um zunächst bet Guben einer Gefechts­übung der 1. Garde-Jnfanterie-Division und der Garde-Cavallerte-Division und sodann bei Züllichau einem Manöver der 2. Garde-Jnfanterie-Division beizuwohnen. Nach einer Meldung aus Götzmtz fand die Uebung der beiden erstgenannten Divisionen, die mit der Erstürmung der Kummet- titzer Höhen endete und der Se. Majestät mit gespanntestem Juterefie folgte, bald nach 12 Uhr ihren Abschluß. Beide Divisionen formirten sich dann sofort, um bet Sr. Majestät dem Kaiser, die Infanterie in Regimentscolonne, Cavallerte und Artillerie im Galopp vorbeizumarschiren.

Mit der Fluth.

Novelle von Zoe von Reuß.

» (Fortsetzung.)

Waren sie von sich zu weisen, oder waren sie anzunehmen? Sie hatte die Oeürrreichertn niemals geliebt und immer die Ausländerin in ihr gesehen. Trotz ihrer angeborenen Leicht- »bigkeit war Marie Antoinette in einem Familienkreise ausg. wachsen. der die französische Mmtreflenwtrthschast verurtheilte. Ebenso durch- schaute ihr klarer Verstand die HöflingSschaar, die die gewöhnliche Umgebung deS Dauphins und nachmaligen KönigS bildete, und ihr Uebermuth «ud ihre Spottlust ließen sie dieselben keineswegs Äonen. tu®a8 Mte Baronin von Cavignac zu ««^a^kömitztzn Feindin der Königin gemacht, hatte ihrem vom Voltatre'jchen Geiste be- trtumhhir^ dem Bicomte von Merville, einst «18 er fein Pamphlet ^lurnrn^Ltr^ tn Trianon" ebenso wie

1 welches letztere die Morgen- SbÄeM geißelte, waren lange h^rmnAt^ r^ der Baronin. Umsoweniger Sm^in»« Abreisen, daß der Bicomte gegen- Un^ dton geändert zu haben schien . . . K™» be^ 1* 611 basier k^^etster und die Bäckermeisterin OTen das Brod vertheueru, der Herzog von SdM Sh^ S ?°^"' um es unter das Potl zu -ertheilest! fuhr Baron Cavthuae fort,

„Man spricht bereits davon, ihn zum Abgeordneten von PariS bet dem Nationalkonoente zu ernennen!"

„Daß der Herzog ehrgeizige Pläne hegt, ist kein Geheimniß," gab die Baronin zu. „Ob er sie erreicht? Nun, die gegenwärtige Zeit ist un­berechenbar! .... Wie aber berühren sich die Ansichten des Herzogs mit denen der Cavignac's?"

„Er muß sich zuerst eine Partei bilden, nein, zwei," erklärte Baron AiphonS. „Sein Radikalismus sichert ihm eine Partei deS Pariser Pöbels. Ob dieser Radikalismus echt ist — hahaha: das ist gleichgültig! .. -. Aber er bedarf auch einer Partei unter dem Iranzösischen Adel--*

„Sicherlich!" gab die Baronin zu.

„Indem er mich mit seiner Gunst beehrt, fordert er mich auf, mich seiner Partei anzuschließen I" warf sich der Baron in die Brust.

„Und Du?"

„Nun ich verpflichtete mich keineswegs — bis jetzt wenigstens. Aber ich werde versuchen, ihm einstweilen zu dienen!" sagte Baron Alphous. „Gestehen Sie, Madame, daß sie überrascht find von meiner, meiner —"

„Deiner Klugheit, Deiner Schlauheit!" ergänzte die Baronin die Rede. „Wahrlich ich fange an stolz zu werden aus die Talente meines Sohnes!"

Der junge Baron lächelte geschmeichelt.

„Ich brauche Dir äußerste Vorsicht kaum zu empsehlen, tm Verkehr mit dem Herzog. Er besitzt viele Feinde, verdient und unverdient."

„Einerlei, gleichgültig ... Die Hauptsache ist.

daß ihm die Mt des Pöbels den Weh bahnt

zum Throne, das andere wird stch finden. Ich weiß sehr wohl, daß dieser Weg voll Gefahren ist und gehe ihn nur um künftigen Lohn. Vorerst gilt eS den Herzog zu verpflichten. Dies ist auch der Grund, weshalb ich ihn heute Abend in den Jakovinerklub begleiten werde!"

„E-u Cavignac tu den Jacobinerclub — wohin ist es gekommen?" rief die Baronin entsetzt.

„Das Chaos ist vollständig in Frankreich, eS gilt eben nur stch auf der Oberfläche erhalten! Ich gestehe, daß ich mich sehr ungern zu dieser Begleitung verstand."

„Sicherlich l"

„Jmmerhm kann ich nicht anders. Darum pardon, Madame, wenn ich Sie jetzt verlast«. Es ist nothwendig, daß ich meine Toilette ent­sprechend verändere um unerkannt zu bleiben. ES wird künstig zwei CaviguacS geben: einen Baron Cavignac und einen — Bürger Cavignac^ meinte der junge Mann mit Selbsttroate.

„Du wagst viel!" sagte die Baronin erschrocken und mit aufrichtiger mütterlicher Sorge. Wahrlich der Herzog von Orleans wird den Cavignac's ihre Ergebenheit tür seine Person dereinst königlich lohnen müssen!"

Baron AlphonS nickte nur mit dem Kopse, alS Zeichen, daß er diesmal die Ansicht seiner Mutter vollständig theile. Dann ging er, um stch durch seinen Kammerdiener für den Jacobtmrciuv „masktren" zu lasten.

XIV.

Mit dem Ausbruche der Revolutiöst Hattest si^