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* Eine allgemeine Ermäßigung der Personen- Tarife soll dem Vernehmen nach in AuSsicht stehen, welche sich an die im Juli 1872 in Cassel abgehaltene Tarif-Conferenz anlehnt. Danach soll die IV. Wagen­klasse mit Holzbänken versehen werden, wobei jedoch aus die Unterbringung von Tragkörben Bedacht genommen ist. Die Sitzplätze der III. Classe erhalten einen Lederbezug, während die I. und II. Classe eine Veränderung nicht er. fahren. Wagen IV. Classe werden nur in die Localzüge und in solche durchgehende Personen,üge eingestellt, die er- fahrungigemäß viel von der Arbeiter-Bevölkerung benutzt werden. Die Nachtschnellzüge sollen nur I. und II. Classe führen. Die Gewährung von Freigepäck abgesehen von dem üblichen tarisfreien Handgepäck kommt in Wegfall. Dagegen wird der Frachtsatz für je 10 ko und 1 km i / Psg,, bei dem geringsten Satz von 20 Psg, herabgesetzt. Eine Regelung bei Fahrgelde« für die vier Wagenclassen einschließlich des Ausschlags bei Schnellzügen steht ebenfalls zu erwarten. Die zusammenstellbaren Rundreiseheste und Rundreisekarten bleiben jedoch hiervon ausgeschlossen, die bttzherige Preisermäßigung bleibt auch ferner gewahrt. Die Ermäßigung für besondere Fälle (j. 8. für Saison- und Sonntagssahrkarten) bleibt den Einzelverwaltungen über­lasten. Mit der allseitigen Durchführung dieser Vorschläge wird wohl die Grenze der zulässigen Fahrpreisermäßigung erreicht fein.

* Derjenige, welcher eine Wechsel­verbindlichkeit übernommen hat und im Wcchselprozsß in Anspruch genommen wird, hier aber den Einwand erhebt, daß er noch unter väterlicher Gewalt stehe, hat seinerseits den Beweis dessen zu führen, und zwar mit den Beweismitteln des Uakundenproccfses. Urtheil des Reichsgerichts, I. C v-l-Senat, vom 6. Juli 1889.

(Welches Gewicht hat die Nahrung des Menschen?) Ein berühmter Arzt hat zur Kurzweil ausgerechnet, daß ein siebzig Jahre alter Mann während seiner Lebenszeit mit den von ihm genossenen Nahrungsmitteln (festen und flüssigen) I zwanzig Eisenbahngüterwagen ausfüllen kann. Rechnet man den Raum eines solchen Wagens nur zu vier TonS ä 1000 Kilogr., so ergiebt dies eine Last von 80000 Kilogr. und stellt man dieser Last die 25550 Lebenslage des Siebzigers gegenüber, so kommt man zu dem Resultate, daß der Greis im Durchschnitt täglich ungefähr 3 Kilogr. 200 Gr. an Speise und Trank zu sich genommen hat. Diese tägliche Nahrung ändert sich natürlich je nach dem Alter; das Gewicht beträgt in der Kindheit und im Greisenaller täglich etwa 2'/., Kilogr. und im Mannesalter S1^ bis 4 Kilogr. Diese Zahlen sind keineswegs übertrieben, denn die medicmischen Statistiker bestätigen, daß die feste und flüssige Tagesnahrung der Soldaten, Seeleute und Arbeiter im Durchschnitte sogar das Gewicht von 4J/2 Kilogr. übersteigt.

* Dem Forstmeister Kayser zu Wächtersbach ist der Kronenorden vierter Classe verliehen.

* (Briefe in Frachtsendungen nach Oesterreich,) Nachdem die österreichische Post­behörde das Betsügen von Briefen in Fracht- sendungen als eine Benachtheiltgung des Postfiskus erklärt hat, sind die österreichischen Zollämter angewiesen worden, die Frachtsendungen im Hin­blick auf etwaige briefliche Einlagen schärfer als bisher zu untersuchen und behufs empfindlicher Bestrafung zur Anzeige zu bringen.

£ Hersfeld, 27. August. Aus unserer Nach- Karstadt Eschwege geht uns von zuverlässiger Quelle die Mittheilung zu, daß die dortigen städtischen Behörden aus freien Stücken beschlossen haben, die Lehrergehälter in zeitgemäßer Werfe aufzubessero. Das Anfangsgehalt soll hiernach 1200 Mark betragen, von 5 zu 5 Jahren um 200 Mark steigen bis zum Moximalsatz von 2200 Mark, der mit 25 Dienstjahren zu erreichen ist. Das rühmliche Vorgehen der Stadtbehörden zu Eschwege verdient allgemein bekannt zu werden,

+ Widdershausen, 27. August. Am Sonntag Nachmittag gegen 3^/z Uhr brach in der mit Futter- vorräthen angefülllen Scheune des Acker­manns Courad Zinn dahier Feuer aus, welches so rasch um sich griff, daß die Scheune nebst Stallgebäude, sowie die angrenzenden Gebäulichkeiten des Handelsmanns Aron Katz bestehend tu Wohnhaus, Scheune und Stallung und das Wohn­haus der Erben des Jacob Werner ein Raub der Flammen wurden; auch wurde die Scheune des Ackermanns Conrad Nuhn stark beschädigt. Die dem 2C. Z'nn verbrannten Futtervorräthe hatten einen Werth von 3500 Mark und waren nicht versichert.

Cassel, 26. August. Zur Messe war äußerst weutg Leder zugeführt. Für Sohlleder von ^ Luxemburg sollen dieselben Preise, als zur Frühjahrsmesse erzielt, Ober- und Bacha- Am dagegen etwas geringer bezahlt worden sein. DaS Geschäft ging recht lebhaft von statten.

Frankfurt a. M., 26. August. Ueber einen hier siallgehabten Raubm or b bringt betGeneralanzeiger" folgende Einzelheiten: Da« Opfer ist der etwa 40jährige Beamte de« Tiesbauamte« Hermann Eliner, dem seine Hausgenossen das Zeugniß eines foliden, etwa« zu Sonderlmgimanieren neigenden Junggesellen geben, der längsten« Abend» um 10 Uhr zu Hause zu sein pflegte. Gestern hatte er eine Partie in den Stadtwald gemacht f»nd, wie ci scheint, von der Louis« kemmend, den Wart-

weg eingeschlagen, welcher am Forsthause mündet. Etwa

300 Schritt vom östlichen Eingang entfernt, wurde er von Einem ober Mehreren offenbar von Hinten überfallen und mit Messerstichen auf das Jämmerlichste zerstochen. Ein Stich im Nacken, der die Schlagader getroffen, ist als Ur­sache der Todes zu betrachten. Die Leiche wurde von dem Tagelöhner Georg Nikolaus heute Morgen um halb acht Uhr auf dem Gesicht liegend, aufgefunden, die Fäuste krampf­haft über die Brust geballt, in einer großen Blutlache liegend. Eine Visitation beS Todten ergab die Qualität des Morde« al« Raubmord. Werthsachen fanden sich keine vor. Portemonnaie und Uhr waren verschwunden und nur ein Visttenkartentäschchen mit Karten, die die Be­zeichnung:Hermann Elsner, Techniker, Oppenheimer- straße 34", trugen, ein Taschentuch, ein Kämmchen und sonstige Kleinigkeiten wurden bei der Leiche gefunden. Elsner hatte von den Mordgesellen nicht weniger al« 8 Stiche in den Kopf, den Hal«, die Schultern, den Rücken und die Hände erhalten. Ueber die Thäter fehlen zur Zeit noch alle AnhaltSpunkte. Die Thatumstände sprechen voll­ständig gegen die Annahme, daß ein Racheakt vorliege. Die Blutthat ist und bleibt ein brutaler Raubmord.

Frankfurt, 25. August. Drei junge Kaufleute spielten «emeinschaftlich ein Loos der preußischen Klassenlotterie. Bet der letzten Ziehung fiel ein Gewinn von 3000 Mark auf dasselbe. Der Be­trag konnte aber bis jetzt nicht erhoben werden, weil derjenige der Theilnehmer, welcher das Loos verwahrte, inzwischen verstorben ist und das werth, volle Legitimationsmittel in feinem Nachlaß nicht gefunden werden kann.

Frankfurt, 25. August. Einem Amerikaner wurde auf dem Bahnhof Appenweier in dem Augen­blick, als er den Eisenbahnzug nach Frankfurt be­steigen wollte, von zwei unbekannten Männern eine Brieftasche mit 1000 Lst. englischen Banknoten und und Mk. 1400 deutschen Papiergeldes aus der i Brusttasche gestohlen.

Vermischtes.

Berlin. Von einem erschütternden Schicksal ist die Familie des Fuhrherrn Lindemann, Linien- Kratze heimgesucht worden, die an ein und dem­selben Tage von zwei schweren Unglücksfällen, deren jeder sich außer Verbindung mit dem anderen zu- trug, getroffen wurde. Der Fuhrherr L., ein im Norden Berlins sehr bekannter Mann, fuhr vor einigen Tagen außerhalb Berlins mit einem American, das er selbst lenkte, spazieren, wurde an der Verbindungsbahn durch ein Scheuen der Pferde vom Bock geschleudert, fiel unter die Räder eines gerade vorüberfahrenden, schwerbeladenen Mehlwagens, die über ihn hinweggingen, und wurde sofort todtgefahren. Auf die Nachricht von dem geschehenen Unglück eilte d'e Tochter des L., die an einen Fuhrherrn B. verheirathet ist, mit ihrem Manne sofort nach dem Hause des ver­storbenen Vaters, ihren einzigen Sohn, einen sechs­jährigen Knaben, in der eigenen Wohnung zurück- lastend. Während der Abwesenheit der Eltern vergnügte sich der Knabe im Zimmer mit Turn­übungen, versuchte u. A. auch Kopf zu stehen, überschlug sich dabei und brach das Genick, so daß er auf der Stelle verstarb! Von der Leiche des verunglückten Vaters wurden Tochter und Schwiegersohn durch einen Boten, der ihnen die zweite Eaisetzensnachricht meldete, zu der Leiche des verunglückten eigenen Kindes abgerufen! Das traurige alte Sprüchwortein Unglück kommt nie allein" hat sich h er in herbster Weise bewährt.

Apolda, 25. August. An einem Abende letzter Woche verweilte die junge Frau eines hiesigen angesehenen Bürgers in ihrem Garten, als ihr plötzlich eine kleine Fliege ins Auge flog. Sie beachtete dies Anfangs nicht weiter, doch wie erschrak sie, als sie andern Morgens beim Auf­wachen auf diesem Auge nicht sehen konnte. Sie wurde von ihren Angehörigen sofort nach der Halle'schen Klinik gebracht, wo ihr jedoch leider mitgetheilt wurde, datz die Sehkraft des Auges vernichtet, ja eS noch ungewiß fei, ob das andere Auge zu retten sein werde. Es wurde Ver­giftung der Sehnerven constatirt.

Erfurt, 25. August. Bei der letzten Ziehung der Köntgl. preußischen Lotterie lasen zwei hiesige Bürger ihre Nummer mit einem Gewinn von 1500 Mark. Der eine legte gleich ein Faß Bier auf, der andere steckte verschiedene größere Rechnungen ein, um sie sofort zu berichtigen. Aber als sie zu dem Lotterte-Collecteur kamen, erfuhren sie, daS Loos sei nur mit dem Einsatz gezogen, der Gewinn war ein Druckfehler.

O t t m a ch a u, 24. August, Der Hand­schuhmacher Mrotz hierselbst hatte sich beim Ras treu im Gesicht unbedeutend geschnitten. Um das Bluten zu verhindern, hatte er etwas weiches Leder darauf gelegt. Es trat Blut­vergiftung ein, der er nach furchtbaren Leiden erlegen ist.

A l t o n a. Ein Act unerhörter Bosheit ist hier kürzlich verübt worden. Als am Morgen zwei Malergesellen sich mittels der Stellage nach dem vierten Stock eines Hauses am Neuenwall winden wollten, bemerkten sie, daß die zu beiden Seite« befindlichen Taue fast gänzlich durchschnitten

waren. Die beiden Leute wären also sicher vom vierten Stock herabgekürzt, wenn sie nicht recht­zeitig den unerhörten Frevel bemerkt hätten.

Binge». Einem Bahnarbeiter gerieth während des Entladens eines Waggons ein Holz­splitter in den Finger, welchen er sofort entfernt zu haben glaubte. Wenige Tage später traten jedoch Symptome von Starrkrampf ein. Der be­handelnde Arzt fand, als er eine Operation vor- nahm, dicht am Knochen des zweiten Gliede» den abgebrochenen Theil des Splitters, aber der Wund­starrkrampf war schon zu weit vorgeschritten und der bald darauf erfolgende Tod erlöste den Ver­letzten von seinem schweren Leiden.

Bremen, 26. August. Die Rettungs­station Wangeroog der deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger telegraphirt: Am 26. August von der hier gestrandeten Tjalk »Gerhardine", Capitän Pollmann, mit Petroleum von Gerste- münde nach Groningen bestimmt, zwei Personen durch das Rettungsboot »Großherzogin Alice von Hessen" gerettet. Das Schiff ist verloren.

Hintrrdur. Am 21. August war da« reitend gelegene Bad Hinterdux oberhalb Mayrhosen im Hinteren Zillerthal in Tirol der Schauplatz »ine« H»rz- erschütternden Drama«. Drei Abiturienten aul Innsbruck im Alter von 1719 Jahren waren von Matret an der Brennerbahn durch da« NaviSthal gestiegen und hatten in der Dunkelheit den Weg nach Hinterdux verfehlt. Der eine gelangte jedoch zum Ziele und meldete den Ab­sturz feiner beiden abseits von ihm den Weg suchenden Freunde. Sogleich eilten die Söhne beS Vadewirthe« Herrn Kirchler mit Hilf«mannschasten zur Alpe hinaus, wo bie Senner den einen bereit« todt, den andern schwer ver­wundet gefunden hatten. Die Verunglückten sind dir Brüder Anton und Eduard Scorpie au« Jnnibruck.

Bad Gasteto. Nachdem es ununter­brochen geregnet hatte, herrschte am 24. August im Thale heftiger Schneefall.

Der neue transatlantische Postdampfer, welchen die Antwerpener Red Star Linie bauen läßt, ,wurde am Donnerstag auf der Werft von I. <6 G. Thomson in Glasgow vom Stapel gelassen und »F r i e s l a n d" getauft. Das Schiff, ein Biermaster, ist für den Dienst zwischen Ant­werpen und N e w - A o r k bestimmt, mißt 450' Länge, 51' 3" Brette, 38' Tiefe, bet circa 7000 Tonuengehalt, gehört somit zu den größten Oceandampfern. Die Einrichtungen sind auf 328 Kajüten- und circa 1000 ZwtscheudeckS-Paflagtere berechnet. Als Material ist Siemens-Martin Stahl verwendet worden.

Athen, 27. August. Gestern wurden heftige Erderschütterungen wahrgenommen, die sich über ganz Griechenland erstreckten. Dieselben haben im Allgemeinen nur Schäden ohne Bedeutung verursacht, ausgenommen auf PatraS und in Missolonghi, wo einige Häuser eingestürzt, andere schwer beschädigt sind. Menschenverluste sind nicht vorgekommen.

-(An der Nase.) »Nicht wahr, Mama, wenn man sich schämt, wird man roth." »Ja, mein Kind." »Aber warum schämt sich der Onkel immer nur an der Nase?"

(EinSpecificum gegenHusten.) Vielen Collegen, so schreibt ein Lehrer in der landwirthschaftlichen Beilage der »Preuß. Lehrer­zeitung", wird es gewiß angenehm sein, ein specifische» Mittel gegen die verschiedenen Arten des Husten» kennen zu lernen. Nicht nur in meiner Familie, sondern auch bei meinen Schülern ist es mir ge­lungen, durch ein äußerst einfaches und billiges Mittel, Husten, sogar den Keuchhusten, in wenigen Tagen zu heilen. Gewöhnlich heißt eS bet dem Keuchhusten:Derselbe muß seine Zeit haben, gegen den gibt es kein Heilmittel." Meine Er­fahrungen widersprechen indeß dieser Behauptung. Das Spec'ficum gegen den Husten ist ein Thee von Haserftroh, der sich selbst in der ärmsten Hütte beschaffen läßt. Derselbe wird folgender­maßen hergestellt: Man schneidet das trockene und reine Stroh von gemeinem Hafer (Avena sativa) zu Häcksel und kocht diesen in etwas Wasser ab. ES bildet sich ein bräunlicher Thee, dessen Farbe etwas heller auSsteht als die des schwarzen Kaffee». Setzt man etwas Zucker zu, so wird der fade Geschmack desselben beseitigt. Der lästigste Husten wird durch dieses einfache Mittel, wenn man Morgens und Abends eine Obertasse voll trinkt, oft schon in 3 bis 4 Tagen geheilt. Dieser Thee hat außerdem den Vorzug vor anderen Heil­mitteln, daß er in jedem Alter wohlthuend wirkt. Selbst gegen den Kehlkopfs- und Rachenkatarrh dieses so häufig bet den Lehrern vorkommende Uebel wird der tzaferstrohthee mit Vortheil angewandt.

Gegen schmerzhafte Durchfälle im Sommer, die meist durch Erkältung entstehe», erweist sich in den meisten Fällen der Kampfer­spiritus, alle Viertelstunden 5 bis 8 Tropfen auf Zucker genommen, als Hülsreich. Dies ist auch das beste VorbeugungSmittel gegen die Cholera, wie zahlreiche Erfahrungen in England, Italien «nh Amerika bewiesen haben.