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Herssel-er Kreisdiiitt.
__________Mit wöchentlicher Kratis-Atilage ^Istustrirtes Nuterhaltuugsblatt-.
Nr. 103. Donnerstag den 29. August 1889.
Aöonnemcnts-ßinladung.
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Hersfewer Kreisvlatt mit ver wöchentliche« Gratis-Beilage „Jlluftrirtes Unterhaltungsblatt" für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und voy der Expedition angenommen.
Amtliches.
Cassel, den 24. August 1889.
Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung vom 3. l. M. wird auf Grund des §. 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und auf Grund des §. 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 weiter angeordnet, daß die Jagd auf Fasanen- Hennen am 14. September d. Js. ihren Anfang nimmt.
Namens des Bezirks-Ausschusses. Der Vorsitzende.
J. V.: (Unterschrift)
B. A. 2228.
* * *
Abschrift vorstehender Bekanntmachung erhalten Euer Hochwohlgeboren zur gefälligen weiteren Publikation.
Der Vorsitzende des Bezirks-Ausschusses.
I. V.: von Hauteville.
An dieKöniglichenHerrenLandräthe desBezirks.
*
Hersfeld, den 26. August 1889.
Wird veröffentlicht.
8038. Der Königliche Landrath
Freiherr von S ch l e i n i tz.
Mit der Fluth.
Novelle von Zoe von Reust.
(Fortsetzung.)
XI.
Ein Jahr war hingegangen unter den Wechsel- fällen einer neuen in der Entwickelung begriffenen Staatsform.
Vicomte von Merville hatte das Schloß noch nicht wieder verlassen, seit er es am Spätabend des 14. Juli betreten hatte. Der Plan, in's Aus- land zu gehen, den er sicher verfolgt haben würde, wenn er seine Befreiung der Gnade ver Königin verdankt hätte, war von ihm aufgegeben worden. Er liebte sein Vaterland mit allem Stolz eines Aranzosen von Geblüt. Erschrocken steht er den Fortschritten der Revolution gegenüber, mit wachsender Sorge hört er das Brausen des entfesselten Aurwes, der au den Grundpfeilern der gesellschaftlichen Ordnung rüttelt und sie zu brechen droht. Das Herz des alten Edelmannes iß tief bewegt, aber fein Kopf bleibt philosophisch genug, u« zu erkennen, daß die Begebenheiten nicht eigentlich das Werk der Menschen des gegenwärtigen Augenblicks, sondern aus dem Schooße der Jahrhunderte hervorgegangen sind. Aber diese Er- kenntntß gerade ist es, welche seine Sorge ber* doppelt.... Unmöglich vermag er sich jetzt von Frankreich zu trennen.
Atmäe bleibt seine treue Gesellschasterin. So |Mo sie Nfletvagder p Schloß Merville da
* Die monarchische Gesinnung.
Ein Berliner Blatt constatirte neulich mit Recht, daß die monarchische Gesinnung seit den sechziger Jahren in unserem Volke wesentlich gewachsen sei und an Breite und Tiefe zugenommen habe. In der That hat das kräftige und weise Regiment des hochseligen Kaisers Wilhelm in Verbindung mit der von den glänzendsten inneren und äußeren Erfolgen begleitet gewesenen Politik unseres großen Staatsmannes das monarchische Bewußtsein allenthalben gehoben. Hatte im Anfang der sechziger Jahre der demokratisch-freisinnige Gedanke in den Gemüthern so die Oberhand gewonnen, daß man von dem Königthum nichts mehr erwarten zu dürfen glaubte und alle seine Hoffnungen auf die Erweiterung der parlamentarischen Macht richtete, so kann diese Gesinnung jetzt geradezu für einen überwundenen Standpunkt erklärt werden. Unserer geschichtlichen Entwickelung und insbesondere dem Wirken Kaiser Wilhelms 1. haben wir es zu verdanken, daß die damals von den Idealen des Liberalismus auch in Bezug auf die Staatsform angekränkelten politischen Kreise bekehrt und zu der Ueberzeugung von der Nothwendigkeit und Heilsamkeit eines starken königlichen Regiments gelangt sind, während auch die früheren Anhänger des Königthums neue kräftige Impulse zu dem Bekenntniß ihrer Gesinnung erhalten haben und überall mit Wort und That davon Zeugniß ablegten.
Sehr wesentlich hat hierzu die That der Errichtung des deutschen Reichs betgetragen. Dem Kaiser, der die nationalen Ideale verwirklicht hatte, flogen die Herzen auch derer zu, die früher in den aus Frankreich stammenden staatsrechtlichen Theorien der politischen Weisheit letzten Schluß erblickten. Auch die letzten Tage dürften der monarchischen Gesinnung neue Stützen zuge-
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schönes, stilles Jahr verlebt, trotz des nahen Kampfes. Als Baron Cavignac bet dem Vater seiner Cousine seine Werbung erneute, fand er sich zwar nicht abgewiesen durch den Vicomte, aber doch auf die Zukunft vertröstet — wenn Ruhe und Sicherheit zurückgekehrt sein würden! Der Wunsch der Tochter, bet dem Vater bleiben zu dürfen nach der jahrelangen Trennung, hatte jedenfalls bet dieser Entschließung den Ausschlag gegeben. Merkwürdigerweise schien Baron Cavignac dieselbe wie ein persönliches Unglück zu empfinden, und ward dringender in seiner Werbung. Der Grund davon konnte nur in dem Umstände zu suchen sein, daß die fortschreitende Revolution er- schreckend schnell mit allen Feudalrechten gebrochen hatte und schon im Begriff stand, durch einen Beschluß der Nationalversammlung die Güter des Adels und der Geistlichkeit als Staatsgüter etnzu- ziehen. Aiwäe's von ihrer Mutter ererbtes, bedeutendes Baarvermögen war aber schon vor Jahren von dem weitblickenden Vater sicher im Auslande angelegt worden.
Der Vicomte, eine vornehme Männererscheinung von vollendetem Aaftavde und edelgeschnittenen Gestchtszügen, saß in seiner Bibliothek, die neben den Klassikern vorzüglich die Werke seiner einstigen Freunde, der Eucyciopädisien, enthielt, und hielt ein Zeitungsblatt in der Hand. Ader die klugen Augen blickten in's Leere, er sah aus, als ob er über etwas nachsinne. Endlich ergriff er die silberne Glocke, um seinen Kammerdiener Pierre zu läuten.
«Ritfe dir BieoMje^
l führt haben, seitdem unser Kaiser die Reichslande ! besucht und in den wiedergewonnenen Landestheilen als der Repräsentant der Macht und Herrlichkeit des Reichs erschienen. Nicht minder haben seine Reisen nach Süddeutschland und England zur Kräftigung der nationalen und somit auch zugleich der monarchischen Gesinnung beigetragen. Wer heute fest auf dem Boden der nationalen Gesinnung steht, ist Dank der Thaten und Handlungen des großen Kaisers wie seines Enkels zugleich ein Bekenner für das König- und Katserthum, — das ist die schönste Frucht der politischen Gedankenarbeit unserer Kaiser!
Ein freisinniges Blatt hat nun aber die oben erwähnte Behauptung unter Hinweis auf die Zunahme der Socialdemokratie bestritten. Bet den letzten Wahlen (1887) wurden allerdings im ersten Wahlgang 365 327 socialdemokratische Stimmen abgegeben, gegen 24 025 im Jahre 1871, nachdem sie 1884 bis auf 537 310 gewachsen waren. So unerfreulich diese Entwickelung sein mag, so ist sie doch an sich kein Beweis. Denn die Stimmen der Nationalen Parteien fallen weit schwerer in's Gewicht. Aber es soll nicht geleugnet werden, daß die Unzufriedenheit in den von der Socialdemokratie beeinflußten Massen und somit auch der Mangel an monarchischer Gesinnung bei diesen seit 1871 größer geworden ist. Wie aber die Wahlen von 1887 für die Socialdemokratie schon erheblich ungünstiger verliefen als 1884, so darf der Hoffnung Raum gegeben werden, daß auch in Zukunft in den Arbeiterkreisen eine Umkehr wahrzunehmen sein wird. Die von der Krone in Angriff genommene Socialpolitik wird ganz nothwendiger Weise auch hier Pionierdienste für das monarchische Bewußtsein verrichten, wie dies schon in manchen Fällen hat beobachtet werden können. Die Fürsorge für die Arbeiter wie die intensive Thätigkeit für eine gedeihliche Entwickelung der Wirth-
Zehn Minuten später erschien Aimüe in dem neben der Bibliothek belesenen Arbeitszimmer des Vicomte. Der Vater stand auf, um ihr entgegen zu gehen. Nachdem er sie zärtlich auf die Stirne geküßt hatte, geleitete er sie als Kavalier auf ein sammtnes Tabouret, das jederzeit in seinem Arbeitszimmer für sie bereit stand.
»Sie ließen mich rufen, mein Vater!"
»Ich möchte mit Dir plaudern, mein Kind! Die Zeitung bringt Neuigkeiten aus der Ferne!".
»Aus Paris S"
»Nein, von jenseits der Vogesen. Die auSge- wanderten Brüder des Königs, die Grafen von Provence und Artois, nebst Prinz Coudü, sammeln ein Heer an der Grenze, um gegen ihr Vaterland zu ziehen. Marschall Broglio wird den Befehl übernehmen!"
»Die Nachricht beunruhigt Sies"
»Ja, mein Kind! Denn auch deutsche Fürsten werden sie unterstützen. O, mein armes Vaterland, nun droht Dir auch noch die Geißel des KriegeS!•
A müe schwieg und seufzte nur.
»Freilich, kann es schlimmer werden als eS bereits ist? Der Hexensabbath zu PariS . . . ."
Die Rede des V:comte ward unterbrochen durch den Eintritt Pierre's. Er meldete: »Bürger Marchand."
Die Stirn des Vicomte umwölbte sich unwillkürlich, der Besuch schien ihm kaum willkommen. Aim6e erbleichte leicht und zog sich in den Hintergrund zurück. Indessen schien sich der Vicomte I schnell St ammelt zu habe« und wWe eivzutrete«,