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Httsstl-tr Kreisblatt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllnstrirtes Nuterhaltungsölatt".

Nr. 102. Dienstag den 27. August 1889.

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Amtliches.

Gefunden: eine Peitsche. Meldung des Eigen« thümers bet dem Ortsvorstand zu Obergeis.

s Der Schlosser Friedrich Adalbert Schulze.

Zu den verschiedenen erläuternden Schriften, welche über das Juvalidttäts« und Altersver- sicherungs'Gesetz bereits erschienen sind und den Zweck verfolgen, den Millionen durch dieses Gesetz versicherten Personen das Verständniß desselben zu erleichtern, hat sich auch noch ein von den Reichstagsabgeordneten Gebhard und Geibel herausgegebenerFührer durch das Jn« validitäts- und Aliersversicherungsgesetz" gesellt. Das 172 Seiten umfassende Luch bezweckt namentlich, durch eine gemeinverständliche Dar­stellung des Inhalts des Gesetzes auf die wei­testen Volkskreise belehrend elnzuwirken. Neben den Gründen, welche für die im Einzelnen ge­troffenen Einrichtungen des Gesetzes maßgebend gewesen sind, werden die Bestimmungen über die Aufbringung der Beiträge und die Berechnung der Renten durch Beispiele erläutert, wie das tägliche Leben sie bietet. In einem Schlußab-

s^nill nlipr wird der Lebensaana eines! fehlt hätte, wieviel weniger er im Stande gewesen wäre, ^ ^1^ wie er mit se.n-r si-ch-n Frau, welche durch Näharbeiten nur

deutschen r o e l I e r S ge cyrroerr, wie er o verdienen konnte, zu leben, ohne darben zu müssen, sich, auch unter weniger günstigen äußeren Per- un^ wieviel schwerer er e« gehabt hätte, seine beiden Söhne hältnissen, durch die Wirkungen des Gesetzes jo weit zu bringen, daß sie jetzt alS Handwerler ihr Brot

o weit zu bringen, daß sie jetzt als Handwerler ihr Brot elbst zu verdienen im Stande sind, das bedarf keiner weiteren Ausführung. Seine Frau starb 1935. Der älteste Sohn hatte sich, 26 Jahre alt, eben selbständig ge. macht und verhelrathei. BeithmverbrachteEchulze die letzten fünf Jahre seine« Leben«,ohne da« drückende Gefühl haben zu müssen, seinen Kindern zur Last zu leben und ihnen die Gründung bei eigenen Hautstandes und die Erlangung eigenen, bescheidenen Wohlstände« durch die Bürde der Sorge für einen erwerbsunfähigen und vielfacher Pflege bedürftigen Vater zu erschweren. Er selbst hatte zwar nicht daS erreicht, was er im Besitze guter gewerblicher Kenntnisse und beseelt vom besten Willen erreichen zu können gehofft hatte; aber er war doch trotz der erlittenen schweren Schicksal«schläge bewahrt geblieben vor der äußersten Noth. Bewahrt hatte ihn aber davor die gesetzliche JnvaltditätS-und Alter«. » er > ich erungi Der Segen derselben zeigte sich zu der Zeit, von der wir schreiben, jährlich an Hunderttausenden von Fällen im Deutschen Reiche; er war für jeden klar, der hin Auge nicht absichtlich der Wahrnehmung der wohl, thätigen Wirkungen de« Gesetze«, betreffend die Javalidi. tät«- und Altersversicherung vom 22. Juni 1689, ver­schließen wollte. Leute solcher Art sollen ja wohl ein halbe« Jahrhundert früher und noch unmittelbar vor dem Inkrafttreten deS Gesetze« vorgekommen sein unser Friedrich Adalbert Schulze erinnerte sich noch in seinen späten LebenStagen, daß er in seiner Jugend abfällige Urtheile über dasselbe gehört und oft vernommen hatte, daß solche besonder« in Zeitungen häufig zu lesen gewesen wären aber jetzt, zu der Zeit, von der wir erzählen, der Zeit des Todes von Friedrich Adalbert Schulze, kann man sich k aum vor fte ll r n, daß «Sjesolcht Leute gegeben habe.

Die Verfasser des Buches greifen damit der Ansicht der Nachwelt um 50 Jahre vor. Wir meinen, daß es einer so langen Frist kaum bedürfen wird, um die Unentbehrlichlett sowohl wie den Segen jenes GesetzesJedermann aus dem Volke' hinlänglich klar gemacht zu haben. Ebenso wie schon heute nach fünf Jahren Nie-

künftig gestalten wird. Fr edrtch Adalbert Schulze tritt am 1. April 1891 in Braunschweig bei einen Schlosser in die Lehre. Nach beendigter Lehrzeit wandert er in Deutschland herum, wird krank, zeitweilig arbeitslos, er genügt seiner Militärpflicht und geht dann als Maschinen- schlosser auf einem Schiff nach Ostasten. Nach seiner Rückkehr verheirathet er sich mit einem ebenfalls versicherten Dienstmädchen, welches nun von dem Rechte Gebrauch macht, die selbstge- zahlten Beiträge zurückzufordern. Dies erweist sich jedoch als thöricht, denn die Frau wird nach einiger Zeit invalid und würde daher bet kurzer Fortsetzung der Versicherung aus eigenen Bei­trägen Anspruch auf eine erhebliche Rente gehabt haben. Schulze hat sich inzwischen als selbstän­diger Schlossermeister niedergelassen und setzt als solcher die bis dahin für ihn obligatorische Versicherung freiwillig fort. Er wird zeitweilig Invalide und erhält eine vorübergehende Rente, welche auf Grund seiner 21 Quittungskarten mit 196 Mark 88 Pfennige jährlich berechnet wird. Später ist er wieder arbeitsfähig, hat jedoch am 1. Juli 1925 das Unglück überfahren zu werden. Er kommt mit dem Leben davon, wird aber dauernd Invalide und beansprucht nun seine Rente, die in den verschiedenen In­stanzen verschieden bemessen und endlich auf jährlich 222 Mark 92 Pf. festgesetzt wird, die er bis zu seinem am 20. Juli 1940 erfolgenden Tode bezieht. Ein kleiner Erwerb ist ihm dabei als Nebenverdienst geblieben. Weiter erfahren wir über Schulze aus dem Buche noch Folgendes:

Wie wichtig die Rente sür ihn und die Seinigen nach Lage der Verhältnisse war, wieviel größer das Ungemach der Familie Schulze gewesen wäre, wenn ihm dieselbe ge-

Mit der glitte

Novelle von Z08 von Reuß.

(Fortsetzung)

Auch die Drechslerwerkstatt des Herrn Bernard, des geschicktesten Meisters von Paris, in der Rue Passarge, stand verlassen. Die Gehülfen waren nicht zur Arbeit gekommen, der Meister selbst stand mit der Morgennummerdes vom Deputaten Hebert herausgegebenen Scandalblalts .köre Duch^sne* in der Hausthür und blickte neugierig aus die Straße hinaus, deren Physiognomie sich immer mehr veränderte. Auch Elienne hielt es nicht mehr im Hause die angefangene Arbeit bet Sene schiebend, eilte er die Straße hinab.

Das Getümmel ward immer stärker, bald ward der junge Handwerker nur noch geschoben. Dennoch gelang es ihm endlich, an einer Straßenecke stehen zu bleiben, um die A'fische Camlle Desmoulins 8« lesen. Sie lautete:

_ -Bürger von Paris!

.Der Liebling des französischen Volkes, Necker, ist schändlich entfernt worden! Wer von Euch weiß, wo er sich befindet? Er soll Paris verlassen haben, wer aber hat es gesehen?

Man hat Grund, anzunehmen, daß man Eure Wachsamkeit getäuscht hat! Wer sagt, daß er sich nicht auch tu der Bastille befindet, diesem Orte der Giwalt, Knechtschast und Tyrannei.

Bürger von Paris: Freiheit oder Tod!'

Freiheit oder Tod! klang es als Antwort auf die ausreizenden, eben erst angehefteten Worte aus den

Reihen der Umstehenden. Der Ruf ward aus­genommen und weitergetragen und tönte bald rings im Kreise, lauter und immer lauter, bis er zum Donner des Weltgerichts wurde! Freihe.t oder Tod! klang eS bald aus Paris über den Erdball hinüber!

Auch Elienne fühlte sich bald aus dem Geleise gerissen, das WortBastille' griff tn seine Seele. Er dachte an Arms;, deren Gedanken, Wünsche und Hoffnungen täglich den Vater dort hinter den düstern Zwingmauern der Beste aussuchten. Noch immer hatten sie sich nicht geöffnet für den Bicomte, trotz der Versprechungen des Königs. Indem er sich mit leidenschaftlicher Sehnsucht Aimses er- innerte, kam es von Neuem über ihn, wie Haß gegen den König .... Da kam ihm ein Hause Pöbel entgegen, der an dem Sturm gegen das dem Stadthause nahe belegene Zeughaus Theil genommen hatte. Einem bartlosen, aber kecken Knaben daS erbeutete Spielzeug hinwegreißend, ergriff er die Pike und stürmte weiter. Wohin es gingl Er dachte nicht daran und war schon im Begriff, stehen zu bleiben und umzukehren, als ihn der RufNach der Bastille!' auf's Neue vorwärts trieb. Bewußt, gesammelt, mit Absicht folgte er jetzt dem Haufen und stand bald an besten Spitze, vorwärts drängend und gedrängt bis zum Lastillenplatz. Dort drängte sich seit einer Stunde Kopf an Kopf, was noch un« bewaffnet war, empfing triumphirend die Waffen der geplünderten Zeughäuser. Die Erregung stieg von Minute zu Minute und ward znr Trunkenheit und Raserei,

Auch in Elienne Marchand lebte nur noch eine einzige Empfindung. Dort, hinter den finstern Mauern, schmachtete der Bicomte, und er hatte der Geliebten verspätn, tun zu betreten.

Freiheit oder Tod!' riet er mit Stentorstimme, um abermaliges tausendfaches Echo zu finden. Dazu fielen die ersten Flintenschüsse zehn Minuten später knallte es von allen Seiten.

Daß das Bollwerk nicht davon erschüttert werden konnte, bedachte im Augenblicke Niemand selbst der Commandant Delaunay nicht. Selbst wenn man Kanonen aus fuhr, hätte es längere Zeit W.derftand bieten können. Zwischen Muth und Schwäche schwankend, erfüllte es den Commandanten hauptsächlich mit Sorge, daß sein Bollwerk schlecht verproviantirt war und daß bei der Unzuverlässtg- kett der Truppen nicht auf Entsatz zu rechnen war. Die Besatzung, aus zweiunddreißig Schweizern und zweiundneunzig Invaliden bestehend, hatte bald allen Math verloren und drang auf Uebergabe, nachdem man ein Paar Salven gegeben hatte. Delaunay wußte die Sache hinzuziehen bis fünf Uhr Nachmittags, wo die Uebergabe wirklich erfolgte unter dem Bersprechen, daß Niemand ein Leid ge­schehen sollte.

Die eisernen Thore öffneten sich schwer und knarrend, man drang mit wildestem Ungestüm ein. Auch tönen abermals Flintenschüsse woher fie kommen weiß Niemand. Aber sie sind das Signal zu neuem heiligeren Blutvergießen das Ge- metzel beginnt von Neuem.

Elienne Marchand ist einer der ersten innerhalh