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__________Mit wöchentlicher Kratis-Aeilage „Illustrirtes IluterhattuugsölatL".
Nr. 101.—Sonnabend den 24. August 1889.
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Hersfelder Kreisdlatt
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„Jttustrirtes Unterhaltungsblatt"
für den Monat September werden von allen Kaiserlichen Postanstalten, Landbriefträgern und von der Expedition angenommen.
Amtliches.
Des Kaisers und Königs Majestät haben der Münchener Künstler-Genossenschaft mittelst Allerhöchster Ordre vom 29sten v. Mts. die Erlaubniß zu ertheilen geruht, zu der in Verbindung mit der diesjährigen Münchener Kunstausstellung zu veranstaltenden, von der Königlich Bayerischen Staatsregierung genehmigten Ausspielung von Kunstwerken und Kunstwerkö-Reproduktionen auch im diesseitigen Staatsgebiete und zwar im ganzen Bereiche desselben, Loose zu vertreiben.
Die unterstellten Polizeibehörden werden hiervon mit der Aufforderung in Kenntniß gesetzt, den Vertrieb der Loose im hiesigen Regierungsbezirke nicht zu beanstanden.
Cassel, den 13. August 1889.
Der Regierungs-Präsident.
I. A,: Kochendö r f f e r.
Hersfeld, den 22. August 1889.
Für den am 6. September 1868 zu Wüstfeld geborenen Weißbinder Christian Eiche ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsverbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht worden.
7892. Der Königliche Landrath
Freiherr von Schletnitz.
Kaiscrtage in StragSurg.
Straßburg, 21. August. Die große Parade vor Ihren Majestäten dem Kaiser und der Kaiserin ist bei kühlem Wetter glänzend verlaufen. Im ersten Treffen waren 29 Bataillone, im zweiten Treffen 20 Schwadronen, 72 Geschütze und ein Trainbataillon aufgestellt. Der Generallieutenant Kühne, Commandeur der 31. Division, commandirte die Parade, der eine zahllose Zuschauermenge beiwohnte. Die Tribünen waren von ca. 6000 Menschen dicht besetzt, einige siebzig Kriegervereine hatten den Truppen gegenüber Aufstellung genommen. Se. Majestät der Kaiser, der die Uniform der Gardes-bu-Corps trug, ritt die Front der Paradeaufstellung ab, von Ihrer Majestät der Kaiserin in offenem Vierspänner gefolgt, worauf ein zweimaliger Vorbeimarsch stattfand. Nach Beendigung der Parade fuhr Ihre Majestät die Kaiserin nach der Stadt zurück, Se Majestät ritt an der Spitze der Fahuencomp^nie untex enthusiastischen Ovationen der zahllosen Menge zurück nach dem
Kaiserpalaste.
I Reichslande mit einem dreifachen Hoch will- i kommen. Gegen Ende der Tafel erhob sich Se.
Majestät der Kaiser und sprach etwa Folgendes:
„Ich danke für den herzlichen Empfang, den Ich hier gefunden. Ich bin zum dritten Male in Straßburg und kann sagen, die Stadt heimelt Mich an. Ich fordere Sie auf, mit Mir zu trinken auf das Wohl der Reichslande Elsaß-Lothringen, der Stadt Straßburg und des Statthalters und seiner Gemahlin."
Der Toast, den der Statthalter Fürst Hohenlohe bei dem heutigen Diner auf Ihre Majestäten den Kaiser und die Kaiserin ausbrachte, hatte folgenden Wortlaut. „Ich bitte Eure Majestät, mir zu gestatten, Allerhöchstdieselben im Namen des Reichslandes ehrfurchtsvollst und herzlich begrüßen und dies Glas auf das Wohl Euerer Majestät und Ihrer Majestät der Kaiserin erheben zu dürfen. Meine Herren! Ich fordere Sie auf, mit mir einzustimmen in den Ruf: „Seine Majestät der Kaiser und Ihre Maiestat die Kaiserin, ^.r leben hoch!"
Ihre Majestäten der Kaiser und die Kaiserin wurden, als Allerhöchstdieselben am Mittwoch Abend 9 Uhr das Stadthaus betraten, vom Statthalter Fürsten Hohenlohe, vom Bürgermeister Back, sowie von dessen Gemahlin und den Gemahlinnen des Staatsraths Klein und des Reichstagsabgeordneten Petri empfangen. Die Tochter des Bürgermeisters Back überreichte einen Blumenstrauß. Hiernächst wurden Ihre Majestäten vom Gemeinderath begrüßt. Der Kaiser und die Kaiserin ließen sich sodann die Bürgermeister aus den Landortschaften, die Geistlichkeit und die Lehrerschaft, die städtischen Beamten, die Staatsbeamten und die zahlreich erschienenen hervorragenden Persönlichkeiten aus der Stadt und Umgegend vorstellen. Auch der Großherzog von Baden, der Kriegsminister Verdy du Vernois und der Chef des Generalstabes der
Straßburg, 21. August. Zu dem Diner bei dem Statthalter Fürsten Hohenlohe waren 65 Einladungen ergangen. Se. Majestät der Kaiser, Allerhöchstwelcher die Uniform des Leib- Garde-Husaren-Regiments trug, saß zwischen Ihrer Majestät der Kaiserin und der Gemahlin des Statthalters Fürsten Hohenlohe. Links von Ihrer Majestät der Kaiserin hatte der Großher- zog von Baden Platz genommen. Sr. Majestät dem Kaiser gegenüber saß der Statthalter Fürst Hohenlohe zwischen dem commandirenden General des 15. Armeecorps, General der Cavallerie von Heuduck und dem Gouverneur von Straßburg, General-Lieutenant von Lewinski. Kurz nach Beginn des Diners erhob sich der Fürst Hohen- lohe und hieß die Majestäten Namens der
Mit der Fluth.
Novelle von Zoo von Reuß.
_ (Fortsetzung.)
„Das ist vorbei,» sagte Etienne traurig. „Ich wünschte, sie fragte nach dem erwachsenen Etienne," setzte er scharfsichtig hinzu ....
„Thut ste auch — mehr als nach dem kleinen," berichtete Madeleine weiter. „Sie bewundert Dich und lobt Dich, daß Du so geschckt geworden bist, daß sogar der König von Frankreich Dich zu seinem Lehrmeister gemacht habe! Aber da ist sie selbst!"
In der That war die junge Vicomteffe soeben eingetreten. In dem nieor.gen Thürrahmen stehend erschien sie größer, voller, reifer. Das Pompadour- Neid war fast überreich mit Schleifen geziert. aber kurz genug, um das entzückende Füßchen sehen zu lassen. Das M>eber war hochgeschnürt und zeigte die tadellose Büste, in deren tiefem Ausschnitt sich eine halberblühte Rose barg. Den weißen, schön- geformlen Hals umschlang ein Sammtband, an welchem ein Dtamantkreuz befestigt war, wie eine letzte, liebe Erinnerung an die abgelegte Kloster- kieldung. , Das Haupt umschlang ein kostbarer Spitzenschleter, durchsichtig genug, um den Glanz ^"unkelu Augen wie einzelne Lichtstrahlen hin- durchblicken zu lassen. Da sie ihn nur gegen die Abendkühle umschlungen hatte, wars sie ihn beim Eintreten zurück.
„Ihr kommt aus Parts, Etienne? Endlich!" sagte ste, sich sogleich in Madeleine's Lehnftuhl »irheriaffend, während der junge Handwerker vor
ihr stand, demüthig wie ein Sklave. „Wie ich mich freue, Euch zu sehen, von Euch zu hören ..."
Der junge Handwerker verschlang das schöne Bild mit Entzücken. Ihre Güte war für ihn förmlich berauschend.
„Längst erwarte ich Euch — "
Madame Madeleine warf einen Blick nach dem Sohne herüber, in welchem deutlich geschrieben stand: „Nun, hörst Du es selbst, Ungläubiger? Zweifelst Du noch?"
Nein, Etienne zweifelte nicht mehr — was ist vertrauender als dte erste Liebe? Aim^e vermochte überhaupt nicht zu täuschen. Selbst daß ste im wettern Verlauf der Unterhaltung immer wieder auf die Befreiung des Bicomte zurückkam und die Nachricht, daß Etienne nicht wieder zum König berufen war, mit Bedauern empfing, brächte den Heißliebendeu nicht zu klarer Einsicht. Niemals war sie ihm so offen, vertrauend und zärtlich eut- gegengekommen, niemals hatte sie dem M^lchbruder gegenüber so sehr die Vicomteffe in den Hintergrund treten lassen. Instinktiv empfand der junge Mann, daß ste von Leidenschaft durchglüht sei, gleich ihm selbst. Da aber der heißen, letdeuschast- liehen Liebe jederzeit Eifersucht beigemtscht ist, fragte er in unwillkürlichem Mißtrauen dennoch:
„Baron von Cavignac, Ihr Vetter, Mademoiselle — wird er ihr Gatte werden? Die Leute sagen es, nur Mutter Madeleine glaubt es nicht? Hat ste Recht?"
Der Name ihres Vetters rief ein Erbleichen aus AimSes schönen Gesichte hervor, wie gewöhnlich.
Täglich ward ihr die Heirath verhaßter. Dazu war seit der letzten Begegnung mit Graf Hohen- Kein ein Muth über ste gekommen, der, da er der Liebe entsprang, alle Schüchternheit ihres Wesens überwand. Wiederholt hatte ste schon den Entschluß gefaßt gehabt, gewaltsam das Netz zu zerreißen. Dabei war naturgemäß die Sehnsucht nach dem Vater immer größer geworden. Auch jetzt gab ste ihr Raum, indem ste sagte:
„Madeleine hat Recht, ich werde Vetter Alphous niemals heirathev! Auch meinem Vater war er verhaßt."
Etienne glaubte immer klarer zu sehen. Die Cavignacs, die er seit seinen Kinderjahren haßte, wollten die Milchschwester zu einer Heirath zwinge», die ihr widerstrebte. Sie, die Schutzlose, flüchtete fich zu der Pflegerin ihrer Kindheit, zu ihm . . . Aber der Bicomte würde ste bald vertreiben. Ja der Bicomte! Warum kam er noch immer nicht? hatte der König in der Schwäche, die man ihm Schuld gab, sein Versprechen vergessen und ließ den heimlich Verhafteten vielleicht noch lange in der Basttlle schmachten? Etienne begann den König zu Haffen, da er ihn der Geliebten gegenüber wortbrüchig machte.
„Mein Vater — o, käme er jetzt!" sagte Aim6e unwillkürlich.
Das Wort traf Etienne inS Herz. Seit er erkannte, daß seine Bitte für den Bicomte im Winde verhallte, trug fich sei» beweglicher Geist mit andern Plänen für die Befreiung desselben. Seine Phantasie spiegelte ihm längst das Entzücken des?