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^trsftlhtr Klcisbiett.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageMustrirles Anterhattungsölatt"._________

Nr. 100. Donnerstag den 22. August 1889.

Amtliches.

Hersfeld, den 20. August 1889.

Die ^^n Bürgermeister und Gutsvorsteher des hiesigen Kreises mache ich hierdurch auf die im Kreisblatt Nr. 99 de 1889 zum Abdruck ge­langte Polizeiverordnung des Herrn Regierungs­Präsidenten zu Cassel vom 2. d. Mts., das Ausbrennen der nicht besteigbaren Schornsteine betreffend, mit dem Auftrage aufmerksam, für die nach §. 5 der Verordnung erforderlichen Be­kanntmachungen Sorge zu tragen.

7411. Der Königliche Landrath

Freiherr v o n S ch l e i n i tz.

Berzeichnitz

der mit der Fischerei-Aussicht im Regierungsbezirk Cassel betrauten Personen.

Kreis Hersfeld,

1. Wasserbauaufseher Ehrhardt zu, Hersfeld, j dem Kreis-

2. Uferwärter Johs. Mans zulbauinspector Friedlos, /in Hersfeld

3. Uferwärter Adolph Lotz zu> unterstellt. Lengers )

4. Privatmann Eduard Lämmerzahl zu Hers­feld (der Oberförsterei Hersfeld-Meckbach unterstellt).

5. Uhrmacher Andrse zu Hersfeld (der Ober försterei Hersfeld-Wippershain unterstellt).

* * * Wird veröffentlicht.

Hersfeld, den 19. August 1889.

77571 Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Hersfeld, den 21. August 1889.

Da am26.d.Mts.mitdenReparatur-Arbeiten an

Mit der Fluth.

Novelle von Zoe von Reuß.

, (Fortsetzung.)

Unter solchen Verhältnissen war es Aimee nur willkommen, als ihr die Baronin nach vierwöchent- licher Anwesenheit in Paris die Rückkehr nach Schloß Merville vorschlug. Paris ward auch wirklich mit jedem Tage unheimlicher. Der Gang der Verhandlungen in der Nationalversammlung zu Versailles nahm bald einen drohenden, gegen die KöuigSgcwalt gerichteten Charakter an. Der Adel und die Geistlichkeit waren unzufrieden, den dritten Stand, das Bürgerthum, an ihrer Seite zu haben, und hatten überhaupt keine Lust Opfer für das Land zu bringen. Der irdte Stand

verlangte, daß nach Köpfen abgestimmt werden sollte, und nicht nach Ständen, denn sonst Ä M°i gegen eins gewesen. Darüber war es erbittertem Streit gekommen, und eine sicherer AuSsicht ^"^""alversammlung stand in

-^°E?. obgleich nur werige Meilen von Versailles entfernt, lag in idyllischem Frieden. Im Parke bluten Flieder und Goldregen und über die gradlinigen Kieswege trieb der Frühlings- Wind spielend verstreuten Apfelblülhenschnee. AiwSe, nur von ihrem Windspiel Boncoeur begleitet, dehnte $re NfÄrgänge häufig bis zu dem anschließen­den Wäldchen aus.

Es war der herrlichste Junlmorgen, golden stieg M Dagesgestirn im Osten in die Höhe und warf

der Fuldabrücke bei Mecklar in Skat. Nr. | des Landwegs Mecklar-Meckbach begonnen werden

soll, so wird die Brücke bis zum 31. d. Mts. gesperrt werden.

7883. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

Steckbriess-Erledigung.

Der unterm 15. August 1889 gegen den Musketier Lausen 9. Compagnie erlassene Steck­brief hat sich durch Wiederergreisung des rc. Lausen erledigt.

Meiningen, den 20. August 1889.

Commando des

2. Thüringischen Infanterie-Regiments Nr. 32.

Bekanntmachung.

Die Maul- und Klauenseuche unter dem Rindvieh in hiesiger Stadt ist erloschen. Hersfeld, am 15. August 1889.

Der Bürgermeister Braun.

DieKaisersahrt nach Süddeutschland.

Der Kaiser und die Kaiserin haben am Abend des 16. August Berlin verlassen und sich zunächst nach Bayreuth begeben, wo Ihrer bei der Ankunft am Sonnabend Morgen seitens des Prinzen-Regenten von Bayern sowie der ge- sammten Bevölkerung ein außerordentlich herz­licher Empfang harrte. Der Bahnhof und die Stadt waren festlich geschmückt, die Einwohner­schaft gab ihrer Freude über den Kaiserlichen Besuch in wärmster Weise Ausdruck. Im Bankett- saale der Residenz war die Künstlerschaft des Wagnertheaters versammelt, und begrüßte die Majestäten mit einem Festgesang und dem Kaiser­

seine Strahlen durch das Blätterdick-cht der statt­lichen Bäume bis auf den Moosboden nieder. Rings in der Runde glänzte und flimmerte es in goldgrünen Lichtern. Träumend verfolgte die junge Vicomteffe ihren PMd, ihre Gedanken schienen wie so häufig nach innen gekehrt, nur wenn der vollgepuffte, schleisengeschmückte Reitrock an den Dornen der knospenden, wilden Rosen hängen blieb, kehrten sie auf Augenblicke zur Wirklichkeit zurück.

Eine reizende Waldlichtung nahm Aim4> ausi Ermüdet setzte ste sich auf eine Baumwurzel und lehnte den schönen Kops gedankenvoll an den be­moosten Stamm. Boncoeur schmiegte sich zärtlich an ihre Seite, ebenso unbeweglich als seine Herrin. Da theilte sich das Gebüsch, ein Cavalier in hoch­elegantem, hochrothem Jagdcostüm trat hervor.

Mademoiselle Sie hier? Endlich! Treffe ich Sie wirklich im Walde?" klang Graf Hohnsteins Stimme zu dem jungen Mädchen herüber.

Die Worte tönten wie immer kraftvoll und frisch, der fremde Accent schien noch mehr als bet der ersten Begegnung verwischt.

Mein Herr!" stammelte dieVicomteffe erschrocken.

O, sind Sie's wirklich? Oder ist's dieWaldlee? Vielleicht Dmna selbst?" setzte er, aus Boncoeur deutend, schwärmerisch hinzu.

Was führt Sie her?" frug Aimse erröthend. Sind Sie verirrt aus der Jagd?"

Nein Mademoiselle!" entgegnete Graf Hohn­stein und schüttelte lachend die goldenen, wallenden Lockn, auf denen kein Puderstaub haftete, ^ein

marsch unter Leitung des Karlsruher Hofkapell­meisters Mottl. Um 4 Uhr Nachmittags begaben die Majestäten sich zum Festspiel, die Kaiserin in blau und weiß, den bayrischen Landesfarben, gekleidet, der Kaiser in Gardes du Corps Uni­form. Zur Aufführung gelangten dieMeister­singer", das Spiel dauerte bis 93/4 Uhr Abends. Am Sonntag den 18. August wohnten die Majestäten dem Gottesdienste bei und besichtigten eine Anzahl Denkwürdigkeiten Bayreuths aus der brandenburgischen Zeit. Bei der Tafel brächte der Prinz-Regent das Wohl des Kaiserpaares, der Kaiser das Wohl des Prinz-Regenten und dann des Kaisers von Oesterreich aus, dessen Geburtstag auf den 18. August fällt. Nach­mittags wohnten die fürstlichen Herrschaften der Parsifal - Vorstellung bei, Abends war ganz Bayreuth glänzend illuminirt. Am Montag früh 7 Uhr besichtigte der Kaiser das in Bayreuth stehende 7. bayerische Jnfanterie-Regiment, dann folgte um 9 Uhr unter herzlichster Verabschiedung vom Prinz-Regenten die Abreise. Deputationen der Gemeindevertretung sowie zahllose Menschen­massen grüßten mit begeisterten Zurufen. In Nürnberg wurde das Kaiserpaar auf dem reich geschmückten Bahnhöfe bei kurzem Aufenthalte von einem zahlreichen Publikum und den Spitzen der Behörden gleichfalls auf das wärmste empfangen.

In Karlsruhe

erfolgte die Ankunft um 4 Uhr Nachmittags. Der Großherzog, die Großherzogin, die Prinzen Carl und Ludwig, das Staatsministerium, die Spitzen der Behörden und das Officiercorps waren zum Empfang anwesend, die Begrüßung der Majestäten mit den großherzoglichen Herr­schaften war die allerherzlichste. Nach Besich­tigung der Ehrenwache folgte der Einzug in die reichgeschmückte Stadt. Im ersten Wagen saßen der Kaifer und der Großherzog, eine Schwadron der Leibdragoner ritt vorauf. Im zweiten

Mademoiselle ich habe im Gegentheil gerade den rechten Weg gefunden! Seit zehn Tagen schon mache ich täglich diesen Weg Calypso, die ich dort angebunden habe, kennt ihn sicher ohne ReiterN

So wohnen Sie in der Nähe?"

Ich habe die hohe Ehre, augenblicklich zu« Hose der Königin zu gehören, indem ich das Glück gen'eße, mich den Gästen ihrer Majestät zuzähleu zu dürfen! Aus solche Weise bin ich eben auch der Nachbar der Vromteffe von Merville geworden ist es nicht natürlich wenn ich nach meiner schönen Nachbarin ausspähe? . . . Wahrlich ich glaube allmählich auch die verstecktesten Pfade zu kennen in den Wäldern zwischen Schloß Trianon und Schloß Merville nach meinem schönen Wllde auSschauend habe ich ste sämmtlich aufge­funden! Nur das schöne Wild selbst entging bis jetzt meinen Augen. Da vor wenig Minuten sah ich ein weißes Kltid durch's Gebüsch leuchten und folgte meinem Sterne! Er hat mich nicht getäuscht!",

Aimä: erröthete aus's neue unter dem rosen- geschmückten koketten Schäferhütchen, das auf Wunsch der Baronin Cavignae jetzt ihre Locken schmückte, und liebkoste Boncoeur wie in Verlegen­heit. Graf tzohnstetu war lange genug in Frank­reich, um sich bereits die galanten Gewohnheiten und Manieren eines jungen französischen Edel­mannes anzueignen. Graziös, aber auch mit echt männlicher, deutscher Ehrerbietung streckte er sich zu Aimäes Füßen auf den Moosboden nieder und sah zu seiner PhylliS aus. Ebenso gewandt und liebenswürdig verstand er zu plaudern, Anknüpfentz