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Htrsseldel Kreisblett.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllustrirtes Iinterhaltungsblatt".

Rr. 99.

Dtcnftag den 20. August

1889.

Amtliches.

Polizei-Beror-nung. betreffend das Aus- brennen der nicht besteigbaren Schornsteine. Auf Grund des §. 137 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (G. S. S. 195) und der §§. 6 und 12, 13 der Verordnung vom 20. September 1867 (G. S. S. 1529) wird unter Zustimmung des Bezirksaus­schusses für den Umfang des Regierungsbezirks Caffel Folgendes verordnet.

§. 1. Das Ausbrennen der nicht besteigbaren (sogenannten russischen) Schornsteine darf nur erfolgen, wenn nach pflichtmäßigem Ermessen des Schornsteinfegermeisters

1) sich in dem Schornstein Glanzruß gebildet hat, der mit den gewöhnlichen Reinigungs Mitteln nicht entfernt werden kann und

2) der Schornstein vorschriftsmäßig ausgeführt, nicht schadhaft ist und seine Reinigungs- thüren feuerfest verschlossen sind.

Jedoch darf das Ausbrenuen der Regel nach nicht mehr als ein Mal im Jahr vorgenommen werden (vergl. §. 3).

§. 2. Das Ausbrennen darf nur in den Vor­mittagsstunden, bet stiller Luft und möglichst ge- schoßweise von oben nach unten geschehen.

Von der Absicht des Ausbrennens ist dem Hausbesitzer und der Ortspolizei mindestens 24 Stunden vor der Ausführung Anzeige zu machen.

§. 3. Wider den Willen des Hausbesitzers darf das Ausbrennen nur mit schriftlicher Ge­nehmigung der Ortspolizeibehörde nach sachver­ständiger Untersuchung des Schornsteins und nur dann erfolgen, wenn das Ansammeln des Glanz­rußes sich in feuergefährlicher Weise bemerkbar macht.

Das Gleiche gilt, wenn das Ausbrennen an einem Schornstein ausnahmsweise mehr als ein M a l im Jahre vorgenommen werden soll.

Mit der Fluth.

Novelle von Zoä von Reuß.

(Fortsetzung.)

Ettenue erinnerte sich nicht, die Milchschwester jemals so bewegt gesehen zu haben. Wohl kannte er ,hre Sehnsucht nach der Befreiung des Vaters und baute darauf seinen Plan, dessen Kühnheit thu oft selbst erschreckte, der aber bereits so sehr ein Theil seiner leidenschaftlichen Natur geworden war, daß er eher gestorben wäre, als daß er thu auf- gegeben hätte. Er liebte die junge Vicomteffe mit aller Gluth seines leidenschaftlichen Jünglings- Herzens, und Mutter Madeleine daheim hatte in Verblendung und völliger Unkenutntß der Welt diese Flammen sogar noch genährt. Die ländliche Einfachheit, tu der AimSe groß geworden war, ihre Einsamkeit und Verlassenheit, und die kindliche Zuneigung, die die mutterlose Kleine ihrer Pflegerin & war ausreichend geeignet, um Madeleine über die Verhältnisse hinwegzutäuschen. Ettenne besaß wenig mehr von der Naivetät der Mutter, aber er fühlte sich im Vollbesitz einer Bildung, die weit über die Bildung der Grafen und Barone htuauSragte, welche den gewöhnlichen Verkehr der Merville S bildete». Dazu kannte er die philosophi- scheu Anschauungen des Vicomte, der ohne äußerlich mit den traditionellen, gesellschaftlichen Au- schauuugeu seines Standes zu brechen, sich doch den Rousseau'schen Principien zunetgte. Von vorn- herein hatte der Vicomte in dem ungewöhnlich be­

§. 4 Der Schornsteinfegermeister hat bei dem Ausbrennen von Anfang bis zu Ende persönlich zugegen zu sein, seine Gehülfen mit Vorsicht an- zustellen und sofort nach dem Ausbrennen die Reinigung des Schornsteins zu veranlassen.

§ 5. Während des Ausbrennens ist an einer nach Außen sichtbaren Stelle des Gebäudes ein Signal, bestehend aus einer Stange mit einem rothen Fähnchen, dessen Bedeutung die Ortspoli­zeibehörde ein für alle Mal bekannt zu machen hat, anzubringen.

§. 6. Schornsteinfegermeister, welche den vor­stehenden Bestimmungen zuwider handeln, werden mit Geldstrafen bis sechszig Mark bestraft.

Caffel, den 2. August 1889.

Der Negterungs-Präsident.

I. V: Schwarzenberg.

Hersfeld, den 16. August 1889.

Seit einer Reihe von Jahren ist die Reichs Postverwaltung in dankenswerther Weise bemüht gewesen, die Telegraphenanstalten in solchen .Ortschaften, welche bei Guers- und Wassergefahr oder sonstigen Unfällen auf die Mithilfe benach­barter Orte angewiesen sind, mit besonderen Weckvorrichtungen zu versehen, welche sofortige Meldungen nach auswärts auch außerhalb der Telegraphendienststunden und namentlich während der Nacht ermöglichen. Soweit bei den betreffen­den Kaiserlichen Telegraphenanstalten nicht be­reits Weckoorrtchtungen zu Telegraphenbetriebs­zwecken vorhanden sind, werden solche Vorrich­tungen zum Zweck der Unfallmeldungen auf dtessallige Seitens der bethetltgten Gemeinden bei den betreffenden Ober-Postdirectionen zu stellende Anträge alsbald zur Ausführung ge­bracht, wenn die in Frage kommenden Commu- naiverbände sich zur Uebernahme der für jede Unfallmeldestelle auf rund 50 Mk. zu veran­schlagenden Anschaffungskosten bereit finden.

Indem ich die betreffenden Herren Ortsvor-

gabten Milchbruder seines TöchterchenS den ge­eigneten Gegenstand gesehen zur Probe auf das Rousseau'schen Exempel. Bei der plötzlichen Ver­haftung des Vicomte, die der Angelegenheit eine andere, für den talentvollen Schüler des cur6 niederschmetternde Wendung gab, war dieser aber bereits reif und selbstständig genug, um sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Er fügte sich augenblicklich der Nothwendigkeit und den Thränen seiner Mutter, aber er war keineswegs gewillt für immer einem Leben zu entsagen, für welches er die vollste Befähigung in sich trug. Er war jung, leidenschaftlich, kraftvoll, dazu begann die Zeit täglich mehr mit mächtiger Hand au allen gesellschaftlichen Verhälnissen zu rütteln wenn es noch eine Weile so weiter ging, mußten die Standesunterschiede und Vorurtheile bald wie Spreu zerstieben! Wahrlich es wäre unter solchen Um­ständen Thorheit und Feigheit gewesen, seiner Liebe zu der Milchschwester zu entsagen! Wenn ihm nur Atm^e's Liebe erhalten blieb: das andere ließ sich der Zeit anheimgeben. Auch schienen ihm ja Glück und Liebe gleichermaßen freundlich gesinnt, indem sie ihm so wunderbar den Weg zum König ge­ebnet hatten, um dort für die Befreiung des Vicomte zu wirken. Und damit war unter den eigenthüm­lichen Verhältnissen der erste Schritt zu Aims.'s Liebe und Besitz gegeben. Darum wiederholte er auch den Sinn ihrer Worte, allerdings ohne ihre schwärmerische Verzückung ganz zu begreifen:

,3a, theuere Atmse, wir dürfe» hoffe».

stände des Kreises hierauf aufmerksam mache, veranlasse ich zugleich diejenigen, welche an einer derartigen Einrichtung für die Gemeinde Interesse zu haben glauben, bezüglich der Bewilligung der Anschaffungskosten einen Beschluß der Gemeinde­behörde herbeizuführen und solchen bis zum 15. September d. I. zur weiteren Veranlassung mir einzureichen.

A. 785. Der Königliche Landrath

Freiherr von S ch l e i n i tz.

Hersfeld, den 19. August 1889.

Diejenigen Herren Ortsvorstände des hiesigen Kreises, welche mit der Erledigung meiner Ver­fügung vom 8. Januar 1886 Nr. 60 (Kretsblatt Nr. 6), die Einreichung der Nachweisung über die im II. Quartal April, Mai. Juni cr. zur Zwangsvollstreckung überwiesenen Rückstände an directen Communal-, Kreis- und Provinzial- steuern betreffend, noch im Rückstände sind, werden hieran mit F r i st bis zum 30. d. Mts. bei Meidung von 3 Mk. Strafe erinnert.

7805. Der Königliche Landratb _______ Freiherr von Schlei«i tz.

Hersfeld, den 19. August 1889.

Der am 11. März 1831 zu Unterhaun gebo­rene Ackermann Adam Gilbert hat um Er- theilung eines Reisepasses behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

7804. Der Königliche Landrath

Freiherr von Schleinitz.

# Die französischen Steuern von 1789-1889.

Es sind jetzt hundert Jahre verflossen, seitdem das französische Volk die bestehende Staatsord­nung umwälzte und mit der großen Revolution sich von dem Steuerdruck, den Steuerungletch- heiten u. f. w. befreien zu können glaubte. Nicht die Ideen der Freiheit und Brüderlichkeit waren

»Sahen Sie auch die Königin?*

»Nein, Mademoiselle!"

»Aber Sie hoffen, daß sie der Fürsprache des Königs nachgeben wird?"

»Zuversichtlich!"

»Ich habe Ihnen auch Grüße zu bringen von Madeleine, sie ist wohlauf tu ihrem grünen Park­häuschen," versuchte sie jetzt den Milchbruder durch entsprechende gute Nachricht zu belohnen. »Nur wird e8 ihr einsam werden, sie hatte sich schon wieder an ihr Pflegetöchterchen gewöhnt. Arme Madeleine, es wird ihr wenig helfen sie wird mich bald wieder entbehren lernen müssen," setzte sie wie im Selbstgespräch hinzu.

Da nach dem Willen der Baronin Cavignac Airuses Verbindung mit Baron Alphons noch Ge­heimniß geblieben und nur wenig Eingeweihten bekannt geworden war, verstand Ettenne nicht voll­ständig den Sinn ihrer Worte. Aber seine Leiden­schaft ließ ihn instinktiv die Bedeutung Derselben ahnen.

»Sie wollen Schloß Merville verlassen, Made­molselle?" frug er aufmerksam; »bald? auf immer? O, mein Gott! ... Nein es ist unmöglich!"

Ami^e schien erschrocken über die Wirkung ihrer Worte und überlegte einen Augenblick, ob sie den Jugendfreund in die Pläne der Baronin Cavignac einweihen solle. Seit sich ihr durch Etieone's An­näherung an Den König ein anderer Weg zur Er- reichung ihres Zieles gezeigt hatte, »ud besonders