Einzelbild herunterladen
 

Erscheint wöchentlich drei Mal Dienstag, Donnerstag und Sonnadend, «bonnementlprei«: vierteljährlich 1 Mark 40 Pfg. exel.

Postausschlag,

Die Jnsertionggedühren betragen für den Raum einer Spaltzeile 10 Psg., im amtlichen Theile 15 Pfg. Reklamen die Zeile 20 Pfg. Bet größeren «uftrSgen entsprechender Rabatt.

Hersselder Kreisbilitt.

Mit wöchentlicher Kratis-AeilageIllußrirtrs Ilnterhaltuugsblatt".

Nr. 98.

Sonnabend den 17. Angnst

1889.

Amtliches.

Meiningen, den 15. August 1889.

Steckbrief.

Der im nachfolgenden Signalement näher be- zeichnete Musketier Asmus Jürgen Lausen der 9. Compagnie 2. Thüringischen Infanterie- Regiments Dir. 32 hat sich am 11. August 1889 ohne Urlaub aus der Garnison Hersfeld entfernt und ist der Fahnenflucht dringend verdächtig.

Alle resp. Militär- und Civilbehörden werden deshalb dienstergebenst ersucht, nach dem rc. Lausen zu recherchiren, ihn betreffenden Falls S»nehmen und an die nächste Militär-Behörde, tfs Weitertransports nach Hersfeld abliefern lassen zu wollen.

Signalement: Geburtsort und Kreis: Sterupgard Kreis Flensburg, Religion: evange­lisch, Alter: 21 Jahre, Profession: Musiker, Größe: 1,73 m, Haare: dunkelblond, Stirn: hoch, Augenbrauen: blond, Augen: dunkel, Nase: groß, Mund: klein, dicke Lippen, Bart: Anflug zum Schnurrbart, Zähne vollständig, Kinn: spitz, Gesichtsbildung: länglich, Gestalt: schlank, Sprache: deutsch, schleswtg'sches Dialekt. Be­sondere Kennzeichen: keine.

Bekleidung: 1 Waffenrock IV. Garnitur, 1 Tuchhose IV. Garnitur, 1 Halsbinde IV. Gar­nitur, 1 Schirmmütze, 1 Unterhose, 1 Hemd, 1 Paar Langstiefel, 1 Leibriemen mit Schloß, 1 Säbeltrobdel, 1 Seitengewehr M. 71/84. Nr. 18.

2. Thüringisches Infanterie-Regiment Nr. 32.

Gefunden: Ein Halstuch und ein Spazierstock. Meldung der Eigenthümer bei dem Ortsvorstand zu Lautenhausen.

(Unbefugter Nachdruck verboten,

Mit der Fluth.

Novelle von Zoe von Reuß.

(Fortsetzung.)

Marie Antoinette schien der Bitte gegenüber nicht unzugänglich. Sie war tbnr Natur nach gütig und wohlwollend, biS ihre Leidenschaften m's Spiel kamen dann fretlttb fand sich die angeborene Herzeusgüte von ihrer Herrschsucht, Eitelkeit uno Genußsucht schnell in den Hinter­grund gedrängt. Uederbies hatte' sie in der ver­gangenen Zeit durch den Halsbandproceß Schlimmeres überwinden gelernt das Pamphlet des Bicomte war dagegen wirklich nur eine Baga­telle, wie sie Dem Könige vorhin gesagt hatte. Sie überlegte einen Augenblick, aber der Ausdruck ihres schönen Antlitzes war freundlich und herzgewinnend, es kam ihr sichtlich auch darauf an, sich dem Könige gegenüber liebenswürdig zu zeigen.

.Ich lege die Sache des Bicomte in Ihre Hände, Madame," begann Ludwig wieder,aber ich empfehle ihn Ihrer Gnade l"

.Die Fürsprache Ew. Majestät ist mir Befehl!" sagte Wiarie Antoinette, nun entgegenkommend, wenn auch mit sichtbarer Ueberwindung.

.Da Ihre liebende Fürsorge und der Diensteiser meines Ministers die Angelegenheit meiner eigenen Beschlußnahme entzogen hat, möchte ich derselben fern bleiben wenigstens im Hintergründe. Freilich setze ich dabei voraus, daß der Bicomte südlich seine Freiheit zurückerhält. Fallsdie Ge»

Durch die am 2. d. M. vorgenommene Verloosung sind folgende Seitens des Inhabers unkündbare 3'/2 prozentige (rosa) Schuldverschreibungen der Landeskreditkasse, Abtheilung VIII. C. zur Rückzahlung bestimmt. Der zwischen je zwei Zahlen befindliche Strich bedeutet:bis einschließlich".

Serie 14.

Lit. A. ju 3000 Mark:

Nr. 276-280 416-420 876-880 891-895 1301-1305 1421-1425 1721-1725 1771-1775 1971 2386-2390 2501-2505 2576-2580 2611-2615 2851-2855 2941-2945 2971-2975 3096-3100 3346-3350.

Lit. B. zu 1500 Mark:

Nr. 261-270 341 343 344 531-540 971-980 1041-1050 1141-1144 1146-1150 1701-1710 1711-1720 1791-1800 1891-1900 3351-3360 3761-3770 3881-3890 4351-4360 5015-5020 5461-5470 5791-5800 6061-6070 6611-6620 7211-7220 7291-7300 7341-7350 7431-7440 7981-7990 8521-8530 8561-8570 9021-9030 9691-9700 9801-9810 10021-10030 10091-10100 10211-10220 10451-10460 10501-10510 10691 10700 10741-10750 12481-12490 13041-13050 13181-13190 13681-13690 14181-14190 15601-15610 16351-16360 16581-16590 16681-16690 16921-16930 18491-18500 18971-18980 19111-19120 19201-19210

Lit. C. zu 600 Mark:

Nr. 981-1000 2441-2460 302s 3^40 3721-3740 5181- 5200 5961-5980 6101-6120 8901-8920 9461-9480 9561-9580 11901-11920 12021-12040 12941-12960 13441-13460 14821-14840 15481-15500 16141-16160 16601-16618 19821-19840 21341-21360 21581-21600 21621-21640 22121-22140 22321-22340 24301-24320 24401-24420 25141-25160 25721-25740 26361-26380 26681-26700 27021-27040 27201-27220 28561-28580 29901-29920 30621-30640 31821-31840 32121-32140 32901-32920 33021-33040 33381 33383 33541-33560 34521-34540 34941-34960 35861-35880 36421-36440 36621-36640 36721-36740 37281-37300 37501-37520 38081-38100 38101 38120 38521-38540 39221-39240 40561-40580

Lit. D. zu 300 Mark:

Nr 401=420 1801=1820 2261=2280 3381=3388 3390= 3400 3741=3745 3752=3755 3759 3760 5701=5720 8101= 8120 8561=8580 10381=10400 10901=10920 10981=11000 11141=11160 11181=11200 12141=12160 13881=13900 14901=14920 16101=16120 16361=16380 16661=16680 17021=17040 17121=17140 17641=17660 17721=17740 19541=19560 19961=19980 20281=20284 20287=20300

rechtigkeit dies nicht erlaubt mag die Gnade walten! Die Haft in der Bastille mag als aus- reichende Strafe gelten. Darf ich die Zustcherung Ihrer Gnade für den Bicomte mit mir nehmen, wenn ich Sie nothgedrungen jetzt verlasse, Madame8 Die Regierungsgeschäfte dulden keinen Amschub."

Die Königin war augenscheinlich mit der Wendung der Sache sehr zufrieden. Sie hatte größere Un­annehmlichkeiten gefürchtet, der Verkehr mit dem königlichen Gatten fing an, zuweilen recht schwierig zu werden. Nicht nur den königlichen Prinzen gegenüber, auch gegen Marie Antoinette zeigte sich Ludwig gegenwärtig oft voll unerwarteter Strenge. Sie war klug genug, keine Schwierigkeiten zu machen, und sagte mit Anmuth:

.Ich kaun nur wiederholen, daß der Bicomte von Merville durch die Fürsprache Ew. Majestät meiner Verzeihung gewiß ist! ES handelt sich nur noch um eine paffende Veranlassung mau muß ihm Gelegenheit geben, meine Gnade anzurusen.

.Dieser Umstand wird keine großen Schwierig­keiten bereiten," meinte der König nachstnncnd. .Auch wünsche ich keine Verzögerung der Sache. Ich gebe Ihnen zu bedenken, daß die Unzusrtedeneu mit Leichtigkeit Kapital schlagen werden aus der geheimen Verhaftung des Bicomte. Darum lassen Sie bald Ihre Gnade walten, Madame!"

.Seien Sie unbesorgt, Sire die Gelegenheit wird schnell gesunden sein durch einen Zusall," überlegte die Königin. .die Marquise Brach, die augenblicklich meine Oberhosmeisterin vertritt, be­richtete mir von der bevorstehende» Verbindung der

21701=21720 22281=22300 22501=22520 22601=22620 22981=23000 24421=24440 24601=24620 25301=25320 26761=26780 27681=27700 28161=28180 29341=29360 29961=29980 30581=30600 30981=31000 31501=31520 31661=31680 32081=32100 32481=32500 32561=32580 33061=33080 33381=33400 34401=34420 35001=35020 36201=36220 37501=37520 38741=38760 39101=39120 39201=39217 40521=40540 40901=40920 41561=41580 41641=41660 42221=42240 43441=43460 45181=45200 47241=47260.

Die Landeskreditkasse wird dieselbe bis auf Weiteres schon vor dem 1. März k. I. zum Nennwerthe mit Zinsen bis zum Zahlungstage auszahlen. Den Inhabern derjenigen Schuldverschreibungen, deren Einlösung erst nach Ablauf eines Vierteljahres vom Fälligkeitstage an erfolgt, wird eine mit dem letzteren beginnende Zinsenvergütung von zwei Prozent jährlich bis zum Tage der Einlösung gewährt.

Cassel, den 6. August 1889,

Die Direction der Landeskreditkasse.

Aolitische Nachrichten.

(Deutschland.) Die große Herbst­parade desGardecorps hat am Dienstag Vormittag vor Dein Kaiser von Oesterreich statt- gefunden. Es haben daran sämmtliche in Berlin Spandau, Lichterfelde und Potsdam stehende Truppentheile des Gardecorps, die Hauptkadetten­anstalt, die Lehrabtheilungen der Artillerie u. s. w. theilgenommen. Unser Kaiser begab sich am Morgen bald nach 8 Uhr vom Schlosse zu Pferde auf das Tempelhofer Feld, um daselbst den Kaiser von Oesterreich zu erwarten und an der Spitze des Gardecorps zu begrüßen. Es fand ein zweimaliger Vorbeimarsch statt. Ihre Majestät die Kaiserin und die Königlichen Prin­zessinnen wohnten der Parade gleichsfalls bei, nach deren Beendigung beide Kaiser sich in einem vierspännigen Wagen in das Schloß zurückbe- gaben, und von einer unzähligen Menschenmasse, welche vom Tempelhofer Felde bis zum Schloß die Straßen, die Fenster und die Balkons besetzt hielt, mit großem Jubel begrüßt wurden. Kaiser

Vicomtefse von Merville mit ihrem Vetter, dem Baron Cavignac. Die Cavignac's gehören dem besten Adel an und sind von unerschütterlicher Loyalität. Ich werde nicht umhin können, die junge Baronin nach ihrer Vermählung zu empfangen, ja es wird mir Freude machen, besondere Freude.. Es bleibt der Tochter überlassen, sür den Vater zu bitten!"

Der König, der die Beweglichkeit von Marie Antoinettes Geist kannte und bet der eigenen, oft bitter empfundenen Schwerfälligkeit doppelt zu schätzen verstand, schien vollständig befriedigt. Die Sache hatte sich gut erledigt. Voll Anerkennung und Bewunderung ergriff er die blüthenweiße Hand der Königin, die aus dem gelblichen Spitzenbesatz des Morgenkleides förmlich hervorleuchtete, und drückte einen zärtlichen Kuß auf die schlanken, schön geformten Fingerspitzen. Dann stand er auf, etwas langsam und schwerfällig, und empfing Die ceremonielle, aber anmuthige Verbeugung der gleich­falls sich erhebenden Königin und schritt würdevoll der Thür zu.

Nach seinem Weggehen ergriff Marie Antoinette eine kleine, goldene Glocke, deren Heller aber diSkreter Ton alsbald die dienstthuende Kammer­frau, Madame Manche, herbeirief. Sie fand stch etwas echausstrt von der Begegnung mit dem Gemahl und verlangte nach einer erfrischenden Essenz. Die Stimmung schien aber durch deren Gebrauch sich kaum zu verbessern, wenigstens fand die lviedereintretende Schauspielerin, WdeMisells